Aber zurück zur Steinlaus. Im Jahr 1983 präsentierte sie der Satirobiologe Bernhard-Victor Klemens Maria Hoffbauer Pius Christoph Carl Grzimek von Bülow erstmals der Weltöffentlichkeit im Fernsehen.

Ende der neunziger Jahre galt sie bereits als ausgestorben, nachdem ihr größter heimischer Lebensraum von skrupellosen Mauerspechten häppchenweise zerstört worden war. Damals strich die Pschyrembel-Redaktion sogar den Lexikon-Eintrag. Seit ihrer Wiederentdeckung in einer bayerischen Klinik im Jahr 1996 steht Petrophaga lorioti aber wieder drin.

Welch große Rolle das scheue Nagetier für den Erhalt einer ganzen Tiergruppe spielt, die Satirobiologen als Nihilismata zusammenfassen, und zu der das Nasobēm ( Nasobema lyricum ) genauso zählt, wie die Steuerzecke ( Ixodes fiscalis ) , wird erst heute, nach gut 30 Jahren Steinlaus-Evolution deutlich: Petrophaga lorioti , die als Schlüsselart in ihrer Lebensgemeinschaft gilt, kann sich in der Literatur kaum noch auf natürlichem Wege vermehren. Entsprechend selten sind die anderen Nihilismata geworden.

Doch so bedroht die Steinlaus auch sein mag, in den Köpfen der Menschen ist sie unsterblich. Genau wie ihr Entdecker Vicco von Bülow, der heute vor einem Jahr verstarb . Die letzte Folge unserer Serie Das unterschätzte Tier , die ein gutes Jahr lang viele Leser erfreut ( Anm. der Red.: Bitte unbedingt auf diesen Link klicken!) und wenige empört hat, widmen wir Loriot , dem geistigen Vater eines jeden, der unterschätzte Tiere mag.