Unep-BerichtDas Zwei-Grad-Ziel entwickelt sich zum Wunschtraum

Die CO2-Emissionen sinken nicht, sie steigen weiter dramatisch. Die UN schlagen Alarm: Treibhausgase im notwendigen Umfang einzusparen, sei kaum noch erreichbar. von 

Im Winter 2010 waren sich die Mitglieder der Vereinten Nationen noch einig: Der Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts müsse auf ein Plus von maximal zwei Grad begrenzt werden. So steht es in dem Klimaschutzvertrag, den die Teilnehmerstaaten auf der UN-Klimakonferenz in Cancún unterschrieben. Zwei Jahre später spricht vieles dafür, dass das Zwei-Grad-Ziel zu einem illusorischen Wunschtraum von Klimaschützern wird: Laut dem Bericht "Emission Gap 2012" , den das UN-Umweltprogramm (Unep) heute vorgelegt hat, entfernt sich die Welt immer weiter von den vereinbarten Klimaschutzzielen.

"Es gibt Zweifel, dass die Regierungen ihre Versprechen in international verlässliche Regelungen umsetzen", heißt es in dem Bericht, der von insgesamt 55 Forschern aus 22 Ländern zusammengetragen wurde. Anstatt zu sinken, seien die CO 2 -Emissionen in der Atmosphäre seit dem Jahr 2000 um etwa 20 Prozent gestiegen.

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Die Industrienationen müssten einschneidende Maßnahmen ergreifen. Andernfalls werde der Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 voraussichtlich auf 58 Gigatonnen steigen. Das sind etwa 14 Gigatonnen mehr als in früheren Studien prognostiziert.

Zwei-Grad-Ziel könnte teurer werden

Die Kluft zwischen den geplanten und den tatsächlichen Emissionen wird immer größer, schreiben die Klimaforscher. Noch müsse die Hoffnung, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, zwar noch nicht aufgegeben werden. "Der Bericht zeigt aber, dass die Zeit langsam knapp wird und die Regierungen jetzt handeln müssen", sagt Christiana Figueres , Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). Dafür sei es nicht nur notwendig, die beschlossenen Ziele im eigenen Land umzusetzen. Industrienationen sollten auch Entwicklungsländern dabei helfen, umweltfreundlicher zu wirtschaften.

Das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, wird auch immer teurer: Wenn die nötige Reduktion der Emissionen auf die Zeit nach 2020 verschoben werde, könnte das die Kosten um bis zu 15 Prozent erhöhen. Der Klimawandel werde dann so weit fortgeschritten sein, dass drastischere und kostspieligere Maßnahmen ergriffen werden müssten, um ihn zu bremsen.

Am kommenden Montag beginnt der zweiwöchige UN-Klimagipfel in Doha . Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) müssten die Industriestaaten dort eine drastische Reduzierung der globalen Treibhausgas-Emissionen vereinbaren, als bisher zugesagt. "Die Welt gerät unter Zeitdruck", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger . Auch arabische und asiatische Staaten, die große Einsparpotenziale hätten, müssten ihre Verantwortung wahrnehmen und sich in Doha zu ehrgeizigen CO 2 -Minderungen bekennen.

Laut Weltbank steuern wir auf Vier-Grad-Ziel zu

Der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Ottmar Edenhofer sagte SPIEGEL ONLINE kürzlich, dass die meisten Staaten derzeit noch weit entfernt von den Zusagen seien, die sie nach der Konferenz von Kopenhagen 2009 gegeben hätten.

Bereits am Montag hatte die Weltbank eine Studie vorgelegt, laut der die Welt derzeit auf eine Situation zusteuere, in der die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um vier Grad steigen werde. Das kilometerdicke Eisschild Grönlands werde dann schon bald zu schmelzen beginnen und zu extremen Wetterereignissen und Unwettern führen, auf die die Menschen noch nicht vorbereitet seien.

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Leserkommentare
    • DerM
    • 21. November 2012 20:13 Uhr

    ... der muss einen noch rasanteren Klimawandel eben hinnehmen...

