SatellitenbeobachtungenArktisches Meereis schwindet wie noch nie

Die Meereisfläche im Nordpolarmeer ist im Sommer stark geschrumpft. Forscher sind beunruhigt. Die Schwankungen seien keine normalen klimatischen Veränderungen mehr. von 

Mit nur noch 4,1 Millionen Quadratkilometern hat die Meereisfläche in der Arktis einen neuen Tiefstwert erreicht. Dies berichten Wissenschaftler der Weltraumbehörde Nasa und des amerikanischen Schnee- und Eis-Datenzentrums (NSIDC) an der Universität von Colorado . Die Eisdecke dehnt sich damit noch einmal um rund 70.000 Quadratkilometer geringer aus als im September 2007, dem bisherigen Niedrigrekord. Allerdings können Forscher mit Satelliten die Eisfläche erst seit etwas mehr als 30 Jahren beobachten.

Die Decke des Meereises verändert sich alljährlich. Alle arktischen Regionen, in denen Eis mindestens 15 Prozent der Meeresoberfläche bedecken, zählen Forscher zur Meereisausdehnung. Ihr Ausmaß wächst im Winter an und geht mit steigenden Temperaturen im Sommer wieder zurück. Allerdings reduziert sich seit 1979 die minimale Fläche, die im Sommer an Meereis übrigbleibt. Im Schnitt ist sie um 12 bis 13 Prozent je Dekade geschwunden. Auch die Dicke der Eisdecke verringert sich, berichtet die Nasa .

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"Anders als 2007 war es in der Arktis nicht ungewöhnlich warm diesen Sommer", sagt Joey Comiso vom Goddard Space Flight Center der Nasa, der die Satellitendaten mit auswertet. "Wir verlieren die Dichte der Eisdecke , damit wird das Eis im Sommer sehr angreifbar." Die Wissenschaftler erwarten, dass die Ausdehnung des Meereises in den kommenden Wochen noch weiter zurückgeht. Noch ist die Schmelzperiode dieses Jahr nicht vorüber. Sie geht meist ab Mitte September zu Ende.

Allerdings sei die neuerliche Entwicklung zusammen mit den Daten der vergangenen Jahre ein "Anzeichen, dass die arktische Meereisdecke sich fundamental verändert", sagt der NSIDC-Wissenschaftler Walt Meier. Die Abnahme an Meereis sei mittlerweile "deutlich abseits normaler klimatischer Schwankungen". Viele Forscher sehen hier einen Zusammenhang mit dem Klimawandel, den der Mensch mit seinen Treibhausgas-Emissionen anheizt.

Diese Animation zeigt die Fläche, die das arktische Meereis am 26. August 2012 einnahm. Es ist die geringste Ausdehnung seit Beginn der Satellitenaufnahmen vor mehr als 30 Jahren.

Diese Animation zeigt die Fläche, die das arktische Meereis am 26. August 2012 einnahm. Es ist die geringste Ausdehnung seit Beginn der Satellitenaufnahmen vor mehr als 30 Jahren.  |  © Scientific Visualization Studio, Nasa Goddard Space Flight Center

Meier und seine Kollegen erwarten, dass die Arktis innerhalb der nächsten Jahrzehnte im Sommer komplett von Meereis befreit sein könnte. "Diesen Trend sehen wir seit 34 Jahren, es gibt keinen Grund zu glauben, dass er sich ändern wird."

Das arktische Meereis bezeichnen einige Forscher auch als Klimaanlage der Polarregion. Es mäßigt das globale Klima. Die grelle Meereisoberfläche reflektiert bis zu 80 Prozent der Sonnenstrahlen, die sie treffen, zurück ins All. Schwindet dieser Spiegel, heizen sich die Ozeane weiter auf und könnten so den Eisverlust noch verstärken. Immerhin absorbiert das Meer etwa 90 Prozent der Sonneneinstrahlung.

Zuletzt hatten skandinavische Wissenschaftler berichtet, dass sich auch Grönlands Eisschilde dramatisch verändern. Jedoch könnten Eisschmelzen an Land, bei denen Gletscher tauen, auch normal sein . Die Forscher konnten zeigen, dass das Eisschild sehr viel dynamischeren Prozessen unterworfen ist, als bislang vermutet. Auch stabilisiere es sich nach Schmelzen schneller, als Modelle und Computersimulationen bislang prognostiziert hatten. Damit würde sich der Zeitpunkt verzögern, zu dem das Schild seine Robustheit als Folge des Klimawandels verlieren könnte. Innerhalb weniger Jahrzehnte würde das Schmelzwasser dann den Meeresspiegel ansteigen lassen und Küstenregionen weltweit gefährden.

