FukushimaJapans Atomreaktoren werden niemals sicher sein

Schlicht mehr Sicherheitsauflagen sind nach dem GAU nötig, suggeriert ein neuer Fukushima-Report. Atomkraft infrage zu stellen, wagen die Autoren nicht. Ein Kommentar von Sven Stockrahm von 

Arbeiter des AKW-Betreibers Tepco und Journalisten besichtigen im Mai 2012 das Gelände der havarierten Atomanlage Fukushima-Daiichi.

Arbeiter des AKW-Betreibers Tepco und Journalisten besichtigen im Mai 2012 das Gelände der havarierten Atomanlage Fukushima-Daiichi.  |  © Tomohiro Ohsumi/AFP/Getty images

Ganz gleich, wie weit der technische Fortschritt auch reichen mag: Die Kernspaltung bleibt unbeherrschbar. Das könnte die Erkenntnis aus mehr als fünf Jahrzehnten Kernenergie sein, zählt man alle Störfälle, Beinahe-Unfälle sowie Tschernobyl und Fukushima zusammen. Doch wer die Abschlussberichte der unabhängigen Gremien liest, die im Auftrag der japanischen Regierung das nukleare Desaster im eigenen Land untersuchten, stellt fest: Der verlässlichste Auslöser von Katastrophen ist der Mensch, nicht die Technik. So hätte es auch die Atomlobby gerne.

"Wir werden alle denkbaren Maßnahmen ergreifen, um erneute Katastrophen zu verhindern", sagte Japans Premierminister Yoshihiko Noda am Montag, als er den finalen Report des Untersuchungskomitees zum Unfall an Fukushimas Atomanlagen (ICANPS) entgegennahm. Dabei schwang mit, dass sich auch in Zukunft der Strom des Inselstaats aus strahlenden Brennstäben ziehen lässt: Die Atomkraft ist sicher, solange der Mensch sie nur richtig bedient.

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Passend dazu fiel schon das Ergebnis eines Fukushima-Berichts vor zwei Wochen aus. Hier konstatierten die Autoren: "Der Unfall war eindeutig von Menschenhand verursacht". Und auch jetzt heißt es in dem neuen Report: Der AKW-Betreiber Tepco habe schlicht entschieden, ein Ereignis mit vermutlich drei geschmolzenen Reaktorkernen nicht in seine Annahmen einzubeziehen. Man habe sich auf einen "haltlosen Sicherheitsmythos" verlassen.

Detailreich schildern beide Berichte die Versäumnisse, die in den nuklearen Katastrophenfall mündeten. Zu Recht rügen sie hier Ministerien, Aufsichtsbehörden, die Stromkonzerne und das Krisenmanagement der Regierung, mehr oder weniger deutlich. Die Autoren des ersten Berichts schreiben sogar von Kungelei zwischen Kontrollinstanzen und Atomlobby, um die Sicherheitsstandards auf ein Minimum zu beschränken. Das wagen die Urheber der neuen Untersuchung nicht.

Japans Katastrophe
Tage am Abgrund nach Beben, Tsunami und GAU
11. März 2011, 14.46 Uhr
Satellitenbild von Japan

Satellitenbild von Japan  |  © Nasa/Goddard/SeaWiFS/ORBIMAGE

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert rund sechs Minuten das Land mit einer Stärke von 9,0. Das Epizentrum liegt rund 130 Kilometer vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu. Die Auswirkungen sind dramatisch: Auf dem Meeresgrund reißt die Erdkruste auf 400 Kilometern Länge, Teile der Küste verlagern sich ruckartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

11. März 2011, ca. 15.40 Uhr
Zerstörung in der Stadt Natori

Zerstörung in der Stadt Natori  |  © STR/AFP/Getty Images

Ein Tsunami rast mit 800 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu. Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter. Kilometerweit dringen die Wassermassen landeinwärts. Mehr als 18.000 Menschen sterben. Ganze Städte werden ausgelöscht. Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Dieselgeneratoren überspült.

