KrankheitsüberträgerAsiatische Buschmücke macht sich in Deutschland breit

Eine Vielzahl exotischer Mücken erobert Deutschland. Nun haben Forscher größere Populationen der Asiatischen Buschmücke ausgemacht, die etwa das West-Nil-Virus überträgt. von Martina Rathke

Eine Asiatische Buschmücke hat sich auf einem Finger festgesaugt.

Eine Asiatische Buschmücke hat sich auf einem Finger festgesaugt.  |  © James Gathany / Centers for Disease Control and Prevention

Sie ist bekannt als Krankheitsüberträger und brütet mittlerweile in größerer Zahl als bislang belegt in Deutschland – die Asiatische Buschmücke. Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (ZALF) haben eine größere Population der Mücke Aedes japonicus im Süden von Nordrhein-Westfalen und im Norden von Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Das betroffene Gebiet umfasst rund 2.000 Quadratkilometer zwischen Köln und Koblenz.

Die Mücke sei nicht nur besonders aggressiv, sondern überträgt das auch Menschen krank machende West-Nil-Virus und andere Erreger, teilte das FLI mit. Bislang wurde sie im südlichen Baden-Württemberg, in der Nordschweiz und lokal in Belgien nachgewiesen. Das West-Nil-Virus infiziert vor allem Vögel. Menschen, die sich mit dem Erreger anstecken, können im Extremfall an einer Hirnhautentzündung erkranken. Symptome sind etwa Fieber und allgemeines Unwohlsein, ähnlich wie bei einer Grippe. Allerdings zeigen rund 80 Prozent aller Infizierten gar keine Krankheitserscheinungen.

Anzeige

"Der Fund der Buschmücken war absolut überraschend", sagte der Leiter des FLI-Labors für Entomologie (Insektenkunde), Helge Kampen. "Wir haben es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit einer größeren und offenbar isolierten Population zu tun." Auf die Spur der Buschmücke waren die Forscher gekommen, weil fünf Einwohner des Großraums Bonn im Juli 2012 unabhängig voneinander sieben Exemplare an das Onlineprojekt Mückenatlas gesandt hatten. Der Atlas kartiert das Vorkommen unterschiedlicher Mückenpopulationen in Deutschland.

Die natürlichen Hürden für Krankheitsübertragungen sind hoch

Die Forscher besuchten im August die Einsender und fanden in 36 von 123 begutachteten Ortschaften Exemplare der Asiatischen Buschmücke. Angesichts der Größe des Ausbreitungsgebietes leben die Tiere nach Einschätzung Kampens nicht erst seit diesem Jahr in der Region. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Eier in der Lage sind, den Winter zu überstehen." Obwohl die Buschmücke als Überträger des West-Nil-Virus, möglicherweise auch des Erregers des Dengue-Fiebers und des Chikungunya-Fiebers infrage kommt, warnen die Wissenschaftler vor allzu großer Aufregung. Die Asiatische Buschmücke sei als Krankheitsüberträger nicht so effektiv wie die weitaus gefährlichere Asiatische Tigermücke.

Die Hürde einer Übertragung ist zudem an mehrere Voraussetzungen gekoppelt: Die Mücke müsse zunächst einen bereits Infizierten stechen. Dabei müssten Mücken und der Betroffene im richtigen Stadium aufeinandertreffen. Vor allem müsse das Insekt lange genug leben, damit sich der Erreger in ihr vermehren und dann an andere Menschen weitergegeben werden könne.

In Deutschland leben derzeit mindestens 49 Stechmückenarten. Drei der zwischen Alpen und Ostsee nachgewiesenen Arten wurden erst nach 2007 in Deutschland gefunden: die Asiatische Tigermücke, die Asiatische Buschmücke und Culiseta longiareolata, die keinen deutschen Namen trägt. Die Asiatische Buschmücke wurde 2008 erstmals an der deutsch-schweizerischen Grenze, später auch südlich von Stuttgart nachgewiesen.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Schiffstransport von Reifen aus Asien eine wesentliche Rolle bei der Einschleppung der exotischen Mückenarten nach Europa spielt. In den Wasserpfützen der Reifen legen die Mücken ihre Eier ab, die so nach Europa gelangen. In Deutschland wurden die Forscher auf Friedhöfen und in Gärten fündig. Die Mücken brüteten in vergleichbaren Habitaten – in Blumenvasen, Gießkannen oder anderen Wasserbehältern. "Es sieht so aus, als ob die Buschmücke die heimischen Arten verdrängt", berichtete die Biologin Doreen Werner vom ZALF. Auf einigen Friedhöfen sei nur noch die asiatische Art vorgefunden worden.

