Lonesome GeorgeGalapagos-Schildkröte doch nicht ausgestorben?

Lonesome George war vielleicht nicht der letzte seiner Art: Auf den Galapagos-Inseln haben Forscher 17 Pinta-Schildkröten identifiziert, deren Gene hoffen lassen. von dpa

Die Schildkröte Lonesome George (Archiv)

Die Schildkröte Lonesome George (Archiv)  |  © Rodrigo Buendia/AFP/Getty Images

Lebt die Pinta-Schildkröte oder nicht? Wissenschaftler haben auf den Galapagos-Inseln 17 Tiere gefunden, die Gene der Unterart Chelonoidis nigra abingdoni aufweisen, teilte das ecuadorianische Umweltministerium mit. Bisher war man davon ausgegangen, dass die im Juni gestorbene Riesenschildkröte Lonesome George das letzte Exemplar war.

In einer gemeinsame Untersuchung des Galapagos- Naturparks und der Yale-Universität fanden die Forscher demnach neun Weibchen, drei Männchen und fünf Jungtiere auf der Insel Isabela, die genetisch zum Teil in erster Generation von der Unterart der Insel Pinta abstammen, der Lonesome George angehörte. Dies habe die Analyse von 1.600 Gewebeproben ergeben, die ab 2008 von Riesenschildkröten am Hang des Wolf-Vulkans auf Isabela genommen worden waren.

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Die Pinta-Schildkröten lebten isoliert auf den verschiedenen Galapagos-Inseln. Segler, die im 19. Jahrhundert die Tiere als Nahrung an Bord nahmen, warfen sie manchmal lebend wieder ins Wasser, wenn sie Überschuss an Lebensmittel hatten. So strandeten Pinta-Exemplare auf Isabela. Die Wissenschaftler schließen nicht aus, dass es dort nicht nur hybride, sondern auch Tiere mit ungemischten Genen der Unterart gebe.

Allerdings gibt es auch Zweifel an einer direkten Verwandtschaft. "Nach derzeitigem Kenntnisstand war Lonesome George leider weiterhin der letzte Vertreter der Unterart Chelonoidis nigra ssp. abingdoni ", sagt der Leiter des Artenschutzes beim WWF Deutschland, Volker Holmes. Zwar hätte man in den 17 entdeckten Tieren offenbar Gene der Art entdeckt, "doch ist es nicht möglich hieraus eine neue Generation zu züchten oder gar zu klonen." Wer behaupte, Chelonoidis nigra ssp. abingdoni existiere im Erbgut von Schildkrkröten-Hybriden weiter, könne ebenso gut sagen, der Auerochse sei nicht ausgestorben, weil sich in Hausrindern noch Genmaterial von ihm finde.

Die Nachricht vom Tod von Lonesome George ging im Sommer um die Welt. Mit ihm habe man "eine Ikone für den Naturschutz" verloren, sagte damals Michael Russello von der Universität British Columbia ZEIT ONLINE . Eine zweite reinrassige Pinta-Riesenschildkröte habe man bis heute weder in freier Wildbahn noch in Gefangenschaft nachgewiesen. Ob es sich bei den entdeckten Exemplaren tatsächlich um direkte Verwandte von George handelt, müssen nun wohl weitere Gentests klären.

Tatsächlich sind auch andere Galapagos-Schildkröten wieder auferstanden. Anfang des Jahres hatten Russello und Kollegen die Wiederentdeckung der Floreana-Riesenschildkröte (Chelonoidis nigra elephantopus) verkündet. Anhand von Genanalysen identifizierten die Forscher Hybride, die von einem Elternteil dieser seit 150 Jahren als ausgestorben geltenden Unterart abstammten. Einige waren nicht älter als 15 Jahre.

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Leserkommentare
  1. Die Fabel von Lonesome George wird immer mehr zu einem wunderbaren Tragödienstoff. Der einsame Letzte seiner Art, der desillusioniert und resignierend entschläft, während quasi nebenan, ohne sein Wissen, seine Familie lebt. Io, io, o Fatum!

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    ... ist es wieder ein Baustein in der Kette, der die Evolutionstherorie untermauert.

  2. "mkrögliche"

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    Redaktion

    Liebe(r) Vote Saxon,
    wir haben die Wortschöpfung im Text entfernt. Vielen Dank für den Hinweis.

  3. Redaktion

    Liebe(r) Vote Saxon,
    wir haben die Wortschöpfung im Text entfernt. Vielen Dank für den Hinweis.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ein schönes Wort"
  4. ... ist es wieder ein Baustein in der Kette, der die Evolutionstherorie untermauert.

    Antwort auf "Tragödienstoff"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Artenschutz | Erbgut | Generation | Hybrid | Naturschutz | Tier
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