11. März 2011, 16.30 bis 20.30 Uhr
Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Das AKW Fukushima am 12. März 2011  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Wasserkühlung zweier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima-Daiichi ist ausgefallen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagt, die Lage in den 54 Reaktoren des Landes sei stabil, weil sie sofort nach dem Beben automatisch heruntergefahren wurden. Um 20.30 Uhr muss die Regierung dann für Fukushima-Daiichi den atomaren Notfall verkünden. Etwa 2.000 Bewohner in der Umgebung werden aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen.

12. März 2011, morgens
Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.  |  © STR/AFP/Getty Images.jpg

Nach Strahlenmessungen am Kernkraftwerk wird die Evakuierungszone vergrößert. Mindestens 60.000 Personen sind auf der Flucht. Ministerpräsident Kan fliegt im Hubschrauber nach Fukushima, um sich ein Bild der Lage zu machen. Im AKW lassen Ingenieure Dampf durch die Notventile ab, um den Druck in den Reaktorbehältern zu senken. Inzwischen kocht das Wasser in den Notkühlbecken.

12. März 2011, 15.36 Uhr
Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.  |  © Park Ji-Hwan/AFP/Getty Images

In Fukushima-Daiichi entzündet sich Wasserstoff und zerfetzt die Außenhülle von Reaktor 1. Ohne Strom für die Pumpen, die den Kühlkreislauf antreiben, waren Temperatur und Druck zu stark angestiegen. Trotz Abschaltung des Blocks begannen so die Brennstäbe zu glühen, Wasser verdampfte und Wasserstoffgas bildete sich, während der Reaktorkern schmolz. Japan und die Welt fürchten die atomare Apokalypse.

13. März 2011
Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.  |  © JIJI PRESS/AFP/Getty Images

In der Nähe des von Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi wird eine vierhundertfach erhöhte Radioaktivität gemessen. Ministerpräsident Kan räumt erstmals ein, dass eine Kernschmelze möglich sei. Simulationen und Messdaten von außen bestätigen die Schmelze in den Wochen nach der Havarie. Heute ist die Ruine, die von Block 1 übrig ist, luftdicht in Plastik eingehüllt.

14. März 2011
Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.  |  © Paula Bronstein/Getty Images

Allein in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans werden 2.000 Tote gefunden. 390.000 Menschen sind auf der Flucht aus dem Tsunami-Katastrophengebiet, mehr als 1.400 Notlager werden eingerichtet. Inzwischen gibt es an vielen Orten kein Heizöl mehr, die Menschen frieren. Rund 400.000 Häuser sind zerstört weitere Huntertausende Gebäude beschädigt, Straßen, Zugstrecken und ganze Landstriche unpassierbar.

14. März 2011
Fallout nahe der Küste

Fallout nahe der Küste  |  © ZEIT-Grafik

Obwohl die AKW-Arbeiter die Reaktoren verzweifelt mit Meerwasser kühlen, gibt es eine weitere Wasserstoffexplosion, im Reaktor 3 von Fukushima-Daiichi. Radioaktives Material dringt nach draußen, der Großteil wird in den kommenden Tagen auf den Pazifik geweht. Doch ein Teil verbreitet sich auch über dem Festland. Die Abbildung zeigt, wo sich langlebiges Cäsium konzentriert hat (rot steht für die höchsten Strahlenwerte).

15. März 2011
Strahlenuntersuchung

Strahlenuntersuchung  |  © Issei Kato/AFP/Getty Images

Eine dritte und vierte Explosion ereignen sich in Fukushima. Das Gebäude von Reaktor 2 bleibt intakt, Wasserstoff aus Block 3 sprengt das Dach von Reaktor 4. Von vorher 800 Arbeitern bleiben etwa 40 im stockfinsteren Kraftwerk. Vergeblich hatten sie versucht, weitere Detonationen zu verhindern. Das Unglück wird als nukleares Ereignis der Stufe 6 bewertet. Einen Monat später erhält es wie Tschernobyl die Höchststufe 7: GAU.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

In einem der sechs Reaktorblöcke ereignete sich offenbar eine komplette Kernschmelze, in zwei weiteren verflüssigten sich die Brennstäbe wohl mindestens zur Hälfte. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Eine Stadt in Trümmern

Eine Stadt in Trümmern  |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

Die Strahlenbelastung der Menschen war weit geringer als für die Bewohner von Tschernobyl. Das Strahlenschutz-Komitee der UN schätzt, dass die Zunahme der Krebsfälle nicht messbar sein wird. Das liegt vor allem daran, dass kaum radioaktives Jod von Menschen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen worden ist. Der Tsunami hingegen tötete mehr als 18.000 Menschen. Bis heute wohnen Überlebende in provisorischen Wohnungscontainern.

