Nützliche HefenIm Magen von Wespen durch den Winter

Seit Jahrtausenden helfen Hefen, wenn der Mensch Brot backt und Bier braut. Forscher haben nun das Geheimnis gelüftet, wo die Pilze außerhalb des Gärbottichs überdauern.

Einer der wichtigsten Nützlinge des Menschen wird gern übersehen: Hefen wie Saccharomyces cerevisiae verdanken wir Brot, Bier, Wein und allerlei andere vergorene Köstlichkeiten. Und obwohl wir die Fähigkeiten der Pilze schon seit rund 9.000 Jahren ausnutzen, wissen wir über sie an sich erstaunlich wenig.

Wo zum Beispiel leben eigentlich ihre natürlichen Vertreter außerhalb der Gärbottiche? Wie mischen sie ihre Stämme, wie breiten sie sich aus, und wie und wo überwintern sie in freier Wildbahn? Italienische Forscher haben sich auf die Suche nach Antworten gemacht.

Anzeige

Dazu durchstreifte das Team um Ducchio Cavalieri von der Universität Florenz im Frühling, Sommer und Herbst die Weinberge der Toskana auf der Suche nach Wespen und Bienen. Ihre Theorie: Wahrscheinlich nehmen die Hautflügler mit ihrer Lieblingsnahrung, langsam vergärenden Früchten, immer auch einige der dort heranwachsenden Hefen auf und verbreiten sie dann in die Umgebung.

Erschienen auf spektrum.de

Erschienen auf spektrum.de

Und tatsächlich, am Ende hatten die Forscher einige Hefespezies und 17 Stämme von S. cerevisiae gesammelt – nur in den Mägen von Wespen, nie dagegen in Bienen. Die meisten Hefen waren dabei verschiedene, bei der Weinproduktion eingesetzte Sorten, einige aber auch Bäckerhefen; selbst eine afrikanische Sorte fand sich, wie Gensequenzanalysen belegten.

Zudem wurden die Forscher zu jeder Jahreszeit fündig. In den Mägen von Wespen können Hefen sogar den Winter überstehen, wie ein Experiment zeigt: Die Forscher fütterten weibliche Wespen vor ihrer Überwinterung mit genmarkierten Hefen, deren Nachkommen sie dann im Frühjahr in den Larven der Tiere nachweisen konnten. Neben Wespen könnten zudem durchaus noch andere Insekten die Hefen verbreiten und durch den Winter bringen; so waren die Pilze etwa ebenfalls in den Kloaken von Vögeln isoliert worden. Wahrscheinlich eigneten sich die Hautflügler aber aufgrund ihrer besonderen Ökologie besonders gut, meinen die Wissenschaftler.

Erschienen auf spektrum.de

 
Leserkommentare
    • Aluni
    • 02.08.2012 um 1:23 Uhr

    "In vino veritas - im Bier steckt auch so was."
    Besoff'ne Schmetterlinge, insbesondere der Art Admiral kann man im Herbst auf überreifen Pflaumen beobachten. Bei Wespen ist mir noch nichts aufgefallen.
    Die Hefen sind für die Weinherstellung mindestens ebenso wichtig wie fürs Bier. Können alkoholische Gewässer auch ohne Hefen hergestellt werden?
    Und Backhefe, ist sie noch die gleiche wie vor 100 Jahren, oder kann man sie inzwischen auch vollsynthetisch herstellen?
    Welche Rolle spielt der Alkohol, den die Hefen produzieren, für die Verdauung und die Inneren Organe, wo er entsteht?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • estea
    • 02.08.2012 um 8:07 Uhr

