Atomunglück : Tepco verharmloste Tsunami-Gefahr für Fukushima

Der Energiekonzern Tepco hat die Gefahren für den Unglücksreaktor Fukushima heruntergespielt. Grund war die Angst vor einer Schließung.
Ein Bewohner der Region Fukushima lässt mit einem Strahlenmessgerät seine Hände untersuchen. © Athit Perawongmetha/Getty Images

Der Betreiber des Unglückreaktors im japanischen Fukushima hat nach eigenen Angaben die Gefahren durch einen Tsunami für das Atomkraftwerk bewusst verharmlost. Die Betreiberfirma Tokyo Electric Power Company (Tepco) räumte erstmals ein, das bestehende Risiko verharmlost zu haben, um eine Schließung des Atomkraftwerks aus Sicherheitsgründen zu verhindern.

Das Erdbeben vom 11. März 2011 und der dadurch ausgelöste Tsunami führten in Fukushima zu einer Kernschmelze und zur folgenschwersten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl im Jahr 1986. Das Atomkraftwerk von Tepco war bei dem Unglück schwer beschädigt worden, große Teile der Region wurden radioaktiv verseucht.

"Es gab eine latente Angst vor einer Schließung", heißt es in dem Tepco-Bericht . Wären vor dem Unglück weitreichende Sicherheitsmaßnahmen angeordnet worden, so hätte dies den Eindruck erweckt, Atomkraftwerke seien nicht sicher.

Ein von der Regierung eingesetzter Untersuchungsausschuss hatte das Unglück Anfang Juli als vermeidbar und deshalb als "von Menschen verursachte Katastrophe" bezeichnet. Das Atomkraftwerk sei damals "verwundbar" gewesen. Tepco hatte den Tsunami, der über das Kraftwerk hereinbrach, dagegen wiederholt als "unvorhersehbar" bezeichnet.

Das Atomunglück hat in Japan ein politisches Umdenken in Gang gesetzt: Inzwischen hat die Regierung beschlossen, bis zum Jahr 2040 aus der Atomkraft auszusteigen .
 

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

die Industrie

sendet genauso ihre Lebensmittel mit Chemoekelstyle durch die Welt wie sie auch unsichere Anlagen betreibt, der Profit ist entscheident.

Die Strafe für die damaligen Entscheider die Anlage so weiterlaufen zu lassen kann nicht hoch genug sein !

Und ob 2040 hier eine echte Antwort ist bezweifele ich mehr als stark.

Gerade die Japaner waren doch gut im industriellen Ideenklau, also klaut alles über moderne Ökoenergieherstellung und setz es um, ausnahmsweise im eigenen Land. Wenn das dann funktioniert gibt es einen wunderbaren neuen Exportmarkt den die Japaner ohnehin brauchen werden.

Ich widerspreche

Ich möchte hier dagegen halten. Die Journis tragen hier mit Sicherheit nicht die alleinige Schuld!

Ich höchst Persönlich habe da fleissig mit gemombt gegen die Atomkraftwerke und pro Atom Ausstieg. Der Weg dahin allerdings ist eben nicht so klar und eindeutig.

Eines aber weiss ich 100% sicher weder wünsche ich noch irgendwo auf der Welt einen Weiteren GAU noch sonnst irgendwelche Atomaren Probleme.

Wenn ich mir aber so die Endlager in Deutschland ansehe, na ja die Hoffnung stirbt zu Letzt.

Allerdings habe ich von der Möglichkeit gelesen das gar kein Uran benötigt wird für eine Kernspaltung und mit einer neuen Methode die Strahlung und Halbwertzeiten auf 12 Jahre Reduziert werden können.

Nur weder Wissenschaftler und schon gar nicht Politiker sind glaubhaft. Man kann ihnen nicht mehr glauben oder vertrauen, es sind zu viele Lügner am Werk gewesen.

Deshalb Diskussionslos aussteigen.

Mit der zunehmenden Dezentralisierung, ist es nämlich dann auch nicht mehr möglich, mit ein paar gezielten angriffen ein ganzes Land lahm zu legen.

