Flammen über einer Gasquelle im Wüstenstaat Katar: Das Land hat hohe CO2-Emissionen und will sich nun in der Klimaforschung engagieren. © Karim Sahib/AFP/Getty Images

Das Emirat Katar will gemeinsam mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in Doha ein Klimaforschungsinstitut gründen. Zudem soll in der katarischen Hauptstadt künftig regelmäßig über die Frage debattiert werden, wie die Forschungserkenntnisse am besten in die politische Praxis umzusetzen seien. Das haben die katarische Regierung und das PIK heute am Rande der UN-Klimakonferenz in Doha angekündigt.

Das neue Institut soll sich schwerpunktmäßig mit trockenen Ländern sowie tropischen und subtropischen Klimazonen befassen. Außerdem soll es vor allem um Wissens- und Technologietransfer gehen und darum, wie dem Klimawandel am besten zu begegnen sei. Wie viel Geld dem Institut zur Verfügung stehen und wie viele Forscher dort arbeiten sollen, steht noch nicht fest. PIK-Chef Hans Joachim Schellnhuber sagte, vermutlich könnten etwa 200 Stellen geschaffen werden.

Er sei "sehr glücklich", die PIK-Expertise mit den Partnern in Katar teilen zu können, sagte Schellnhuber . Er beschrieb Katar als "außergewöhnlichen Fokuspunkt", an dem sich die Ursachen und die Folgen des Klimawandels bündelten. Das Land sei in "beispielloser Weise" von der Erderwärmung betroffen und müsse alles versuchen, um die Folgen zu bewältigen.

Tatsächlich ist der flache Küstenstreifen Katars durch den Meeresspiegelanstieg besonders gefährdet. Wenn die Eisschilde der Polargebiete zu schmelzen begönnen, sagte Schellnhuber, könne der Meeresspiegel bis zum Jahr 2300 um ungefähr drei Meter steigen. "Von einer ungeschützten Küstenlinie kann man sich da nur zurückziehen." Extreme Wetterereignisse könnten das Wüstenland zudem künftig noch stärker austrocknen lassen.

Zugleich gehört Katar aber auch zu den Haupttreibern des Klimawandels . "Das Land wird auch seinen Beitrag zur Emissionsbeschränkung leisten müssen", sagte Schellnhuber. "Damit könnte es ein Beispiel sein für viele andere Länder in der Region, zum Beispiel für Saudi Arabien ." Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte das neue Klimaforschungsinstitut für Katar. Allerdings erhoffe man sich eine aktivere Rolle der arabischen Staaten, um in Doha die Klimaverhandlungen weiter voranzutreiben.

Wissenschaft in Katars Entwicklungsstrategie bringen

Bislang hat Katar sich etwa noch kein eigenes Emissionsziel gesetzt. Ob sich das auf dem Gipfeltreffen noch ändern wird, ist unklar. Aus der Delegation des Emirats ist zwar zu hören, dass Katar über die Zusammenarbeit mit dem PIK hinaus noch weitere Erklärungen abgeben werde. Nähere Angaben über Inhalt und Zeitpunkt wurden aber nicht gemacht. Offenbar gibt es einen Konflikt zwischen Katar und anderen Schwellenländern über mögliche Emissionsziele.

Wenn ein Opec-Schwellenland begönne, "jenseits von fossilen Wachstumsfantasien" über seine Zukunft nachzudenken, könne man das nur begrüßen, sagte Schellnhuber zum geplanten Klimaforschungsinstitut in Doha. Er wolle dazu beitragen, wissenschaftliche Evidenz in die nationale Entwicklungsstrategie einzubringen.

Vom Klimagipfel in Doha erwartet Schellnhuber allenfalls Arbeitsfortschritte. Wichtig sei aber, dass die Welt sich bis 2015 auf ein umfassendes internationales Klimaabkommen einige. "Dann geht es um alles."