KlimawandelNeue Daten belegen rasante Erwärmung der Antarktis

Der Westteil der Antarktis erwärmt sich dreimal so schnell wie der Rest der Welt. Durch das schmelzende Eis könnte der Meeresspiegel noch höher als befürchtet steigen. von afp und dpa

Ein riesiger Eisberg treibt in der Atka-Bucht in der Antarktis.

Ein riesiger Eisberg treibt in der Atka-Bucht in der Antarktis.  |  ©Hans-Christian Wöste/dpa

Die Temperaturen in der westlichen Antarktis steigen laut einer neuen Studie ungewöhnlich schnell. Der westantarktische Eisschild erwärme sich doppelt so rasch wie bisher vermutet, berichten Forscher in der Zeitschrift Nature Geoscience . Die Schmelze von Gletschern und Meereis könnte den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigen.

Eine Überprüfung der Daten zwischen 1958 und 2010 ergab laut Nature Geoscience , dass die Temperatur um 2,4 Grad gestiegen ist – dreimal so stark wie im weltweiten Durchschnitt. Damit ist die Westantarktis das sich am schnellsten erwärmende Gebiet der Welt.

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Die neuen Erkenntnisse zeigen, "dass die Region einen größeren Beitrag zum ansteigenden Meeresspiegel leisten könnte, als sie es bisher tut", sagte der Co-Autor der Studie, David Bromwich vom Byrd Polar Research Center . "Wenn der Erwärmungstrend anhält, wird die Schmelze in der Region in der Zukunft umfangreicher sein."

Das Eis im Westen der Antarktis liegt teilweise über Land, erstreckt sich aber auch weit ins Meer hinein und schmilzt deshalb schneller. Schon bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Schmelzprozess in der Westantarktis zu etwa einem Zehntel des durch den Klimawandel erzeugten Anstiegs des Meeresspiegels beiträgt.

Minus 10 Grad im Sommer

In der Byrd-Region in der Westantarktis – 1.530 Meter über dem Meeresspiegel gelegen – herrscht auch im Sommer eine mittlere Temperatur von minus 10 Grad. Daher führe die Erwärmung nicht unmittelbar dazu, dass größere Eismassen schmelzen, erklärte Bromwich. Dies begründe aber Sorgen um die Stabilität des Meereises an der Küste und des benachbarten Ross-Eisschilds. Schon geringe Erhöhungen der Temperaturen führen dort zu einer Beschleunigung der Gletscherflüsse, Abbrüchen vom Schelfeis und verstärktem Schmelzen von Meereis. Auch Gletscher der angrenzenden Antarktischen Halbinsel schmelzen älteren Studien zufolge rasch.

Die Byrd-Station war 1957 errichtet worden. Ihre Temperatur-Aufzeichnungen waren unvollständig, da der Forschungsstützpunkt nicht durchgehend besetzt war und während der langen Polarnächte unter Stromausfällen litt, wenn die Solaranlage nicht funktionierte. Bromwich und sein Team benutzten deshalb Wetterdaten mehrerer US-Forschungseinrichtungen, um die Lücken zu schließen.

Der Weltklimarat hatte 2007 einen Anstieg der Meeresspiegel zwischen 18 und 59 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts vorhergesagt. Mehrere Studien der vergangenen Monate haben aber bereits vorhergesagt, dass der Anstieg wesentlich höher sein dürfte.

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Leserkommentare
  1. ob die Wetterkarte für die nächsten 16 Tage korrekt ist. Wenn der Meeresspiegel in den nächsten 10 Jahren nur um 10 cm steigt müssen die Deicherhöhungen bereits jetzt geplant werden.
    Wer nicht deichen will muss weichen. Den Klimaskeptikern sei gesagt. ES gibt diese Prognosen, ob falsch oder richtig, wir müssen jetzt bereits handeln.

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    • zfat90
    • 23. Dezember 2012 21:44 Uhr

    Wir(!) müssen nicht handeln, nur Sie(!) und die anderen Klimagläubiger. Ich und ganz viele anderen Menschen teilen Ihr Glaube nicht. Ich akzeptiere Christen, Moslems, Buddhisten, Klimagläubige, ... usw. Sowas mitzumachen, muss man jedoch nicht. Und noch was zu PIK&Co. Auch universitäre Theologiefakultäten gibt es.

  2. ^Beitrag #8 gilt natürlich auch für Sie.

    (Und allen Lesern, die diese Beiträge empfohlen haben)

    Antwort auf "Panikmache "
  3. Es ist unbestritten, dass der Eisschild der Antarktis seit der letzten Eiszeit geschmolzen ist und dies auch noch mindestens 15000 bis 100 000 Jahre tun wird. Wenn's jetzt doch etwas schneller geht - prima! aj

  4. verstehe ich @Kein Einstein richtig:

    Schmelzendes Landeis kann bedeuten, dass es mehr Seeeis gibt, weil die Gletscher z.b. stärker kalben. D.h. mehr Seeeis ist u.U. genauso ein Hinweis auf ein wärmeres Klima wie zurückgehendes Festlandeis.

    Antwort auf "Immer dasselbe"
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    Die beiden Genannten bezogen sich auf Daten zur Seeeisausdehnung, das ist gefrorenes Meerwasser.

    Für das Abfließen der Gletscher ist dagegen das Schelfeis bedeutsam. Schelfeis ist sozusagen die Fortsetzung des fließenden Gletschers aufs Meer hinaus, überwiegend schwimmend, teils auf Grund aufsitzend.

    Löst sich das Schelfeis ab, so fällt ihr Widerstand für den Festlandgletscher weg, dieser kann deutlich schneller abfließen mit den absehbaren Folgen für den Meeresspiegel. Schelfeis schmilzt i.d.R. nicht von der Luft aus, sondern von unten, durch wärmeres Wasser. Die Wassertemperaturen (deren Entwicklung der Lufttemperatur ähnelt) sind entscheidend, nicht aber, wie weit sich das Seeeis um die Antarktis ausdehnt.

  5. Stimmt schon, "Die Kimbern und Teutonen zogen von Norden nach Süden und suchten anfänglich lediglich einen Platz zum siedeln." Aber nicht weil's wärmer, sondern weil's kalt wurde.

    Laut IPCC steigt die Produktivität der Landwirtschaft in Nordeuropa durch den Klimawandel deutklich an, Zitat IPCC (Report 2007): "Climate-related increases in crop yields are expected mainly in northern Europe, e.g., wheat: +2 to +9% by 2020, +8 to +25% by 2050, +10 to +30% by 2080 ..." aj

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    Es ging mir nur darum zu zeigen, dass Klimaänderungen ganz allgemein, Auswirkungen weitab ihres Ursprungs (der Deiche) haben können, durch Migration der Menschen. Und schon 100-200 nach Christus war die Welt besiedelt, bei einer weitaus geringeren Bevölkerungsdichte.

  6. Das habe ich nicht übersehen. Ich sprach nur von der Ökosphäre, die für uns als lebenspendend defininert ist. Wie Sie schon erwähnen führt eine kleine Änderung bereits zu einer gewaltigen Einschränkung des bewohnbaren Bereiches und die Zeiten als sich das CO2 noch in der Luft befand hätten uns nicht hervorgebracht geschweige denn erhalten. Allein daraus könnte man schon die Gefahr ableiten, die sich ergibt, wenn wir das in der Erde gebundene CO2 wieder rausblasen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sc
  • Schlagworte Klimawandel | Meeresspiegel | Polarnacht | Region | Sommer | Studie
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