Es erinnert an einen Flüchtlingstreck. Ausgerüstet mit Taschenlampen haben sich einige Bewohner von Manhattan , deren Wohnungen nicht evakuiert wurden, am Tag nach dem Sturm auf die Straße getraut. Es ist das erste Mal, seitdem Sandy über ihre Häuser zog, dass sie draußen sind. Der Morgen ist bleigrau. Die Menschen suchen Strom. Eine Steckdose für das Mobiltelefon oder den Laptop – das ist ihr Ziel. Irgendwo da, wo es noch Licht gibt.

Hotels wie das Ace in Midtown sind bald umlagert von den Energiehungrigen – Power Hungry – wie sie bald scherzhaft genannt werden. Dort laden sie an den öffentlich zugänglichen Steckdosen ihre Geräte auf. Denn die sind ihre einzige Verbindung zur Außenwelt.

Einen Stromausfall dieses Ausmaßes habe der Energieversorger ConEdison in seiner mehr als 130-jährigen Geschichte nicht erlebt, sagt John Miksad, der Vizepräsident des Unternehmens. Die Umspannstationen von ConEdison, dem regionalen Stromversorger, soffen in der Sturmnacht ab. Bis zur 30th Street hat kein Haus mehr Strom – also gut ein Drittel Manhattans. Der Mobilfunkempfang funktioniert nur noch stellenweise. Telefonverbindungen und TV-Kabel sind unterspült und abgerissen.

Miksad hat wenig Hoffnung auf schnelle Abhilfe für die Stromsucher. Mindestens noch bis zum Wochenende brauchen seine Mitarbeiter, um die Lichter zumindest hier in der City wieder angehen zu lassen. Für Queens , Bronx und die Außenbezirke können es Wochen werden.

Wann die U-Bahnen wieder fahren, ist ungewiss

Die Verantwortlichen der MTA, der öffentlichen Verkehrsbetriebe, wagen erst gar keine Prognose. Niemand weiß, ob und wann sich die mehr als 100 Jahre alte New Yorker U-Bahn wieder erholen wird. Auf die Nachfrage eines Reporters nach den Pendlerzügen aus dem Umland, erklärt ein Sprecher, auf einem der Gleise liege ein Boot.

Im Radio versuchen Experten Fragen zu klären. Wie schließe ich einen Generator richtig an? Meine Medikamente müssen kühl gelagert werden, wie lange halten sie sich ohne Strom im Gefrierfach? Der Experte empfiehlt, falls möglich, Leitungswasser abzukochen und auf keinen Fall den überfluteten Keller zu betreten. Gerüchte über Probleme bei Kernkraftwerken machen die Runde. Immer wieder kommen Fragen nach der Klimaerwärmung . "Wir müssen uns auf mehr solche Ereignisse einstellen", sagt Gouverneur Mario Cuomo in einer Pressekonferenz.