Die Einschätzung beider Berichte liest sich indes ganz ähnlich. Hätte man nur mehr kontrolliert und reguliert, wären Reaktoren vor Jahren schon verstärkt und aufgerüstet worden. Hätte man Techniker und Arbeiter nur besser geschult, hätte die Regierung nur entschlossener in der Krise gehandelt  – ja dann wäre schon nichts passiert.

Hätte, wäre, wenn. Das klingt nach einer vermeidbaren Katastrophe, nach einem Unglück, das vorhersehbar war. Dies ist das Bild, dass sich vermutlich auch Premierminister Noda wünscht. Sein Volk soll weiter an das Versprechen der sicheren Atomkraft glauben, das die Atomlobby über Jahrzehnte aufgebaut hat. Garniert hat sie es mit bunten Werbeanzeigen und hohen Geldsummen, die strukturschwache Regionen aufpäppelten. Und es landete sogar in Schulbüchern, wo die Gefahren der Kernenergie nur am Rande thematisiert wurden.

Sven Stockrahm
Sven Stockrahm

Sven Stockrahm ist Redakteur im Ressort Wissen bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Der Wirtschaftsfaktor Atomkraft ist nicht zu unterschätzen, gerade erst hat die Regierung durchgedrückt, dass das Kernkraftwerk Oi seine Reaktoren wieder anfährt . Die beiden einzigen von 50 im ganzen Land, die nun wieder Strom produzieren. Auch die noch nie dagewesene Zahl an Atomkraftgegnern , die sich in Tokio und vor der Anlage scharrten, konnten dies nicht verhindern. Zu groß war letztlich der Druck auch von Japans Weltkonzernen, die sehr unter den Stromsparmaßnahmen der vergangenen Monate litten.

Was fehlt, ist eine Ausstiegsstrategie aus der Atomkraft. Denn wie soll mehr Sicherheit für Reaktoren aussehen, die zuhauf auf unsicherem Grund und noch dazu an der Küste stehen? Vor Japan taucht die pazifische Erdplatte unter die eurasische. Verhaken sich beide, können Megabeben wie das vom 11. März 2011 entstehen, die niemand vorhersagen kann – weder ihre Stärke noch ihren Zeitpunkt. Seebeben schicken in den allermeisten Fällen Tsunamis auf ihre zerstörerische Reise. Die Schutzwälle vor den Atomanlagen am Meer können nie hoch genug sein.

Ob die Japaner sich künftig mit neuen Sicherheitsversprechen zufrieden geben, vermag niemand vorherzusehen. Es stimmt vielleicht sogar, dass sie Fukushima allein der Arroganz und Nachlässigkeit der Verantwortlichen zu verdanken haben. Doch scheint vielen allmählich zu dämmern, dass das grundsätzliche Problem damit nicht zu bewältigen ist: Wo der Mensch mit Atomkraft hantiert, passieren Fehler. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Fehler die schlimmsten Katastrophenszenarien Realität werden lassen. Das sind die Lehren der Vergangenheit.

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Leserkommentare
  1. Wir werden ja sehen, wie weit wir hier in Deutschland mit der Energiewende kommen.
    Bislang sieht es ja sehr düster aus und das einzige, was bislang erreicht wurde ist, dass Deutschlands CO2 Fingerabdruck explodiert ist, seit weniger Atomkraftwerke den Strom liefern und wir wieder viel mehr Kohle und Gas verbrennen ... wie Früher halt.

    Ausserdem: Es mag sein, dass die Atromkraft gefählich ist, aber zu sagen "Egal wie weit die Technik jemals vorran schreitet, Atromkraft wird niemals beherrschbar sein" ist grundfalsch.

