Zoologie : Forscher entdecken Affenart im Kongo

"Cercopithecus lomamiensis" ist die erste auf dem afrikanischen Kontinent gefundene Affenart seit vielen Jahren. Bei der Entdeckung half den Biologen der Zufall.
Die bislang unbekannte Affenart Cercopithecus lomamiensis © dpa

Forscher haben in der Demokratischen Republik Kongo eine bisher unbekannte Affenart entdeckt. Die Tiere sind bis zu 65 Zentimeter groß. Eine grau-blonde Mähne umrahmt ihr blasses Gesicht. Damit sei nach vielen Jahren erstmals wieder eine neue Art afrikanischer Affen gefunden worden, berichten die Entdecker.

Die US-amerikanischen und kongolesischen Biologen stellen die neue Spezies in der Fachzeitschrift Plos One vor. Die Affen mit dem schwarzen und bernsteinfarbenen Fell gehören zu den Meerkatzenartigen, die in der freien Natur nur in Afrika südlich der Sahara vorkommen. Die Art bekam den Namen Cercopithecus lomamiensis , weil die Tiere der Gattung Cercopithecus im Lomami-Becken gefunden wurden. Und zwar zufällig.

Im Juni 2007 begegneten Forscher im Haus eines kongolesischen Grundschuldirektors ein junges Weibchen einer ihnen unbekannten Art. "Der Schulleiter bezeichnete das Tier als 'Lesula'. Diesen einheimischen Namen hatten wir noch nie zuvor gehört", schreibt das Team um John A. Hart von der kongolesischen Lukuru Wildlife Research Foundation ( Kinshasa ) und dem Yale Peabody Museum of Natural History (New Haven).

Der Einheimische habe das Tier von einem Verwandten bekommen, nachdem dieser die Mutter des Tieres in einem nahe gelegenen Wald getötet hatte. Die Forscher nahmen den Affen in ihre Obhut und begannen, nach Artgenossen zu suchen. Zunächst fanden sie weitere gefangene Tiere. Im Dezember 2007 sahen sie dann das erste Tier in der Natur.

Kaum entdeckt, schon gefährdet

Die Affen leben in den immergrünen Feuchtwäldern im Osten des zentralafrikanischen Landes. Das Verbreitungsgebiet soll rund 17.000 Quadratkilometer groß sein; es werde im Osten vom Lomami-Fluss begrenzt. Die Tiere fressen und bewegen sich am Boden, halten sich aber auch in den Bäumen auf. Bis zu fünf Individuen wurden beisammen gesehen; typischerweise gehörte ein erwachsenes Männchen zur Gruppe. " C. lomamiensis ist scheu und war die am seltensten gesehene Primaten-Art", heißt es weiter. Zu den Primaten, die in dieser Gegend vorkommen, gehören auch Bonobos.

Als natürlicher Feind der nun entdeckten Affen gilt der Kronenadler. Außerdem seien sie von Menschen bedroht, die unkontrolliert Buschfleisch jagten. Die Biologen schlagen deswegen vor, dass Lesula auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) als "gefährdet" eingestuft wird.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Situation vor Ort nicht bedacht

Der Eurozentrismus ist der Ihre, die Abneigung gegen dieses unsägliche Wort "Einheimische" die meine. Keine Stellungnahme dazu.

Aber klar sollte auf jeden Fall sein, dass wir hier von der Situtation in der Republik Kongo reden. Die Menschen dort haben weniger das Problem mit Übergewichtigkeit, das man z.B. in Deutschland hat, sondern eher das Problem, sich irgendwie der täglichen Mindestkalorienzahl von unten zu nähern. Sie schreiben Menschen, die an der sog. "Breadline" leben, vor, was sie nicht essen dürfen. Und Sie tun das aus einer Welt der gefüllten Supermärkte und Kühlschränke.

Wenn auf der Welt Millionen Menschen (darunter viele Kinder) verhungern, lässt das die Menschen in der sog. "Ersten Welt" zumeist kalt, doch kaum wird ein Foto von einem Affen gezeigt, kommen da die ganzen menschlichen Regungen hoch, die man an Menschen in der sog. "Dritten Welt" nicht verschwenden möchte.

Warum entdeckt?

