Wirbelsturm SandyDie Stromsucher von Manhattan

Seit Sandy durch Manhattan wütete, ist der Stadtteil wieder eine Insel. Die einzige Verbindung nach draußen ist für Viele das Handy. Doch woher den Strom nehmen? von 

Wasserpumpe in Manhattan

Ein Arbeiter pumpt Wasser aus einem U-Bahn-Schacht im Finanzdistrikt von Lower Manhattan, New York.  |  © Andrees Latif/Reuters

Es erinnert an einen Flüchtlingstreck. Ausgerüstet mit Taschenlampen haben sich einige Bewohner von Manhattan , deren Wohnungen nicht evakuiert wurden, am Tag nach dem Sturm auf die Straße getraut. Es ist das erste Mal, seitdem Sandy über ihre Häuser zog, dass sie draußen sind. Der Morgen ist bleigrau. Die Menschen suchen Strom. Eine Steckdose für das Mobiltelefon oder den Laptop – das ist ihr Ziel. Irgendwo da, wo es noch Licht gibt.

Hotels wie das Ace in Midtown sind bald umlagert von den Energiehungrigen – Power Hungry – wie sie bald scherzhaft genannt werden. Dort laden sie an den öffentlich zugänglichen Steckdosen ihre Geräte auf. Denn die sind ihre einzige Verbindung zur Außenwelt.

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Einen Stromausfall dieses Ausmaßes habe der Energieversorger ConEdison in seiner mehr als 130-jährigen Geschichte nicht erlebt, sagt John Miksad, der Vizepräsident des Unternehmens. Die Umspannstationen von ConEdison, dem regionalen Stromversorger, soffen in der Sturmnacht ab. Bis zur 30th Street hat kein Haus mehr Strom – also gut ein Drittel Manhattans. Der Mobilfunkempfang funktioniert nur noch stellenweise. Telefonverbindungen und TV-Kabel sind unterspült und abgerissen.

Miksad hat wenig Hoffnung auf schnelle Abhilfe für die Stromsucher. Mindestens noch bis zum Wochenende brauchen seine Mitarbeiter, um die Lichter zumindest hier in der City wieder angehen zu lassen. Für Queens , Bronx und die Außenbezirke können es Wochen werden.

Wann die U-Bahnen wieder fahren, ist ungewiss

Die Verantwortlichen der MTA, der öffentlichen Verkehrsbetriebe, wagen erst gar keine Prognose. Niemand weiß, ob und wann sich die mehr als 100 Jahre alte New Yorker U-Bahn wieder erholen wird. Auf die Nachfrage eines Reporters nach den Pendlerzügen aus dem Umland, erklärt ein Sprecher, auf einem der Gleise liege ein Boot.

Im Radio versuchen Experten Fragen zu klären. Wie schließe ich einen Generator richtig an? Meine Medikamente müssen kühl gelagert werden, wie lange halten sie sich ohne Strom im Gefrierfach? Der Experte empfiehlt, falls möglich, Leitungswasser abzukochen und auf keinen Fall den überfluteten Keller zu betreten. Gerüchte über Probleme bei Kernkraftwerken machen die Runde. Immer wieder kommen Fragen nach der Klimaerwärmung . "Wir müssen uns auf mehr solche Ereignisse einstellen", sagt Gouverneur Mario Cuomo in einer Pressekonferenz.

Tropenstürme: Historische Rekordstürme

Zwar ist Sandy ein Ausnahme-Zyklon in der Sturmgeschichte, doch in den vergangenen 150 Jahren gab es schon andere Rekorde. Seit 1851 gibt es Daten zu jeder jährlichen Hurrikansaison.

1886 war die bislang heftigste: Sieben Hurrikane trafen auf Land, die jüngste schwere Saison war 1985 mit sechs tropischen Wirbelstürmen.

Der am längsten andauernde Hurrikan war San Ciriaco 1899. Er entwickelte sich am 3. August und wütete einen Monat lang mit verschiedenen Stärken in Puerto Rico, an der amerikanischen Ostküste, dann auf den Bermuda-Inseln und schließlich auf den Azoren.

Historisch ist auch der 22. August 1893. An nur einem Tag wirbelten gleich vier Hurrikane über Land. Schließlich töteten Ausläufer der Stürme bis zu 2.000 Menschen an der US-Ostküste. Nur am 25. September 1998 wurden ebenfalls vier Hurrikane an einem Tag beobachtet.

Die jährlich wiederkehrenden Stürme werden nicht unbedingt stetig stärker. Betrachtet man die historischen Daten gibt es eher zyklisch ruhige Jahrzehnte und wieder Jahre mit mehr Stürmen.

Hurrikane der vergangenen Jahre

August 2011: Hurrikan Irene fegt über die US-Ostküste. Mehrere Bundesstaaten erklären vorsorglich den Notstand. Der Sturm, der in North Carolina mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern auf Land trifft, bleibt weniger verheerend als erwartet. Dennoch gibt es Schäden. Millionen sind zeitweilig ohne Strom. Mindestens 45 Menschen sterben.

