Schleswig-HolsteinWolf streift durch den Norden

Seit fast 190 Jahren galt der Wolf in Schleswig-Holstein als ausgerottet. Im Kreis Segeberg haben Experten nun Spuren eines Rüden nachgewiesen. von afp und dpa

Der Wolf ist in ein weiteres deutsches Bundesland zurückgekehrt: Ein Tier sei in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden, teilte das Kieler Umweltministerium mit. Den Angaben zufolge wurde der Wolf im Kreis Segeberg nördlich von Hamburg von Experten anhand von Kotspuren identifiziert. Die genetische Analyse der Probe habe gezeigt, dass es sich um einen Rüden der deutsch-westpolnischen Wolfspopulation handelt. Es sei davon auszugehen, dass das scheue, streng geschützte Tier als Einzelgänger über Mecklenburg-Vorpommern eingewandert sei, hieß es vom Umweltministerium.

In Schleswig-Holstein war der letzte Wolf nach Angaben des Ministeriums 1820 erschossen worden und galt seitdem als ausgerottet. Schon 2007 war kurz ein Wolf im nördlichsten Bundesland aufgetaucht, aber auf einer Landstraße von einem Auto überfahren worden.

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Die Rückkehr des Wolfes sei ein Symbol dafür, dass Arten, die schon ausgerottet waren, in Schleswig-Holstein wieder eine Zukunft haben können, sagte Umweltminister Robert Habeck ( Grüne ). Spaziergängern und spielenden Kindern drohe keine Gefahr , teilte das Ministerium mit. Halter von Schafen und Ziegen sollten ihre Tiere angemessen schützen.

Die Rückkehr

150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Seit 1996 aber breiten sich die Tiere von der Oberlausitz im Südosten Deutschlands in Richtung Westen und Norden aus. Im Jahr 2000 wurden erstmals vier Welpen dokumentiert, im Februar 2012 zählten Forscher 14 Wolfsrudel mit geschätzt gut 120 Tieren. Derzeit leben rund 20.000 Wölfe in Europa, unter anderem in Italien, Spanien, Skandinavien, Russland, im Baltikum, entlang der adriatischen Küste, auf dem Balkan und in Griechenland. Die Tiere in Deutschland zählen genetisch zur deutsch-westpolnischen Population, einer von zehn Populationen auf dem Kontinent, die bis heute isoliert voneinander leben.

Revier

Ein europäisches Rudel beansprucht ein 100 bis 350 Quadratkilometer großes Revier, eine Fläche, etwa so groß wie die Münchens. Dass ein Landstrich von Wölfen überfüllt werden könnte, schließen Forscher aus, denn in jedem Revier lebt und jagt nur ein Rudel: Vater- und Muttertier mit den Welpen des aktuellen Jahrgangs sowie dem Nachwuchs aus dem Vorjahr. Im Alter von anderthalb bis zwei Jahren wandern die Jungtiere ab.

Wolf und Mensch

Für Angst und Unmut vieler Menschen sorgt, dass Wölfe auch Nutztiere reißen. Jedoch haben Analysen von mehr als 3.000 Kotfunden aus acht Jahren ergeben, dass der Anteil von Schafen, Ziegen und Rindern in der Nahrung der Lausitzer Wölfe minimal ist: Nach Angaben des Senckenberg-Forschungsinstituts Görlitz beträgt er bloß ein halbes Prozent. Am liebsten fressen Wölfe immer noch Reh- und Rotwild.

Seit den 1990er Jahren siedeln in Deutschland wieder Wölfe . In Brandenburg und Sachsen gibt es bereits Rudel mit Jungtieren, einzelne Tiere bewegten sich auf ihren Wanderschaften bis Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen , Hessen , Rheinland-Pfalz , Bayern und Nordrhein-Westfalen . Erst in der vergangenen Woche waren Aufnahmen von Wolfswelpen in der Lüneburger Heide (Niedersachsen) veröffentlicht worden.
 

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Leserkommentare
  1. Ich finde solche Aussagen so ein Wolf bedeute keine Gefahr immer ein wenig vermessen. Wenn man mal so sieht was für Hunde manche Halter bei sich führen (respektive: was für Halter manche Hunde ertragen müssen, wenn man versteht worauf ich hinaus will), dann kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Wolf ein friedlebendes Wesen ist.
    Aber diese Problematik ist ja nicht dem Wolf an sich zuzuschreiben. Wenn es in Deutschland mehr Platz gäbe in dem sich die Wölfe tatsächlich mehr ausbreiten könnte, wäre die Sache sicher weniger kritisch. Doch ich bin nicht sicher inwiefern eine Ansiedlung des Wolfes Sinn macht, wenn er bei gleichzeitg durchgeführter Natureinhegung (gleichwohl sie schonmal schlimmer war) sich doch wieder mehr verstecken muss. Schlussendlich wird der Wolf dann doch wieder gejagt, und das auf einem zu engen Territorium, welches er sich auch mit anderen Tieren teilen muss.

    Vielleicht mag ich mich da irren, doch das ist zumindest eine Intention von mir.

