UmweltschutzCookinseln gründen größten Meerespark der Welt

Eine winzige Nation versucht quasi ohne Startkapital das Unmögliche: Die Cookinseln wollen ein riesiges Schutzgebiet im Pazifik einrichten. Von C. Behrends von Christoph Behrends

Touristen schnorcheln in der Aitutaki Lagune auf den Cookinseln.

Touristen schnorcheln in der Aitutaki Lagune auf den Cookinseln.  |  © Eva Stockinger

Mit fast einer Million Quadratkilometer Fläche entsteht auf den Cookinseln der größte Marinepark der Welt. Damit wäre das Schutzgebiet doppelt so groß wie Spanien und hätte die dreifache Fläche des australischen Great Barrier Reef Marineparks . Am Montagabend (Dienstagfrüh deutscher Zeit) will Premierminister Henry Puna während eines internationalen Treffens der Pazifikstaaten die Gründung bekanntgeben.

Der Marinepark bedeutet für die winzige Inselnation, die auf Entwicklungshilfe von Neuseeland und Australien angewiesen ist, eine enorme Herausforderung. Während die australischen Nachbarn jährlich Dutzende Millionen Dollar in den Schutz ihrer Meeresgebiete stecken, verfügen die Cookinseln über keinerlei Startkapital. Man setzt auf die zukünftige finanzielle Unterstützung durch internationale Geldgeber.

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Die Cookinseln sind ein unabhängiger Inselstaat im Südpazifik in freier Assoziierung mit Neuseeland. Sie haben eine eigene Regierung, lassen sich aber in Fragen der Außenpolitik und Verteidigung von Neuseeland vertreten. Auf den 15 Inseln leben knapp 18.000 Einwohner. Mit ihren intakten Riffs, der beeindruckenden Unterwasserwelt und oft unberührten Stränden sind die Hauptinseln Rarotonga und Aitutaki bei Tauchern und Touristen als Urlaubsziel begehrt; mehr als 100.000 besuchen die Inseln jedes Jahr. Das Staatsgebiet der Cookinseln ist fast so groß wie Grönland . Etwa die Hälfte soll künftig im geschützten Marinepark liegen.

"Wir stehen vor der Wahl, entweder nichts zu tun, oder das Unmögliche zu versuchen", sagte der ehemalige Rugbyprofi Kevin Iro im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Vor vier Jahren entwickelte er zusammen mit einem Freund die Idee, einen Marinepark zu gründen. "Ich war damals oft längere Zeit im Ausland, und wann immer ich zurückkam und angeln oder schnorcheln ging, gab es weniger Fische. Die Entwicklung war schleichend, so dass meine Freunde vor Ort sie nicht mitbekommen haben." Es war ein langer Weg mit vielen Gesprächen, bis auch die Regierung das Potenzial der Idee erkannte und mit ins Boot kam. "Es geht uns heute darum, eine Botschaft an andere Länder zu senden. Wir sind zwar eine der kleinsten Nationen der Welt, aber wenn wir es schaffen, könnt Ihr es auch."

Der Handlungsbedarf im Pazifik ist groß. Bereits seit Jahren warnen Experten vor den Auswirkungen des Klimawandels und der Überfischung der Meere für die Region. 30 Prozent der weltweiten Riffe gelten als bedroht; dabei spielen sie eine elementare Rolle für die Aufrechterhaltung des globalen Ökosystems. Fast ein Drittel des weltweit gefangenen Thunfischs kommt mittlerweile aus dem Pazifik und die internationalen Fangflotten dringen weiter in noch unberührte Areale vor. Um eine nachhaltige Entwicklung des Pazifiks zu ermöglichen, die Region effizient zu verwalten und ihre Umwelt zu schützen, haben die Inselstaaten sich im Rahmen der Pacific Oceanscape zusammengeschlossen, deren Bestandteil der Marinepark werden soll.

Umweltverbände und Tourismusbranche arbeiten zusammen

"In unseren Gewässern kommen Rifffische vor, die anderswo komplett vernichtet wurden, und viele andere global bedrohte Spezies", sagt Jackie Evans von der lokalen Umweltschutzorganisation Te Ipukarea Society (TIS). "Je stärker die Fischgründe im Westen ausgebeutet und im Zuge dessen geschützt werden, desto mehr geraten unsere Fischgründe in Gefahr." Ihre Organisation ist Teil einer ungewöhnlichen Allianz, die das Projekt Marinepark vorantreibt. Neben Umweltschützern und traditionellen Führern sitzen im Steuerungskomitee Regierungsvertreter und Experten aus der Tourismusbranche, die mit dem Marinepark den Ökotourismus anzukurbeln hoffen. Premierminister Puna, der sich für grüne Politik stark macht und den Energiebedarf der Cooks bis 2020 komplett aus regenerativen Quellen decken will, liegt das Vorhaben besonders am Herzen: "Das macht mich wirklich glücklich. Wir sind auf ungeheure Unterstützung aus der Bevölkerung gestoßen", sagte er vor Kurzem der Zeitung Islands Business .

Das Steuerungskomitee versucht, die vielfältigen Interessen unter einen Hut zu bringen – dazu zählt auch die Frage nach kommerziellem Fischfang und Tiefseebergbau. Angestrebt wird ein Park mit mehreren Zonen, die verschiedene Aktivitäten zulassen. "Zu Beginn wird es vielleicht nur wenige reine Schutzzonen geben. Doch ihr Anteil wird sich mit den Jahren ausweiten", sagt  Kevin Iro mit Blick auf den großen Nachbarn Australien, der den Schutz seines Riffs über 30 Jahre kontinuierlich erweitert hat. Für die Einteilung des Parks in Zonen müsse jedoch zunächst eine Datengrundlage geschaffen werden. "Wir müssen mehr darüber erfahren, was in unseren Gewässern wo vorkommt. Auf dieser Basis müssen wir als Nation eine Entscheidung darüber fällen, welche Zonen wo eingerichtet werden", so Jackie Evans, die nicht müde wird zu betonen, wie wichtig die Einbeziehung der Insulaner in das Vorhaben ist.

Leserkommentare
    • xpeten
    • 27. August 2012 11:48 Uhr

    und nicht von der Fischfangindustrie hintertrieben.

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    entweder nichts zu tun, oder das Unmögliche zu versuchen"

    Möge das Unmögliche gelingen.

    Dazu gehört auch, dass die Nachricht über dieses Projekt und seine Hintergründe die entsprechende Aufmerksamkeit erfährt.

  1. besser recherchiert als der "Titel" aus dem Übersetzungscomputer!

    MfG KM

    • HorFe
    • 28. August 2012 20:03 Uhr

    für Spenden angeben. Gibt es ein Spendenkonto auf den Cook-Inseln ? Danke

  2. entweder nichts zu tun, oder das Unmögliche zu versuchen"

    Möge das Unmögliche gelingen.

    Dazu gehört auch, dass die Nachricht über dieses Projekt und seine Hintergründe die entsprechende Aufmerksamkeit erfährt.

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  • Schlagworte Umweltschutz | Australien | Fischfang | Neuseeland | Riff | Tourismusbranche
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