    Die Kohleindustrie und der Betrieb von Kohlekraftwerken kostet jedes Jahr soviele Leben, dass warscheinlich 3 Atomreaktoren pro Jahr hochgehen könnten.

    10 Leserempfehlungen
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    Wenn wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien mit genug Dringlichkeit unterlegen, dann werden wir auch sehr weit damit kommen. Anders herum hat aber die Atom-Branche seit nunmehr 50 Jahren Zeit gehabt zu beweisen, dass ihre Technologie beherrschbar und eine nachhaltige Lösung für den Abfall gefunden werden könnte -- nichts ist passiert. Die Atom-Unternehmen hatten sogar das besondere Privileg, monopolistische Strukturen zu entwickeln und mit Monopol-Preisen quasi beliebig viel Geld einzunehmen. Und was ist passiert: Alle 1015 Jahre gibt es einen Gau oder Nahezu-Gau. Und wenn die alten Meiler noch weiter betrieben werden, dann werden auch die GAU- und Nahezu-GAUs zunemen, AUCH BEI UNS! Weil die Technik veraltet und irgendwann strukturell nicht "Upgrade-Fähig" ist.

    Wenn man sich für Atomenergie entscheidet, dann muss man immer beide Augen, beide Ohren, die Nase und den Mund ganz fest verschließen, damit man nicht mit der Realität interagieren muss, die einem die Befürworter einer wettbewerbsorientierten und vor allem nachhaltigen Energiewirtschaft entgegen halten.

    Fakt ist, dass es menschliche Fehler auf verscheidensten Ebenen waren - so wie es auch in Tschernobyl und 3-Miles-Island menschliche Fehler waren. Und genau das ist doch auch der Beweis, dass Atomenergie NIEMALS sicher zu betreiben sein wird: Weil Menschen im Zweifel entscheiden müssen und dann natürlich Fehler machen - rein statistisch. Und praktisch beweist sich dies an der Unversicherbarkeit AUCH DEUTSCHER AKWs!

    • Coiote
    • 24. Juli 2012 12:50 Uhr

    "Wenn wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien mit genug Dringlichkeit unterlegen, dann werden wir auch sehr weit damit kommen.[...]"

    @Albert Adler: Na ja, abwarten. Das Problem der stochastischen Einspeisung bei EE ist nun mal da, und hinreichende Technologie zur Speicherung von Energie fehlt nun mal momentan. Wir können natürlich entsprechend daran arbeiten, und Geld in die Forschung bzgl. Speichertechnologie investieren. Aber letztendlich ist es ungewiss, ob dabei auch eine brauchbare Lösung herauskommt. Sehen wir doch mal den Tatsachen ins Auge: Der Ausstieg aus der Atomkraft sorgt dafür, dass in einigen Jahren kein Atommüll mehr hinzukommt, und das Risiken vor einem Reaktorunfall in Deutschland verschwinden, aber auf der anderen Seite wird das voraussichtlich kompensiert werden durch Kohle und Gas. Ignorieren wir doch bitte nicht die Schattenseiten des Ausstiegs, nur weil wir diese nicht so gerne wahr nehmen wollen.

    • Coiote
    • 24. Juli 2012 12:52 Uhr

    "Und genau das ist doch auch der Beweis, dass Atomenergie NIEMALS sicher zu betreiben sein wird: [...] Und praktisch beweist sich dies an der Unversicherbarkeit AUCH DEUTSCHER AKWs!"

    @Albert Adler: Ich denke, es ist jedem klar, dass trivialer weise nichts absolut sicher ist, auch nicht AKWs. Was die Versicherbarkeit angeht, da hat man halt das Problem des seltenen Schadensfalls bei gleichzeitig enormen Schadenskosten. Zudem: An wen würde man bei einem Reaktorunglück zahlen? An jeden, der an Krebs erkrankt? Wie wollte man entscheiden, ob dann ein Krebsfall auf den Reaktorunfall zurückzuführen ist, oder nicht? Und nur weil keine Versicherung ein AKW versichern könnte bedeutet das nicht automatisch, dass die durchschnittlichen Versicherungsschäden höher sind, als z. B. beim Betrieb eine Bohrinsel.

