DürreKansas' grüne Oase ist ausgetrocknet

Im US-Bundesstaat Kansas lag eines der größten Sumpfgebiete der USA. Nun hat die Dürre den Zufluchtsort Hunderttausender Zugvögel verschwinden lassen. von 

Eine Pfütze, wo sich sonst das Wasser in Massen staut: Von den Kansas Wetlands ist 2012 nicht viel übrig.

Eine Pfütze, wo sich sonst das Wasser in Massen staut: Von den Kansas Wetlands ist 2012 nicht viel übrig.  |  © Thorsten Schröder

2006 brachte der Regen den Zeitplan durcheinander, daran erinnert sich Curtis Wolf gut. Um fast ein Jahr hatte sich die Eröffnung des neuen Besucherzentrums verschoben, weil das Bauland unter Wasser stand. Jetzt steht der Biologe vor dem Gebäude und kann die Geschichte selbst kaum glauben. Seit Wochen lässt Regen auf sich warten . Wo Wasser war, ist verkrustete Erde, so weit das Auge reicht.

Dabei liegt das Wetlands Education Center eigentlich mitten im größten Binnen-Sumpfgebiet der Vereinigten Staaten. Vor mehr als 100.000 Jahren durch Erdverschiebungen zu einer riesigen Badewanne geformt, haben sich die Cheyenne Bottoms im US-Bundesstaat Kansas , umringt von Feldern und Weideland, zu einem der bedeutendsten Feuchtbiotope der Welt entwickelt.

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Das fast 166 Quadratkilometer große Naturschutzgebiet ist zweimal im Jahr Anlaufstelle für Hunderttausende Zugvögel, die auf ihrem Weg von Norden nach Süden und zurück in dem Gebiet Rast machen. Massen an Insekten, die hier durch die Luft schwirren, ziehen sie an. Fast die Hälfte aller Zugvögel, die sich letztlich auf dem nordamerikanischen Kontinent zum Nisten niederlassen, macht hier Halt; bei zahlreichen Arten wie dem Wilson-Wassertreter und dem Großen Schlammläufer sind es bis zu 90 Prozent der Spezies. "Für die Vögel gibt es wenige andere Möglichkeiten, auf dem Weg zu stoppen", sagt Wolf.

Riesige Becken liegen brach

Als der Staat in den vierziger und fünfziger Jahren einen Großteil des Gebietes kaufte, verstärkten Arbeiter die Sümpfe mit Deichen und Kanälen, die das Wasser der nahe gelegenen Flüsse in Becken umleiteten und hinter Dämmen stauten. Erst in den Neunzigern kamen Pumpstationen hinzu, die das Naturschutzgebiet gegen die Trockenheit wappnen sollten.

Doch dann kam der milde Winter, ein trockener Frühling, jetzt die Hitze des Sommers. "Es ging einfach immer weiter", sagt Wolf. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juli, erzählt er, habe man zuschauen können, wie der Wasserspiegel in den Sümpfen gesunken sei.

Jetzt schwirrt hier nichts mehr, die riesigen Becken liegen brach, die wenigen Pfützen, die noch vor den Schleusen stehen, sind rostrot. Nur Schilder mit der Aufschrift "Pool" lassen erahnen, dass es hier eigentlich anders aussieht. Die trockene, lehmige Erde bietet kaum genug Nährstoffe für Pflanzen und Tiere. Nur das Unkraut hat sich gehalten. "Eigentlich wäre um diese Jahreszeit hier alles grün", sagt Wolf und zeigt auf eine Fläche, die an die Mondoberfläche in Braun erinnert.

Staubig statt matschig: Die anhaltende Dürre im Sommer 2012 hat den Sumpf trockengelegt.

Staubig statt matschig: Die anhaltende Dürre im Sommer 2012 hat den Sumpf trockengelegt.  |  © Thorsten Schröder

Auch die Vögel sucht man in diesem Jahr vergeblich. Die meisten der Tiere, erklärt der Biologe, machten wegen der anhaltenden Dürre gar keine Rast, sondern flögen direkt weiter zu ihrem Ziel. "Das Beängstigende dabei ist, dass das Dürregebiet in diesem Jahr so groß ist, dass sie nicht einfach einen anderen Ort ein paar Meilen weiter anfliegen können", sagt Wolf. Die Dürre hat das Land von den Dakotas bis nach Texas in Staub verwandelt. Einige der Vögel, glaubt der Biologe, fielen der Hitze zum Opfer, "die meisten werden wohl sehr hungrig ankommen".

