FukushimaJapans Atomreaktoren werden niemals sicher sein

Schlicht mehr Sicherheitsauflagen sind nach dem GAU nötig, suggeriert ein neuer Fukushima-Report. Atomkraft infrage zu stellen, wagen die Autoren nicht. Ein Kommentar von Sven Stockrahm von 

Arbeiter des AKW-Betreibers Tepco und Journalisten besichtigen im Mai 2012 das Gelände der havarierten Atomanlage Fukushima-Daiichi.

Arbeiter des AKW-Betreibers Tepco und Journalisten besichtigen im Mai 2012 das Gelände der havarierten Atomanlage Fukushima-Daiichi.  |  © Tomohiro Ohsumi/AFP/Getty images

Ganz gleich, wie weit der technische Fortschritt auch reichen mag: Die Kernspaltung bleibt unbeherrschbar. Das könnte die Erkenntnis aus mehr als fünf Jahrzehnten Kernenergie sein, zählt man alle Störfälle, Beinahe-Unfälle sowie Tschernobyl und Fukushima zusammen. Doch wer die Abschlussberichte der unabhängigen Gremien liest, die im Auftrag der japanischen Regierung das nukleare Desaster im eigenen Land untersuchten, stellt fest: Der verlässlichste Auslöser von Katastrophen ist der Mensch, nicht die Technik. So hätte es auch die Atomlobby gerne.

"Wir werden alle denkbaren Maßnahmen ergreifen, um erneute Katastrophen zu verhindern", sagte Japans Premierminister Yoshihiko Noda am Montag, als er den finalen Report des Untersuchungskomitees zum Unfall an Fukushimas Atomanlagen (ICANPS) entgegennahm. Dabei schwang mit, dass sich auch in Zukunft der Strom des Inselstaats aus strahlenden Brennstäben ziehen lässt: Die Atomkraft ist sicher, solange der Mensch sie nur richtig bedient.

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Passend dazu fiel schon das Ergebnis eines Fukushima-Berichts vor zwei Wochen aus. Hier konstatierten die Autoren: "Der Unfall war eindeutig von Menschenhand verursacht". Und auch jetzt heißt es in dem neuen Report: Der AKW-Betreiber Tepco habe schlicht entschieden, ein Ereignis mit vermutlich drei geschmolzenen Reaktorkernen nicht in seine Annahmen einzubeziehen. Man habe sich auf einen "haltlosen Sicherheitsmythos" verlassen.

Detailreich schildern beide Berichte die Versäumnisse, die in den nuklearen Katastrophenfall mündeten. Zu Recht rügen sie hier Ministerien, Aufsichtsbehörden, die Stromkonzerne und das Krisenmanagement der Regierung, mehr oder weniger deutlich. Die Autoren des ersten Berichts schreiben sogar von Kungelei zwischen Kontrollinstanzen und Atomlobby, um die Sicherheitsstandards auf ein Minimum zu beschränken. Das wagen die Urheber der neuen Untersuchung nicht.

Japans Katastrophe
Tage am Abgrund nach Beben, Tsunami und GAU
11. März 2011, 14.46 Uhr
Satellitenbild von Japan

Satellitenbild von Japan  |  © Nasa/Goddard/SeaWiFS/ORBIMAGE

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert rund sechs Minuten das Land mit einer Stärke von 9,0. Das Epizentrum liegt rund 130 Kilometer vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu. Die Auswirkungen sind dramatisch: Auf dem Meeresgrund reißt die Erdkruste auf 400 Kilometern Länge, Teile der Küste verlagern sich ruckartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

11. März 2011, ca. 15.40 Uhr
Zerstörung in der Stadt Natori

Zerstörung in der Stadt Natori  |  © STR/AFP/Getty Images

Ein Tsunami rast mit 800 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu. Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter. Kilometerweit dringen die Wassermassen landeinwärts. Mehr als 18.000 Menschen sterben. Ganze Städte werden ausgelöscht. Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Dieselgeneratoren überspült.

