Ein Hase, was ist das eigentlich? Hierzulande meint man damit meist Lepus europaeus – den europäischen Feldhasen. Dass er oft mit dem Wildkaninchen verwechselt wird, war für einen Verein aus Trier Anlass genug, ein Anschauungsblatt zum Unterschied der beiden Arten herauszugeben. Grob gesagt sind Kaninchen auch Hasen, denn sie gehören zur Familie der Leporidae, die mehr als 50 Spezies zählt. Wer es streng betrachtet, würde nur die Echten Hasen der Gattung Lepus als Hasen bezeichnen.

Entsprechend wirr hoppeln Hasenartige durch Literatur und Kunst. Alfred Dürer malte einen Feldhasen, das steht fest. Auch Bugs Bunny war eindeutig ein Hase. Roger Rabbit, wie der Name schon sagt, ein Kaninchen. Aber nicht in allen Fällen ist das so eindeutig.

Die vermehrungsfreudigen Säugetiere wurden in der Antike und im alten Ägypten als Gottbegleiter gesehen und galten im frühen Christentum als Lotsen ins Himmelreich. Frühe religiöse Bildnisse zeigen Hasen von himmlischen Früchten naschend oder als Spielgefährten berühmter Gottheiten wie Aphrodite oder Eros. Sie galten als Symbol für Fruchtbarkeit, Verliebtheit und Weisheit.

Albrecht Dürer widmete sich dem oft abfällig als "Mümmelmann" bezeichneten Tier in einer genauen Studie, die zu ihrer Zeit einzigartig war. Sein berühmtes Gemälde von 1502 zeigt einen Feldhasen in seiner Sasse ruhend. Dürer muss Wochen damit verbracht haben, das Kunstwerk zu vollenden. Zumindest gab es die Kunst des Ausstopfens damals noch nicht. Dass ein lebendiger Hase dem Maler Modell saß, gilt als ausgeschlossen.

In dem Kinderbuch Die Häschenschule aus dem Jahr 1924 wird der ansonsten polygame Lepus europaeus zum bürgerlichen Familientier im Beamtenstatus. Er wird zu Meister Lampe, einem autoritären Lehrertypen mit Nickelbrille, Kordjackett und Rohrstock.

Der wilde Feldhase lebt alles andere als bürgerlich. Die Männchen sind Einzelgänger. Es finden sich keine Pärchen zusammen, es ist einfach nur Paarungszeit von Januar bis August. Die Häsin zieht die Jungtiere alleine auf, die mit sieben Monaten geschlechtsreif werden.

Die Fünfziger waren ein Hasenzeitalter

Kulturell waren die fünfziger Jahre in der westlichen Welt die Blütezeit des Hasen. Mit Mein Freund Harvey wurde 1950 das Theaterstück der Schriftstellerin Mary Chase verfilmt. In der Komödie wird ein imaginärer weißer Hase namens Harvey zum besten Freund des Protagonisten Elwood P. Dowd – im Film gespielt von James Stewart .

Ähnlich unsichtbar ist der Feldhase in der Wildnis. Er wird auch deshalb häufig mit den Wildkaninchen verwechselt, weil die weniger scheu sind und sich tagsüber in Parks blicken lassen. Echte Hasen kann man am besten während der Dämmerung oder beim Sonnenaufgang beobachten. Den Rest des Tages verstecken sie sich vor potenziellen Feinden , wie Füchsen, Raubvögeln oder auch Hunden und Katzen.

Sind Reptilien doof? Und wie wehrt sich die Seegurke? Alle Folgen unserer Serie über unterschätzte Tiere.© David Loh/Reuters

Bugs Bunny, der schon in den vierziger Jahren erdacht worden war, aber erst mit seiner Bunny Show in den Sechzigern Weltruhm erlangte, machte den Hasen zu einer Ikone der Popkultur. Bugs Bunny prägt bis heute das Bild des Karotten fressenden Schlaubergers. Er hat, anders als die Feldhasen in der Natur, nur einen Feind: den aggressiven Jäger Elmer Fudd .

Der Feldhase in Deutschland steht unter Artenschutz und darf nur von Oktober bis Mitte Januar gejagt werden . Die i ntensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, der Mangel an Nahrung und zu wenige Verstecke gefährden die Art.

Der Feldhase von heute wird am meisten mit dem Osterhasen assoziiert und gilt nun als Eierbringer. Dabei waren erst die Eier das Symbol für neues Leben und die Auferstehung Christi. Ein tierischer Bringer der Eier wurde der Hase erst im 19. Jahrhundert . Als sexy Symbolfigur ist der Hase heute noch in einer ganz anderen Rolle berühmt: als Konterfei im 1953 entworfenen Logo des Playboy.