KlimawandelDie sterbenden Inseln von Kiribati

Für Kiribatis Präsidenten ist der Untergang des Inselstaats nur eine Frage der Zeit. Nicht nur der Klimawandel gefährdet das Land, längst leben zu viele Menschen dort. von Christiane Oelrich

Hunderte Meter lange Sandstrände, Kokospalmen im Wind, keine Industrie, kaum Autos – auf den ersten Blick erfüllt der schmale Pazifikstaat Kiribati alle Klischees eines Südseeparadieses. Der Schein trügt aber. Die mit Fäkalien verseuchten Strände stinken, Abfall türmt sich überall, Autowracks liegen an der Straße. Die 30 Kilometer lange durch Dämme verbundene Inselkette Tarawa, die als Hauptstadt dient, ist überbevölkert. Es gibt kaum Jobs, alles ist teuer und die meisten Menschen sind bitterarm. Die Folgen des Klimawandels geben dem Land den Rest. Unberechenbare Stürme häufen sich. Erosion frisst das spärliche Land. Der Untergang scheint vorprogrammiert.

"Der liebe Gott hat es nicht leicht für uns gemacht", sagt Präsident Anote Tong in bescheidener Untertreibung. Von seinem einfachen Büro, in dem trotz schwüler Hitze keine Klimaanlage surrt, blickt er rechts aus dem Fenster aufs Meer, und wenn es keine Bäume gäbe, könnte er auch links das Wasser sehen. Tarawa ist manchmal nur zehn, selten mehr als zwei- oder dreihundert Meter breit.

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Der Präsident macht sich keine Illusionen. Sein Land gehe unter, sagt er. Große Hoffnungen in die UN-Klimakonferenzen, deren nächste am 26. November in Doha ( Katar ) startet, setzt er nicht. Vielmehr hat er für das Volk schon 2.400 Hektar Land ein paar Flugstunden weiter auf den Fidschi-Inseln gekauft. "Wir müssen uns vorbereiten." Mitte des Jahrhunderts, ist er überzeugt, dürfte seine Inselkette untergehen.

Der Präsident fordert Hilfe von den Industrienationen

Wenn Wind und Regen über das Atoll fegen, wird es schon jetzt sehr ungemütlich. An manchen Stellen peitschen die Wellen über die Uferbefestigung, überspülen die Straße und landen auf der anderen Seite wieder im Meer. Die meisten Familien wohnen mit zehn und mehr Leuten in kleinen Holz- oder Bambushütten. Glück hat, wer eine Hütte auf Stelzen besitzt. Ein schwerer Regenguss setzt den schlammigen Boden rundum schnell unter Wasser. Die Kinder toben sofort in den Pfützen herum.

Präsident Tong ist einer der Wortführer in der Klimaschutzdebatte. "Die Länder, die es in den vergangenen Jahrzehnten zu Reichtum gebracht haben, haben eine Verpflichtung", sagt er.  Sein Land braucht Geld zum Überleben, um die Küsten zu verstärken, um Schutzwälle zu bauen, um Dörfer vom Strand weg zu verlegen, und um die Menschen auszubilden, damit sie in fremden Ländern Chancen haben. Aber Geld komme kaum, sagt der Präsident. "So ist die menschliche Natur: Man ist schockiert, wenn man ein Desaster sieht, aber wenn man das Elend der Betroffenen nicht wirklich fühlt, kümmert sich niemand. Regierungen haben kein Mitgefühl, sie haben Wahlen."

Trocken- und Regenzeit gibt es nicht mehr

Kiribati kämpft um jeden Meter Land, um jeden Liter Wasser. Aumaiaki, die Trockenzeit von April bis September, kann neuerdings ziemlich nass werden. In der Regenzeit Aumeang ist es plötzlich wochenlang trocken. Stärkere Wellen als früher zerstören Schutzwälle am Strand. Palmen liegen entwurzelt halb im Wasser, weil sie keinen Halt mehr finden. Oder sie vertrocknen in früher nie gekannten langen Dürreperioden. Dann fällt die Ernte von Kopra, getrocknetem Kokosfleisch, aus, die wichtigste Einnahmequelle. Lange Dürren heißen auch: Es kann kein Regenwasser gesammelt werden, um Trinkwasser aus der schrumpfenden Süßwasserlinse zu ergänzen.

Leserkommentare
  1. gerade bei dem Thema Atolle sollten Sie möglicherweise nicht noch mehr Hypothesen draufpacken.

    Es gibt kaum eine schlechtere Bezugshöhe als ein Atoll, solange dessen Relativbewegung nicht erfasst ist. Hier wurden schon Atolle angeführt die mit 5-7 cm per a subduziert werden, um mal auf ein besonders krasses Beispiel zu verweisen.