    Aus dem Fehlen von Vericherungen bei AKWs mal eben simplifizierend auf die Risiken von AKWs zu schließen ist daher etwas kurzsichtig. Das Fehlen von Vericherungen bei AKWs hat viele Gründe.

    "...Wir werden ja sehen, wie weit wir hier in Deutschland mit der Energiewende kommen.
    Bislang sieht es ja sehr düster aus und das einzige, was bislang erreicht wurde ist, dass Deutschlands CO2 Fingerabdruck explodiert ist, seit weniger Atomkraftwerke den Strom liefern und wir wieder viel mehr Kohle und Gas verbrennen ... wie Früher halt..."

    Deutschlands CO2 Ausstoß war 2011 sogar geringer als 2010, klimabereinigt um ca. 1% höher.

    Nur zu einem kleinen Teil ist das auf verringerter Stromexporte zurück zu führen, die verringerte Stromexporte entsprechen grob der Energieproduktion eines einzigen AKW.

    Die Atomlobby und Ihre Unterstützer sind sich keiner Lüge zu schade und wenn sie noch so leicht zu widerlegen ist.

    www.ag-energiebilanzen.de

    • joG
    • 23. Juli 2012 18:18 Uhr

    ....man die Gefahr durch Atomkraft nun anders bewerten soll, als vorher.

    Jeder wusste, doch von Harrisburg oder Tschernobyl. Und dieser Gau war zwar teuer und für die unmittelbar betroffene Bevölkerung disruptiv. Aber er war doch nicht größer, als man wusste, dass er sein konnte, als man sich entschied die Wirtschaft auf Atomkraft aufzubauen.

    Dass man da Strom im Wert von mehreren Billionen Euro wegwerfen sollte, scheint geradezu krank. Die Folgen wären in finanziellen aber auch in menschlichen Kategorien viel schlimmer als die Folgen des Gaus. Sie wären weniger sichtbar, weniger zuordenbar aber für Politiker dennoch kaum zu überleben.

    Das ist anders vielleicht als in Deutschland, wo weniger Strom zu ersetzen ist und ein Teil der Bevölkerung ideologisiert sind gegen Atomstrom. Dennoch ist auch hier kaum klar, dass die Politiker, die an der Regierung sind, wenn die Kosten bezahlt werden müssen dienstlich überleben werden können.

    10 Leserempfehlungen
  2. ...man Kernkraftwerke (Fission) richtig baut, sind die auch "beherrschbar". Tschernobyl: Graphitmoderation, brandgefährlich aber "gut" auch für die Produktion für Nuklearwaffen. Fukushima: War immer erdbebengefährdet, weil in Japan, dazu noch an Meeresstränden errichtet, und dann wundert man sich über Tsunamis...

    Deutsche Leichtwasserreaktoren waren immer sicher. Nur hat die deutsche Hysterie diese Technologie, effektive CO2-freie Stromerzeugung verhindert.

    Ich gebe zu, dass Fissionsreaktoren nur eine Übergangslösung darstellen, für die effektive Erforschung der kontrollierten Kernfusion ist halt kein Geld da. Bankenrettungen und Kriegsfinanzierung ist da weltweit wichtiger.

    Und das mit der Endlagerung fissionsbedingtem Endmüll: Schießt das Zeug in die Sonne, und gut ist!

    Und jetzt könnt ihr mich alle bashen

    9 Leserempfehlungen
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    Vor Tschernobyl war die Kernkraft angeblich sicher. Dass es davor schon gravierende Unfälle in Three Mile Island und Sellafield gab, wurde heruntergespielt und verdrängt.

    Nach Tschernobyl hieß es, westliche Reaktoren seinen sicher, da nicht graphitmoderiert. Im Ernstfall würde der Moderator Wasser verdampfen und die Kernreaktion von selbst zum Erliegen kommen. Da könne gar nichts passieren.