11. März 2011, 16.30 bis 20.30 Uhr
Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Das AKW Fukushima am 12. März 2011  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Wasserkühlung zweier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima-Daiichi ist ausgefallen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagt, die Lage in den 54 Reaktoren des Landes sei stabil, weil sie sofort nach dem Beben automatisch heruntergefahren wurden. Um 20.30 Uhr muss die Regierung dann für Fukushima-Daiichi den atomaren Notfall verkünden. Etwa 2.000 Bewohner in der Umgebung werden aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen.

12. März 2011, morgens
Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.  |  © STR/AFP/Getty Images.jpg

Nach Strahlenmessungen am Kernkraftwerk wird die Evakuierungszone vergrößert. Mindestens 60.000 Personen sind auf der Flucht. Ministerpräsident Kan fliegt im Hubschrauber nach Fukushima, um sich ein Bild der Lage zu machen. Im AKW lassen Ingenieure Dampf durch die Notventile ab, um den Druck in den Reaktorbehältern zu senken. Inzwischen kocht das Wasser in den Notkühlbecken.

12. März 2011, 15.36 Uhr
Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.  |  © Park Ji-Hwan/AFP/Getty Images

In Fukushima-Daiichi entzündet sich Wasserstoff und zerfetzt die Außenhülle von Reaktor 1. Ohne Strom für die Pumpen, die den Kühlkreislauf antreiben, waren Temperatur und Druck zu stark angestiegen. Trotz Abschaltung des Blocks begannen so die Brennstäbe zu glühen, Wasser verdampfte und Wasserstoffgas bildete sich, während der Reaktorkern schmolz. Japan und die Welt fürchten die atomare Apokalypse.

13. März 2011
Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.  |  © JIJI PRESS/AFP/Getty Images

In der Nähe des von Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi wird eine vierhundertfach erhöhte Radioaktivität gemessen. Ministerpräsident Kan räumt erstmals ein, dass eine Kernschmelze möglich sei. Simulationen und Messdaten von außen bestätigen die Schmelze in den Wochen nach der Havarie. Heute ist die Ruine, die von Block 1 übrig ist, luftdicht in Plastik eingehüllt.

14. März 2011
Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.  |  © Paula Bronstein/Getty Images

Allein in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans werden 2.000 Tote gefunden. 390.000 Menschen sind auf der Flucht aus dem Tsunami-Katastrophengebiet, mehr als 1.400 Notlager werden eingerichtet. Inzwischen gibt es an vielen Orten kein Heizöl mehr, die Menschen frieren. Rund 400.000 Häuser sind zerstört weitere Huntertausende Gebäude beschädigt, Straßen, Zugstrecken und ganze Landstriche unpassierbar.

14. März 2011
Fallout nahe der Küste

Fallout nahe der Küste  |  © ZEIT-Grafik

Obwohl die AKW-Arbeiter die Reaktoren verzweifelt mit Meerwasser kühlen, gibt es eine weitere Wasserstoffexplosion, im Reaktor 3 von Fukushima-Daiichi. Radioaktives Material dringt nach draußen, der Großteil wird in den kommenden Tagen auf den Pazifik geweht. Doch ein Teil verbreitet sich auch über dem Festland. Die Abbildung zeigt, wo sich langlebiges Cäsium konzentriert hat (rot steht für die höchsten Strahlenwerte).

15. März 2011
Strahlenuntersuchung

Strahlenuntersuchung  |  © Issei Kato/AFP/Getty Images

Eine dritte und vierte Explosion ereignen sich in Fukushima. Das Gebäude von Reaktor 2 bleibt intakt, Wasserstoff aus Block 3 sprengt das Dach von Reaktor 4. Von vorher 800 Arbeitern bleiben etwa 40 im stockfinsteren Kraftwerk. Vergeblich hatten sie versucht, weitere Detonationen zu verhindern. Das Unglück wird als nukleares Ereignis der Stufe 6 bewertet. Einen Monat später erhält es wie Tschernobyl die Höchststufe 7: GAU.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

In einem der sechs Reaktorblöcke ereignete sich offenbar eine komplette Kernschmelze, in zwei weiteren verflüssigten sich die Brennstäbe wohl mindestens zur Hälfte. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Eine Stadt in Trümmern

Eine Stadt in Trümmern  |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

Die Strahlenbelastung der Menschen war weit geringer als für die Bewohner von Tschernobyl. Das Strahlenschutz-Komitee der UN schätzt, dass die Zunahme der Krebsfälle nicht messbar sein wird. Das liegt vor allem daran, dass kaum radioaktives Jod von Menschen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen worden ist. Der Tsunami hingegen tötete mehr als 18.000 Menschen. Bis heute wohnen Überlebende in provisorischen Wohnungscontainern.