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Leserkommentare
  1. "Dies ist die Geschichte einer Gesellschaft (Welt), die fällt. Während sie fällt, sagt sie, um sich zu beruhigen, immer wieder: Bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung!"

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    Ich habe zu dieser Logik erst vor kurzem ein äußerst amüsantes Comic gefunden: http://www.washingtonpost...

    Wir sind momentan zwischen Bild 4 und 5.
    Und die ökologischen Entwicklungen - wie uns die Entwicklung des arktischen Eisschildes vs. der Fortschritt von den Klimaverhandlungen in Rio und Co. vortrefflich verdeutlicht - führen wohl dazu, dass wir tatsächlich noch Bild 7 erreichen werden. Weiter möchte ich nicht denken...

    • HorFe
    • 28. August 2012 14:02 Uhr

    wahrscheinlich im Wasser stattfinden und mit dem Ertrinken enden.

    Toller Film!

    Anbei noch ein paar ergänzende deutssprachige Quellen:
    http://www.scilogs.de/wbl...
    http://www.scilogs.de/wbl...

    • genius1
    • 28. August 2012 12:21 Uhr

    Ein Link:

    http://www.biokurs.de/skr...

    Entscheidener als der CO2 Eintrag in die Atmosphäre ist die Intensivierte Landwirtschaft! Von Fehlern bei der Bewässerung (übermäßiger Wasserverbrauch), bis zur Abholzung von Wäldern zur Gewinnung von Landwirtschaftlicher Fläche, für Fleisch- und Energiegewinnung. Das dürfte das Klima mehr Verändern, als CO2 es je kann, von natürlichen Schwankungen einmal Abgesehen!

    Hauptsache, wir werden mit der CO2-Abgabe Abgezockt, um andere Finanzlöcher zu Stopfen.

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    endet der Kohlenstoff aus dem Boden und den abeholzten Waeldeern?
    Als CO2 in der Atmosphaere.
    Bewaesserung ist der einzig bekannte mechanismus der die Kohlenstoffanreichering in landwirtschaftlichen Boeden foerdert.

    Cheers

    Stefan

  2. ...stösst man auf folgende interessante Informationen:

    http://www.science-skepti...

    'Die Abnahme an Meereis sei mittlerweile "deutlich abseits normaler klimatischer Schwankungen". '

    Ach ja? Finde ich eigentlich nicht, wenn man sich die nötigen Details dazu zusammensucht. Es gibt das Modell der Arktis-Antarktis-Kopplung. Entsprechende Messdaten machen das im Vergleich deutlich:

    http://nsidc.org/data/sea...

    http://nsidc.org/data/sea...

    bzw.:

    http://nsidc.org/data/sea...
    http://nsidc.org/data/sea...

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    zu sehen wie einfach man die Wissenschaftler der NASA oder anderer Institutionen als Deppen oder Luegner hinstellen kann.

    scepticalscience waere eine Alternative.
    Die NSIDC Graphiken bestaetigen nur was der Artikel beschreibt. Schrumpfen des des Arktischen Eises. Von der Antarktis redet keiner aber wenn Sie sich darueber informieren wollen sceptiticalscience hat gute Artikel mit Quellenangaben zum selber nachlesen.

    Cheers

    stefan

    • y4rx
    • 28. August 2012 14:12 Uhr

    Nicht, daß ich etwas gegen ein wenig Skepsis hätte....
    Aber daß mittlerweile alles und jedes in irgendeiner Verschwörungstheorie bezweifelt wird, ist mehr als nervig!
    Man sehnt sich ja förmlich nach einer Katastrophe, damit die ach so wissenden Skeptiker mal das Mundwerk gestopft bekommen.
    Jaja, es ist ja richtig. Es gibt sie auch die Profiteure der sogenannten "menschgemachten Klimaveränderung". Aber wer bei all dem Material, das zur Verfügung steht, immer noch glaubt, das Klima wäre stabil, ist ein Spinner. Man kann sich bestimmt streiten, was da der Einfluß des Menschen ist und was natürlichen Ursprungs. Aber das es mittlerweile offensichtliche Veränderungen gibt ist nicht mehr zu leugnen.
    Das erinnert mich an die Leugner der Mondlandung. Auch die Fotos der Indischen Sonde oder die neuen der Nasa werden als Fälschung abgetan. Wer halt gern in seiner eigenen, selbst gemachten Welt lebt, dem ist nicht zu helfen.....

