BiologieMännliche Orcas sind die Muttersöhnchen der Natur

Orca-Weibchen kümmern sich noch lange nach den Wechseljahren um ihre längst erwachsenen Söhne. Warum? Vermutlich, weil das die Weitergabe ihrer eigenen Gene sichert. von 

Eine alte Orca-Mutter mit ihrem Sohn

Eine alte Orca-Mutter mit ihrem Sohn  |  © David Ellifrit, Centre for Whale Research

Wer erwachsen geworden ist, muss in der Natur meist allein zurechtkommen. In der Tierwelt gibt es aber auch ungewöhnliche Familiengeschichten. Eine einzigartige scheint die der Orca-Wale zu sein. Muttertiere der Schwertwale ( Orcinus orca ) werden bis zu 90 Jahre alt und kümmern sich bis zum Tod um ihren Nachwuchs. Vor allem aber um ihre Söhne. Was daran verwundert: Bis ins hohe Alter schwimmen und jagen die Weibchen in ihrer Familiengruppe, obwohl sie schon im Alter zwischen 30 und 50 Jahren in die Wechseljahre kommen.

"Unsere Forschung legt nahe, dass Orcas die längste Menopause aller nichtmenschlichen Arten haben", sagt die Doktorandin Emma Foster von der britischen Exeter-Universität . Sie und ihre Kollegen untersuchten Schwertwal-Populationen vor der Nordwestküste der USA . Seit 1974 zeichnen Biologen dort den Bestand der Tiere präzise auf, auch anhand von Fotos. Die demografischen Daten von 589 Orcas aus 36 Jahren wurden nun ausgewertet und im Magazin Science veröffentlicht . 297 Tiere starben in dieser Zeit.

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"Männliche Schwertwale sind ziemliche Muttersöhnchen und kämpfen ums Überleben, wenn ihre Mütter sie nicht unterstützen", sagt Dan Franks von der Universität York . Der Biologe aus Fosters Team schließt, dass dies auch der Grund sei, warum Orca-Mütter so lange weiterleben, ohne dass sie sich noch fortpflanzen können. Die Söhne profitieren stark von der lebenslangen Gemeinschaft – und zwar vor allem dann, wenn ihre Mütter noch im Erwachsenenalter für sie da waren. Gerade diese Wal-Männchen hatten bessere Lebenschancen.

Ohne Mutter kaum überlebensfähig

Den größten Anteil am Überleben ihrer Söhne über 30 hatten Wal-Mütter, die selbst nicht mehr gebärfähig waren. Gleichaltrige Wal-Männchen, die ihre Mutter verloren, hatten ein 14 mal höheres Risiko, in dem Jahr nach dem Tod der Mutter zu verenden. Die Sterblichkeit von gleichaltrigen Töchtern erhöhte sich nach dem Verlust der Mutter nur um etwas mehr als das Fünffache.

Offensichtlich leben Schwertwal-Weibchen aus anderen Gründen länger als Frauen nach den Wechseljahren. "Es wird angenommen, dass sich die Menopause beim Menschen entwickelte, damit sich Frauen um ihre Enkelkinder kümmern können", sagt Darren Croft , der mit Emma Foster an der Universität von Exeter arbeitet. "Weibliche Schwertwale scheinen hingegen lebenslange Betreuerinnen ihres eigenen Nachwuchs und speziell ihrer Söhne zu sein." Wie alte Orca-Mütter sich genau für das Wohlergehen ihrer Söhne einsetzen, ist nicht ganz klar. Foster und ihre Kollegen mutmaßen, dass die Weibchen helfen, Beutetiere zu jagen und ihre Söhne vor Angreifern schützen.

Orcas leben ohnehin in außergewöhnlichen Familienverbunden. Männliche Tiere begleiten zwar offenbar ihre Mütter ein Leben lang, ihren eigenen Nachwuchs ziehen sie aber nicht mit auf. Nur Weibchen kümmern sich um ihre Kinder in der eigenen Gruppe. Indem sie das Überleben vor allem der Männchen sichern, erhöhen ältere Mütter nach Ansicht der Forscher die Chance, dass ihre eigenen Gene auch dann noch vererbt werden, wenn sie sich selbst nicht mehr fortpflanzen können. Denn Schwertwal-Männer sind bis ins hohe Alter potent.

