ErdstoßStarkes Beben vor der Küste Japans

Ein Beben der Stärke 7,3 hat sich vor der Küste Japans ereignet. Auch in Tokio wackelten Gebäude. Behörden warnten zunächst vor einem Tsunami, gaben aber dann Entwarnung. von afp und dpa

Nach einem Erdbeben der Stärke 7,3 ist in Japan Tsunami-Alarm ausgelöst worden. Die Behörden gaben zunächst eine Tsunami-Warnung für die Provinz Miyagi im Nordosten des Landes aus. Ersten Messungen zufolge erreichte der Tsunami bereits viele Küstenabschnitte, meldete die japanische Wetterbehörde . Da die Welle nur maximal einen Meter hoch gewesen sei, seien aber keine Schäden zu erwarten.

Das Epizentrum des Bebens lag auf hoher See, 240 Kilometer vor der Nordostküste Japans. In der Region Miyagi befindet sich das Atomkraftwerk Onagawa. Der Betreiber meldete, dass keine Beschädigungen festgestellt worden seien. Auch bei den AKW in der Region Tohoku sei kein Schaden gemeldet worden, berichtete der japanische TV-Sender NHK.

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Auch an der Atomruine in Fukushima soll es keine weiteren großen Schäden gegeben haben, meldete der Betreiberkonzern Tepco. Die Arbeiter seien aber zunächst in Sicherheit gebracht worden.

Was ist ein Tsunami?

Eigentlich bedeutet das japanische Wort Tsunami "Hafenwelle". Meist ist es aber nicht eine einzige Welle, die ausgelöst durch ein Beben die Küsten trifft, sondern die Erschütterungen lösen gleich eine ganze Serie von Flutwellen aus.

Treffen diese Wellen nach ihrer rasanten Ausbreitung über den offenen Ozean auf flachere Gewässer, türmen sich die Wassermassen meterhoch auf. Als gewaltige Brecher schlagen die Fluten an Land und können so kilometerweit ins Landesinnere vordringen.

Tsunamis entstehen, wenn sich gewaltige Gesteinsmassen im Meer vertikal nach oben oder nach unten verschieben, so dass Wasser ruckartig zusammengepresst oder gedehnt wird . Für die Stärke eines Tsunamis ist zudem die Tiefe des Erdbebenherdes und seine Entfernung zum Land entscheidend. Liegt der Herd dicht unter dem Meeresgrund, ist die Tsunami-Gefahr groß.

Auslöser Seebeben

In fast 90 Prozent der Fälle werden Tsunamis durch Seebeben ausgelöst. Dabei brechen oder reißen aufeinander stoßende Erdplatten und erschüttern den Untergrund des Ozeans.

Beben entstehen, wenn sich Gesteinsmassen im tieferen Bereich der Erdkruste ruckartig verschieben. Weltweit treiben rund 20 größere Platten auf dem zähflüssigen Material des Erdmantels. An ihren Grenzen entstehen Spannungen, die sich schlagartig in Beben entladen können.

Durch solche Erdverschiebungen können gewaltige Wassermassen in Bewegung gesetzt werden. Einmal angestoßen, beginnt eine Kettenreaktion: So wie ein Dominostein den nächsten anstößt, pflanzt sich die Bewegungsenergie im Wasser fort – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern in der Stunde.

Pazifischer Feuering

Als "Ring aus Feuer" bezeichnen Geowissenschaftler eine hufeisenförmige Zone entlang der Küsten des Pazifischen Ozeans, die häufig von Erdbeben und Vulkanausbrüchen heimgesucht wird. Entlang dieses Gürtels liegt etwa die Hälfte aller aktiven Vulkane. Dort schieben sich im Erdinnern auch verschiedene Erdplatten untereinander. Experten sprechen von Subduktion. Je nach Beschaffenheit der Plattenränder sind die dabei auftretenden Erschütterungen größer oder kleiner und lassen die Erde beben.

Eine der längsten Subduktionszonen weltweit ist mit rund 6.000 Kilometern der Sundabogen von Neuguinea bis Sumatra, wo sich die Indo-Australische unter die Eurasische Platte schiebt. Indonesien liegt mit seinen Inseln direkt an oder unmittelbar auf dieser Abzweigung des Feuergürtels. Die Insel Sumatra wurde schon mehrfach von schweren Beben heimgesucht. Im März 2005 forderten Stöße der Stärke 8,6 mehr als 1.300 Tote. Im Dezember 2004 löste ein Beben der Stärke 9,1 vor Sumatra einen Tsunami aus, der die Küsten des Indischen Ozeans verheerte. Etwa 230.000 Menschen kamen ums Leben.