ZITAT: "Im Juni 2007 begegneten Forscher im Haus eines kongolesischen Grundschuldirektors ein junges Weibchen einer ihnen unbekannten Art. "Der Schulleiter bezeichnete das Tier als 'Lesula'."

ZITAT: "Zunächst fanden sie weitere gefangene Tiere. Im Dezember 2007 sahen sie dann das erste Tier in der Natur."

ZITAT: "Der Einheimische habe das Tier von einem Verwandten bekommen, nachdem dieser die Mutter des Tieres in einem nahe gelegenen Wald getötet hatte."

Offensichtlich ist dieses Tier den Kongolesen schon seit längerem bekannt. Sie hatten sogar einen Namen für das Tier. Nun haben, ich mutmaße, Europäer zum ersten Mal dieses Tier zu Gesicht bekommen und dann heißt es, dass das Tier "entdeckt", gar "gefunden", wurde.

Wenn jemand dieses Tier "entdeckt" oder "gefunden" hat, dann die Kongolesen, die dieses Tier schon seit längerem kennen. Warum können weiße Menschen Tiere "entdecken", die die Menschen vor Ort schon seit Ewigkeiten als Haustiere halten? Meiner Meinung nach holen Sie nur ihren Wissensrückstand zu den Menschen vor Ort auf.

"Entdeckt"

Das ist ein Wort aus der Umgangssprache.
Falls der Wecker stehen geblieben ist, entdeckt man ganz schnell, dass man zu spät aufgestanden ist.
Ich bezweifle, dass die betreffenden Wissenschaftler wirklich behauptet haben, eine Art "entdeckt" zu haben. Man spricht da eher davon, dass man eine Art, die es bisher noch nicht war (also mit Gewalt eine "neue" Art) beschrieben hat.

Und übrigens (für die, die sich über sowas aufregen), im Kongogebiet haben die meisten Leute noch ein Verhältnis zu Tieren, das "uns" ganz fremd geworden ist. Tiere sind nur Fleisch, das noch lebt. Auf Lingala (der Kongo-Verkehrssprache) gibt es für Tier und Fleisch nur ein Wort.
Deshalb brauchte es vermutlich, um eine Lomami-Äffin als "Haustier" zu finden, schon einen von der Zivilisation angekränkelten Schuldirektor.

Moment mal

ZITAT: "Auf Lingala (der Kongo-Verkehrssprache) gibt es für Tier und Fleisch nur ein Wort."

Mal abgehen davon, dass Lingala nur eine von fünf "Verkehrssprachen" im Kongo ist, habe ich da eine andere Kenntnis.

Was sagen Sie dazu:

Nkosi ezali niama.

Halten die Kongolesen den Löwen nun auch für essbares Fleisch? Niama ist hier nämlich das Tier.

Für Fleisch, das man isst, gibt es eher das Wort monsuni/mosuni.

nsoso ezali mosuni.

Wahrscheinlich sehen die Kongolesen in Hühnchen noch eher essbares Fleisch als im Löwen.

bin nur Halb-Kongolese und kann kaum Lingala, aber ich frag mal nach. Bin ja lernwillig und lass mich gerne eines besseren belehren.

Ohne irgendjemand oder irgendwas werten zu wollen ...

... dies nur ganz kurz: Nach meiner Erfahrung dort (nahe Kisangani wo damals viele Menschen lieber nicht Lingala, sondern ihre dort eigene Sprache gesprochen hätten) und meinem Wörterbuch Franz.-Lingala ist Tier nyama, ebwélé; Fleisch mosuni, nyama; Huhn nsoso; Löwe nkosi.

Und zu Ihrem Kommentar 14, Affen (ihr Aussehen) sind für mich keine Frage des Geschmacks. Tiere sind wie sie sind, brauchen sich für uns nicht schön zu machen, haben ihre ihnen angeborene Würde. Das Foto ist gut.

Einfach so "nyama" pur ist als Ausdruck sicherlich etwas plump. Und der Gebrauch des Lingala hat sich bestimmt, seit ich dort lebte und mein Wörterbuch (ohne Datum, 1975 gekauft) geschrieben wurde entwickelt. Und wie überall gibt es Schicht-, Gruppen- usw.-spezifische Ausdrucksweisen.