    Die gegebenen Höhen über NN sind jetzt schon den Veränderungen durch langjährige Oszillation von Strömung und Wind nicht gewachsen. Weder über noch unter Wasser!

    Solche Einwirkungen auf Riffe gabe s, in dieser Größe und Geschwindigkeit, den Schäden an Paläoriffen nach zu urteilen schon immer.

    Jeder Tag den 1-2 m Korallenschutt über der Wasserlinie bleiben ist ein Glücksfall, mehr nicht.

    Die eigentlichen Riffe können und werden jede Spiegeländerung überstehen, in 1 - 20 m Tiefe

    Zudem gibt es, bei aller perönliche Meinung zu einer bestimmten Interpretation, keine Schuldfrage über die lokalen Verursacher hinaus zu klären. Ich bin ziemlich sicher, dass sich deren Verhalten hinsichtlich der Schadwirkung auf die unmittelbare Umgebung sehr wohl chemisch -analytisch dokumentieren ließe und um Größenordnungen über anderen Effekten liegt.

    Die Bewohner wird man selbstverständlich ggf. evakuieren, sofern es sich nicht aufgrund tektonischer Einwirkung in wenigen Sekunden ereignet.

    MfG KM

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "auffällig"
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    "Es gibt kaum eine schlechtere Bezugshöhe als ein Atoll, solange dessen Relativbewegung nicht erfasst ist. "

    Ich bin mir nicht sicher ob Sie wirklich implizit erklären wollten, dass all Ihr dozieren schlicht unseriös ist. Denn ob diese Faktoren wirklich eine Rolle spielen kann genausowenig ohne Erfassung der Relativbewegung festgestellt werden. Der Vorwurf der Lüge, den Sie hier schon erhoben haben, fällt somit auf Sie selbst zurück.

    Dies umso mehr, als Sie selbst schreiben, dass das Korallenwachstum pH-abhängig ist. Was dies im Kontext der steigenden CO2-Konzentrationen bedeutet scheint Ihnen nicht geläufig zu sein. Ich würde statt mit Geowissenschaften vielleicht mal mit einem Erstsemesterskript Chemie anfangen.

    Aber vielleicht haben Sie ja triftige Gründe, die Gültigkeit fundamentaler thermodynamischer Grundsätze anzuzweifeln, wenn Sie glauben, alternative Erklärungen einfach wegzuwischen und eine Diffamierungskampagne zu starten?

    "Die Bewohner wird man selbstverständlich ggf. evakuieren, sofern es sich nicht aufgrund tektonischer Einwirkung in wenigen Sekunden ereignet."

    Ahja, selbstverständlich? Wohin, und wer zahlt das? Was passiert mit den Eignern der Umsiedlungsfläche?

    Statt Sachverstand haben Sie hier lediglich Selbstbeweihräucherung geboten.

  2. Was das Versinken der norddeutschen Tiefebene angeht, so können Sie das sogar ausrechnen. Das sind 4 - 10 mm pro Jahr je nach Messpunkt.

    dazu kommt noch die Unwägbarkeit des Verhaltens der Zechsteinsalze.

    MfG KM

  3. ist nicht geklärt, nur weil etwas passiert.
    Wobei schon der Begriff Schuld impliziert, dass Sie einen Schuldigen brauchen.
    Na gut, wer war dann an den bisherigen Warm- und Kaltzeiten "schuld"?

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "auffällig"
  4. Ohne die Bedürfnisse, ohne die vielen Dinge die den Papalagi arm machen, kann man viel besser leben.
    Ich empfehle zur besseren Verständnis dieses schöne alte Kultbuch:
    http://www.eineweltfueral...

    Wer soll letztendlich für die Folgen der Klimaerwärmung aufkommen? Der Verursacher, oder der Betroffene?

    Antwort auf "Überheblichkeit"
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    ich habe schon einige Bücher, vielleicht nicht gerade "Kultbücher", gelesen, über die Eindrücke fiktiver oder echter "Wilder", welche über die Weißen berichten.
    Und da wird gewöhnlich große Verwunderung ausgedrückt über die seltsamen Dinge, welche den Weißen wichtig sind.
    Alles relativ.

  5. ich habe schon einige Bücher, vielleicht nicht gerade "Kultbücher", gelesen, über die Eindrücke fiktiver oder echter "Wilder", welche über die Weißen berichten.
    Und da wird gewöhnlich große Verwunderung ausgedrückt über die seltsamen Dinge, welche den Weißen wichtig sind.
    Alles relativ.

