Sandys Zerstörung : "Das Schlimmste, das wir je gesehen haben"

Der US-Bundesstaat New Jersey wurde besonders hart von Wirbelsturm Sandy getroffen. Der republikanische Gouverneur Christie lobte Präsident Obama für seinen Einsatz.
Eine zerstörte Straße in North Carolina © Steve Earley/AP/dapd

Die Befürchtungen wurden wahr. Der Wirbelsturm Sandy hat an der Ostküste der USA großen Schaden angerichtet, mindestens 30 Menschen kamen ums Leben. Millionen Haushalte waren ohne Strom . Die Kosten, die der Sturm verursacht hat, belaufen sich laut Schätzungen eines US-Versicherungsdienstleisters auf bis zu 20 Milliarden Dollar. Ein Todesfall wird aus Kanada gemeldet: In Toronto wurde eine Frau von einem herabstürzenden Schild tödlich verletzt. Zuvor waren in der Karibik bereits 69 Menschen durch den Sturm getötet worden.

Besonders hart getroffen wurden die unmittelbaren Küstengegenden. In New Jersey, wo der Sturm bereits am Montagabend auf Land getroffen war, waren Einsatzkräfte noch am Tag danach damit beschäftigt, Menschen aus ihrer Not zu retten, nachdem die Sturmflut dort zwei Städte unter Wasser gesetzt hatte. "Das Ausmaß der Zerstörung an der Küste von New Jersey gehört zum Schlimmsten, was wir jemals gesehen haben", sagte Gouverneur Chris Christie.

Der Republikaner lobte US-Präsident Barack Obama für seinen bisherigen Kriseneinsatz: "Der Präsident war großartig, ich habe gestern drei Mal mit ihm telefoniert, zuletzt hat er mich um Mitternacht angerufen und gefragt, was wir brauchen", sagte der Parteifreund von Obamas Herausforderer Mitt Romney .

In New York richtete der Sturm mit einer 1.000 Kilometer breiten Front die schwersten Schäden an . Im Stadtteil Queens brannten etwa 50 Häuser teilweise bis auf die Fundamente nieder.

An der Südspitze Manhattans stieg das Wasser etwa 4,30 Meter über Normal – gut einen Meter mehr als der bisherige Rekord von 1960. Die New Yorker Verkehrsbetriebe MTA sprachen von der schwersten Zerstörung in der 108-jährigen Geschichte der U-Bahn. Wahrscheinlich dauert es mehrere Tage, bis die Bahnen wieder fahren können.

Börsen könnten weiter geschlossen bleiben

Mindestens 6,2 Millionen Menschen waren in der Region ohne Strom. Nach Angaben des Stromversorgers Consolidated Edison könnte es bis zu einer Woche dauern, bis alle Verbraucher wieder am Netz sind. Im New Yorker Universitätskrankenhaus Tisch mussten mehr als 200 Patienten in andere Kliniken verlegt werden, nachdem dort das Notstromaggregat ausgefallen war.

Für Montag und Dienstag strichen die Fluggesellschaften nach Angaben des Internetdienstes FlightAware mehr als 15.000 Flüge. Auch der Präsidentschaftswahlkampf wurde unterbrochen.

Ausläufer des Sturms suchten auch Teile des US-Staats West Virginia und der benachbarten Appalachen mit starkem Schneefall und Sturmböen heim. Für die betroffenen Gebiete wurde bis Mittwochnachmittag eine Blizzardwarnung ausgegeben. In niedrig gelegenen Ebenen wurden 30 Zentimeter Schnee gemeldet.

Präsident Obama erklärte Teile der Bundesstaaten New York und New Jersey zu Katastrophengebieten. Mit dieser Maßnahme gibt die US-Regierung zusätzliche Hilfsgelder für betroffene Bürger sowie für Hilfsorganisationen, Firmen und lokale Behörden frei.

Wegen der Schäden könnten die US-Börsen auch am Mittwoch geschlossen bleiben. Die Entscheidung darüber solle noch am Dienstag fallen, sagte ein Börseninsider. Die Vertreter der Handelsplätze berieten über die nächsten Schritte. Es wäre der dritte Tag in Folge ohne Präsenz- oder elektronischen Handel an der Wall Street.

Sandy traf am Montagabend bei Atlantic City auf die Küste. Die Kasinostadt wurde überschwemmt, die historische Uferpromenade aus Holz teilweise weggespült. Der Sturm zog dann über Pennsylvania nach Norden weiter und schwächte sich nur langsam ab.


 

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Nachrichtenwert

Sie kritisieren an der Berichterstattung:

"Es geht also zuerst ums Geld!
Menschenleben und Flugausfälle sind auf einem Level."

Das sehe ich anders:
Der Nachrichtenwert eine Meldung hängt nicht bloß davon ab, wie wir moralisch die Tragik eines Verlustes bewerten. Ansonsten müssten Nachrichten über die Herz-Kreislauf-Toten ganz vorne stehen und dieser Sturm käme hinter den europäischen Verkehrstoten der letzten Tage.
In der Karibik gab es auch mehr (bislang bestätigte) Sturm-Tote als in den USA und Kanada. Dennoch ist die Aufmerksamkeit für die US-Schäden größer.

Ich finde daran grundsätzlich nichts Verwerfliches. Menschen interessieren sich mit gutem Recht sogar für Dinge, die vergleichsweise konsequenzlos sind (ob da jemand aus einem Ballon springt oder zwei Fußballmanschaften um Tore ringen). Wir sollten uns einfach bewusst sein, dass die Platzierung eines Ereignisses in den Medien nicht automatisch seine Wichtigkeit (sondern halt auch den Unterhaltungwert "Gruselfaktor" usw.) wiedergibt.

Armes reiches Amerika!

Nord-Amerika ist von Naturgewalten umzingelt: neben den Hurricans im Osten lauert die Erdbeben-Gefahr des St.-Andreas-Grabens im Westen - und in den Rockys wartet ein wirkliches Monster: der riesige Lava-Hotspot unter dem Yellowstone-Nationalpark, dessen Ausbruch nach 600.000 Jahren Ruhezeit längst überfällig ist und dann weltweit wirken wird mit ein paar Jahren Erdverdunkelung durch die global sich verteilenden Aschewolken. Die ganze Menschheit wäre dann betroffen, das Weiterbestehen der gesamten Zivilisation mehr als fraglich. Solidarisches Denken ist also immer angebracht.