    Dann kam es in Fukushima (wohlgemerkt: in Japan, einer der reichsten und größten Wirtschaftsnationen, und nicht etwa in irgendeinem ehemaligen Ostblock-Staat mit maroden Reaktoren aus der Sowjet-Zeit) nach dem Erdbeben und dem Tsunami zu massiven Störfällen in gleich 4 Reaktoren, in zwei davon kam es zur Kernschmelze. Wären die Reaktoren 5 und 6 nicht zufällig abgeschaltet gewesen, wäre wahrscheinlich sogar noch mehr passiert. Trotzdem bleibt Kernenergie angeblich weiterhin sicher, man darf die Kraftwerke nur nicht in Erdbeben- oder Tsunamigefährdeten Regionen bauen.

    Das ist kompletter Blödsinn. Ein GAU kommt immer unerwartet, der Unfallhergang ist immer ein völlig neuer (denn gegen bekannte Unfallhergänge werden natürlich Sicherheitsmaßnahmen ergriffen) und eben nie völlig auszuschließen. Wer behauptet, Kernenergie könne absolut sicher sein, der lügt.

    Es gibt dutzende Szenarien, die allesamt nicht unmöglich sind. Es muss nur bei einem der alltäglichen Störfalle zu einer unglücklichen Verkettung der Umstände kommen - oder ein Kernkraftwerk gezielt sabotiert oder angegriffen werden.

    • Karl63
    • 23. Juli 2012 18:59 Uhr

    wird sehr wohl Geld ausgegeben. Das Problem ist eher, dies ist so teuer, dass es nur als multinationales Projekt (ITER) realisierbar ist.
    Keine Frage, es hat bei der Grundlagenforschung im Bereich Kernfusion in den letzten Jahrzehnten bemerkenswerte Fortschritte gegeben. Der Punkt ist nur, von einer alltagstauglichen Anlage sind alle die daran forschen noch sehr weit entfernt. Wie lange es bis dahin dauern wird, darüber gehen die Meinungen eindeutig auseinander.

    Bisher weiss man noch nicht ob es funktioniert. Das Cern hätte von seinem Budget (3 Milliarden € + 855,5 Mio €/Jahr) auch den Iter mit der Industrie zusammen finanzieren können (15 Milliarden geschätzte Kosten).
    Aber eventuell wollte kein Unternehmen da einsteigen, da wir ja seit vielen jahren hoffen - aber noch nicht wissen - dass das Ding jemals wirtschaftlich funktionieren wird und mit den regenerativen Energien in den wirtschaftlichen Wettbewerb gehen kann.

    Wenn ich diesen Blödsinn höre wird mir schlecht.
    Vor Tschernobyl waren alle Atomkraftwerke sicher.
    Vor Fukushima waren alle westlichen Atomkraftwerke sicher.
    Plötzlich sind nur noch die deutschen Atomkraftwerke sicher.
    Ganz bestimmt.

    Atommüll in die Sonne schießen?
    Toller Plan! Absolut.
    Ein Kilogramm in die Athmosphäre zu schießen kostet ca. 10.000 Dollar. Alleine in Deutschland fallen pro Jahr ca. 45 Tonnen an Atommüll nur aus Atomkraftwerken an.
    Das wären nur für Deutschland 450 Millionen Dollar PRO JAHR!
    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen angemessenen Tonfall. Danke, die Redaktion/ls

    Ach ja,und wie soll man es anstellen?

  3. ist Selbstbetrug.
    Naturkatastrophen sind selbst im Idealfall nicht zu beherrschen, sondern höchstens in ihren Verheerungen zu begrenzen. Das reicht bei sensiblen Systemen wie Atomanlagen nicht aus.
    Die ideale menschliche Reaktion auf Katastrophen vorauszusetzen ist außerdem fahrlässig. Nicht jede Bevölkerung ist so diszipliniert wie die von Fukushima, es gibt viele unvorhersehbare wie unvermeidliche Gründe, warum Einzelpersonen und Organisationen unangemessen auf Störungen reagieren.

    Genauso unangemessen ist der Umgang mit dem Atommüllproblem. "Wir haben zwar jetzt keine Lösung, aber der technische Fortschritt wird es schon richten."