    Im Prinzip benutzt man heutzutage dieselben Hefen wie eh und jeh. Da handelt es sich immer um S. cerevisiae. Es gibt keinen einfacheren Prozess, um Ethanol (Alkohol) herzustellen als in einen Luftdichten Tank Wasser, Hefe und Zucker zu geben, das ganze dann auf etwas über Raumtemperatur zu bringen und zu warten, bis die Hefen den Zucker zu Ethanol vergärt haben. Bei 16vol% Sterben die Hefen dann ab, weil selbst ihnen der Alkohol zu viel wird. Will man höhere Konzentrationen erreichen, muss man destillieren.
    Heutzutage sind wir zudem in der Lage bestimmte Stämme von S.cerevisiae zu züchten, um sie für die jeweiligen Produktionsprozesse anzupassen. So sterben manche Stämme schon bei geringeren Alkoholkonzentrationen ab, sind dafür aber vllt besser geeignet, um Teig durch die Produktion von CO2 aufgehen zu lassen.
    Der einzige Fall, in dem für die Bierproduktion eine ganz andere Hefeart benutzt wird, findet sich in Teilen Afrikas, wo Schizosaccharomyces pombe (pombe nach der Biermarke) verwendung findet. Das Bier soll aber weniger angenehm für europäische Gaumen schmecken.
    Was den Alkohol und die Inneren Organe der Wespen angeht: Alkohol ist und bleibt ein Zellgift. Allerdings werden die Bedingungen im Verdauungstrakt der Wespen wahrscheinlich solche sein, in denen die Hefen nicht allzu viel Alkohol herstellen.
    Soweit mein Wissen über Hefen, das ich in unseren Vorlesungen aufgeschnappt habe.
    Ich hoffe, das beantwortet die ein oder andere Frage.

    • estea
    • 02.08.2012 um 8:07 Uhr

    Im Prinzip benutzt man heutzutage dieselben Hefen wie eh und jeh. Da handelt es sich immer um S. cerevisiae. Es gibt keinen einfacheren Prozess, um Ethanol (Alkohol) herzustellen als in einen Luftdichten Tank Wasser, Hefe und Zucker zu geben, das ganze dann auf etwas über Raumtemperatur zu bringen und zu warten, bis die Hefen den Zucker zu Ethanol vergärt haben. Bei 16vol% Sterben die Hefen dann ab, weil selbst ihnen der Alkohol zu viel wird. Will man höhere Konzentrationen erreichen, muss man destillieren.
    Heutzutage sind wir zudem in der Lage bestimmte Stämme von S.cerevisiae zu züchten, um sie für die jeweiligen Produktionsprozesse anzupassen. So sterben manche Stämme schon bei geringeren Alkoholkonzentrationen ab, sind dafür aber vllt besser geeignet, um Teig durch die Produktion von CO2 aufgehen zu lassen.
    Der einzige Fall, in dem für die Bierproduktion eine ganz andere Hefeart benutzt wird, findet sich in Teilen Afrikas, wo Schizosaccharomyces pombe (pombe nach der Biermarke) verwendung findet. Das Bier soll aber weniger angenehm für europäische Gaumen schmecken.
    Was den Alkohol und die Inneren Organe der Wespen angeht: Alkohol ist und bleibt ein Zellgift. Allerdings werden die Bedingungen im Verdauungstrakt der Wespen wahrscheinlich solche sein, in denen die Hefen nicht allzu viel Alkohol herstellen.
    Soweit mein Wissen über Hefen, das ich in unseren Vorlesungen aufgeschnappt habe.
    Ich hoffe, das beantwortet die ein oder andere Frage.

    • estea
    • 02.08.2012 um 8:07 Uhr

    Im Prinzip benutzt man heutzutage dieselben Hefen wie eh und jeh. Da handelt es sich immer um S. cerevisiae. Es gibt keinen einfacheren Prozess, um Ethanol (Alkohol) herzustellen als in einen Luftdichten Tank Wasser, Hefe und Zucker zu geben, das ganze dann auf etwas über Raumtemperatur zu bringen und zu warten, bis die Hefen den Zucker zu Ethanol vergärt haben. Bei 16vol% Sterben die Hefen dann ab, weil selbst ihnen der Alkohol zu viel wird. Will man höhere Konzentrationen erreichen, muss man destillieren.
    Heutzutage sind wir zudem in der Lage bestimmte Stämme von S.cerevisiae zu züchten, um sie für die jeweiligen Produktionsprozesse anzupassen. So sterben manche Stämme schon bei geringeren Alkoholkonzentrationen ab, sind dafür aber vllt besser geeignet, um Teig durch die Produktion von CO2 aufgehen zu lassen.
    Der einzige Fall, in dem für die Bierproduktion eine ganz andere Hefeart benutzt wird, findet sich in Teilen Afrikas, wo Schizosaccharomyces pombe (pombe nach der Biermarke) verwendung findet. Das Bier soll aber weniger angenehm für europäische Gaumen schmecken.
    Was den Alkohol und die Inneren Organe der Wespen angeht: Alkohol ist und bleibt ein Zellgift. Allerdings werden die Bedingungen im Verdauungstrakt der Wespen wahrscheinlich solche sein, in denen die Hefen nicht allzu viel Alkohol herstellen.
    Soweit mein Wissen über Hefen, das ich in unseren Vorlesungen aufgeschnappt habe.
    Ich hoffe, das beantwortet die ein oder andere Frage.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Aluni
    • 03.08.2012 um 1:23 Uhr

