KlimatologieMehr Eis am Südpol trotz Erderwärmung
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"Solange heftige Stürme wehen, expandiert das Eis"

Diese Trends lassen sich mancherorts tatsächlich beobachten, bestätigt Paul Holland : "Starke Winde treiben das Meereis zum Teil vom Kontinent weg." Das gilt etwa für die Antarktische Halbinsel, die als einzige Region der Antarktis die Strömungsgürtel von Wind und Ozean in Richtung Südamerika durchbricht und deren Schelfeisgebiete daher mittlerweile großflächig zerstört sind oder momentan zerfallen. Schuld sind daran zum einen steigende Temperaturen, da sich die Halbinsel wegen ihrer exponierten Lage im Gegensatz zum restlichen Kontinent in den letzten Jahrzehnten stark erwärmt hat. Zum anderen wirken die fast kontinuierlich über den antarktischen Wurmfortsatz wehenden Westwinde doppelt: Sie blasen die fragmentierten Eisschollen hinaus aufs Meer und heizen ihnen auf der Ostseite der Halbinsel als warmer Föhn zusätzlich ein. Da sich diese Stürme in der jüngeren Vergangenheit verstärkt haben, hat sich auch ihre Wirkung potenziert. Hier zeige sich laut Holland der gleiche Trend wie am Nordpol: "Die Bellingshausen-See an der Westseite der Antarktischen Halbinsel geht das Eis fast so schnell verloren wie in der Arktis."

Doch das betreffe eben nicht alle Bereiche der Antarktis. "Seit 1992 hat sich die Drift verändert. Mancherorts hat sich der Eisexport verdoppelt, während er an anderer Stelle beträchtlich zurückgegangen ist", sagt Holland. Stürme an der Packeisgrenze und Fallwinde, die vom teilweise mehrere Tausend Meter mächtigen Eisschild des Südkontinents hinunter zur See blasen, reißen beispielsweise am Ross-Schelfmeer die Eisdecke auseinander. Sie sorgen hier aber nicht für Verlust – im Gegenteil. "Dadurch entstehen zwar offene Flächen, die sogenannten Polynjas, die mehrere Tausend Quadratkilometer groß sein können. Da das Wasser jedoch gleich wieder mit der extrem eisigen Luft des antarktischen Winters in Berührung kommt, gefriert es auch rasch wieder", sagt Nasa-Forscher Josefino Comiso . Deshalb entsteht hier netto ein Zuwachs. "Solange die heftigen Stürme wehen, expandiert das Eis nach Norden", sagt Comiso. Kurze Zeit nachdem das arktische Meereis sein trauriges Minimum für 2012 erreicht hatte, meldeten Satelliten einen neuen Beobachtungsrekord aus dem Süden: Mit knapp 19,4 Millionen Quadratkilometern verschwand eine knappe halbe Million Quadratkilometer mehr unter der weißen Decke als im Schnitt der letzten 30 Jahre.

Kein Argument gegen die Erderwärmung

Dieser Prozess funktioniert aber nur in der Isolation der Antarktis. Die Stärke der Fallwinde etwa wird über die Temperaturen gesteuert, die wegen des Ozonlochs gefallen sind und im zentralen Bereich des Kontinents nicht durch Zustrom wärmerer Luftmassen abgemildert werden. Die Arktis hingegen ist viel stärker in das globale Strömungssystem von Atmosphäre und Ozean eingebunden: Größere Eismengen verlassen beispielsweise auf verschiedensten Seewegen wie etwa dem Labradorstrom die Region und gehen verloren. Im Gegensatz zu den extremen Fallwinden der Antarktis, die sich ebenso im Winter entwickeln, treten Packeis zerreißende Stürme im Nordpolarmeer vor allem im Sommer auf: Das freigesetzte Wasser friert unter den dann herrschenden Bedingungen nicht wieder zu.