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    Die Kernenergie erzeugt 2% bzw 6% des Weltweiten Energiebedarfs (je nach Rechenmethode), das ist ungefähr soviel wie das Verbrennen von Holz.

    Ich habe große Zweifel, dass die Kernkraft die Welt vor dem Klimawandel retten wird, sie kann eine Option sein unter vielen.

    Relevant wäre das ganze bei rund 5000 Reaktoren auf der Welt, nach bisherigen Betriebserfahrungen hätte man dann statt alle 25 Jahre nun alle 2 Jahre irgendwo einen schweren nuklearen Unfall. Man müsste wegen Uranmangel außerdem eine Plutonium Wirtschaft aufbauen, deren Kosten zumindest nach bisherigen Stand der Technik gigantisch wären.
    Aus Plutonium lässt sich auch mit geringen Kenntnissen eine Bombe bauen (siehe Indien), so dass eine solche Welt mit tatsächlich nennenswertem Atomstromanteil vermutlich auch eine Welt wäre, wo sehr viele Nationen und Organisationen Atomwaffen hätte, z.B. die Hamas.

    Meiner Ansicht nach passt bei der Kernenergie das Kosten zu Nutzen Verhältnis hinten und vorne nicht, aber wenn die USA oder China diesen Weg gehen wollen statt Kohle zu verfeuern wäre ich kein entschiedener Gegner. Hierzulande sollten wir uns den Blödsinn neuer Reaktoren aber besser nicht antun, wir können froh sein, wenn wir das nukleare Zeitalter halbwegs glimpflich überstehen. Bezahlen werde wir das Experiment eh noch sehr lange.

    mfg

  1. gemeint ist wohl eine durchschnittliche Dauerleistung von 1000W, also im Jahr ein Verbrauch von 8760kWh/Nase. Das schließt allerdings alle Sektoren ein inkl Industrie und Transport.

    Ich halte eine solche Reduktion nicht für nötig, wir haben ja die Option, höhere Energiemengen CO2 arm zu erzeugen.

    Unterm Strich bleibt aber, dass wir bzw folgende Generationen gewaltig im Arsch sind. Wir haben schlichtweg zuviel billiges Öl, Gas und Kohle und keiner verzichtet freiwillig darauf.

    Dass hier immer mal wieder eine kleines Grüppchen mit Verschwörungetheorien auftaucht ist mir mittlerweile schon etwas peinlich. Früher konnte man sich noch über die Kreationisten in den USA amüsieren, die doch tatsächlich darauf beharrten, dass der liebe Gott den Planeten vor 6000 Jahren gebastelt hat und die Fossilien nur reingelegt hat, um unseren Glauben auf die Probe zu stellen.

    Jetzt haben wir hier die Leute, die teilweise sogar primitive physikalische Zusammenhänge oder einfach nur Messergebnisse leugnen und sich dabei auch noch wie die großen Aufklärer einer Weltverschwörung fühlen.

    Leute, das ist ganz schön peinlich. Wenn ihr schon auf die Zukunft scheisst, dann gebt es halt einfach zu und gut isses. Dazu muss man sich nicht selber der Lächerlichkeit preis geben...

  2. ...sollte etwas Neues enthalten. Dass die Klimaziele bislang nicht eingehalten wurden, dass die Prognosen eher noch zu vorsichtig waren, dass die global-players alles andere im Sinn haben, als sich an einer Reduzierung von CO2-Ausstoß zu beteiligen - ist NICHT neu!

    Auch möchte ich anmerken, man sollte doch einmal die Nachrichten der deutschen Politik, über EU-Beschlüsse oder einfach eine typische Wirtschaftsseite in einer Zeitung lesen. Wenn man dann noch auf Maßnahmen hofft, dann ist man wohl ein E.T. und möchte den Mond rosarot sehen.

