EU-FischquotenNordseefischer dürfen mehr Hering, Scholle und Seelachs fangen

Nach langen Verhandlungen haben sich die EU-Staaten auf neue Fischfangquoten geeinigt. Einige Bestände haben sich erholt, für Kabeljau und Makrele sieht es schlecht aus. von dpa

Die deutschen Küstenfischer können 2013 mehr Seelachs, Hering und Scholle aus der Nordsee holen. Das haben die europäischen Fischereiminister am Donnerstagmorgen nach Nachtverhandlungen zur Fischfangquote beschlossen. Die Quoten für alle drei Fischarten steigen nach Angaben des deutschen Landwirtschaftsministeriums um 15 Prozent, weil sich diese Bestände erholt haben.

"Beim Kabeljau schaut es nicht so gut aus", sagte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ( CSU ). Da sich die Bestände nicht stabilisiert haben , legten die EU-Staaten die Fangmengen auf 75 Prozent des Vorjahresniveaus fest. Die Quote für die Makrele wird auf 70 Prozent des Vorjahres angesetzt. Beide Quoten sind aber vorläufig, da es um Gewässer geht, deren Bewirtschaftung sich die EU und Norwegen teilen. Der Abschluss dieser Verhandlungen wird für Januar erwartet.

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EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki zeigte sich am Donnerstagmorgen mit dem Gesamtergebnis nur teilweise zufrieden: "Die Kommission war ehrgeiziger. Aber nachdem nun dieser Kompromiss auf dem Tisch liegt, kann ich zufrieden sein, denke ich."

Balanceakt zwischen Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen

Die europäischen Staaten hatten bis Donnerstagmorgen über die Fischfangrechte für die Nordsee und den Nordostatlantik verhandelt. Bei dem jährlichen Treffen entscheiden die Fischerei- oder Landwirtschaftsminister über die Fangobergrenzen für das jeweils folgende Jahr. Die Kommission schlägt die Fangmengen nach Empfehlungen von Wissenschaftlern vor, die Staaten beraten dann darüber. Die Verhandlungen sind stets ein Balanceakt zwischen Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen.

Damanaki wollte sicherstellen, dass die Bestände nicht überfischt werden und hatte darum für schrumpfende Bestände, über deren Zustand sonst wenig bekannt ist, die Quoten um 20 Prozent herabsetzen wollen. Die Staaten stimmten aber nur fünf Prozent weniger zu.

Insgesamt weiß man immer mehr über den Zustand der Fischbestände. Während im Vorjahr bei mehr als 60 Prozent der Bestände größere Datenlücken bestanden, ist dies laut Damanaki nur noch bei 15 Prozent der Fall. "Das ist wirklich eine Riesenveränderung", sagte die EU-Kommissarin. Wenn die Entwicklung sich fortsetze, sei eine nachhaltige Fischerei bei allen Beständen innerhalb von fünf Jahren möglich. "Mehr als die Hälfte der Fischbestände in Nordsee und Nordostatlantik werden schon heute nachhaltig bewirtschaftet. Der heutige Beschluss des Rates stellt die Weichen dafür, dass wir hier bis 2015 weitere deutliche Fortschritte erzielen", sagte Landwirtschaftsministerin Aigner.

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Leserkommentare
  1. die Wissenschaftler dem Beitrag zufolge höhere Begrenzungen fordern, es die Staaten dann aber doch kaum interessiert?

    "Die Kommission schlägt die Fangmengen nach Empfehlungen von Wissenschaftlern vor, die Staaten beraten dann darüber. ...

    Damanaki wollte sicherstellen, dass die Bestände nicht überfischt werden und hatte darum für schrumpfende Bestände, über deren Zustand sonst wenig bekannt ist, die Quoten um 20 Prozent herabsetzen wollen. Die Staaten stimmten aber nur fünf Prozent weniger zu."

    Will man es, wie an so vielen wunden Punkten der weltweit geschundenen Natur so weit treiben, dass bald gar nichts mehr zum nachhaltigen Bewirtschaften da ist, indem man einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen immer weiter aufschiebt?

    Mir scheint, dass der Umweltschutz wieder weit hinter die wirtschaftlichen Interessen gestellt wird, ich fürchte, man wird erst dann panisch zu handeln versuchen, wenn es wahrlich zu spät ist.

    Als Laie würde ich dazu gern die Meinungen profunder Kenner der Materie hören/lesen.

  2. Soll heißen, hier werden ja lediglich Pressemitteilungen zitiert...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Ilse Aigner | CSU | Europäische Union | Fischerei | Umweltschutz | Norwegen
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