UN-KlimakonferenzStaatengemeinschaft ringt um neuen Klimaschutzvertrag

Das Kyoto-Protokoll läuft aus – einen Nachfolgevertrag gibt es nicht. Auf dem Klimagipfel in Doha verhandeln die UN eine Übergangslösung bis zum Weltklimavertrag 2020. von dpa

Zur Eröffnung des UN-Klimagipfels in Doha hat der Vizepremier des Gastgeberlandes Katar , Abdullah bin Hamad Al-Attiyah, alle 193 Teilnehmerstaaten zur Zusammenarbeit aufgerufen. "Das ist eine historische Konferenz", sagte Al-Attiyah. "Vor uns, in den kommenden Tagen, liegt eine goldene Chance. Wir müssen sie nutzen."

Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, verwies auf die geopolitische Bedeutung der Verhandlungen. Erstmals findet die UN-Klimakonferenz in einem arabischen Golfstaat statt. Die Region habe damit die nötige Öffentlichkeit, um ihr Energiewachstum nachhaltiger zu gestalten und eine stärkere und sicherere Energieversorgung für alle Staaten auf den Weg zu bringen. Das Öl- und Gasland Katar hat die weltweit höchsten Pro-Kopf-Emissionen von Treibhausgasen.

Anzeige

Auf dem Gipfel sollen in den kommenden zwei Wochen vor allem zwei Punkte verhandelt werden: Die Ausgestaltung der zweiten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls von 2013 an und die Entwicklung eines globalen Klimaschutzvertrages, bei dem sich von 2020 an auch Länder wie die USA und China klare Klimaschutzziele setzen sollen .

China und die USA begrenzen Treibhausgase nicht

Ende Dezember läuft die erste Phase des Kyoto-Protokolls aus. Es ist der bisher einzige globale Vertrag mit konkreten Klimaschutzzielen – aber hier machen längst nicht alle Staaten mit. Große Klimasünder wie die USA und China unterliegen nicht konkreten Minderungspflichten beim Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase.

Damit keine weitere Klimaschutzlücke entsteht, wollen sich die EU und rund zehn weitere Staaten für eine zweite, acht Jahre dauernde Phase des Kyoto-Protokolls bis zum geplanten Weltklimavertrag verpflichten. Zugleich fordert die EU von Staaten wie den USA und China, die nicht bei einem Kyoto-II-Vertrag mitmachen wollen, zusätzliche Zusagen für mehr Klimaschutz in der Überbrückungsphase bis 2020.

100 Milliarden Dollar für Klimaopfer

Ein wichtiges Thema ist auch die Finanzierung. Von 2020 an sollen besonders vom Klimawandel betroffene Staaten Hilfen von bis zu 100 Milliarden Dollar erhalten. Bislang ist aber nicht klar, woher das Geld kommen soll und wie die Mittel über die nächsten Jahre anwachsen sollen. Die Zeit wird knapp: Selbst für 2013 fehlen feste Zusagen der Industrieländer. "Es wird keine Finanzierungslücke geben", sagte EU-Unterhändler Artur Runge-Metzger dennoch vor Beginn der Konferenz in Doha .

Gleichzeitig erhöhte er den Druck auf die betroffenen Länder, mehr für den Klimaschutz zu tun. Über das "100-Milliarden-Versprechen" sagte Runge-Metzger: "Da gibt es einen kleinen Nebensatz, der heißt, dass es (das Geld) auf den Tisch zu legen ist, wenn es tatsächlich Emissionsreduktionen in einer Höhe gibt, die uns auf den Weg zum Zwei-Grad-Ziel bringen ."

Umweltschützer fordern klare Zusagen

2010 war im mexikanischen Cancún auf Basis von Wissenschaftler-Empfehlungen diese rote Linie für den Klimaschutz beschlossen worden. Alle Staaten sollten dafür sorgen, dass diese maximal erträgliche Erwärmung in den nächsten Jahrzehnten nicht überschritten wird.

Umweltschützer und Entwicklungsländer fordern von den Industriestaaten in Doha klare Finanzzusagen für die nächsten Jahre. Wie aus EU-Kreisen verlautete, rechnet Brüssel mit ersten Versprechen einzelner EU-Länder. "Es besteht die reale Gefahr, dass die Finanzierung des Klimaschutzes 2013 reduziert wird, in einer Zeit, in der sie eigentlich erhöht werden sollte", sagte Tim Gore von Oxfam .

Zur Startseite
 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
    • Schlagworte Europäische Union | UN | China | Doha | Energieversorgung | Klimaschutz
    Service