Ein Motorradfahrer beobachtet einen vorbeifahrenden Truck in Brasilien. Er hat abgeholzte Bäume aus dem Regenwald geladen (Archivfoto). © Mario Tama/Getty Images

Offenbar schadet die Abholzung tropischer Wälder auch erheblich dem Wasserzyklus in diesen Regionen. Kahle Vegetation sorgt demnach langfristig für weniger Niederschläge und trocknet ehemals fruchtbares Land aus. Schlimmstenfalls könne dies langfristig zu Dürren führen, die Waldbrandgefahr steigern und die Artenvielfalt dezimieren.

Für ihre Studie haben britische Wissenschaftler um Dominick Spracklen von der Universität in Leeds erstmals die Ergebnisse von Klimamodellen und Satellitenbeobachtungen kombiniert. Für mehr als 60 Prozent der tropischen Landfläche fanden die Forscher heraus: Luftmassen, die über stark bewachsene Flächen gezogen waren, produzierten doppelt so viel Regen wie jene, deren Weg über eher kahle Gebiete geführt hatte. Ihre Analyse veröffentlichten Spracklen und seine Kollegen im Magazin Nature .

Die Wissenschaftler werteten Daten von Satelliten sowie vom Blattflächenindex (LAI = "leaf area index ") aus. Dieser Index gibt Auskunft über die Dichte eines Waldes – er berechnet sich aus Blattfläche pro Quadratmeter Bodenoberfläche. Die Forscher untersuchten die tropischen Regenwälder im brasilianischen Minais Gerais, am Amazonasbecken, im afrikanischen Kongobecken und im Süden Kongos.

Natürliches Wasserrecycling sorgt für Artenvielfalt

Die feuchtwarmen Tropen beherbergen mehr als 35 Prozent der weltweiten Wälder, schreibt Luiz Aragão von der britischen Uni in Exeter in einem Begleitartikel in Nature . Das entspricht einer Fläche von mehr als 11,5 Millionen Quadratkilometern.

Tropische Bäume sind in der Lage, Wasser aus den Tiefen der Erde bis hinein in ihre Blätter zu saugen. Anschließend geben sie die Feuchte wieder nach außen ab, schwitzen sie regelrecht aus. Dadurch können sie zwischen 25 und 56 Prozent des Regenfalls wiederverwerten. Dies ist sowohl für Ökosysteme als auch für den Menschen lebenswichtig. Ein funktionierender Wasserkreislauf erhält die Artenvielfalt und liefert das Nass etwa für die Landwirtschaft.

Mit diesem natürlichen Recyclingprozess erklären Spracklen und sein Team auch einen vermeintlichen Widerspruch. So wurden in den vergangenen Jahren besonders über gerodeten Waldflächen deutlich mehr Schauer beobachtet als über gesunden und dichten Vegetationsgebiete. Erstmals bringen die Forscher nun Klimamodelle und Satellitenbeobachtungen in Einklang und berechneten zudem ein Szenario für das Jahr 2050 im Amazonasbecken. Wenn dort weiterhin so viel Regenwald abgeholzt wird wie seit Beginn der 2000er Jahre, wird sich der Niederschlag während der Regenzeiten um 12 Prozent reduzieren und während der Trockenzeit um 21 Prozent.