Der antarktische Sonderfall stellt daher die globale Erwärmung nicht infrage. Eine frühere Nasa-Studie habe zudem gezeigt, dass sich das Meereis am Südpol zwar vermehrt, zwischen 2003 und 2008 wurde es aber auch dünner, sagt Parkinson: "Das Klima verändert sich eben nicht einheitlich. Manche Erdteile können aus der Reihe scheren, selbst wenn sich das System insgesamt erwärmt." Vielleicht scheren größere Flächen der Antarktis zukünftig noch extremer aus der Reihe, denn auch hier vollziehen sich Rückkopplungseffekte – nur anderer Art: Das Eis dämmt das relativ warme Wasser gegen die kalte Luft ab, sodass es nicht mehr ausgleichend wirken kann. An der Oberfläche wird es also noch kälter.

Erschienen auf spektrum.de

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Leserkommentare
  1. "Mehr Eis am Südpol trotz Erderwärmung."

    "Der antarktische Sonderfall stellt daher die globale Erwärmung nicht infrage."

    ""Das Klima verändert sich eben nicht einheitlich. Manche Erdteile können aus der Reihe scheren, selbst wenn sich das System insgesamt erwärmt." Vielleicht scheren größere Flächen der Antarktis zukünftig noch extremer aus der Reihe, ..."

    immer wenn das Klima auf der Erde nicht das tut, was schlaue Wissenschaftler vorhergesagt haben, kommen noch schlauere und beweisen, daß alles logisch begründbar ist. Und dann machen sie Vorhersagen wie das dann wohl so werden soll ...

    ...daß die Leute nicht merken, daß sie nicht in die Zukunft sehen können, wundert mich.

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    • eikfir3
    • 14. November 2012 14:36 Uhr

    ...dieses nicht merken, was man alles nicht weiß, ist ein typisches Reifungsproblem, sagen die Pädagogen und "Macke"-Doktoren uns zwar immer wieder.
    Aber gerade, weil manche von uns (leider selten die Leisesten!) diese Erkenntnisdefizite haben, bemerken sie ihre anderweitigen Defizite meist auch garnicht erst und werden z.B. überzeugter und oft auch überzeugender Politiker.
    Einer hat ja das sogar mal "beschlossen" - ging 12 Jahre nicht gut und zum Schluß gab`s dann diese bekannte, fürchterlich Katastrophe!

    ...immer diese doofen Wissenschaftler! Haben von nix ne Ahnung und meinen und ständig mit ihrem Unwissen nerven zu können. Früher war alles besser. Da wurden Hexen wenigstens noch Verbrannt und böse Omen am Himmel richtig gedeutet!

    Jetzt mal im Ernst. Es ist ja in Ordnung etwas kritisch zu Hunterfragen. Aber das Außmaß der Selbstgerechtigkeit, Egozentrik, Besserwisserei, Anmaßung und (entschuldigung) Dummheit mancher Kritiker spottet doch langsam jeder Beschreibung.

    Die Wissenschaft hat Daten vorgelegt und die konnte bisher nicht entkräftet werden. Trotzdem schlägt die "Skeptiker" Gemeinde wie wild darauf ein und verwechselt am laufenden band Wissenschaft und Jornalismus.

    Schlechte Nachricht ist ein schlechter Gast ;). Natürlich übertreiben es manche Medien, schließlich leben sie von klicks und ihren Verkauszahlen. Aber man könnte sich ja auch mal mit den Primär Quellen beschäftigen.

    Aber die "Skeptiker" haben da eine andere Taktik. Sie wenden sich eher lieber RWE Managern zu (Kalte Sonne), merkwürdigen Internetseiten von !Jornalisten! (Achse des Guten) oder allgemein Webseiten, die nun alles andere als Glaubwürdig einzustufen sind und schon viele falsch Meldungen verbreitet und Statistiken gefälscht haben. (z.B. Klimaskeptiker)

    Wir wären schon weiter, wenn die "Skeptiker" ihre Quellen so kritisch beäugen würden wie den IPCC.
    Aber gute Nachricht ist ein angehnemer Gast!

