Südkorea will wieder auf Waljagd gehen – angeblich für wissenschaftliche Untersuchungen. Das Land wolle zu einem späteren Zeitpunkt verkünden, wann und wie viele Wale gejagt werden sollten, gab die südkoreanische Delegation auf dem jährlichen Treffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Panama-Stadt bekannt.

Der Leiter der Delegation, Kang Joon-Suk, sagte, die Population der Minkwale vor der Küste Südkoreas habe sich erholt und stelle ein Problem für die Fischer dar, da die Meeressäuger die Fischbestände vernichteten. Deshalb habe man die Hoffnung, dass die Walfangkommission die Waljagd wieder erlaube. Für den Walfang benötige sein Land aber keine internationale Erlaubnis.

Die IWC hatte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft gesetzt. Wie Japan will nun auch Südkorea die darin enthaltene Möglichkeit nutzen, die Meeressäuger offiziell zu Forschungszwecken zu töten.

Waljagd historisch begründet

Kang sagte, das Zwergwal-Aufkommen habe sich seit Verhängung des Moratoriums wieder stabilisiert. Der Verzehr von Walfleisch gehe in Südkorea zudem "bis in historische Zeiten zurück". Auch Japan leugnet nicht, dass das Walfleisch auch verzehrt wird. Zu Beginn der Tagung in Panama hatte Japan gemeinsam mit anderen Fangnationen die Einrichtung eines Walschutzgebietes im Südatlantik durch die IWC verhindert .

Walschutzorganisationen reagierten entsetzt auf die südkoreanische Erklärung. Patrick Ramage, Chef des Walprogramms des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW), forderte Südkorea auf, den Plan aufzugeben. Ralf Sonntag, IFAW-Leiter in Deutschland, bezeichnete die Absicht der Koreaner als eine durchsichtige Verschleierung für kommerziellen Walfang. "Dies ist absolut inakzeptabel und letztendlich ein Schlag ins Gesicht für jeden seriösen Meeresforscher", sagte er. 

Erst vor wenigen Tagen kam es zur ersten großen Enttäuschung unter Umweltschützern, als Japan und andere Nationen eine Initiative Brasiliens und Argentiniens zur Errichtung eines Walschutzgebietes im Südatlantik verhindert hatten. 
Zwar werden in diesem Teil des Ozeans keine Wale gefangen, doch ein Schutzgebiet hätte starke Symbolkraft für die Erhaltung der dort lebenden und wandernden Meeressäuger gehabt. Die Befürwoter wollten ein Zeichen setzen, um auf die wachsenden Bedrohungen für Wale insgesamt aufmerksam zu machen.

Japan und weitere Nationen haben dies nun erfolgreich verhindert. Damit der IWC etwas beschließen kann, ist stets eine Dreiviertelmehrheit der Mitglieder nötig. Diese kommt nur selten zustande – ein Grund, warum viele Schutzinitiativen oft scheitern. Derzeit ist es offiziell nur in Meeresgebieten in der Antarktis und im südindischen Ozean verboten, Wale zu jagen.