    Mich interessieren diese Vorgänge z. zt. in humanmedizinischer Hinsicht, obwohl ich kein Mediziner bin.
    Hefen verbauen Zucker und Stärke zu Alkohol und vermehren sich dabei solange, bis die eigenen Stoffwechselprodukte ihnen zum Verhängnis werden. Der Alk (auch Fusel/Methan?) ist für die Zellen giftig, schädigt beispielsweise die Sehkraft.
    Viele Menschen essen zu viel frisches Brot und Kuchen und Süßigkeiten jede Menge und dürften also reichlich Hefen beherbergen, die ihren Stoffwechsel beeinträchtigen, reichlich Fusel im Organismus ausstreuen, rekordverdächtige Blähungen ausstoßen und Wasser und Fett anreichern, anstatt in die Wärmeerzeugung zu entlassen etc.
    Fazit, sogenannte Diabetes Typ 2 -Leidende könnten eigentlich Pilzkranke sein.

    • Aluni
    • 03.08.2012 um 1:23 Uhr

    Mich interessieren diese Vorgänge z. zt. in humanmedizinischer Hinsicht, obwohl ich kein Mediziner bin.
    Hefen verbauen Zucker und Stärke zu Alkohol und vermehren sich dabei solange, bis die eigenen Stoffwechselprodukte ihnen zum Verhängnis werden. Der Alk (auch Fusel/Methan?) ist für die Zellen giftig, schädigt beispielsweise die Sehkraft.
    Viele Menschen essen zu viel frisches Brot und Kuchen und Süßigkeiten jede Menge und dürften also reichlich Hefen beherbergen, die ihren Stoffwechsel beeinträchtigen, reichlich Fusel im Organismus ausstreuen, rekordverdächtige Blähungen ausstoßen und Wasser und Fett anreichern, anstatt in die Wärmeerzeugung zu entlassen etc.
    Fazit, sogenannte Diabetes Typ 2 -Leidende könnten eigentlich Pilzkranke sein.

    • Aluni
    • 03.08.2012 um 1:23 Uhr

    Mich interessieren diese Vorgänge z. zt. in humanmedizinischer Hinsicht, obwohl ich kein Mediziner bin.
    Hefen verbauen Zucker und Stärke zu Alkohol und vermehren sich dabei solange, bis die eigenen Stoffwechselprodukte ihnen zum Verhängnis werden. Der Alk (auch Fusel/Methan?) ist für die Zellen giftig, schädigt beispielsweise die Sehkraft.
    Viele Menschen essen zu viel frisches Brot und Kuchen und Süßigkeiten jede Menge und dürften also reichlich Hefen beherbergen, die ihren Stoffwechsel beeinträchtigen, reichlich Fusel im Organismus ausstreuen, rekordverdächtige Blähungen ausstoßen und Wasser und Fett anreichern, anstatt in die Wärmeerzeugung zu entlassen etc.
    Fazit, sogenannte Diabetes Typ 2 -Leidende könnten eigentlich Pilzkranke sein.

    Antwort auf "Re: S. cerevisiae"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle spektrum.de
  • Kommentare 3
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Winter | Bier | Brot | Frühling | Jahreszeit | Pilz
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service