    MfG

    • nikkoz
    • 20. November 2012 16:10 Uhr

    Sie scheinen es nicht verstanden zu haben, Macintom. Hier wird der scheinbare Widerspruch nochmal für Laien erklärt: http://wissenschaftundsch...

    Redaktion

    Liebe Leser,

    zu diesem Thema empfehle ich, noch einmal diesen Artikel zu lesen - der Zuwachs bezieht sich nur auf Teile der Antarktis - hier wird es genau erklärt:

    http://www.zeit.de/wissen...

    • eikfir3
    • 14. November 2012 14:20 Uhr

    ...trotzdem hätte ich von der Forschung zu gerne für meine Steuergelder ENDLICH DEFINITIV erfahren - bevor sie uns mit ihren ja für sie selber vielleicht interessanten Einzel-Ergebnissen immer wieder und in regelmäßigen Abständen erschreckt:
    Befinde wir uns nun am (und doch für die Menschheit insgesamt ganz erfreulichen) Ende der letzten langen Eiszeit? oder am Anfang einer neuen Eiszeit?, was für mich wirklich eine Katastrophe wäre, d.h. wohl nicht für mich selber mehr, aber für die Menschheit, denke ich....und das Ozontheoretisieren scheinen die Forscher wohl selber nicht so ganz zu verstehen, befürchte ich kleiner Zahl-Bürger...

    2 Leserempfehlungen
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    Sowas geht leider nicht ;-)
    Man kann versuchen komplexe Zusammenhänge zu verstehen aber Vorraussagen sind beinahe unmöglich. Schließlich beeinflussen geschätzte 200 Millarden verschiedene Faktoren das Klima.
    Selbst für das tägliche Wetter ist es >>wichtig<< zu wissen, wie viele Autos in welcher Region unterwegs sind und ob Flugzeuge fliegen oder nicht. Selbst das können wir nichtmal sicher vorraus sagen. Eine Baustelle und ein Streik am Flughafen und schon ändert sich regional das Wetter. In einer kleinen Region. Und das Klima ist nunmal die Summe von sehr sehr sehr viel Wetter.

    • eikfir3
    • 14. November 2012 14:36 Uhr

    ...dieses nicht merken, was man alles nicht weiß, ist ein typisches Reifungsproblem, sagen die Pädagogen und "Macke"-Doktoren uns zwar immer wieder.
    Aber gerade, weil manche von uns (leider selten die Leisesten!) diese Erkenntnisdefizite haben, bemerken sie ihre anderweitigen Defizite meist auch garnicht erst und werden z.B. überzeugter und oft auch überzeugender Politiker.
    Einer hat ja das sogar mal "beschlossen" - ging 12 Jahre nicht gut und zum Schluß gab`s dann diese bekannte, fürchterlich Katastrophe!

    2 Leserempfehlungen
  2. Ist doch logisch: Weil sich die Erde immer mehr aufheizt, wird sie immer kälter. Was ist denn daran so schwer zu verstehen?

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    • konpeki
    • 14. November 2012 15:11 Uhr

    Ist doch logisch: Den Artikel kommentieren obwohl man ihn nicht verstanden hat. Herp derp.

  3. Das dürfe ja jeder wissen.
    Gilt natürlich nicht für Grönland.

    Aber am Südpol sieht es anders aus

    2 Leserempfehlungen
  4. Das Eis am Südpol wird mehr obwohl die Temperaturen steigen, und dadurch tauen auch noch Permafrostböden auf.

    http://www.zeit.de/wissen...

    2 Artikel an einem Tag zeitgleich in der Artikelleiste. Da kann es doch nur wärmer werden, oder? Jetzt bin ich fast überzeugt.

    • konpeki
    • 14. November 2012 15:11 Uhr

    Ist doch logisch: Den Artikel kommentieren obwohl man ihn nicht verstanden hat. Herp derp.

