Das Hauptgebiet Kiribatis sieht aus der Luft aus wie ein seitenverkehrtes L. Der kürzere Strich ist die Hauptstadt Tarawa, etwa 30 Kilometer lang. Eine Straße, die oft mehr Schlaglöcher als Asphalt aufweist, führt dort entlang. Minibusse dienen als öffentliche Verkehrsmittel. In die Zehn-, Zwölfsitzer pferchen sich oft 15 bis 20 schweißnasse Menschen auf polsterlose und durchgesessene Sitze. Die Stimmung ist meistens trotzdem gut. " Let's rock! " schreit der Fahrer, während die neuesten Hits in Diskolautstärke aus der Anlage dröhnen.

Bewohner haben sich mit der Situation abgefunden

Eine Schaffnerin kassiert die Centbeträge für die Strecken und hält nebenbei die rostige Tür, die nicht mehr schließt. Mithilfe der Passagiere wuchtet sie bei jedem Stopp das zerbeulte Metallteil auf und zu. Irgendwann hat sie den Türgriff in der Hand. Alles lacht. Marina ist 22 und mit ihrer zweijährigen Tochter unterwegs. Sie hat keinen Job. "Mein Freund fährt manchmal zum Fischen raus", sagt sie. Bei dem Wort "Freund" verdreht sie die Augen. Eng kann die Beziehung nicht sein. Sie wohnt bei den Eltern, mit drei Schwestern und zwei Brüdern. "Es ist immer jemand da, der hilft."

"Das Leben ist okay, ich habe meine Eltern und Geschwister hier. Wir kommen aus, ich will nicht weg", sagt Mary. Sie bedient in einem Gästehaus mit Restaurant. "Ich habe mal auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet. Das schlimmste war das Heimweh." Von einer kollektiven Endzeithysterie ist in Kiribati nichts zu spüren. "Die Leute merken, dass die Lage schwerer wird. Aber ihnen reinen Wein einzuschenken, das würde sie ja nur in Depressionen stürzen", sagt der Präsident.

UN-Berichterstatter kritisieren Regierung

Das sei typisch Südsee, die Dinge hinzunehmen und in den Tag zu leben, sagen manche Experten aus Übersee. Keiner in der Regierung sei für Wasser- und Abwasserprobleme verantwortlich, klagt die zuständige UN-Berichterstatterin Catarina de Albuquerque bei einem Besuch im Sommer. "Die Regierung ist zwar auf internationaler Ebene wortstark, aber zu Hause tut sich wenig", sagt sie. Kiribati hat eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten: 52 von 1.000 Kindern sterben in den ersten Lebensjahren. Ein Viertel der Einwohner von Tarawa leide an Durchfall oder Ruhr. "Ich bin schockiert", sagt Albuquerque , weil sie auf Seiten der Behörden nicht genug Einsatz sieht, um die Dinge anzupacken.

1978 lebten auf der 30 Kilometer langen Inselkette 18.000 Menschen. Heute drängeln sich 52.000 Menschen in einem der dichtesten besiedelten Gebiete der Welt, stellenweise 15.000 auf einem Quadratkilometer. Das sieht auch der Präsident. "Wir müssen dringend etwas tun", sagt der Vater von acht Kindern. Aber Verhütung ist ein Tabuthema. "Die Kirche....", sagt der Präsident. Sie ist eine wichtige Gesellschaftssäule.

Ein weiteres großes Problem ist die Hygiene. Traditionell nutzen die Menschen Strand und Büsche als Toilette. Komposttoiletten? Viele schütteln den Kopf. Das entspreche nicht ihrer Kultur. "Fäkalien transportieren Krankheiten", sagt die UN-Berichterstatterin. "Wenn das Land ernsthaft etwas gegen die Kindersterblichkeit tun will, sind Abwasserentsorgung und Hygiene entscheidende Elemente, die dringend in Angriff genommen werden müssen."