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    • Floak
    • 30. Juli 2012 16:13 Uhr

    Nur weil ein Wolf eine gewisse Gefahr darstellt, soll er vollständig vom deutschen Erdboden getilgt werden? Lächerlich. Verglichen mit Autoverkehr oder auch selbstverschuldete Krankheiten wie Herzinfarkt und Krebs könnten selbst Millionen von Wölfen nicht solchen Schaden anrichten. Eine Wolfsphobie ist damit einfach nur hochgradig Irrational. Wir sollten langsam einsehen, dass der Erhalt der Natur durchaus die damit einhergehende Gefahr wert ist.

    Beim Autoverkehr, beim Laufen über die Straße, beim Essen einer Schweinshaxe und beim Rauchen einer Zigarette ist die Gefahr noch viel naheliegender und allgegenwärtig und dennoch tolerieren wir sie. Wieso kann man diese Gefahr - so gering sie ist - nicht auch beim Wolf hinnehmen und ihm zumindest etwas Lebensraum gönnen, zumal die Wahrscheinlichkeit eines Übergriffs auf Menschen doch extrem viel geringer ist.

    Andererseits kann ich mir jetzt schon die Schlagzeilen bei einem Zwischenfall mit Wolfsbeteiligung vorstellen. Die Presse wird sich auf jeden Wolfsunfall wie irrsinnig stürzen. Und sofort wird ein Rache-Förster losgeschickt, der dem armen Tier den Garaus macht. Zugleich werden die verbleibenden Wölfe zum Inhalt diverser Wahlversprechen, wie "Wir beseitigen die Gefahr".

    Wahrscheinlich ist schon aufgrund der Struktur der modernen Demokratie und der Medien, sowie der allgemeinen hochgradigen Volksverdummung durch diverse Presseorgane, das Experiment der Wolfsansiedlung zum Scheitern verurteilt.

    Ein Wolf ist kein Hund und verhält sich auch nicht wie ein Hund.

    Grundsätzlich greifen Wölfe Menschen nicht an, außer sie sind tollwütig oder dummdröselige Menschen füttern sie idiotischerweise an, was den Verlust der natürlichen Scheu vor dem Menschen zur Folge hat.

    Regel im Umgang mit Wölfen: In Ruhe lassen!

    Probleme gelöst.

  2. Als Intention bezeichnet man die Absicht, die verfolgt wird.
    -> Es ist Ihre Absicht zu irren?

    Der Wolf wird Ihnen in der Anzahl, in der er hierzulande (noch) auftritt, sicher nicht gefährlich, wenn Sie nicht gerade völlig hilflos vor seiner vielleicht hungrigen Schnauze liegen.
    Da sollten Sie tatsächlich eher Angst vor freilaufenden Hunden oder vor Blitzschlag haben.

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    • Floak
    • 30. Juli 2012 16:13 Uhr

    Nur weil ein Wolf eine gewisse Gefahr darstellt, soll er vollständig vom deutschen Erdboden getilgt werden? Lächerlich. Verglichen mit Autoverkehr oder auch selbstverschuldete Krankheiten wie Herzinfarkt und Krebs könnten selbst Millionen von Wölfen nicht solchen Schaden anrichten. Eine Wolfsphobie ist damit einfach nur hochgradig Irrational. Wir sollten langsam einsehen, dass der Erhalt der Natur durchaus die damit einhergehende Gefahr wert ist.

    Beim Autoverkehr, beim Laufen über die Straße, beim Essen einer Schweinshaxe und beim Rauchen einer Zigarette ist die Gefahr noch viel naheliegender und allgegenwärtig und dennoch tolerieren wir sie. Wieso kann man diese Gefahr - so gering sie ist - nicht auch beim Wolf hinnehmen und ihm zumindest etwas Lebensraum gönnen, zumal die Wahrscheinlichkeit eines Übergriffs auf Menschen doch extrem viel geringer ist.

    Andererseits kann ich mir jetzt schon die Schlagzeilen bei einem Zwischenfall mit Wolfsbeteiligung vorstellen. Die Presse wird sich auf jeden Wolfsunfall wie irrsinnig stürzen. Und sofort wird ein Rache-Förster losgeschickt, der dem armen Tier den Garaus macht. Zugleich werden die verbleibenden Wölfe zum Inhalt diverser Wahlversprechen, wie "Wir beseitigen die Gefahr".

    Wahrscheinlich ist schon aufgrund der Struktur der modernen Demokratie und der Medien, sowie der allgemeinen hochgradigen Volksverdummung durch diverse Presseorgane, das Experiment der Wolfsansiedlung zum Scheitern verurteilt.

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    "Wir sollten langsam einsehen, dass der Erhalt der Natur durchaus die damit einhergehende Gefahr wert ist."

    Das ist, mít Verlaub, doch etwas einfältig. Wenn irgendein Ast Ihnen auf den Kopf fällt wird akribisch geforscht, wem der wohl gehörte, wer was in welchem Falle unterlassen oder getan hat usw. Stürzt ein Kind von irgendeinem Fels oder fällt in ein Loch, steht die Staatsanwaltschaft auf dem Plan. Rutschen Sie auf Schnee und Eis (auch das ist Natur) aus und brechen sich die Haxen, zeigen Sie den den Grundstücksbesitzer an.