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Leserkommentare
    • Catalpa
    • 14. September 2012 7:07 Uhr

    Wie wir doch den Orcas ähneln! :-D

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    Bei uns sind Muttersöhnchen nicht besonders erfolgreich überhaupt irgendwelche Gene weiter zu geben.

  1. Bei uns sind Muttersöhnchen nicht besonders erfolgreich überhaupt irgendwelche Gene weiter zu geben.

    Antwort auf "Sehr interessant"
  2. ... zu einer gewissen »Mutti« im Kanzleramt und ihren Ministern und Ministerpräsidenten sind natürlich rein zufällig ...

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    • Catalpa
    • 14. September 2012 8:29 Uhr

    im Kanzleramt gibt nur Meme weiter, keine Gene. Sie hat keine biologischen Kinder. :-D

    • Catalpa
    • 14. September 2012 8:29 Uhr

    im Kanzleramt gibt nur Meme weiter, keine Gene. Sie hat keine biologischen Kinder. :-D

    • De Rage
    • 14. September 2012 9:28 Uhr

    Dieser Text strotzt nur so von Kausalbehauptungen:

    "Warum? Vermutlich, weil das die Weitergabe ihrer eigenen Gene sichert."

    "... dass dies auch der Grund sei, warum Orca-Mütter so lange weiterleben, ohne dass ..."

    "... leben Schwertwal-Weibchen aus anderen Gründen länger ..."

    "... Menopause beim Menschen entwickelte, damit sich Frauen ..."

    Nach meinem Laienverständnis, was Biologie/Evolution angeht, kann man hier nicht von Kausalbeziehungen sprechen. Orca-Mütter leben nicht länger, UM ZU ... Sondern sie leben länger, und das ist praktisch. Frauen haben die Menopause nicht, UM ZU ... Sondern sie haben sie, und das ist praktisch.

    Praktisch im Sinne von Vorteil gegenüber anderen, und wer im Vorteil ist, setzt sich durch. Das ist, ganz platt gesprochen, Evolution. Soviel traue ich ZEIT-RedakteurInnen eigentlich zu. Oder liege ich so falsch mit meiner Einschätzung?

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    wenn ihnen das ihren evolutionären vorteil verschafft hat, ist die formulierung "um zu" durchaus korrekt.

  3. Irgendwie ergibt sich für mich aus diesem Verhalten keine nachvollziehbare evolutionstheoretische Logik.

    Wenn die Orka-Mütter in gleicher Weise ihre Töchter betreuen würden, dann würden ihre Gene doch auch weitergegeben, und zusätzlich hätte ein möglicherweise schon geborenes Enkelkind durch den Schutz der Großmutter größere Überlebenschancen.

    Dieses Verhalten von Großmüttern beim Menschen in der Menopause und unter dem Begriff "Großmutter-Hypothese" bekannte Phänomen ist für mich dagegen nachvollziehbar.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fmutter-Hypothese

    Vielleicht liegt ja bei den Weibchen ein generalisierter Gendefekt vor, dass sie zur Betreuung der Männchen, also ihrer Söhne neigen, oder bei den Männchen ein Konstruktions- oder Anpassungsfehler, der ihre Überlebensfähigkeit reduziert?

    Um da weiter spekulieren und reflektieren zu können, müsste man natürlich wissen, wie oft sich ein Männchen während seines Lebens erfolgreich paart, und wie viele Junge ein weibliches Tier während seiner fertilen Phase zur Welt bringt.

  4. Redaktion

    Liebe(r) De Rage,

    was Sie als "strotzen vor Kausalbehauptungen" anmerken, sind Mutmaßungen der Biologen, die die Studie durchgeführt haben. Diese sind als solche gekennzeichnet.

    Daher verstehe ich Ihre Kritik nicht ganz.

    Davon abgesehen hat Evolutionsbiologie auch etwas mit Kausalität zu tun: Wenn sich eine bestimmte Eigenschaft oder ein Merkmal als vorteilhaft für das Überleben einer Art herausstellt, folgt darauf eine Anpassung an diesen Vorteil.

    Grüße aus der Redaktion

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    diese formulierung wiederum würd ich meiden. letztendlich ist es kein aktiven anpassen, es ist lediglich so, das diejenigen, die vorteilhaft handeln übrigbleiben im gegensatz zu denen, die es nicht tun und aus der evolution rausfliegen ;-)

  5. wenn ihnen das ihren evolutionären vorteil verschafft hat, ist die formulierung "um zu" durchaus korrekt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Alter | Forschung | Nachwuchs | Tier | Tod | USA
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