    Und wie die Berichte der Warnenden immer mahnender werden, so werden die Stimme der "Skeptiker" immer vehementer. Längst hat sich übrigens eine neue Fraktion dieser Nein-Sager ausgebildet, die aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft kommt: Menschen, die nicht noch mehr abgeben oder auf etwas verzichten wollen. Die Zukunft, die kommt doch erst noch! Und unsere Kinder werden schon geeignete Mittel finden, damit umzugehen. Das hat der Mensch immer geschafft...

    Diesen Ignoranten und Egoisten halte ich immer nur eines entgegen: Selbst wenn die Erderwärmung nicht menschengemacht wäre, wir müssten uns mit aller Kraft um jede Möglichkeit der Abschwächung bemühen - weil die Folgen verheerend (und sehr, sehr teuer) wären.

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    Ja ja die Zukunft unserer Kinder ist den meisten sehr sehr sehr wichtig!

    Ich weiss nicht recht, ob ich meinen Kindern (die ich nicht habe) lieber eine verstrahlte oder eine etwas höher mit Co2 belasteter Luft hinterlassen soll.

    Ich gehe davon aus, dass eine Welt mit einer mit Co2 höher belasteten Luft besser ist, als eine Welt die Atomar verstrahlt ist.

    Da ich weiss das Pflanzen sogar besser wachsen und Co2 bis 1200 ppm verwerten können, sehe ich sogar Luft nach oben.

  3. des Klimaskeptizismus? Sie schreiben
    "dann müßte zuerst die kapitalistische wirtschaftsweise beendet werden und schließlich das wesen von uns menschen geändert werden."

    Es soll ja auch hier eine Reihe von Mitforisten geben, die sich wenig für Wissenschaft interessieren, von Klimaforschung noch weniger wissen, aber dafür ganz sicher wissen, dass die Ergebnisse der Klimaforschung falsch seien.

    Ist dies am Ende nicht ein "Stellvertreterkrieg" auf dem Rücken der Wissenschaft? Ist der Hauptgrund womöglich die Angst, unsere Lebensweise, unsere Gesellschaftsform, gar unser Wohlstand könne von den Ergebnissen und einer darauf ausgerichteten Klimapolitik bedroht sein? Und dann folgt als Reflex die Vogel-Strauß-Strategie, Kopf in den Sand, stimmt doch eh alles nicht, weiter geht's.

    Zur Beruhigung:
    Auch wenn (grob geschätzt) 80% unserer Mitbürger vom anthropogenen Klimawandel überzeugt sind, so würde ich auch vermuten, dass mehr als 90% einen gesellschaftlichen Umbau ablehnen würden. Nein, Klimapolitik ist nur konsensfähig, wenn sie den Wohlstand, unseren Lebensstil nicht bedroht.

    Wir möchten weiterhin so viel Energie wie gewünscht verbrauchen (ok, einer ist für 1000 kW(h) ;-) ), und versuchen, diese Energie zukünftig klimaverträglich bereitzustellen.

    Wir möchten weiterhin so viel wie bisher Auto fahren, und planen, irgendwann Elektroautos oder Brennstoffzellen zu nutzen.

    (Fortsetzung folgt)

    Antwort auf "köstlich"
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    "...so würde ich auch vermuten, dass mehr als 90% einen gesellschaftlichen Umbau ablehnen würden."

    das meinte ich ja, als ich schrieb, daß das wesen von uns menschen verändert werden müßte. das halte ich für unmöglich. das hat nichts mit "vogel strauß" zu tun. es ist schlicht eine anerkennung der realität. und nun...?

    • Coiote
    • 23. November 2012 15:26 Uhr

    "Ist das der tiefere Grund des Klimaskeptizismus? Sie schreiben
    "dann müßte zuerst die kapitalistische wirtschaftsweise beendet werden [...]"".

    Das ist sicherlich einer der Gründe für Klimaskeptizismus, bzw. in so einem Fall liegt wohl eigentlich gar kein Klimaskeptizismus, vor. Echten Klimaskeptizismus wird es wohl auch geben. Mir scheint aber, das dies ein unwesentlicher Punkt ist.