Leserkommentare
    • RGFG
    • 11. September 2012 19:28 Uhr

    ...kommen doch dann sofort Heerscharen von selbsternannten Zweiflern und kippen ihm den ganzen öden Schwall von 'Widerlegungen' vor die Füße, von denen er nur zu gut weiß, dass sie nicht stimmen. Warum sich das antun? Warum sich angreifbar machen?

    Kein Jahr vergeht, dass nicht ein Wetterextrem "seit beginn der Aufzeichnungen" registriert würde. Die Häufung dieser Ereignisse im vergangenen Jahrzehnt. Die Eisschmelze in der Arktis und das Zurückgehen des Permafrostbodens, die beide signalisieren, dass ein Selbstverstärkungseffekt einsetzen könnte.

    Was braucht es noch? Eigentlich alles vorhergesagt. Und wenn man sich in den einschlägigen Foren so umhört, dann ist die neue Marschrichtung der 'Zweifler' ja jetzt nicht mehr, dass es gar nicht wärmer werden würde, sondern dass das doch eigentlich ganz toll sei.

    Sprich: Das Thema ist durch.

    Eine Leserempfehlung
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    ableiten:

    - es handelt sich um einne geringmächtigen oberflächennahen Grundwasserleiter

    - oberirdisches und unterirdisches Einzugsgebiet sind gleich (beschränkt)

    - Cheyenne Bottoms sind eine Quartäre Gundwasserblänke die jährlich aufgefüllt werden muss.

    Aus der Phänomenologie läßt sich zum regionalen Klima garnichts ableiten, das wird erst interessant wenn man sich in den Sedimenten die Sporen und Pollen, oder Tonmineralassoziationen anschaut. Ändert sich das Klima so kann auf diesem Weg ein solcher Vorgang unmittelbar nachgewiesen werden.

    MfG KM

    • Peugeot
    • 12. September 2012 10:17 Uhr

    Man sollte zur Kenntnis nehmen: "Allerdings sei das Sumpfgebiet nicht nur den Launen der Natur ausgeliefert, sondern auch die moderne Landwirtschaft sei zum Problem geworden. Weil immer mehr Farmer in der Gegend ihre Felder mit Bewässerungssystemen gegen die Trockenheit schützten, erklärt der Biologe, entzögen sie den Cheyenne Bottoms zunehmend das wichtige Grundwasser."

    Konkret ist es so, dass in diesem hier angesprochenem Gebiet mittlerweile bis zu 25 mal mehr Grundwasser entnommen wird, als durch Niederschläge nachgeliefert wird.
    Der vom User Karl Müller beschriebene Grundwasserleiter ist an bestimmten Stellen schon zu 85% geleert.
    Aus diesem Grund sieht man die Trinkwasserversorgung von Kansas in den nächsten 15 Jahren vor dem Kollaps.

    Menschgemacht ist dieses Problem sehr wohl -aber mit Klimawandel hat es nicht zu tun.
    Die hohe Variabilität der Niederschläge in diesem Gebiet ist auch lange bekannt.

  1. ableiten:

    - es handelt sich um einne geringmächtigen oberflächennahen Grundwasserleiter

    - oberirdisches und unterirdisches Einzugsgebiet sind gleich (beschränkt)

    - Cheyenne Bottoms sind eine Quartäre Gundwasserblänke die jährlich aufgefüllt werden muss.

    Aus der Phänomenologie läßt sich zum regionalen Klima garnichts ableiten, das wird erst interessant wenn man sich in den Sedimenten die Sporen und Pollen, oder Tonmineralassoziationen anschaut. Ändert sich das Klima so kann auf diesem Weg ein solcher Vorgang unmittelbar nachgewiesen werden.

    MfG KM

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    • RGFG
    • 11. September 2012 21:30 Uhr

    ableiten: Dem Autor ist ein gestelzter Ausdruck deutlich wichtiger, als der Inhalt seines Beitrags und ob der den Leser erreicht.

    (...oder war es anders rum? Im vollen Wissen darüber, dass da kein Inhalt ist, der den Leser erreichen kann, wählte der Autor eine bemüht gestelzte Ausdrucksweise, um das zu verdecken).