  6. "Es gibt kaum eine schlechtere Bezugshöhe als ein Atoll, solange dessen Relativbewegung nicht erfasst ist. "

    Ich bin mir nicht sicher ob Sie wirklich implizit erklären wollten, dass all Ihr dozieren schlicht unseriös ist. Denn ob diese Faktoren wirklich eine Rolle spielen kann genausowenig ohne Erfassung der Relativbewegung festgestellt werden. Der Vorwurf der Lüge, den Sie hier schon erhoben haben, fällt somit auf Sie selbst zurück.

    Dies umso mehr, als Sie selbst schreiben, dass das Korallenwachstum pH-abhängig ist. Was dies im Kontext der steigenden CO2-Konzentrationen bedeutet scheint Ihnen nicht geläufig zu sein. Ich würde statt mit Geowissenschaften vielleicht mal mit einem Erstsemesterskript Chemie anfangen.

    Aber vielleicht haben Sie ja triftige Gründe, die Gültigkeit fundamentaler thermodynamischer Grundsätze anzuzweifeln, wenn Sie glauben, alternative Erklärungen einfach wegzuwischen und eine Diffamierungskampagne zu starten?

    "Die Bewohner wird man selbstverständlich ggf. evakuieren, sofern es sich nicht aufgrund tektonischer Einwirkung in wenigen Sekunden ereignet."

    Ahja, selbstverständlich? Wohin, und wer zahlt das? Was passiert mit den Eignern der Umsiedlungsfläche?

    Statt Sachverstand haben Sie hier lediglich Selbstbeweihräucherung geboten.

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    Zunächst zu den Steinkorallen. Deren Wachtumszyklus ermöglicht eine Adaption der Folgegeneration an eine pH-Verschiebung im Wasser, nämlich an die Werte zum Schlupfzeitpunkt.
    Die Hartteilabscheidung findet gegen das Konzentrationsgefälle über das sogen. pallium statt. Natürlich nur solange Ca/Sr vorhanden sind und das pallium nicht geschädigt wird.

    Zudem ist auch im Meerwasser der pH nur beschränkt vom Karbonatgleichgewicht abhängig, auf Oberflächen im Wasser kommen noch weitere Effekte dazu. Das kann man natürlich zugunsten von stark vereinfachtem Lehrbuchwissen ignorieren...

    Ein Tip: Auf Karbonaten können sich leicht sehr korrosive Biofilme etablieren, die in abgeschlossenen Volumina den pH auch auf 6 drücken können. eH wird auch dabei massiv verschoben, natürlich streng in Übereinstimmung mit den Hauptsätzen.

    Genauso sollten Sie nochmal gründlich zur Atollentwickung nachlesen, dann erschließt sich Ihnen auch die "Höhenproblematik".

    Und zur möglichen Evakuierung, das sollte "tektonisch erledigt" heißen.

    Dazu wird man sich wohl international Gedanken machen müssen.

    MfG KM

  7. Zunächst zu den Steinkorallen. Deren Wachtumszyklus ermöglicht eine Adaption der Folgegeneration an eine pH-Verschiebung im Wasser, nämlich an die Werte zum Schlupfzeitpunkt.
    Die Hartteilabscheidung findet gegen das Konzentrationsgefälle über das sogen. pallium statt. Natürlich nur solange Ca/Sr vorhanden sind und das pallium nicht geschädigt wird.

    Zudem ist auch im Meerwasser der pH nur beschränkt vom Karbonatgleichgewicht abhängig, auf Oberflächen im Wasser kommen noch weitere Effekte dazu. Das kann man natürlich zugunsten von stark vereinfachtem Lehrbuchwissen ignorieren...

    Ein Tip: Auf Karbonaten können sich leicht sehr korrosive Biofilme etablieren, die in abgeschlossenen Volumina den pH auch auf 6 drücken können. eH wird auch dabei massiv verschoben, natürlich streng in Übereinstimmung mit den Hauptsätzen.

    Genauso sollten Sie nochmal gründlich zur Atollentwickung nachlesen, dann erschließt sich Ihnen auch die "Höhenproblematik".

    Und zur möglichen Evakuierung, das sollte "tektonisch erledigt" heißen.

    Dazu wird man sich wohl international Gedanken machen müssen.

    MfG KM

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@Müller Karl"
  8. Ist bei uns natürlich im Alltagsbezug für viele sehr ähnlich.
    Allerdings gibt es bei uns zumindest die Option auf Fernreisen, wenn man möchte per Auto sogar nach Shanghai.

    Insofern die Frage: Warum also Auto und keine Boote, die auf einer Insel naheliegender wären?

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte Hygiene | Übersee | Doha | Fidschi-Inseln | Katar | Kiribati
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