Die Einschätzung beider Berichte liest sich indes ganz ähnlich. Hätte man nur mehr kontrolliert und reguliert, wären Reaktoren vor Jahren schon verstärkt und aufgerüstet worden. Hätte man Techniker und Arbeiter nur besser geschult, hätte die Regierung nur entschlossener in der Krise gehandelt  – ja dann wäre schon nichts passiert.

Hätte, wäre, wenn. Das klingt nach einer vermeidbaren Katastrophe, nach einem Unglück, das vorhersehbar war. Dies ist das Bild, dass sich vermutlich auch Premierminister Noda wünscht. Sein Volk soll weiter an das Versprechen der sicheren Atomkraft glauben, das die Atomlobby über Jahrzehnte aufgebaut hat. Garniert hat sie es mit bunten Werbeanzeigen und hohen Geldsummen, die strukturschwache Regionen aufpäppelten. Und es landete sogar in Schulbüchern, wo die Gefahren der Kernenergie nur am Rande thematisiert wurden.

Sven Stockrahm
Sven Stockrahm

Sven Stockrahm ist Redakteur im Ressort Wissen bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Der Wirtschaftsfaktor Atomkraft ist nicht zu unterschätzen, gerade erst hat die Regierung durchgedrückt, dass das Kernkraftwerk Oi seine Reaktoren wieder anfährt . Die beiden einzigen von 50 im ganzen Land, die nun wieder Strom produzieren. Auch die noch nie dagewesene Zahl an Atomkraftgegnern , die sich in Tokio und vor der Anlage scharrten, konnten dies nicht verhindern. Zu groß war letztlich der Druck auch von Japans Weltkonzernen, die sehr unter den Stromsparmaßnahmen der vergangenen Monate litten.

Was fehlt, ist eine Ausstiegsstrategie aus der Atomkraft. Denn wie soll mehr Sicherheit für Reaktoren aussehen, die zuhauf auf unsicherem Grund und noch dazu an der Küste stehen? Vor Japan taucht die pazifische Erdplatte unter die eurasische. Verhaken sich beide, können Megabeben wie das vom 11. März 2011 entstehen, die niemand vorhersagen kann – weder ihre Stärke noch ihren Zeitpunkt. Seebeben schicken in den allermeisten Fällen Tsunamis auf ihre zerstörerische Reise. Die Schutzwälle vor den Atomanlagen am Meer können nie hoch genug sein.

Ob die Japaner sich künftig mit neuen Sicherheitsversprechen zufrieden geben, vermag niemand vorherzusehen. Es stimmt vielleicht sogar, dass sie Fukushima allein der Arroganz und Nachlässigkeit der Verantwortlichen zu verdanken haben. Doch scheint vielen allmählich zu dämmern, dass das grundsätzliche Problem damit nicht zu bewältigen ist: Wo der Mensch mit Atomkraft hantiert, passieren Fehler. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Fehler die schlimmsten Katastrophenszenarien Realität werden lassen. Das sind die Lehren der Vergangenheit.

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Leserkommentare
    • tobmat
    • 24. Juli 2012 11:43 Uhr

    "Sehr schöne Statistik auf der Wikipedia Seite. Nur: sie betrachtet den Normalbetrieb."

    Wenn ich die Originalstudie richtig lese betrachtet sie nicht nur den Normalbetrieb sondern auch die Unfälle und dabei auch die Toten durch Krebserkrankungen. Falls sie Zugang zu den Originalquellen der Studie haben und eine Replik dazu verlinken können würde ich mich freuen.
    Ich hätte also gerne einen Nachweis für ihre folgende Aussage:
    "Wenn man die bisherigen Unfälle dazurechnet wird das Ergebnis ganz anders aussehen. Und wenn man dann noch den Abbau des Brennstoffs hinzuzieht noch einmal."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 24. Juli 2012 12:51 Uhr

    "Wenn ich die Originalstudie richtig lese betrachtet sie nicht nur den Normalbetrieb sondern auch die Unfälle und dabei auch die Toten durch Krebserkrankungen."

