Umweltschutz : Deutschland könnte die Meere der Antarktis retten

Klimawandel, Fischfang und Verschmutzung gefährden die antarktischen Meere. Deutschland könnte Vorreiter werden, um den einmaligen Lebensraum zu schützen.
Pinguine auf der Jagd im antarktischen Rossmeer

Breites Grinsen, aufgestützte Arme, Schneeanzug. Es ist ein schönes Erinnerungsfoto, das Richard Branson da auf seinen Blog geladen hat. Die Faszination Antarktis – sie steht dem britischen Starunternehmer ins Gesicht geschrieben.

Bisher konnte der Mensch diese Faszination recht beruhigt genießen: Seit Jahrzehnten gilt schließlich der Antarktisvertrag , in dem sich unzählige Länder dazu verpflichtet haben, alles von der Region fernzuhalten, was nicht der Wissenschaft dient. Aber die Sicherheit ist in Gefahr. Nicht ohne Grund fragt sich Branson nach seiner Expedition im vergangenen Jahr, ob unsere Kinder den Südpol noch so erleben werden, wie er.

Klimawandel , Überfischung , industrielle Verschmutzung – Wissenschaflter warnen, dass der Druck auf die Antarktis rapide zunimmt, und das gilt vor allem für jenen Teil, der durch den Antarktisvertrag von vornherein eher zweitrangig geschützt war: das Wasser.

"Fast alle unsere Meere sind kommerziell überfischt . Einige Länder wollen nun die noch weitgehend unberührten Meere um die Antarktis stärker kommerziell nutzen", sagt Ralf Sonntag, Meeresbiologe beim Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW) . Beispiel Rossmeer. Das "letzte Meer", wie es einige Wissenschaftler wegen seiner Ursprünglichkeit nennen, ist Heimat des Antarktischen Riesendorschs. Für den Raubfisch zahlen Gourmetrestaurants in den USA , Japan, China oder Singapur bis zu 70 US-Dollar pro Kilo. Lohnende Beute.

Mit dem Riesendorsch ist nicht nur ein elementarer Bestandteil der antarktischen Nahrungskette in Gefahr; man schätzt, dass sich die Population bereits um 20 Prozent verringert hat. Es verschiebt sich auch eine feine Linie, weil intensive Fischerei in einem Gewässer droht, das bisher nahezu unangetastet blieb. Dem entgegenzuwirken ist Auftrag der Kommission für den Erhalt der Antarktischen Meereslebensressourcen (CCAMLR) . Deutschland ist eines von 25 Mitgliedern.

In der Kommission wird hinter verschlossenen Türen beschlossen

Doch: CCAMLR ist in der Öffentlichkeit nicht nur praktisch unbekannt. Die Kommission erlaubt bei ihren jährlichen Tagungen im australischen Hobart auch kaum Medien- oder Publikumszugang. Umweltschutzorganisationen bleiben außen vor. "Das Schicksal der antarktischen Meeresumwelt wird demnächst entschieden und die Weltöffentlichkeit weiß nichts davon", sagt Onno Groß von der Meeresschutzorganisation Deepwave . Im Oktober kommt CCAMLR zu einer entscheidenden Sitzung zusammen.

Mehr Schutz steht zwar auf der Tagesordnung, aber: die Kommission funktioniert auf Konsensprinzip – und eine Reihe von CCAMLR-Mitgliedsländern haben Fischfanginteressen in der Region. Es drohen Blockaden, der Ausgang des Treffens ist ungewiss.

Dabei gäbe es einen ehrgeizigen Plan. Die Antarctic Ocean Alliance (AOA ) – ein Zusammenschluss aus 16 internationalen Umweltschutzorganisationen, darunter Deepwave, Greenpeace und der WWF – hat ihn im Mai in London vorgestellt. Der Vorschlag: ein Netzwerk aus 19 Meeresschutzgebieten, Zonen also, in denen die Fischerei und der Abbau von Ressourcen stark eingeschränkt oder verboten sind. Wie ein Ring würde sich das Netzwerk um die antarktische Landmasse legen – und diesen einmaligen Lebensraum schützen, jetzt da er noch weitgehend intakt ist.

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Kommentare

67 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Die Überschrift sagt ja alles

Deutschland soll wierdermal vorweg marschieren. Vorreiterrolle in der EU, in der Energiewende und jetzt bei der Rettung der Welt.

Ich halte den Umweltschutz für sehr wichtig, aber warum ausgerechnet Deutschland immer ganz vorn stehen soll (Für einige sogar muss), erschließt sich mir nicht so ganz.

Umkehr der Verhältnisse

Lieber vorne stehen, als mitlaufen. Ich verstehe ihre Ablehnung nicht.

Außerdem glaube ich nicht, dass Geld hier das Thema ist, sondern politische Unterstützung und die ist allemal zu leisten.

Die Eurokrise ist auch vollkommen unbedeutend im Vergleich zum Wohl unseres Planeten. Leider ist in unserer wirtschaftlich geprägten Zeit in den Köpfen eine Umkehr der Verhältnisse eingetreten, die schon an sich so unfassbar schädlich ist, dass ein aktives Umweltbewusstsein viel gegen die Überfischung beitragen kann.

Dann würden nämlich nicht mehr wirtschaftliche Interessen über dem Wohl unserer natürlichen Heimat stehen. Und insofern ist eine politische Unterstützung dieses Vorhabens nicht nur wünschenswert, sondern lebensnotwendig.

Re: Umkehr der Verhältnisse

> Lieber vorne stehen, als mitlaufen.
> Ich verstehe ihre Ablehnung nicht.

Ich verstehe die Ablehnung auch nicht. In dem Artikel wird sachlich und schlüssig erläutert, wie man mit vertretbarem Aufwand etwas Sinnvolles tun kann. Und als Kommentare erntet der Verfasser zu 80% destruktive, zynische und unsinnige Bemerkungen. Ein "schönes" Beispiel für die Kommentarkultur, die kürzlich auf Zeit Online noch Gegenstand eines ausführlichen Artikels war.

Überschriften

Nach dem die freundliche Kritik an der Redaktion als unsachlich wegzensiert wurde, noch einmal als freundliche sachliche Bitte:

- Könnte man Überschriften bevorzugen, die zum Inhalt des Artikels passen?
- Könnte man in Überschriften Reizwörter oder Formulierungen vermeiden, die mit dem Artikel wenig zu tun haben, aber geneigt sind, die Leserkommentare zu dominieren (z.B. "Deutschland kann XX retten", wenn es sich nur um diplomatische Einflussname handelt).

Deutschland könnte die Meere retten

Kann es nicht.
Der Vorreiter (wenn er denn reitet) rettet allein gar nichts.
Selbst wenn Deutschland ab sofort Null maritime Ressourcen mehr verbrauchen würde und sich sperren würde gegen alles Mögliche, würde nichts gerettet und folgen würde uns auch keiner.
Selbst der Artikel nennt "einige Länder" die für erfolgreiches Tun nötig sind, seltsam, dass sich dass dann auf "Deutschland kann" verdichten lässt.

Fischkonsum

Bei etwas über 80 Millionen Menschen in Deutschland isst jeder Deutsche ca. 16kg Fisch pro Jahr.

Empfinde den Titel daher als unpassend. Auf die Einwände, dass es Zuchtfisch sei, auch dieser wird mit kleineren Wildfischen gefüttert.

http://www.deepwave-blog....

Es wäre aber schon mal ein riesiger Schritt nach vorne, wenn in der (Ant-)Arktis nicht nach Rohstoffen gebohrt wird.