    • lib-dem
    • 11. September 2012 21:29 Uhr

    Kann es sein, dass der Artikel ein wenig spät erschienen ist?
    Der Hurricane, von dem die Rede ist war jedenfalls längst da und hat zumindest ein wenig Regen gebracht ...

    http://www.nytimes.com/20...

    • RGFG
    • 11. September 2012 21:30 Uhr

    ableiten: Dem Autor ist ein gestelzter Ausdruck deutlich wichtiger, als der Inhalt seines Beitrags und ob der den Leser erreicht.

    (...oder war es anders rum? Im vollen Wissen darüber, dass da kein Inhalt ist, der den Leser erreichen kann, wählte der Autor eine bemüht gestelzte Ausdrucksweise, um das zu verdecken).

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    bitte gehen Sie doch woanders spielen.

    Was mich aber wirklich angsichts solcher "Kritik" umtreibt, ist das wirklich so schwer verständlich?

    Sonst schlagen Sie doch bitte in der DIN 4049 Teil 3 nach.

    Mfg KM

  2. bitte gehen Sie doch woanders spielen.

    Was mich aber wirklich angsichts solcher "Kritik" umtreibt, ist das wirklich so schwer verständlich?

    Sonst schlagen Sie doch bitte in der DIN 4049 Teil 3 nach.

    Mfg KM

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    • RGFG
    • 12. September 2012 5:38 Uhr

    Ist das wirklich zu viel Mühe, sein Argument kurz und knapp auf den Punkt zu bringen? Warum so viel Geringschätzung des Lesers?

    Empfohlene Lektüre: Wolf Schneider, Deutsch für Profis...

    • RGFG
    • 12. September 2012 5:38 Uhr

    Ist das wirklich zu viel Mühe, sein Argument kurz und knapp auf den Punkt zu bringen? Warum so viel Geringschätzung des Lesers?

    Empfohlene Lektüre: Wolf Schneider, Deutsch für Profis...

    Antwort auf "Sehr geehrter RGFG,"
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    1. Sumpfgebiet

    Es handelt sich um einen "großen Teich" der einigen Besonderheiten aufweist.

    - Geologisch ist dieser Teich praktisch neu, also um die 100.000 Jahre alt.
    - Der Teich wird nur durch Niederschläge aufgefüllt; es besteht kein Verbindung zu weiteren Wasservorkommen
    - Das Wasser liegt an vielen Stellen frei (Sumpfflächen), obwohl es sich eigentlich um Grundwasser handelt das gewöhnlich unterirdisch ist; daher werden freiliegende Teile des sehr oberflächennahen Grundwassers auch als Grundwasserblänken angesprochen.
    - Das Wasser verdampft in längeren Wärmeperioden extrem schnell, u.a. weil der Oberboden als Schwamm wirkt und bei oberflächlicher Austrocknung von unten Wasser nachsaugt bis das nicht mehr möglich ist. Dann ist die "nutzbare Feldkapazität" erschöpft bzw. unterschritten und Pflanzen verwelken; wird auch als "permanenter Welkepunkt" bezeichnet.

    Wenn diese Austrocknung zu den regionalen Üblichkeiten der letzten 100.000 Jahre gehört, so ist das mit verschiedenen Methoden leicht überprüfbar! Umgekehrt läßt sich auch feststellen, ob eine Tendenz zu Veränderungen vorhanden ist.
    Einmal, weil solche Biotope angepasste Lebensgemeinschaften beherbergen und dann an den "Zeitzeugen", beispielsweise eingetragenen Pflanzenteilen oder sog. Fällungshorizonten, d.h. festen Abscheidungen im Boden die beim Verdampfen des Wassers zurückbleiben.

    Weiter zu Teil 2 >

  3. 1. Sumpfgebiet

    Es handelt sich um einen "großen Teich" der einigen Besonderheiten aufweist.

    - Geologisch ist dieser Teich praktisch neu, also um die 100.000 Jahre alt.
    - Der Teich wird nur durch Niederschläge aufgefüllt; es besteht kein Verbindung zu weiteren Wasservorkommen
    - Das Wasser liegt an vielen Stellen frei (Sumpfflächen), obwohl es sich eigentlich um Grundwasser handelt das gewöhnlich unterirdisch ist; daher werden freiliegende Teile des sehr oberflächennahen Grundwassers auch als Grundwasserblänken angesprochen.
    - Das Wasser verdampft in längeren Wärmeperioden extrem schnell, u.a. weil der Oberboden als Schwamm wirkt und bei oberflächlicher Austrocknung von unten Wasser nachsaugt bis das nicht mehr möglich ist. Dann ist die "nutzbare Feldkapazität" erschöpft bzw. unterschritten und Pflanzen verwelken; wird auch als "permanenter Welkepunkt" bezeichnet.