    Die Studie scheint tatsächlich nur die europäische Union zu betrachten. Die letzten schweren Unfälle mit Kernkraft haben sich aber nicht in der EU ereignet. Es bleibt also zu diskutieren, ob Kernkraft in der EU besonders sicher ist oder wir hier bloß einen nicht-repräsenativen Ausschnitt aller Erfahrungen mit der Kernkraft betrachten.

  1. 50. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/kvk

    Antwort auf "........."
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    • tobmat
    • 24. Juli 2012 13:17 Uhr

    Das ist Blödsinn! Natürlich werden auch Schadstoffe abgebaut, verdünnen sich oder bilden schwer lösliche Präzipitate.

    "Was chemische Unternehmen machen, das interessiert ganz viele Menschen - nur um verquer argumentieren zu können, behaupten Sie einfach das Gegenteil!"

    Man versucht also die chemische Industrie abzuschaffen wie man es bei der Kernenergie versucht? Das wäre mir jetzt neu.
    Auch die Sicherheitsvorschriften für chemische Anlagen sind bis heute ein Witz im Vergleich zu KKW´s. Die Auswirkungen können aber leicht ähnlich schwer sein wie bei KKW´s.

    "Das ist Blödsinn! Natürlich werden auch Schadstoffe abgebaut, verdünnen sich oder bilden schwer lösliche Präzipitate."
    Bis auf die Schadstoffe, für die es inzwischen mehrere Endlager in Deutschland gibt. An der Stelle wird die Frage Endlager nämlich in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht diskutiert. Und es handelt sich um echte endlager. Von selber verlieren die dort gelagerten Stoffe ihre Toxizität nicht.

  2. Fakt ist, dass geschlampt wurde. Fakt ist auch, dass es immer Faktoren gibt und geben wird, die außerhalb der Planung und Vorstellbarkeit liegen.

    Das trifft sowohl auf das menschliche Verhalten, wie auch auf die Einflüsse durch die Natur zu. Denn Fakt ist, dass Menschen sich nicht immer an das Regelwerk halten, das vorgegeben wird. Gerade wenn Ingenieure oder Informatiker das Werk abgeliefert haben, können sich die Ergebnisse in der Praxis als unpraktikabel heraus stellen. Unabwägbare Risiken (die die Bevölkerung nicht mehr bereit ist zu tragen!) liegen immer dort, wo sich der Mensch streng an Regeln halten soll, die in der Realität aber aktuellen makro- und mikro-politischen Gegebenheiten zuwider laufen, als es in den Best- und Good Practices niedergeschrieben wird.

    Papier ist geduldig! Wenn man am runden Tisch irgendwann fest hält, wie das richtige Vorgehen zu sein hat und sich in der Praxis nach 15 Jahren andere Gesamtumstände ergeben, die auch nur Teilen widersprechen, dann handeln Menschen einfach anders. Und RELAITÄT ist, dass Gruppendynamik dazu führt, dass auch große Gruppen intelligenter Menschen sich vollkommen irreal verhalten können, um dennoch innerhalb widersprüchlicher Regeln zu "funktionieren". Dafür steht doch Japan gerade sinnbildlich: Das Risiko durch normales, soziales Verhalten im Umgang mit Widersprüchen straft die üblichen, ingenieurhaften Restrisiko-Annahmen Lügen und lässt die Lobbyisten glauben & argumentieren, die Risiken seien noch beherrschbar!

