Wirbelsturm Sandy"Wir an der Küste sind ersetzbar, die in Manhattan nicht"

Die New Yorker an der Küste fühlen sich alleine gelassen. Hilfe stünde nur "wichtigen Leuten" in Manhattan zu. Nun packen sie selbst an. von 

In Rockaway sind während Wirbelsturm Sandy mehrere Häuserblocks abgebrannt.

In Rockaway sind während Wirbelsturm Sandy mehrere Häuserblocks abgebrannt.  |  © Eva Schweitzer

Die Rockaways sind heute eine einsame Halbinsel am Meer. Ganz im Süden von New York City genossen die Menschen vom Boardwalk aus stets den Blick auf die Weiten des Ozeans. Nach Hurrikan Sandy sind von den fünf Meilen des historischen hölzernen Stegs nur noch einige wenige Befestigungen im Sand übrig geblieben. Auf den Rockaways, die sich wie ein Wall zwischen das Naturschutzgebiet der Jamaica Bay und das offene Meer schieben, hat sich alles verändert.

Fortgeschwemmte riesige Stücke ragen nun aus den Sandhügeln empor oder liegen neben den Bergen von durchweichten Möbeln, die sich hier vor den Häusern auftürmen. "Es ist hier wie im Planet der Affen" , sagt William Kern und vergleicht die Szenerie mit jener aus dem Kinofilm. "Wie in der Schlussszene, als die Freiheitsstatue in der Dunkelheit hinter dem Strand versinkt." Auch die U-Bahn, die auf einer waghalsigen Brücke durch die Bucht führte, ist fort. Und die Nachbarschaft von Board Channel wirkt wie tot.

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William Kern lebt in Rockaway Beach mit seiner Mutter Joice und seiner Tante Arlene, beide sind über achtzig Jahre alt. Auch sein Bruder Andrew wohnt mit ihnen. Er arbeitete in Lenny’s Clam Bar, auch sie haben die Wellen geflutet. Wie sein Auto. Wann wird Lenny wieder aufmachen? "Keine Ahnung", sagt Andrew. "Wahrscheinlich dauert es Monate bis die Gesundheitsbehörde das genehmigt". Seit fast vierzig Jahren wohnt die Familie hier; ursprünglich kommt sie aus Flatbush, Brooklyn. Viele Bewohner hier stammen aus Irland, aber die Kerns gehören zu der kleinen jüdischen Gemeinde. Woody Allens Radio Days sei in Rockaway Beach gedreht worden, sagt Williams Mutter. Dann summen sie und ihre Schwester eine der Melodien aus dem Film.

Zum Flughafen für ein bisschen Internet

Ihr Häuschen hat den Sturm überlebt, aber Wasser ist eingedrungen. 30 Zentimeter hoch hat es gestanden. Man sieht die braungraue Wasserlinie noch. Ganz Rockaways lag unter Wasser, als am Montagabend Wirbelsturm Sandy ans Land kam. "Um sieben gingen die Lichter aus, um acht liefen die Wassermassen durch die Straßen", sagt Andrew. Nun ist das Haus feucht und kalt; keine Heizung, kein Strom , kein Licht. Draußen sind null Grad. Der Herd funktioniert allerdings, der läuft mit Gas. Am meisten nervt es William, dass er von der Welt abgeschnitten ist – die Fernsehgeräte funktionieren nicht, das Internet ist auch nicht zu erreichen. Erst seit Kurzem gehen die Mobiltelefone wieder. Anfangs hatte er es am Laptop aufgeladen, dann, als der aufgegeben hat, im Auto, dann bei Freunden. Zum Glück gebe es einen Nachbarn mit einem Notstromgenerator, sagt Andrew.

Sein Bruder William betreibt eine Nachrichtenwebsite und betreut Sprachstudenten, die alle darauf warten, dass er ihre Arbeiten benotet. Deshalb hat er am Freitag um sechs Uhr morgens seinen Laptop eingepackt und ist zum nahen Flughafen JFK gefahren. Mit dem Bus ging es zur stillgelegten U-Bahn-Station Howard Beach, dann wollte er in den Airtrain steigen. Aber die fuhr nicht. "Es gab einen Shuttle Bus und ein Stück bin ich gelaufen – ein ziemliches Stück. Aber Flughafen-Internet gab es nur hinter der Security." Zum Glück erbarmte sich ein Kneipier in Terminal 5, dessen Haus ebenfalls unterspült wurde und ließ ihn ein paar Stunden arbeiten. Er versuchte auch für seine herzkranke Mutter einen Flug nach Miami zu finden – in die Wärme.