    Wenn diese Austrocknung zu den regionalen Üblichkeiten der letzten 100.000 Jahre gehört, so ist das mit verschiedenen Methoden leicht überprüfbar! Umgekehrt läßt sich auch feststellen, ob eine Tendenz zu Veränderungen vorhanden ist.
    Einmal, weil solche Biotope angepasste Lebensgemeinschaften beherbergen und dann an den "Zeitzeugen", beispielsweise eingetragenen Pflanzenteilen oder sog. Fällungshorizonten, d.h. festen Abscheidungen im Boden die beim Verdampfen des Wassers zurückbleiben.

    Weiter zu Teil 2 >

  4. Es gibt sehr zuverlässige Mehtoden um nachzuweisen ob sich etwas im Regionalklima verändert.
    - Pflanzenmaterial
    Pfl. vermehren sich durch Sporen und Pollen, diese sind so widerstandsfähig das Sie selbst aus Gesteinen des "Erdmittelalters" solche herausholen und bestimmen können. Verändert sich die Zusammensetzung, also das Verhältnis, dieser S &P´s so kann man in den Warven (Jahresringe im Sediment) klimatisch Änderungen erkennen.
    - Tonminerale
    Davon gibt es seine ganze Anzahl und diese geben, wenn einmal abgelagert, Auskunft über die Art des Niederschlages, das Herkunftsgebiet, und -wie die Pflanzenteile- am Mengenverhältnis über das Regionalklima zur Sedimentationszeit.
    Das kann man dann mit Befunden aus Bohrkernen der Umgebung vergleichen.
    - Fällungshorizonte
    Im Grundwasser sind Mineralien gelöst, und wenn das Wasser schwindet, fallen diese als feste Krusten aus.
    In Bohrkern oder Schürfgraben ist erkennbar ob so ein Ereignis einmalig ist oder sich in Abfolgen wiederholt und die kristallographische und chemische Untersuchung dieser Rückstände kann ebenfalls regionale Tmperaturänderungen nachweisen.

    Warum auf solche guten und ethablierten Messmethoden oft verzichtet wird, kann ich angesichts der oft irrationalen "Klimadiskussion" überhaupt nicht nachvollziehen. Handelt es sich doch um Daten mit denen allerlei Kalibrierungen gut möglich sind!

    MfG KM

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    an "Müller Karl" für die - wenn auch nicht knappe, dafür um so verständlichere - Verdeutlichung Ihres ersten Kommentars und

    an "RGFG" für die - wenn auch nicht gerade höfliche, dafür um so wirkungsvollere - "Anregung" dazu.

    Herzlichst,
    CR

    • RGFG
    • 12. September 2012 17:32 Uhr

    Der zweite Teil Ihrer Antwort enthält doch genau den Punkt. Wird auf die Untersuchungen wirklich 'verzichtet' oder sind sie einem nicht möglich, weil man die Finanzierung nicht (mehr) bekommt?

    Und da ist m.E. schon der Link in die Klimadebatte. Wer hat denn in der gehypten 'Kontroverse' über den Hockeystick denn wirklich mitgekriegt, dass die von Ihnen genannten Proxies allesamt zu einem Hockeystick führen? Wenn überhaupt was hängenblebt, dann lediglich, dass man Micheal Mann irgendwelche Fehler in den Baumringproxies anhängen will (...sprich einem von vielen).

    Und das ging mir bei meinem Beitrag eben durch den Kopf: Vermutlich hat der gute Mr. Wolf gar nicht das Budget für solche Untersuchungen, und wenn er es doch hätte, dann würde ich es mir auch überlegen, ob ich mir von irgendwelchen Krakeelern dann wieder eine Fälschung vorwerfen lassen müsste, wenn die Daten dann wirklich (auch) einen Hockeystick in diesem Jahrtausend hergeben würden. Oder ob ich gerne ins Fadenkreuz eines Heartland Institutes geraten möchte. Spekulation, sicher - aber halt meine Meinung.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Grüne | Dürre | Naturschutzgebiet | Tier | Vogel | Wirbelsturm
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