    Antwort auf "Dieser Artikel ..."
    • hadebe
    • 24. Juli 2012 12:36 Uhr

    Wenn die Behauptungen stimmen, dass das Schmelzen des Grönlandeises den Meeresspiegel um 7 mtr. und das Schmelzen des antarktischen Eisschildes den Meeresspiegel um 60 Meter ansteigen läßt, kann man ja ausrechnen, wieviel Millionen qkm für den Landbewohner Mensch unbewohnbar werden.
    Und dann kann man auch ausrechnen, ob nur mehr als 100 Millionen Menschen oder über eine Milliarde ihre Heimat verlassen müssen.
    Aber für die große Annahme haben wir ja auch noch 1000 Jahre Zeit.
    Allerdings wird das träge Klima auch 100Tausende von Jahren brauchen, bis die Eisschilde wieder aufgebaut sind und der Meeresspiegel wieder gefallen ist.
    Also auch hier ist ein Vergleich mit der Halbwertszeit der AKW-Brennstäbe durchaus angebracht.

    Ein sicheres AKW in Japan könnte statt nur ans Meer ins Meer gebaut werden dh:
    Alle technischen Einrichtungen stehen an Land.
    Der Reaktor jedoch unterhalb des Meeresspiegels in einer durch einen Damm abgeriegelten Senke.
    In Fukushima wäre es nach dem Tsunami überhaupt nicht zu einem Gau gekommen, weil die Kühlung der abgeschalteten Reaktoren zu jeder Zeit vorhanden gewesen wäre.

    Und wenn doch Radioaktivität austritt:
    Lieber einige 10000 cbm verstrahltes Wasser als einige 100Tsd.Kubikkilometer verstrahlte Luft.

    Ein Ausstiegsbeschluß aus der Kernenergie ohne gleichzeitig eine Co2 Bewirtschaftung wie bei den Lebensmittelkarten nach dem Krieg ist Heuchelei!

    Gruß HADEBE

    Antwort auf "........."
    • Coiote
    • 24. Juli 2012 12:50 Uhr

    "Wenn wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien mit genug Dringlichkeit unterlegen, dann werden wir auch sehr weit damit kommen.[...]"

    @Albert Adler: Na ja, abwarten. Das Problem der stochastischen Einspeisung bei EE ist nun mal da, und hinreichende Technologie zur Speicherung von Energie fehlt nun mal momentan. Wir können natürlich entsprechend daran arbeiten, und Geld in die Forschung bzgl. Speichertechnologie investieren. Aber letztendlich ist es ungewiss, ob dabei auch eine brauchbare Lösung herauskommt. Sehen wir doch mal den Tatsachen ins Auge: Der Ausstieg aus der Atomkraft sorgt dafür, dass in einigen Jahren kein Atommüll mehr hinzukommt, und das Risiken vor einem Reaktorunfall in Deutschland verschwinden, aber auf der anderen Seite wird das voraussichtlich kompensiert werden durch Kohle und Gas. Ignorieren wir doch bitte nicht die Schattenseiten des Ausstiegs, nur weil wir diese nicht so gerne wahr nehmen wollen.

    • GDH
    • 24. Juli 2012 12:51 Uhr

    "Wenn ich die Originalstudie richtig lese betrachtet sie nicht nur den Normalbetrieb sondern auch die Unfälle und dabei auch die Toten durch Krebserkrankungen."

    Die Studie scheint tatsächlich nur die europäische Union zu betrachten. Die letzten schweren Unfälle mit Kernkraft haben sich aber nicht in der EU ereignet. Es bleibt also zu diskutieren, ob Kernkraft in der EU besonders sicher ist oder wir hier bloß einen nicht-repräsenativen Ausschnitt aller Erfahrungen mit der Kernkraft betrachten.

    Antwort auf ".........."
    • Coiote
    • 24. Juli 2012 12:52 Uhr

    "Und genau das ist doch auch der Beweis, dass Atomenergie NIEMALS sicher zu betreiben sein wird: [...] Und praktisch beweist sich dies an der Unversicherbarkeit AUCH DEUTSCHER AKWs!"

    @Albert Adler: Ich denke, es ist jedem klar, dass trivialer weise nichts absolut sicher ist, auch nicht AKWs. Was die Versicherbarkeit angeht, da hat man halt das Problem des seltenen Schadensfalls bei gleichzeitig enormen Schadenskosten. Zudem: An wen würde man bei einem Reaktorunglück zahlen? An jeden, der an Krebs erkrankt? Wie wollte man entscheiden, ob dann ein Krebsfall auf den Reaktorunfall zurückzuführen ist, oder nicht? Und nur weil keine Versicherung ein AKW versichern könnte bedeutet das nicht automatisch, dass die durchschnittlichen Versicherungsschäden höher sind, als z. B. beim Betrieb eine Bohrinsel.