Auch vor dem Haus von Williams Nachbar Tim liegt das aufgetürmte Mobiliar, dazu eine Sammlung von Baseballkarten und Dutzende von Kisten mit Weihnachtsschmuck. Bei ihm ist es halbwegs warm, weil er einen Holzofen hat. Leute von Fema, der Katastrophenschutzbehörde, seien hier gewesen, auch von HUD, dem Wohnungsbauministerium. "Vielleicht zahlen die etwas, wenn die Versicherung nicht alles abdeckt." Auch eine Frau von der Wahlkampfkampagne für Präsident Obama sei bei ihnen gewesen und habe gefragt, ob sie etwas bräuchten.

Anderen geht es schlechter. An der Westspitze der Rockaways liegt Breeze Point. Hier sind Dutzende von Häusern abgefackelt, vielleicht hundert, aber niemand weiß es, weil die Polizei Straßensperren errichtet hat und keinen durchlässt.

Leserkommentare
    • Handryk
    • 04. November 2012 19:21 Uhr

    Das war irgendwann mal normal, dass man sich in der Not hilft. Heute ist es eine Schlagzeile wert.

    Ich nahme an, dass von denjenigen, die sich SELBST verwirklicht haben keine Hilfe zu erwarten war.

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    Romney meinte, jeder Bundesstaat solle sich gefälligst selbst helfen. Aber New Jersey allein hatte 50 Mrd. Schaden, doch nur einen Jahresetat von 30 Milliarden. Ohne Obamas Hilfe ginge es ihnen da schlecht.

  1. Die Menschen in der Großstadt hatten keine Wahl, aber die Leute, die sich Landhäuser am Strand errichteten, wussten sehr wohl, dass das gefährlich ist. Es steht bereits in der Bibel, dass man nicht auf Sand bauen soll.

  2. Romney meinte, jeder Bundesstaat solle sich gefälligst selbst helfen. Aber New Jersey allein hatte 50 Mrd. Schaden, doch nur einen Jahresetat von 30 Milliarden. Ohne Obamas Hilfe ginge es ihnen da schlecht.

    Antwort auf "Nachbarschaftshilfe"
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    @3 Warum muss es denn immer nur der Staat richten?
    Ihre Rechnung "50 Mrd Schaden - 30 Mrd Landesetat = 20 Mrd fehlend", ist eingängig, ihr liegt aber eine absurde Annahme zugrunde: Jeder Mensch denkt nur an sich selbst, weshalb der Staat Steuern abknüpfen soll, damit es auch etwas Nächstenliebe gibt.

    Tatsächlich ist bei Katastrophen immer eine lokale Hilfsquelle zu bevorzugen: Die Hilfe kommt schnell und ist zielgerichteter (Beispiel: das Versagen der bundesstaatlichen Hilfe beim Hurricane Katrina). Nachbarn wissen besser als der Governeur von New Jersey, wer Hilfe benötigt, und der Governeur weiß es besser als der US-Präsident. Wenn aber Steuern für nationale Katastrophenfonds eingetrieben werden, bleibt Nachbarn weniger, um vorzusorgen und im Notfall zu helfen.

    Warum bedarf es dennoch überregionaler Hilfe? Weil Katastrophen oft ganze Landstriche betreffen und dann nicht mehr genügend Ressourcen für lokale Hilfe bereitstehen. Ist der Staat dann die einzige überregionale Hilfsquelle? Nein.
    Gerade in den USA beruht viel auf privater Mitmenschlichkeit (Kirchen, NGOs, etc). Nehmen Sie die Mormonen: Romney spendet >=10% seines immensen Einkommens an seine Kirche; diese unterhält von dem Geld Armenspeisungen und Obdachlosenheime. Solche in den USA weitverbreitete Hilfe kalkuliert Romney natürlich ein, wenn er sagt, dass die staatliche Katastrophenhilfe FEMA nur so viel Finanzierung bekommen soll, dass sie regionale & private Hilfskräfte ergänzt - und nicht ersetzt.

