KlimatologieMehr Eis am Südpol trotz Erderwärmung

Warum das Meereis in der Antarktis seit einigen Jahren zunimmt, war Forschern lange ein Rätsel. Jetzt haben sie erste Erklärungen. Beruhigen kann das Phänomen nicht. von Daniel Lingenhöhl

Antarktis Südpol Seehund Eis Klimawandel

Ein Seehund schwimmt an der britischen Rothera-Forschungsstation vorbei. Sie liegt auf der Adelaide-Insel vor der Antarktischen Halbinsel.  |  © Alister Doyle/Reuters

Wer sich an der Kryosphäre – der Welt des ewigen Eises – erfreut, für den lieferte der vergangene Sommer eine Hiobsbotschaft: Auf nur noch 3,41 Millionen Quadratkilometer Ausdehnung schrumpfte das arktische Meereis bis zum 16. September 2012 – ein historischer Tiefstand, seit Satelliten in den siebziger Jahren die Beobachtung des Nordpols begannen.

Seit damals verschwanden pro Jahrzehnt etwa zwölf Prozent der sommerlichen Eisdecke: ein Verlust von weit mehr als 2,5 Millionen Quadratkilometern. Der vergangene Sommer setzte nur ein neues Ausrufezeichen, sagt die Nasa-Forscherin Claire Parkinson : "Es ist definitiv ein weiterer Hinweis, dass das arktische Meereis in den letzten Jahren viel anfälliger geworden ist und sich in einem langzeitigen Niedergang befindet."

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Während den Eisverlust im hohen Norden ein breites Medienecho begleitet, spielt sich weitgehend unbemerkt im Süden ein gegenläufiger Prozess ab. "In der Antarktis wächst das Meereis insgesamt", sagt Parkinson, schränkt aber ein: "Diese Zunahme hält aber nicht annähernd Schritt mit dem Rückgang in der Arktis ." Um durchschnittlich 17.000 Quadratkilometer pro Jahr hat sich die weiße Decke demnach seit 1978 ausgedehnt. Zahlen der Nasa deuten an, dass sich dieser Trend in den vergangenen Jahren um die Hälfte beschleunigt hat. Zudem hat sich das sommerliche Minimum um 650.000 Quadratkilometer vergrößert. Während der Tauperiode bleibt also ein größerer Teil des Meereises erhalten und bildet die Basis für den nächsten Winter – eine Tendenz, die der Entwicklung am Nordpol ebenfalls völlig entgegenläuft.

Der Norden hat sich stärker erwärmt

Steigende Temperaturen verantworten den größten Teil der arktischen Schwindsucht: Die Region zählt zu den Weltgegenden, die sich in den vergangenen Jahrzehnten überdurchschnittlich stark erwärmt haben. Eine wichtige Rolle spielt aber auch die besondere Lage der Arktis, die größtenteils ein von Landmassen umgebenes Meeresgebiet ist, während die Antarktis gänzlich von Ozeanen umschlossen ist. " Nordamerika , Grönland und Eurasien umzingeln den Arktischen Ozean und halten das Meereis größtenteils 'gefangen'. Es wächst und schrumpft zwar im Jahresrhythmus, größere Bestände überdauerten in der Vergangenheit aber auch und entwickelten sich zu dickerem, mehrjährigen Eis weiter", sagt Parkinson.

Verschwindet die Gefrornis jedoch, setzt ein sich selbst verstärkender Prozess ein: Während das weiße Eis den weitaus größten Teil des eingestrahlten Sonnenlichts reflektiert, speichert es das freigelegte dunkle Wasser als Wärmeenergie. Diese verstärkt wiederum die Schmelze. Verschiedene Strömungen exportieren zudem Eis in südlicher gelegene Gewässer, wo es taut.

Erschienen auf spektrum.de

Erschienen auf spektrum.de  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

"Rund um die Antarktis ist das Eis kontinuierlich in Bewegung", sagt Paul Holland vom British Antarctic Survey in Cambridge , der zusammen mit Ron Kwok vom California Institute of Technology in Pasadena die Ursachen für den Eiszuwachs am Südpol erforscht. Doch Winde und Ozeanströmungen umkreisen die Region und riegeln sie dadurch beinahe hermetisch vor den Klimaeinflüssen niedrigerer Breiten ab.

Während des eisigen Winters gefrieren daher innerhalb dieses Zirkels weite Teile des Meeres. Die dabei entstandene Eisfläche entspricht etwa der doppelten Fläche Europas. Im Sommer taut sie allerdings größtenteils wieder auf. Nur in den großen Schelfeisgebieten geschützter Buchten wie im Ross- oder Weddell-Meer bleibt das Eis über den Sommer hinweg bestehen. Diese Regionen sind es auch, die vorwiegend vom Zuwachs betroffen sind, wie die Nasa-Satelliten zeigen: Allein auf das Ross-Schelfeis entfallen etwa 80 Prozent des Zugewinns.