Zeugenaussagen zufolge war das Beben auch in der Hauptstadt Tokio zu spüren. Es habe Gebäude erzittern lassen. Verschiedene Shinkansen-Schnellzüge stoppten automatisch, es wurden keine Verletzten gemeldet.

Japans Katastrophe
Tage am Abgrund nach Beben, Tsunami und GAU
11. März 2011, 14.46 Uhr
Satellitenbild von Japan

Satellitenbild von Japan  |  © Nasa/Goddard/SeaWiFS/ORBIMAGE

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert rund sechs Minuten das Land mit einer Stärke von 9,0. Das Epizentrum liegt rund 130 Kilometer vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu. Die Auswirkungen sind dramatisch: Auf dem Meeresgrund reißt die Erdkruste auf 400 Kilometern Länge, Teile der Küste verlagern sich ruckartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

11. März 2011, ca. 15.40 Uhr
Zerstörung in der Stadt Natori

Zerstörung in der Stadt Natori  |  © STR/AFP/Getty Images

Ein Tsunami rast mit 800 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu. Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter. Kilometerweit dringen die Wassermassen landeinwärts. Mehr als 18.000 Menschen sterben. Ganze Städte werden ausgelöscht. Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Dieselgeneratoren überspült.

11. März 2011, 16.30 bis 20.30 Uhr
Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Das AKW Fukushima am 12. März 2011  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Wasserkühlung zweier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima-Daiichi ist ausgefallen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagt, die Lage in den 54 Reaktoren des Landes sei stabil, weil sie sofort nach dem Beben automatisch heruntergefahren wurden. Um 20.30 Uhr muss die Regierung dann für Fukushima-Daiichi den atomaren Notfall verkünden. Etwa 2.000 Bewohner in der Umgebung werden aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen.

12. März 2011, morgens
Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.  |  © STR/AFP/Getty Images.jpg

Nach Strahlenmessungen am Kernkraftwerk wird die Evakuierungszone vergrößert. Mindestens 60.000 Personen sind auf der Flucht. Ministerpräsident Kan fliegt im Hubschrauber nach Fukushima, um sich ein Bild der Lage zu machen. Im AKW lassen Ingenieure Dampf durch die Notventile ab, um den Druck in den Reaktorbehältern zu senken. Inzwischen kocht das Wasser in den Notkühlbecken.

12. März 2011, 15.36 Uhr
Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.  |  © Park Ji-Hwan/AFP/Getty Images

In Fukushima-Daiichi entzündet sich Wasserstoff und zerfetzt die Außenhülle von Reaktor 1. Ohne Strom für die Pumpen, die den Kühlkreislauf antreiben, waren Temperatur und Druck zu stark angestiegen. Trotz Abschaltung des Blocks begannen so die Brennstäbe zu glühen, Wasser verdampfte und Wasserstoffgas bildete sich, während der Reaktorkern schmolz. Japan und die Welt fürchten die atomare Apokalypse.

13. März 2011
Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.  |  © JIJI PRESS/AFP/Getty Images

In der Nähe des von Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi wird eine vierhundertfach erhöhte Radioaktivität gemessen. Ministerpräsident Kan räumt erstmals ein, dass eine Kernschmelze möglich sei. Simulationen und Messdaten von außen bestätigen die Schmelze in den Wochen nach der Havarie. Heute ist die Ruine, die von Block 1 übrig ist, luftdicht in Plastik eingehüllt.

14. März 2011
Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.  |  © Paula Bronstein/Getty Images

Allein in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans werden 2.000 Tote gefunden. 390.000 Menschen sind auf der Flucht aus dem Tsunami-Katastrophengebiet, mehr als 1.400 Notlager werden eingerichtet. Inzwischen gibt es an vielen Orten kein Heizöl mehr, die Menschen frieren. Rund 400.000 Häuser sind zerstört weitere Huntertausende Gebäude beschädigt, Straßen, Zugstrecken und ganze Landstriche unpassierbar.