Ich finde es merkwürdig das man immer nur von den Nachteilen sprich, welche die Energie Wende bringt.

Ich war Mitte des Jahres in Japan und habe ...

... es mir nicht nehmen lassen, meine japanischen Kollegen zu besuchen, die etwa 50 km nördlich von Fukushima Daiichi leben.
Man hat mir Shinchi gezeigt, ein Dorf, von dem nur noch die Betonbodenplatten der Häuser übrig waren. Man hat mir Videos gezeigt, wie die Flut dort kam und alles abgeräumt hat.
Man beginnt das Trauma "Tsunami" langsam aufzuarbeiten.
Auf Unverständnis stieß ich allerdings, als ich danach fragte, warum die Oberen von Tepco noch nicht Sepukku gemacht hätten - von mir aus auch nicht unbedingt traditionell, sondern mit einem 45er Colt am Kopf.

Man muss aber auch sehen, dass mehr als 20.000 ( Zwanzig-TAUSEND ) Menschen ertrunken sind, am "Super-GAU" ist bislang noch kein einziger gestorben - was nicht heißt, dass das noch geschieht, aber die 20.000 sind schon länger tot.
Das Problem an der Kernenergie ist die Tatsache, dass es sozusagen das Höllenfeuer auf Erden ist und die Menschen wie alle Affen sich an alles gewöhnen, auch an die drohende Gefahr, und schlampig werden.

Keine Folgen? na

Nun Ausser den 2 oder 3 Arbeiter die Wohl schon beim Tzunami umgekommen sind. Gibt es noch einige Helfer die zumindest verstrahlt wurden, auch wenn hier Tepco die Schuld den Arbeitern in die Schuhe schiebt.

Und folgenlos?
http://mediathek.daserste...
Sorry ist erst der 3. Beitrag.
Nur weil eine Regierung sagt es sei ungefährlich, muss das nicht stimmen.

Ganz ohne Tote?
http://www.sueddeutsche.d...

http://www.focus.de/gesun...

http://www.youtube.com/wa...

http://www.youtube.com/wa...

Ööööööööööhm,

die Menschen haben sich an die Gefahr gewöhnt und werden schlampig???
Wie aus obigem Artikel hervorgeht, hat Tepco die Gefahr ganz bewußt verharmlost. Die Gefahr haben sie billigend dabei in Kauf genommen. Sie wollten keine Schließung 'riskieren', weil, oh Wunder, die Atommeiler, sofern stillgelegt, kein Geld bringen. Außerdem hatten sie eine Anlage, die die Explosionen verhindert hätte, aus Kostengründen NICHT einbauen lassen; das ging aus der Berichterstattung vom März l.J. hervor.
Letztendlich ging also das Hoffen auf Profit über die Sicherheit der Menschen rings um Fukushima.
Die Gefahr eines Super-GAUs war definitiv bekannt - einmal durch Harrisburg, einmal durch Tschernobyl - aber damals wurde ja die unzureichende Technik der Russen als Ursache benannt und immer wieder behauptet, in einem auf westlicher Technik basierenden KKW könne so etwas nicht passieren.
Man sollte ehrlich sein: Kernkraft ist ein Milliardengeschäft - und da spielen Sicherheitsbedenken eben keine große Rolle. Es darf halt nicht sein, was nicht sein darf. Jeder Handwerker, der so an seine Produktion herangehen würde, würde mit Recht irgendwann zur Rechenschaft gezogen.

Ich habe meinen Kommentar augenscheinlich zu ...

... kurz gefasst. Meine Idee ist, dass die Tepco-Oberen eben deshalb Sepukku machen sollten, weil sie des schieren Profits wegen die Sicherheit verschleppt/verschlampt und in der Katastrophe den Kopf in den Sand gesteckt haben. Den Punkt "Gewöhnung an die Gefahr" habe ich für unsere ( deutsche ) Situation ohne 9er-Erdbeben und Tsunami geschrieben, weil das unser "Tsunami" werden kann.
Aber nochmal: Es sind 20.000 ertrunken ( auch die 3 - 4 im Kraftwerk selbst ), bisher noch niemand an den Folgen des GAU.