FleischproduktionAigners Antibiotika-Gesetz erntet viel Kritik

Mastbetriebe sollen künftig protokollieren, wie viel Antibiotikum sie verfüttern. Das hat das Kabinett beschlossen. Kritiker verlangen eine Medikamenten-Höchstgrenze. von AFP, dpa und Reuters

In der Tierhaltung soll weniger Antibiotikum eingesetzt werden. Das Bundeskabinett beschloss eine Änderung des Arzneimittelgesetzes, um den Einsatz dieser Medikamente in der Tiermast zu reduzieren. In einer Datenbank sollen die Länder den Antibiotika-Einsatz besser erfassen und kontrollieren. 2011 wurden 1.734 Tonnen Antibiotika an Tiere verabreicht, mehr als doppelt so viel wie noch 2005.

Wenn Bund und Länder besser zusammen arbeiten würden, könnte der Einsatz von Antibiotika innerhalb weniger Jahre deutlich reduziert werden, sagte Bundesagrarministerin Ilse Aigner ( CSU ). Die Gesetzesverschärfung setze dazu an den entscheidenden Stellen an, "und zwar vor Ort in jenen Betrieben, in denen es nötig ist ".

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Die Überwachungsbehörden sollen einschreiten, wenn ein Betrieb übermäßig viel Antibiotikum an seine Tiere verfüttert. Solche Unternehmen sollen verpflichtet werden, ein Konzept für den Einsatz von weniger Medikamenten vorzulegen, wozu etwa mehr Hygiene in den Ställen gehören kann.

Der Datensatz soll Auskunft darüber geben, ob es in bestimmten Regionen verstärkt Probleme gibt. Ob die Länder die bundeseinheitliche Datenbank aufbauen, bleibt allerdings ihnen überlassen.

Grüne: Massenmedikation ist das Problem

Die geplante Gesetzesänderung wird den Grünen zufolge ihr Ziel verfehlen. "Es bleiben schwere Fehler im System", sagte die Fraktionsvorsitzende Renate Künast. "Es ist nach wie vor nicht vorgesehen, das individuelle Tier zu behandeln, sondern es darf weiterhin der ganze Bestand behandelt werden."

Zudem gebe es keine konkreten Vorgaben, wie stark der Einsatz von Antibiotika sinken müsse. "Das Reduktionsziel muss null sein", forderte Künast. Den Gesetzesentwurf nannte sie mangelhaft.

Leserkommentare
  1. Aus einem Bericht der SZ:

    „In der Intensivtierhaltung werden (…) über 40 Mal mehr Antibiotika eingesetzt als in deutschen Krankenhäusern und sieben Mal mehr als in der Humanmedizin insgesamt.“

    "Wegen antibiotikaresistenter Keime sterben pro Jahr in Deutschland etwa 15.000 Menschen.“

    http://www.sueddeutsche.d...

    Besonders Masthähnchen werden in der Massentierhaltung mit Antibiotika vollgestopft und diese wiederum werden bevorzugt in Krankenhäusern den Patienten serviert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Karl63
    • 19. September 2012 17:26 Uhr

    generiert zwangsläufig verstärkt Antibiotika-resistente Krankheitserreger. Bislang ist es immer noch gut gegangen, aber was wenn eines Tages in einem Tierstall etwas entsteht, was eine Epidemie unter Menschen verursacht und mit keinem Antibiotika mehr aufzuhalten ist?

    • an-i
    • 19. September 2012 16:51 Uhr

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mk

    • Karl63
    • 19. September 2012 17:26 Uhr

    generiert zwangsläufig verstärkt Antibiotika-resistente Krankheitserreger. Bislang ist es immer noch gut gegangen, aber was wenn eines Tages in einem Tierstall etwas entsteht, was eine Epidemie unter Menschen verursacht und mit keinem Antibiotika mehr aufzuhalten ist?

    • ASasse
    • 19. September 2012 19:41 Uhr

    2011 wurden 1.734 Tonnen Antibiotika an Tiere verabreicht. Die damit verbundenen Probleme sind bekannt und unstrittig. Ziel wäre dafür zu sorgen, dass deutlich weniger verabreicht würde. Dank Aigners Gesetz würde zwar das Ziel nicht erreicht, aber hinterher wissen wir, wie viel Antibiotika verabreicht wurden. Genial. Das nenne ich Fortschritt.

  2. Wer sich vor Chemie fürchtet sollte nicht nur Hähnchen, sondern alle Arten von Geflügel meiden.

  3. Jeder Halter von Nutztieren ist bereits seit Jahren dazu verpflichtet, jede Behandlung mit einem apothekenpflichtigen Mittel zu dokumentieren und die Belege 5 Jahre aufzuheben. Das ist nichts neues. (http://www.laves.niedersa...)

    Darüberhinaus werden AB nicht "verfüttert" wie in den USA, sondern eben: zur Behandlung eingesetzt.

    Und last not least ist es absoluter Unsinn, Einzeltiere zu behandeln, wenn man zugleich Gruppenhaltung vorschreibt: die Tiere, die Symptome zeigen, haben während der Inkubationszeit andere Tiere der Gruppe angesteckt, und eine Einzeltierbehandlung erfordert insgesamt _mehr_ AB und bewirkt einen _längeren_ Einsatz der Mittel. Letzteres ist aber immerhin nicht der schlechten Recherche sondern der mangelnden Sachkunde der Politiker zuzuschreiben.

    Trotzdem insgesamt für die "Zeit" sehr nachlässig und fehlerhaft.

  4. Dem Kommentar von SHierling ist nichts hinzu zu fügen. Der Artikel folgt dem Mainstream, statt auf zu klären.
    Aber das ist auch in der Politik nicht besser, da beiden (Politik und Medien) dasFachwissen fehlt!

  5. Dem Kommentar von SHierling ist nichts hinzu zu fügen.
    Der Artikel folgt dem Mainstream, wie die Politik auch.Das verkauft sich gut, entspricht aber nicht den Tatsachen!
    Ab wann wird eigentlich Fachwissen notwendig?
    Aber es ist mal wieder schön zu sehen, wie Frau Künast sich selbst disqualifiert

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