    Aus dem Fehlen von Vericherungen bei AKWs mal eben simplifizierend auf die Risiken von AKWs zu schließen ist daher etwas kurzsichtig. Das Fehlen von Vericherungen bei AKWs hat viele Gründe.

  3. Tschernobyl ist über 25 Jahre her. Die Folgen betreffen uns heute noch und auch weiterhin.

    "Bis heute sind nach Angaben von Atomkritikern mehr als 600 Millionen Menschen in Europa gesundheitlich betroffen."

    http://tiny.cc/gf6xhw

    Ärzte haben die Informationen zusammengetragen:

    "Besonders tragisch ist das Schicksal tausender Kinder, die totgeboren wurden oder als Säuglinge starben, die mit Fehlbildungen und Erbkrankheiten zur Welt kamen oder die
    mit Krankheiten umgehen müssen, die sie unter normalen Umständen noch lange nicht bekommen hätten."

    "Bis 2050 werden in Gesamteuropa noch tausende mehr Krankheitsfälle diagnostiziert werden, die ursprünglich vom Atomunfall in Tschernobyl verursacht worden sind. Die
    Verzögerung zwischen Ursache und bemerkbarer körperlicher Reaktion sind tückisch. Tschernobyl ist noch lange nicht vorüber."

    "Die genetischen Schäden, die das Unglück von Tschernobyl verursacht hat, werden die Welt noch lange beschäftigen – die meisten Auswirkungen werden erst in der zweiten oder dritten Generation sichtbar werden."

    http://tiny.cc/ye6xhw

    Hier ein Interview vom 7.3.2011 mit Alexey Jablokow über die Folgen von Tschernobyl und die „Nuklearisten“ von heute:

    http://tiny.cc/ie6xhw

    Hier findet man die Probleme der Kinder von Tschernobyl:

    http://tiny.cc/mg6xhw

    Videos über die Kinder in Tschernobyl:

    http://wn.com/Tschernobyl...

    Antwort auf "Unfälle"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und es ist noch lange nicht vorbei:

    "Die Gefahr, dass die Metall- und Betonkonstruktion einstürzt, erhöht sich aber mit jedem Tag, weil die Radioaktivität die Materialien zersetzt", sagte Umanez. "Es droht eine neue nukleare Wolke, die auch wieder nach Westeuropa ziehen kann."

    http://tiny.cc/lm6xhw

    • tobmat
    • 24. Juli 2012 13:40 Uhr

    ""Bis heute sind nach Angaben von Atomkritikern mehr als 600 Millionen Menschen in Europa gesundheitlich betroffen.""

    Bitte zitieren sie richtig:
    "Einer Studie aus dem Jahr 2007 zufolge würden 600 Millionen der europäischen Bevölkerung in geringer strahlenbelasteten Gebieten leben - und somit den Angaben zufolge auch gesundheitlich an der Radioaktivität leiden."
    Eine Unterscheidung zwischen natürlicher und menschengemachter Radioaktivität wird nicht vorgenommen. Auch wird angenommen das jegliche Radioaktivität irgendwelceh gesundheitlichen Schäden verursacht. Das ist stark umstritten. Sowohl sie Aussage selber als auch die Quantität.
    Hier wird einfach mit großen Zahlen gespielt.

    "Bis 2050 werden in Gesamteuropa noch tausende mehr Krankheitsfälle diagnostiziert werden, die ursprünglich vom Atomunfall in Tschernobyl verursacht worden sind."

    Eine reine Behauptung die nicht nachweisbar ist. Man hätte das Wort "tausende" auch durch eine beliebige andere Zahlenangabe ersetzen können.

    Zu ihrer Aussage über die tausenden Totgeburten hätte ich gerne eine Quellenangabe. In ihrem link steht nämlich nichts dazu.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Atomkraft | Atomkraftgegner | Japan | Katastrophe | Kernenergie | Kernkraftwerk
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