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ja, nee, is klar ..."
  5. zeigt jedem, der es wissen möchte, daß die Eisbedeckung der Arktis ebenso schnell zunimmt, wie sie im Sommer abgenommen hat.
    Am Südpol hat sie sich massiv ausgedehnt. Die angebliche globale Erwärmung findet nicht statt. Wenn man die Nord und Südflächen einfach addiert nimmt die Eisausdehnung zu. Global! Das macht den Computerklimafuzzis schwer zu schaffen. Ihre neue Angstmachermasche ist nun mit der Behauptung hausieren zu gehen. daß die Eisneubildung von der bedrohlichen Erwärmung verursacht wird. Ihre Milliardengeschäfte hängen davon ab, daß dieser Unfug geglaubt wird. Grundlage der Klimata ist nun mal eindeutig das Wetter und das lässt sich nicht steuern. Schon garnicht über CO2-Abgaben und Steuern wie sie uns immer vorflunkern und einreden wollen. Klimaneutral ausgedrückt: Sie wollen nur unser Geld.

    17 Leserempfehlungen
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    Gleichzeitig erschien in der Druckausgabe von Spektrum der Wissenschaft (11/2012, S. 86-93) ein Artikel zur Eisschmelze am Südpol:
    Das Schelfeis um die Antarktische Halbinsel zerfällt, vor dem antarktischen Festland werden es dünner, weil es von unten abschmilzt. Wenn das Schelfeis verschwunden ist, fließen die Gletscher schneller ins Meer, der Rhöss-Gletscher jetzt mit 9-facher Geschwindigkeit, seitdem er das Prinz-Gustav-Eisschelf an seiner Mündung 1995 verloren hat. Der Eisverlust der Antarktis nimmt derzeit um etwa 25 Kubikkilometer jährlich zu, jährlich verliert die Antarktis bis zu 190 Milliarden Tonnen pro Jahr. Es gibt keinen Grund, Klimatologen mal wieder lächerlich zu machen. Die Realität der globalen Erwärmung ist eben komplexer, als sich manch Klimaskeptiker das vorstellen kann oder will.

    Und wenn man eingangs des Artikels gleich etwas vom "ewigen Eis" liest, weiß man eh, was davon zu halten ist.

    "Wenn man die Nord und Südflächen einfach addiert nimmt die Eisausdehnung zu. Global! Das macht den Computerklimafuzzis schwer zu schaffen.

    Hm, haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Da werden Zahlen genannt, die ihrer Aussage diametral gegenüberstehen. Man muss kein "Computerklimafuzzi" sein, um dies nachrechnen zu können, Kenntnisse über Addition und Subtraktion genügen. Schafft dies auch ein Skeptiker?

    zeigt jedem, der es wissen möchte, daß die Eisbedeckung der Arktis ebenso schnell zunimmt, wie sie im Sommer abgenommen hat.

    Oha, jetzt wird's aber hochintellektuell: Im Winter friert ein Großteil der arktischen Eisoberfläche zu, das passiert übrigens jeden Winter. Die Wintereisbedeckung ist relativ konstant. Interessant ist, was während der Schmelzperiode passiert. Und da zeigen die Daten, dass der Meereisschwund rapide wächst. Da diesen Sommer ein Rekordeisminimum erreicht wurde, wird in diesem Winter auch mehr offene Wasserfläche vorhanden sein, die zufrieren wird. In wenigen Monaten werden Sie also schreiben können, dass die arktische Eisfläche diesen Winter um einen Rekordwert angewachsen ist. Super Logik, ich gratuliere.

    PS:
    Hier sind die aktuellen Daten zur arktischen Seeeisbedeckung:
    http://www.ijis.iarc.uaf....
    An keinem 14. November war die Meereisbedeckung niedriger als in diesem Jahr.
    Ihre Uminterpretationsversuche sind ja ganz nett, unterschätzen Sie aber bitte nicht den Intellekt des durchschnittlichen ZEIT-Lesers ;-)

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