Um die Ausbreitung exotischer Mücken besser beurteilen zu können, starteten das FLI und das ZALF im Frühjahr das Onlineprojekt Mückenatlas. Nach Angaben des ZALF haben Hobbyjäger seitdem 1.724 Einsendungen an die Forscher geschickt, von denen 850 bislang ausgewertet wurden. In knapp 600 Einsendungen befanden sich Stechmücken.

Bislang wiesen die Hobbyjäger 25 Arten nach – bis auf die Asiatische Buschmücke alles heimische Arten. Mit den gesammelten Mückendaten können Forscher das Gefährdungspotenzial besser abschätzen und eventuelle Bekämpfungsstrategien entwickeln.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. mich würde einmal interessieren, ob die Häufigkeit an Erkrankungen durch Krankheiten, die Mücken übertragen, in den letzten Jahren in Deutschland deutlich gestiegen ist.

    2 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 20. November 2012 11:14 Uhr

    Wie lange hält sich denn der Virus in der Mücke?. Die nächste Generation dürfte den doch nicht mehr sich rumtragen. Und die verdrängung der keimisschen Mücke dürfte doch kein Prolem sein, wenn sie denn auch von einheimischen Nachfragern gefressen wird.

    Und dann stellt sich auch die Frage für Besitzer von kleinen Feuchtbiotopen, wie man die überhaupt unterscheiden kann.

    Eine Leserempfehlung
    • Flari
    • 20. November 2012 11:34 Uhr

    Virus und Mücke müssen zueinander "passen", um eine Gefährdung darzustellen.
    Zueinander passen heisst hier, dass sich das Virus, einmal aufgenommen, auch in der Mücke vermehren kann.
    ANSONSTEN reicht die Anzahl der durch einen Stich AUF einen Menschen übertragenen Viren i.d.R. nicht aus, bei diesem die Krankheit auszulösen.

    Natürlich muss dazu die Mücke selber auch erst einmal infiziert sein, also vorher einen humanen Virenträger gestochen haben.
    Nur das kann in unserem Fernreisezeitalter natürlich auch sehr leicht passieren, wenn die Mückenart entsprechend verbreitet ist.
    Ein Einzelner kann da ja ggf. ausreichen, eine Erkrankungswelle auszulösen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

    • konnat
    • 20. November 2012 18:21 Uhr

    Die Mücken werden über Autoreifen aus Asien eingeschleppt.
    Diesmal kamen sie nicht wegen des "Klimawandels".

    Ansonsten nennt man das Globalisierung.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 15. August 2013 16:00 Uhr

    Sie schreiben:
    >> Diesmal kamen sie nicht wegen des "Klimawandels".<<

    Naja GEKOMMEN sind Arten noch selten wegen des Klimawandels. Der könnte aber durchaus Einfluss darauf haben, ob es diesen Arten gelingt, hier zu BLEIBEN (also z.B. Winter zu überstehen).

    Mal einzelne Tiere oder Eier eingeschleppt werden auch die Seefahrer vergangener Jahrhunderte schon haben (Reifen werden ja heute immernoch per Schiff transportiert). Dass aber erst jetzt hier heimische Populationen gefunden wurden, könnte in Hinweis sein, dass sich die Bedingungen eben doch verändert haben.

  2. wissenschaft ist oft bieder und fokussiert. die fragen nach den ursachen für die verbreitung der asiatischen mücken, die hier in den kommentaren anklingen, werden im artikel erst gar nicht gestellt.
    spielen einstellungen dabei eine ungute rolle? wissenschaftler sind nach ihrem berufsverständnis selten gesellschaftskritisch. darum dürfen sie den globalisierten handel, der ja im text mit dem import von autoreifen angetippt wird, nicht kritisieren. das sollen bitte die journalisten und kabarettisten tun. die vielfliegerei wird auch einmal angedeutet, kritisiert wegen der unschönen folgen wird sie nicht.

    Eine Leserempfehlung
    • GDH
    • 15. August 2013 16:00 Uhr

    Sie schreiben:
    >> Diesmal kamen sie nicht wegen des "Klimawandels".<<

    Naja GEKOMMEN sind Arten noch selten wegen des Klimawandels. Der könnte aber durchaus Einfluss darauf haben, ob es diesen Arten gelingt, hier zu BLEIBEN (also z.B. Winter zu überstehen).

    Mal einzelne Tiere oder Eier eingeschleppt werden auch die Seefahrer vergangener Jahrhunderte schon haben (Reifen werden ja heute immernoch per Schiff transportiert). Dass aber erst jetzt hier heimische Populationen gefunden wurden, könnte in Hinweis sein, dass sich die Bedingungen eben doch verändert haben.

    Antwort auf "Da bin ich aber froh !"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf mehreren Seiten lesen
  • Quelle dpa
  • Schlagworte Belgien | Alpen | Asien | Baden-Württemberg | Bonn | Europa
Service