    Und ich sehe nichts und wieder nichts, dass den Artikel widerlegen würde.

    1. Bild: Es gibt deutlich weniger Eis in der Arktis in den Jahren 2007 und 2012 als im Schnitt zwischen 1979 und 2000.

    2. Bild: Das Antarktische Meereseis ist ungefähr gleich dem obengenannten Abschnitt.

    3. Bild: Verstehe ich nicht so recht. Was sind Northern Hemisphere Extent Anomalies? Die scheinen abgenommen zu haben.

    4. Bild: Gleiche Sache wie vorher. Nur dass die Southern Hemisphere Extent Anomalies leicht zugenommen haben.

    Was genau in diesen Bildchen oder in dem von Ihnen verlinkten Artikel widerlegt auch nur eine einzige Aussage in diesem Zeitinterview?

  3. ... bin ich ja beruhigt, wenn man auf solchen seriösen Seiten den ganzen Sonsens entlarvt. Nein, mal ehrlich: da gibt es nicht EINE Referenz hinter besagtem link. Was sind das Mikrowellensatelliten? Welche Wellenlängen werden verwendet? Welche räumliche Auflösung haben die Daten? Aktive oder passive Mirkowellensensoren? Mehreis, welches so dünn ist, dass es durch Radarwellen nicht detektierbar ist, kann getrost vernachlässigt werden und Eisschollen, die so klein sind, dass sie bei einer entsprechenden räumlichen Auflösung (sagen wir mal 1km)vom Sensor nicht mehr "gesehen" werden, ebenso. Schönreden kann man sich immer alles, vor allem, wenn man keine Ahnung hat. Wie bereits im ersten Kommentar erwähnt: Nicht der Fall ist Problem, sondern die Landung!

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    mein Kommentar war natürlich als Kommentar zu Kommentar 3 (@nuclearwinter) gedacht :)

  4. mein Kommentar war natürlich als Kommentar zu Kommentar 3 (@nuclearwinter) gedacht :)

    Antwort auf "na dann..."
  5. zu sehen wie einfach man die Wissenschaftler der NASA oder anderer Institutionen als Deppen oder Luegner hinstellen kann.

  6. endet der Kohlenstoff aus dem Boden und den abeholzten Waeldeern?
    Als CO2 in der Atmosphaere.
    Bewaesserung ist der einzig bekannte mechanismus der die Kohlenstoffanreichering in landwirtschaftlichen Boeden foerdert.

    Cheers

    Stefan

  7. scepticalscience waere eine Alternative.
    Die NSIDC Graphiken bestaetigen nur was der Artikel beschreibt. Schrumpfen des des Arktischen Eises. Von der Antarktis redet keiner aber wenn Sie sich darueber informieren wollen sceptiticalscience hat gute Artikel mit Quellenangaben zum selber nachlesen.

    Cheers

    stefan

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    "Von der Antarktis redet keiner"

    Ach, dämmert Ihnen bei dieser Aussage was? Da wir hier - wie schon erwähnt - von einer Kopplung reden, ist die Betrachtung der Antarktis von fundamentaler Wichtigkeit, wenn wir über das globale(!) Klima reden, wie es hier wieder getan wird. Und genau das illustrieren ebenso die Grafiken.

    Nun ja, im Winter treffen wir uns bei ähnlichem Thema wieder, wenn es darum geht, dass die Westantarktis schmilzt, weil dann dort rein zufällig Sommer ist.

    - hier noch der Link -> http://www.skepticalscien... - ist eine gute Sekundärquelle. Angesichts des auch hierzulande zunehmenden Klimaskeptizismus' gibt es mittlerweile ein deutschsprachiges Schwesterprojekt -> http://www.klimafakten.de/ . Ebenfalls empfehlenswert sind natürlich auch u. a. folgende Blogs -> http://www.scienceblogs.d... http://www.realclimate.org/ http://tamino.wordpress.com/ oder speziell zum arktischen Klima -> http://neven1.typepad.com...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Nasa | Gletscher | Klimawandel | Meeresspiegel | Sommer | Arktis
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