Was verursacht den Zuwachs?

Lange wurde spekuliert, dass das südpolare Ozonloch das Wachstum auslöst. Mangels Ozon kühlt sich die Atmosphäre über der Antarktis ab, sodass mehr Eis im Winter gefrieren kann und weniger im Sommer verloren geht. So ließ das Ozonloch wirklich die regionalen Temperaturen sinken. Für die Massenbilanz spielen sie jedoch kaum eine Rolle, schreiben zum Beispiel Michael Sigmond von der University of Toronto und John Fyfe vom Canadian Centre for Climate Modelling and Analysis in Victoria. Vielmehr müsste die Massenbilanz dadurch sogar negativ werden: Rund um den Eiskontinent haben sich wegen des Ozonlochs in den letzten Jahrzehnten die zirkumpolaren Westwinde verstärkt und den Luftmassenaustausch mit höheren Breiten erschwert, wie Messungen belegen. Dadurch strömt weniger warme Luft aus höheren Breiten ein, was zur beobachteten Abkühlung beispielsweise der Ostantarktis beiträgt.

Gleichzeitig müssten diese Stürme aber zumindest in den Berechnungen auch den Ekman-Transport antreiben. Dieses charakteristische Strömungsmuster treibt am Übergang zwischen Ozeanoberfläche und Atmosphäre das Meereis von den Küsten weg – ein Prozess, der vor allem im Südsommer wirkt. Im Winter hingegen dürfte sich das Eis nicht mehr so weit äquatorwärts ausdehnen, da sich Kaltwasserregionen wegen des in Richtung der Antarktis verlagerten Westwindgürtels großflächig in Richtung des Pols zurückziehen sollten.

Leserkommentare
  1. zeigt jedem, der es wissen möchte, daß die Eisbedeckung der Arktis ebenso schnell zunimmt, wie sie im Sommer abgenommen hat.
    Am Südpol hat sie sich massiv ausgedehnt. Die angebliche globale Erwärmung findet nicht statt. Wenn man die Nord und Südflächen einfach addiert nimmt die Eisausdehnung zu. Global! Das macht den Computerklimafuzzis schwer zu schaffen. Ihre neue Angstmachermasche ist nun mit der Behauptung hausieren zu gehen. daß die Eisneubildung von der bedrohlichen Erwärmung verursacht wird. Ihre Milliardengeschäfte hängen davon ab, daß dieser Unfug geglaubt wird. Grundlage der Klimata ist nun mal eindeutig das Wetter und das lässt sich nicht steuern. Schon garnicht über CO2-Abgaben und Steuern wie sie uns immer vorflunkern und einreden wollen. Klimaneutral ausgedrückt: Sie wollen nur unser Geld.

    Eine Leserempfehlung
  2. ...immer diese doofen Wissenschaftler! Haben von nix ne Ahnung und meinen und ständig mit ihrem Unwissen nerven zu können. Früher war alles besser. Da wurden Hexen wenigstens noch Verbrannt und böse Omen am Himmel richtig gedeutet!

    Jetzt mal im Ernst. Es ist ja in Ordnung etwas kritisch zu Hunterfragen. Aber das Außmaß der Selbstgerechtigkeit, Egozentrik, Besserwisserei, Anmaßung und (entschuldigung) Dummheit mancher Kritiker spottet doch langsam jeder Beschreibung.

    Die Wissenschaft hat Daten vorgelegt und die konnte bisher nicht entkräftet werden. Trotzdem schlägt die "Skeptiker" Gemeinde wie wild darauf ein und verwechselt am laufenden band Wissenschaft und Jornalismus.

    Schlechte Nachricht ist ein schlechter Gast ;). Natürlich übertreiben es manche Medien, schließlich leben sie von klicks und ihren Verkauszahlen. Aber man könnte sich ja auch mal mit den Primär Quellen beschäftigen.

    Aber die "Skeptiker" haben da eine andere Taktik. Sie wenden sich eher lieber RWE Managern zu (Kalte Sonne), merkwürdigen Internetseiten von !Jornalisten! (Achse des Guten) oder allgemein Webseiten, die nun alles andere als Glaubwürdig einzustufen sind und schon viele falsch Meldungen verbreitet und Statistiken gefälscht haben. (z.B. Klimaskeptiker)

    Wir wären schon weiter, wenn die "Skeptiker" ihre Quellen so kritisch beäugen würden wie den IPCC.
    Aber gute Nachricht ist ein angehnemer Gast!

    MfG

    Eine Leserempfehlung

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