    Der Forumsteilnehmer meckererrr analysiert den wesentlichen Sachverhalt sehr gut. Die Klimatologen untersuchen die klimatische Entwicklung der Erde mit dem Wissen aus der Physik, aber bei den Forderungen ignorieren sie erstaunlich dilettantisch die ökonomischen und politischen Sachzwänge. Um es mal polemisch auszudrücken (und in der Hoffnung, dass der eine oder andere Klimatologe vielleicht mal etwas pragmatischer vorgehen würde): Im Elfenbeinturm sind die Klimatologen große Fische, in der realen Welt können sie nicht überzeugen. Sie sollten die Politiker und den Rest der Welt nüchtern und objektiv informieren. Stattdessen versuchten sie Politik in eine Richtung zu lenken, gefielen sich teils in der Rolle des mahnenden, unverstandenen Wissenschaftlers und Weltenretters wie im Film "The day after tomorrow".

    Als Klimatologe würde ich z. B. auch mal die Möglichkeit des massiven Ausbaus von AKWs zumindest einmal durchrechnen und präsentieren. Scheinbar will das niemand tun, weil das Fanpublikum der Klimatologen, die Ökos, mit so einem Ansatz nicht zurechkommen würden.

  4. Die Kernenergie erzeugt 2% bzw 6% des Weltweiten Energiebedarfs (je nach Rechenmethode), das ist ungefähr soviel wie das Verbrennen von Holz.

    Ich habe große Zweifel, dass die Kernkraft die Welt vor dem Klimawandel retten wird, sie kann eine Option sein unter vielen.

    Relevant wäre das ganze bei rund 5000 Reaktoren auf der Welt, nach bisherigen Betriebserfahrungen hätte man dann statt alle 25 Jahre nun alle 2 Jahre irgendwo einen schweren nuklearen Unfall. Man müsste wegen Uranmangel außerdem eine Plutonium Wirtschaft aufbauen, deren Kosten zumindest nach bisherigen Stand der Technik gigantisch wären.
    Aus Plutonium lässt sich auch mit geringen Kenntnissen eine Bombe bauen (siehe Indien), so dass eine solche Welt mit tatsächlich nennenswertem Atomstromanteil vermutlich auch eine Welt wäre, wo sehr viele Nationen und Organisationen Atomwaffen hätte, z.B. die Hamas.

    Meiner Ansicht nach passt bei der Kernenergie das Kosten zu Nutzen Verhältnis hinten und vorne nicht, aber wenn die USA oder China diesen Weg gehen wollen statt Kohle zu verfeuern wäre ich kein entschiedener Gegner. Hierzulande sollten wir uns den Blödsinn neuer Reaktoren aber besser nicht antun, wir können froh sein, wenn wir das nukleare Zeitalter halbwegs glimpflich überstehen. Bezahlen werde wir das Experiment eh noch sehr lange.

    mfg

  5. etwa, daß bei Aufbau von AKWs, Abbau von Uran, Transport, Aufbereitung, Transport, Nutzung, Transport, Einrichtung von Zwischen- und Endlagern jede Menge fossile Brennstoffe genutzt werden müssen.

    AKWs als "saubere Energiequelle" hinzustellen, wird der Sache nicht gerecht.

    Ich nehme mal an, man wird sich nach neuen Energiequellen umsehen müssen; letztlich kann nur Forschung oder Energieeinsparung das Dilemma lösen.

  6. würden wir die Welt auf vielerlei andere Art ruinieren.
    Deshalb klingt die ixierung auf das co2 so hohl.

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    > Selbst wenn wir co2 sparten würden wir die Welt auf vielerlei andere Art ruinieren. Deshalb klingt die ixierung auf das co2 so hohl.

    Na dann ist es wohl besser nichts zu tun und erst anzufangen wenn wir alles mit einem Male instantan ändern können.

    Ansonsten, dass AKKs ökologisch oder auch nur ökonomisch sinnvoll sind, halte ich für einen Mythos, aufrechterhalten von Subventionen und Leuten, die prinzipiell dafür sind weil sie Ökos nicht mögen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Vereinte Nationen | Entwicklungsland | Hubert Weiger | Klimawandel | Studie | Unwetter
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