Noch nicht in zwanzig Jahren, aber sicherlich zum Ende des Jahrhunderts werden wir den Klimawandel auch in Deutschland zu spüren bekommen. Das sagte zuletzt der Klimaforscher Hans von Storch ZEIT ONLINE in einem Interview . Weil der Meeresspiegel steigt, werden wir künftig wohl mit mehr Hochwasser, Starkregen und Sturmfluten zu kämpfen haben. Doch was passiert an der Küste, wenn mitten in der Nacht plötzlich die Wellen hereinbrechen? Wie wird die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt?

Diese Fragen bereiten dem Katastrophenforscher Martin Voss von der FU Berlin manchmal Kopfzerbrechen. "Im Ernstfall hat Deutschland ein Problem, denn ein bundesweites Warnsystem haben wir nicht", sagt er. Sirenen gibt es seit Ende des Kalten Krieges nur noch in einzelnen Kommunen. Da der Bund nur im Kriegsfall für die Warnung der Bürger zuständig ist und längst keiner mehr droht, wurden sie kurzerhand abmontiert. Katastrophenschutz in Friedenszeiten ist Ländersache. Zwar bot der Bund an, die Länder könnten die Sirenen behalten. Doch vielen Bundesländern war der Unterhalt der Geräte einfach zu teuer.

Für eine Alternative haben die meisten Länder seit Anfang der Neunziger nicht gesorgt. Der Bund ließ bis 2002 zwar das satellitengestützte System SatWaS aufbauen, doch auch das ist nicht fehlerfrei. Im Notfall können etwa die Lagezentren der Innenministerien Warnungen an alle Rundfunk- und Fernsehsender schicken. Sendungen werden dann von Tickermeldungen auf dem Bildschirm oder von Durchsagen unterbrochen. Doch wer Radio und TV-Gerät ausgeschaltet hat, bekommt erst mal nichts mit.

In Hamburg , Berlin und einigen anderen Städten gibt es seit Kurzem ergänzend das Handy-Warnsystem Katwarn , das die Bürger per SMS vor Unwettern und Katastrophen warnt. Um diese Nachrichten zu erhalten, müssen Handybesitzer sich allerdings vorher für künftige Notfallmeldungen registrieren. Alle Bürger erreicht Katwarn also auch nicht.

Beim Elbhochwasser fehlten die Sirenen

Längst nicht alle Städte haben solche Eigenlösungen gefunden. Wenn nachts um drei eine Sturmflut hereinbricht, schlafen wir also möglicherweise einfach weiter. "Beim Elbehochwasser vor zehn Jahren musste man auf die Lautsprecherwagen der Feuerwehr zurückgreifen, um die Leute zu alarmieren", sagt Voss. Eine ganze Großstadt auf diese Weise zu warnen, würde Stunden dauern. Viel zu lange also, um Menschen in Sicherheit zu bringen.

Also doch Sirenen? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hatte nach der Hochwasserkatastrophe wieder darüber nachgedacht. Allerdings kam man 2002 zu dem Schluss, dass ein bundesweiter Wiederaufbau mehr Nachteile als Vorteile hätte. "Sirenen können nur Töne. Sie sagen zwar, dass etwas passiert, aber nicht, wie man reagieren soll – dafür sind sie zu teuer", sagt Christoph Unger , der Präsident des BBK.

Mittlerweile gebe es bessere technische Möglichkeiten und Ideen für ein schnelles und effektives Warnsystem. Das BBK stellte im September einen Ausbau von SatWaS vor. Neben den Lagezentren der Innenministerien sollen auch alle Leitstellen von Rettungskräften eingebunden werden. Sie alle könnten dann Warnungen an die Rundfunkanstalten herausgeben. Bis Mitte 2013 soll das System funktionieren.