2006 brachte der Regen den Zeitplan durcheinander, daran erinnert sich Curtis Wolf gut. Um fast ein Jahr hatte sich die Eröffnung des neuen Besucherzentrums verschoben, weil das Bauland unter Wasser stand. Jetzt steht der Biologe vor dem Gebäude und kann die Geschichte selbst kaum glauben. Seit Wochen lässt Regen auf sich warten . Wo Wasser war, ist verkrustete Erde, so weit das Auge reicht.

Dabei liegt das Wetlands Education Center eigentlich mitten im größten Binnen-Sumpfgebiet der Vereinigten Staaten. Vor mehr als 100.000 Jahren durch Erdverschiebungen zu einer riesigen Badewanne geformt, haben sich die Cheyenne Bottoms im US-Bundesstaat Kansas , umringt von Feldern und Weideland, zu einem der bedeutendsten Feuchtbiotope der Welt entwickelt.

Das fast 166 Quadratkilometer große Naturschutzgebiet ist zweimal im Jahr Anlaufstelle für Hunderttausende Zugvögel, die auf ihrem Weg von Norden nach Süden und zurück in dem Gebiet Rast machen. Massen an Insekten, die hier durch die Luft schwirren, ziehen sie an. Fast die Hälfte aller Zugvögel, die sich letztlich auf dem nordamerikanischen Kontinent zum Nisten niederlassen, macht hier Halt; bei zahlreichen Arten wie dem Wilson-Wassertreter und dem Großen Schlammläufer sind es bis zu 90 Prozent der Spezies. "Für die Vögel gibt es wenige andere Möglichkeiten, auf dem Weg zu stoppen", sagt Wolf.

Riesige Becken liegen brach

Als der Staat in den vierziger und fünfziger Jahren einen Großteil des Gebietes kaufte, verstärkten Arbeiter die Sümpfe mit Deichen und Kanälen, die das Wasser der nahe gelegenen Flüsse in Becken umleiteten und hinter Dämmen stauten. Erst in den Neunzigern kamen Pumpstationen hinzu, die das Naturschutzgebiet gegen die Trockenheit wappnen sollten.

Doch dann kam der milde Winter, ein trockener Frühling, jetzt die Hitze des Sommers. "Es ging einfach immer weiter", sagt Wolf. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juli, erzählt er, habe man zuschauen können, wie der Wasserspiegel in den Sümpfen gesunken sei.

Jetzt schwirrt hier nichts mehr, die riesigen Becken liegen brach, die wenigen Pfützen, die noch vor den Schleusen stehen, sind rostrot. Nur Schilder mit der Aufschrift "Pool" lassen erahnen, dass es hier eigentlich anders aussieht. Die trockene, lehmige Erde bietet kaum genug Nährstoffe für Pflanzen und Tiere. Nur das Unkraut hat sich gehalten. "Eigentlich wäre um diese Jahreszeit hier alles grün", sagt Wolf und zeigt auf eine Fläche, die an die Mondoberfläche in Braun erinnert.

Staubig statt matschig: Die anhaltende Dürre im Sommer 2012 hat den Sumpf trockengelegt. © Thorsten Schröder

Auch die Vögel sucht man in diesem Jahr vergeblich. Die meisten der Tiere, erklärt der Biologe, machten wegen der anhaltenden Dürre gar keine Rast, sondern flögen direkt weiter zu ihrem Ziel. "Das Beängstigende dabei ist, dass das Dürregebiet in diesem Jahr so groß ist, dass sie nicht einfach einen anderen Ort ein paar Meilen weiter anfliegen können", sagt Wolf. Die Dürre hat das Land von den Dakotas bis nach Texas in Staub verwandelt. Einige der Vögel, glaubt der Biologe, fielen der Hitze zum Opfer, "die meisten werden wohl sehr hungrig ankommen".