Die Bergung weiter zu prüfen, befürwortet zwar auch Michael Sailer. Doch angesichts der instabilen Schachtanlage, könne man nicht mehr tatenlos abwarten. Sailer rät dazu, schon jetzt an einigen Stellen "möglichst dichte Barrieren" im Salzstock zu errichten. Er geht davon aus, dass eingesickertes Wasser in den Kammern bereits radioaktiv belastet ist. Ein Austritt müsse verhindert, zumindest aber gebremst werden. Zusätzlich müssten Hohlräume in der löchrigen Asse mit Salzgrus oder Beton verfugt werden. Kommt es zum Gruben-GAU verringert dies die Gefahr, dass die Strahlenlauge ins Grundwasser gerät.

Ohne diese Vorsorgemaßnahmen wird ein Absaufen und der Einsturz der Asse von Tag zu Tag wahrscheinlicher. Bislang ist das Projekt "Verfüllung" tabu. Doch spätestens seit Februar ist klar, dass auch Mitarbeiter des BfS Zweifel an der Rückholung hegen. In einem öffentlich gewordenen Memorandum vom 14. November heißt es: Es sei zu erwarten, "dass bald eine Sachlage eintreten wird, die eine weitere Verfolgung der Stilllegungsoption 'Rückholung' als sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbar erscheinen lässt". "Sachlage" bedeutet: Wassereinbruch. Weiter heißt es, dass alle "Vorbereitungen für eine Aufgabe des Projekts 'Rückholung'" zu treffen seien.

Der Landkreis wird das Grab nicht los

Offiziell verteidigte das BfS das Memorandum als Diskussionspapier. Es sei lediglich aus einer Routineübung hausinterner Fachleute entstanden. Doch es mehren sich die Stimmen. Neben Sailer und den BfS-Mitarbeitern sagte zuletzt Anfang Oktober der Präsident des Fachverbandes für Strahlenschutz, Joachim Breckow, der FAZ : Die Rückholung sei "nicht die beste Lösung". Eine Räumung könnte höhere Strahlendosen für Arbeiter und auch Bevölkerung bedeuten als das Stopfen der Hohlräume.

Die Verfüllung macht auch die Bergung schwieriger. Daher wird sie öffentlich weiter kaum diskutiert. Die Menschen im Landkreis Wolfenbüttel sollten sich an den Gedanken gewöhnen, dass sie ihr Grab aus Atommüll und Lügen so schnell nicht loswerden.