    • scoty
    • 04. November 2012 20:42 Uhr

    wir Menschen sind wenn wir keinen Strom mehr haben.
    Nicht nur um Licht zu haben oder einen Heizlüfter benutzen zu dürfen, sondern auch Handy, TV oder Computer benutzen zu müssen.
    Wir müssen auf solche Naturkatastrophen vorbereitet sein auch hier in Europa.

    Für einen Normalverdiener sollte die kleine Ausstattung an Hilfsmittel ausreichen und die reichen können sich eindecken mit wasserdichtem Bunker, Lebensmittel und Stromgenerator.

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    Sie vergessen vor allem die Primärbedürfnisse.
    War viele Jahre in der Karibik (Hurricans, Streiks, Vulkan...) und mein ständiger Vorrat bestand aus:

    300 Liter Trinkwasser (5l pro person pro Tag)
    500 Liter Brauchwasser (alleine die Klospülung (!), dann Körperwäsche, Wäsche...)
    2 kg Nudeln, 2kg Reis plus viele Konserven.
    200 Liter Benzin (und die sind so fix weg, kann ich sagen!)
    eine große Flasche Gas zum Kochen, abkochen, Waschwasser heizen...

    mehrere Kilo an Kerzen,
    Taschenlampen, Akkus... und natürlich ein kleiner Generator.

    Je nach Situation muss man trotzdem reagieren und aufstocken...

    Tagelang ohne Strom und ohne Wasser ist extrem nervig (wobei das fehlende Wasser deutlich mehr fehlt!). Trotzdem morgen

    • siar
    • 05. November 2012 12:37 Uhr

    Das letzte woran ich denke würde, wenn der Strom ausfällt, wäre, Handy, TV und PC.
    Meine Prioritäten lägen bei Kühlschrank, Waschmaschine und Herd und zwar genau in der Reihenfolge. Für Infos hätte ich noch ein altes Transisterradio.

  3. Sie vergessen vor allem die Primärbedürfnisse.
    War viele Jahre in der Karibik (Hurricans, Streiks, Vulkan...) und mein ständiger Vorrat bestand aus:

    300 Liter Trinkwasser (5l pro person pro Tag)
    500 Liter Brauchwasser (alleine die Klospülung (!), dann Körperwäsche, Wäsche...)
    2 kg Nudeln, 2kg Reis plus viele Konserven.
    200 Liter Benzin (und die sind so fix weg, kann ich sagen!)
    eine große Flasche Gas zum Kochen, abkochen, Waschwasser heizen...

    mehrere Kilo an Kerzen,
    Taschenlampen, Akkus... und natürlich ein kleiner Generator.

    Je nach Situation muss man trotzdem reagieren und aufstocken...

    Tagelang ohne Strom und ohne Wasser ist extrem nervig (wobei das fehlende Wasser deutlich mehr fehlt!). Trotzdem morgen

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    zumindest für Europa doch etwas zu viel des Guten ?
    & erst Recht in der Stadt - wo soll man denn das ganz Wasser hinstellen .. da braucht man ja nen Zimmer nur für Notfall equipment
    oder sind sie zufällig im Marketing eines großen Einhzelhändlers tätig :D

  4. 6. @5 ...

    zumindest für Europa doch etwas zu viel des Guten ?
    & erst Recht in der Stadt - wo soll man denn das ganz Wasser hinstellen .. da braucht man ja nen Zimmer nur für Notfall equipment
    oder sind sie zufällig im Marketing eines großen Einhzelhändlers tätig :D

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    Gut, solche Mengen Treibstoff dürfen Sie in Deutschland privat gar nicht Lagern, aber was die Lebensmittel angeht ist das nicht sehr viel mehr als der Katastrophenschtz in Deutschland als 14-Tägige Notreserve empfiehlt und nicht nur das sondern noch einiges mehr.

    http://www.bbk.bund.de/DE/Service/VorsorgefuerdenNotfall/vorsorgefuerden...

  5. s Kinder versorgen und frisch und geduscht zur Arbeit erscheinen...

    Wenn dann sogar die Arbeitsstelle dicht macht...

    Viel Erfolg & Glück beim Wiederaufbau!
    Mitfühlend, mathilde

  6. Für mitteleuropäische Verhältnisse ist das natürlich quatsch.
    Wollte nur verdeutlichen, wie's unter anderen Verhältnissen ist.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Smartphone | Woody Allen | Jamaika | Manhattan | Miami | New York
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