    Und hier ist es die Gefahr wert, da muss ich, nochmals Entschuldigung, lachen.

    Mich interessiert sehr, wie sich das Verhalten der Wölfe, die richtigerweise bis jetzt als scheu bezeichnte werden, unter dem Eindruck eines absoluten Jagdverbotes ändern wird.
    Wenn ich an die Krähen denke, die sich jetzt auf mein Fensterbrett wagen und an die Scheiben picken, frech wie Oskar, sehr lernfähig...

    Wir müssen halt alles übertreiben, um uns gut zu fühlen, wahrscheinlich, um Schuldgefühle zu verdrängen.

  3. Die Mehrheit der Jäger hat ja wohl erkannt, dass Wölfe den Wildtierbestand regulieren und daher von Nutzen sind.

    Möge der liebe Gott verhüten, dass sich wieder irgend ein Trophäen-Narr dazu aufschwingt, die Bevölkerung vor einem "Problem-Tier" zu schützen.

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    • Floak
    • 30. Juli 2012 16:20 Uhr

    Der Großteil der Jäger wird eher gegen den Wolf hetzen, weil der Wildtierbestand ja bisher künstlich "reguliert" werden musste. Klartext heisst das: weniger Rehkeule für den Jäger -> Jäger unglücklich -> Jäger betreibt lobbyismus, gibt seine "Expertenmeinung" zu der Gefährlichkeit des Wolfes ab und das alles nur weil er in Zukunft genauso viel Rehkeule wie bisher vertilgen mog. Natürlich gibt es ausnahmen. Aber Konkurrenz konnten unsere Jäger noch nie besonders gut leiden.

    Der Wolf ist für die Regulierung des Wildbestandes sehr wichtig. Zu viele Rehe bedeuten das Ende der Tanne und der Eibe da die Triebe der jungen Bäume dem Reh besonders Gut schmecken. Die Fichte die in diesen Breiten eh nichts Verlohren hat wird in ruhe gelassen...

    Der Wolf hat also als Letztes Glied der Nahrungskette eine Große Bedeutung, da Pflanzenfresser nur schwer durch ihre Futterverknappung reguliert werden können. Der Wolf hingegen wird sehr gut durch den Futterbestand der großen Wildtiere reguliert. Übergriffe auf Menschen sind gerade deshalb sehr unwarscheinlich weil das Futterangebot Ziemlich groß ist. Die Paar wölfe die sich hier neu ansiedeln könnten beiten auch dem Jäger keine Große Konkurrenz.

    • Floak
    • 30. Juli 2012 16:20 Uhr

    Der Großteil der Jäger wird eher gegen den Wolf hetzen, weil der Wildtierbestand ja bisher künstlich "reguliert" werden musste. Klartext heisst das: weniger Rehkeule für den Jäger -> Jäger unglücklich -> Jäger betreibt lobbyismus, gibt seine "Expertenmeinung" zu der Gefährlichkeit des Wolfes ab und das alles nur weil er in Zukunft genauso viel Rehkeule wie bisher vertilgen mog. Natürlich gibt es ausnahmen. Aber Konkurrenz konnten unsere Jäger noch nie besonders gut leiden.

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    man sich ja immer verlassen.

  4. "Spaziergängern und spielenden Kindern drohe keine Gefahr"

    Das ist nicht ganz richtig. Der Wolf ist gegenüber dem Menschen zwar extrem scheu und jagt diesen nicht, aber wie jedes Tier hat er einen Selbsterhaltungstrieb und reagiert als Raubtier eher aggressiv, wenn er sich in die Ecke gedrängt gefühlt und der Nachwuchs gefährdet ist.
    Somit besteht sehr wohl eine Gefahr für unachtsame Spaziergänger und Kinder. Nur die Aufklärung über richtiges Verhalten bei einer Begegnung mit dem Wolf kann das Risiko eines Angriffs reduzieren.
    Was bei der engen Besiedelung nicht ausbleibt ist, dass der Wolf mit Sicherheit Nutztiere bejagt. Hier sind die Länder und Kommunen in Zusammenarbeit mit Umwelt- und Tierschutzverbänden gefragt, den Haltern und Landwirten dabei zu helfen, effektive Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um einen Bejagung von Nutztieren durch den Wolf nahezu unmöglich zu machen.
    Tatsache ist, dass der Wolf für unsere Wälder unschätzbar wertvoll ist für ein biologiscvhes Gleichgewicht, ohne massiven Eingriff des Menschen.

    MfG
    AoM

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  6. Der einzige Wolf in Rheinland-Pfalz wurde Ende April von einem Jäger im Westerwald erschossen.

    Der Wolf ist RLP also leider wieder ausgerottet.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Grüne | Schleswig-Holstein | Auto | Heide | Ministerium | Robert Habeck
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