September 2010: Hurrikan Earl trifft mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Stundenkilometern auf die nordamerikanische Ostküste. In mehreren US-Staaten wird der Notstand ausgerufen, für North Carolina sogar Katastrophenalarm. Der Sturm schwächt sich aber ab und richtet keine größeren Schäden an. In Kanada kommt ein Mensch ums Leben.

September 2008: Mit Winden über 170 Stundenkilometern und Überschwemmungen stürmt der Hurrikan Ike über der texanischen Golfküste. Mindestens 92 Menschen sterben. 4,5 Millionen Menschen im Großraum Houston sind ohne Strom.

September 2005: Hurrikan Rita verursacht am Golf von Mexiko in den Bundesstaaten Texas und Louisiana schwere Überschwemmungen. Der Sturm erreicht bis zu 200 Stundenkilometer. Zwischenzeitlich müssen mehr als eine Million Menschen die Region verlassen. Mindestens 119 Menschen sterben.

August 2005: Katrina zieht über die US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama und tötet mehr als 1.800 Menschen. New Orleans wird weitgehend zerstört. Etwa 1,3 Millionen Menschen entlang der US-Golfküste verlieren ihr Hab und Gut.

Leserkommentare
    • Furzl
    • 31. Oktober 2012 11:56 Uhr

    "Ein Nutzer des Online-Kurzbotschaftennetzwerks Twitter hat sich dafür entschuldigt, dass er während des Hurrikans "Sandy" Falschmeldungen über angebliche schwere Zerstörungen in New York verbreitet hatte. "
    http://www.stern.de/news2/aktuell/geruechtekoch-bereut-falsche-sandy-twe...

    Vielleicht sollte die Zeit es sich nochmal überlegen, ob es wirklich von Nutzem ist, eigene Artikel mit Tweets zu zerstückeln.

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    Zwitschermeldungen sind in einem (Online-) Zeitungsartikel so hilfreich und nützlich wie ein Kropf. Komplett Niveaulos.

    • Mieheg
    • 31. Oktober 2012 12:42 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/kvk

    • birba
    • 31. Oktober 2012 15:43 Uhr

    Wikipedia ist fuer Akademiker unzulaessig, fuer Journalisten ist Twitter aber eine akzeptable UND RELEVANTE Quelle? Okay.

    • Chaled
    • 31. Oktober 2012 12:19 Uhr

    Katrina verusrachte erheblich mehr Zerstörungen (über 100 Milliarden $) als Sandy.

    Die Telefone werden auch an Autos geladen, Aufräumarbeiten sind im Gang und Morgen sollen schon wieder fast alle Strom haben, sagen sie in NY.

    • Mirkor
    • 31. Oktober 2012 12:20 Uhr

    Seit Tagen wird dieses Großereignis von den Medien hemmungslos ausgeschlachtet. Irgendwann ist auch mal gut.

    Die Probleme die die Amis jetzt haben sind doch zum großen Teil selbstverschuldet. Wer bei der Infrastruktur immer nur auf die billigst mögliche Lösung setzt braucht sich nicht zu wundern wenn es bei erhöhter Beanspruchung in einer Katastrophe endet.

  1. Zwitschermeldungen sind in einem (Online-) Zeitungsartikel so hilfreich und nützlich wie ein Kropf. Komplett Niveaulos.

    • Mieheg
    • 31. Oktober 2012 12:42 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/kvk

  2. Wo ist denn der Sturm jetzt hin? Kaum verlässt der die USA, verlassen in allen online Medien die Ticker, Eilmeldungen, Sonderberichte die massenhaften Info-Tsunamis.

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    • Flari
    • 31. Oktober 2012 13:16 Uhr

    "Wo ist denn der Sturm jetzt hin? Kaum verlässt der die USA, verlassen in allen online Medien die Ticker, Eilmeldungen, Sonderberichte die massenhaften Info-Tsunamis."

    Lieber Forist,
    Zum Glück schwächen sich Stürme mit der Zeit auch wieder ab und verschwinden dann ganz.
    Es hat also keinen Sinn, Sandy und die ganzen anderen früheren Stürme jetzt irgendwo zu suchen.
    Keiner will da etwas verheimlichen! *gg

  3. ...aber es ist doch wohl ausgemachter Schwachsinn, dass die Brücken in die Bronx für längere Zeit gesperrt gewesen wären?! Brooklyn liegt ebensowenig auf dem Festland wie Queens...
    Und ConEdison muss man immerhin zugutehalten, dass die Informationspolitik nicht schlecht ist: http://apps.coned.com/stormcenter_external/default.html

    das ist wirklich ein peinlicher Artikel.

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    • Mieheg
    • 31. Oktober 2012 13:08 Uhr

    ...das Ihr Kommentar nach so einer Kritik nicht gleich gelöscht wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Manhattan | Hurrikan | Hybrid | Shell AG | Strom | U-Bahn
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