    Fakt ist:
    Die Nutzung der Kernenergie und ihre Folgen sind nicht beherrschbar, je eher auf sie verzichtet wird, umso geringer der Schaden.
    Schadlos aus ihr herauszukommen, ist jetzt schon nicht mehr möglich.

    9 Leserempfehlungen
  4. Vor Tschernobyl war die Kernkraft angeblich sicher. Dass es davor schon gravierende Unfälle in Three Mile Island und Sellafield gab, wurde heruntergespielt und verdrängt.

    Nach Tschernobyl hieß es, westliche Reaktoren seinen sicher, da nicht graphitmoderiert. Im Ernstfall würde der Moderator Wasser verdampfen und die Kernreaktion von selbst zum Erliegen kommen. Da könne gar nichts passieren.

    Dann kam es in Fukushima (wohlgemerkt: in Japan, einer der reichsten und größten Wirtschaftsnationen, und nicht etwa in irgendeinem ehemaligen Ostblock-Staat mit maroden Reaktoren aus der Sowjet-Zeit) nach dem Erdbeben und dem Tsunami zu massiven Störfällen in gleich 4 Reaktoren, in zwei davon kam es zur Kernschmelze. Wären die Reaktoren 5 und 6 nicht zufällig abgeschaltet gewesen, wäre wahrscheinlich sogar noch mehr passiert. Trotzdem bleibt Kernenergie angeblich weiterhin sicher, man darf die Kraftwerke nur nicht in Erdbeben- oder Tsunamigefährdeten Regionen bauen.

    Das ist kompletter Blödsinn. Ein GAU kommt immer unerwartet, der Unfallhergang ist immer ein völlig neuer (denn gegen bekannte Unfallhergänge werden natürlich Sicherheitsmaßnahmen ergriffen) und eben nie völlig auszuschließen. Wer behauptet, Kernenergie könne absolut sicher sein, der lügt.

    Es gibt dutzende Szenarien, die allesamt nicht unmöglich sind. Es muss nur bei einem der alltäglichen Störfalle zu einer unglücklichen Verkettung der Umstände kommen - oder ein Kernkraftwerk gezielt sabotiert oder angegriffen werden.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wenn..."
  5. ...auch in Deutschland operieren wir mit Risiken, die nach einem GAU als menschliche Fehler interpretiert würden.
    Ja - es war ein Fehler die Meiler nicht gegen einen Flugzeugabsturz zu sichern. Und 10 Jahre später: Oh es war ein Fehler die AKWs nicht gegen einen terroristischen Angriff mit einer Panzerfaust zu sichern.
    Alles nur menschliche Fehler aber nachdem wir die Erde "entsorgt" haben (also in einen Salzstock gekippt) können wir mit an Sicherheit grenzender Warscheinlichkeit sagen, dass genau diese Unfälle nicht nochmals stattfinden werden.

    Dann können wir uns mit dem Menschlichen Fehler der geschönten Entlagersuche auseinandersetzen.

    7 Leserempfehlungen
  6. 14. Nun ja

    Es stimmt, dass man Unfälle und Naturkatastrophe nicht zu 100% ausschließen kann. Dennoch sollte man die Risiken auch nicht überhöhen. Immerhin muss man bedenken, dass der Beben und der darauf über 10.000 Tote gefordert hat. Der aus der gestiegende Radioaktive erhöhten Krebsrate, wird, je nach Studie, keine statistisch messbare erhöhte Krebsrate bis etwa 1000 zusätzliche Tote in den nächsten Jahrzehnten.
    Zu bedenken ist, dass andere Energieformen ebenfalls zu Toten führt, sei es bei dem Abbau der Erze/Kohle oder Förderung der Rohstoffe oder eben indirekt durch die erhöhte Umweltbelastung.
    Es gibt genug rationale Argumente gegen die Atomkraft, allerdings halte ich eine komplette Verteufelung einer Technologie für wenig zweckmäßig.

    6 Leserempfehlungen
  7. deswegen gibt es ja keine Autounfälle und keine Flugzeugabstürze

    5 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Atomkraft | Atomkraftgegner | Japan | Katastrophe | Kernenergie | Kernkraftwerk
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