14. März 2011
Fallout nahe der Küste

Fallout nahe der Küste  |  © ZEIT-Grafik

Obwohl die AKW-Arbeiter die Reaktoren verzweifelt mit Meerwasser kühlen, gibt es eine weitere Wasserstoffexplosion, im Reaktor 3 von Fukushima-Daiichi. Radioaktives Material dringt nach draußen, der Großteil wird in den kommenden Tagen auf den Pazifik geweht. Doch ein Teil verbreitet sich auch über dem Festland. Die Abbildung zeigt, wo sich langlebiges Cäsium konzentriert hat (rot steht für die höchsten Strahlenwerte).

15. März 2011
Strahlenuntersuchung

Strahlenuntersuchung  |  © Issei Kato/AFP/Getty Images

Eine dritte und vierte Explosion ereignen sich in Fukushima. Das Gebäude von Reaktor 2 bleibt intakt, Wasserstoff aus Block 3 sprengt das Dach von Reaktor 4. Von vorher 800 Arbeitern bleiben etwa 40 im stockfinsteren Kraftwerk. Vergeblich hatten sie versucht, weitere Detonationen zu verhindern. Das Unglück wird als nukleares Ereignis der Stufe 6 bewertet. Einen Monat später erhält es wie Tschernobyl die Höchststufe 7: GAU.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

In einem der sechs Reaktorblöcke ereignete sich offenbar eine komplette Kernschmelze, in zwei weiteren verflüssigten sich die Brennstäbe wohl mindestens zur Hälfte. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Eine Stadt in Trümmern

Eine Stadt in Trümmern  |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

Die Strahlenbelastung der Menschen war weit geringer als für die Bewohner von Tschernobyl. Das Strahlenschutz-Komitee der UN schätzt, dass die Zunahme der Krebsfälle nicht messbar sein wird. Das liegt vor allem daran, dass kaum radioaktives Jod von Menschen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen worden ist. Der Tsunami hingegen tötete mehr als 18.000 Menschen. Bis heute wohnen Überlebende in provisorischen Wohnungscontainern.

Der Nordosten Japans war am 11. März 2011 von einem Beben der Stärke 9,0 und Tsunami-Wellen, die mitunter Höhen von rund 20 Metern erreichten, schwer verwüstet worden. Tausende kamen ums Leben, in Fukushima ereignete sich eine Atomkatastrophe .

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Leserkommentare
    • EmilyC
    • 07. Dezember 2012 11:04 Uhr

    Es wäre schön gewesen, hier genaue Zahlen zu lesen (und seien es nur Abschätzungen der Größenordnung), damit man einen Vergleich zur nun 1 m hohen Welle herstellen kann.
    Wie ich gerade eben gelernt habe, ist ein 1-m-Tsunami nämlich keineswegs so harmlos wie er klingt und keinesfalls zu verwechseln mit einer stinknormalen 1 m hohen Welle.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mitten im Text, steht im Kasten "Japans Atomkatastrophe" Folgendes:

    "Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter."

    Ansonsten gilt für Beben allgemein: Ein Beben der Stärke n+1 ist zehnmal so stark wie ein Beben der Stärke n.

  1. Redaktion

    Liebe EmilyC,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Die Tsunami-Wellen erreichten am 11. März 2011 eine Höhe von rund 20 Metern, an einzelnen Küstenabschnitten sollen die Wassermassen zeitweise gar eine Höhe von mehr als 30 Metern erreicht haben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • EmilyC
    • 07. Dezember 2012 18:08 Uhr

    Dankeschön! :)

  2. Mitten im Text, steht im Kasten "Japans Atomkatastrophe" Folgendes:

    "Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter."

    Ansonsten gilt für Beben allgemein: Ein Beben der Stärke n+1 ist zehnmal so stark wie ein Beben der Stärke n.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber gustav.wendlandt,

    vielen Dank für Ihre Ergänzung, allerdings muss ich EmilyC in Schutz nehmen. In einer ersten Version der Meldung war die Zeitleiste aus der Sie zitieren noch nicht eingebunden.

    Grüße aus der Redaktion.

  3. Redaktion

    Lieber gustav.wendlandt,

    vielen Dank für Ihre Ergänzung, allerdings muss ich EmilyC in Schutz nehmen. In einer ersten Version der Meldung war die Zeitleiste aus der Sie zitieren noch nicht eingebunden.

    Grüße aus der Redaktion.

    • EmilyC
    • 07. Dezember 2012 18:08 Uhr

    Dankeschön! :)

    Antwort auf "Wellenhöhe 2011"
  4. Und wie viele tausend?

    ZWANZIGtausend!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, rav
  • Schlagworte AKW | Atomkraftwerk | Behörde | Erdbeben | Gebäude | Hauptstadt
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