Klimaschutz in KatarApps und Sensoren sollen den CO2-Speicher Mangrove retten

Mangroven sind unterschätzte Kohlenstoffsenken. Ausgerechnet der Klimasünder Katar will ihren Schutz vorantreiben – mit einer Onlinedatenbank. von 

Bedrohtes Ökosystem am Rande der Wüste in Katar: Das Mangrovenwäldchen in al Khor.

Bedrohtes Ökosystem am Rande der Wüste in Katar: Das Mangrovenwäldchen in al Khor.  |  © Alexandra Endres

"Alle reden vom Regenwald am Amazonas ", sagt Mohamad Khawlie. "Dabei sind die Mangroven genauso wichtig für den Klimaschutz." Während in Doha , der Hauptstadt Katars , gerade der 18. UN-Klimagipfel stattfindet , steht Khawlie ungefähr eine Autostunde entfernt neben einem kleinen Funkturm, der Daten in den Äther sendet. Sie sollen helfen, einen erstaunlichen Flecken Erde zu bewahren. Es ist ein kleines Mangrovenwäldchen, das ein paar Meter weiter steht, genau dort, wo die katarische Wüste auf die Küste des persischen Golfs trifft.

Das Wäldchen liegt nahe der Stadt Al Khor. Übersetzt bedeute das so viel wie Meerwasserflüsschen, sagt Khawlie. Das Salzwasser fließt in einer Rinne vom Meer weg ein paar Meter weit ins Land. So hat sich eine Salzmarsch gebildet, Überlebensgrundlage für die Mangroven und andere robuste Pflanzenarten. Auch Flamingos und andere Vögel finden in dem flachen Brackwasser Nahrung.

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Bei Al Khor will eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Studenten zeigen, wie wichtig solche Ökosysteme im Kampf gegen die Erderwärmung sind und was zum Schutz der Mangroven getan werden kann. Der Libanese Khawlie ist einer von ihnen. Er arbeitet als Berater in Öko-Fragen für das Forschungsinstitut Qatar Environment & Energy Research Institute , das zur Stiftung von Sheikha Moza bint Nasser gehört, der Ehefrau von Katars Emir Hamad bin Chalifa al-Thani. Egal, um welche Art von ökologischen Projekten es in Katar geht: Sheikha Mozas Stiftung steckt so gut wie immer dahinter.

Der Libanese Mohamad Khawlie will in Katar den Schutz von M;angrovenwäldern fördern.

Der libanesische Wissenschaftler Mohamad Khawlie will in Katar den Schutz von Mangrovenwäldern fördern.  |  © Alexandra Endres

Salzmarsch, Seegras und Mangroven gewönnen in der Diskussion über natürliche Kohlenstoffspeicherung – die auch auf dem Klimagipfel geführt wird –  an Bedeutung, sagt Khawlie. Man habe herausgefunden, dass sie den Kohlenstoff viel effizienter als andere Pflanzen aufnehmen können. Im Vergleich zum "weltberühmten" Amazonas-Regenwald könnten sie "fünfmal so viel, oder sogar mehr" absorbieren. "Deshalb sind sie so wichtig."

Küstennahe Ökosysteme sind weltweit bedroht

Al Khor liegt am persischen Golf – einer Region, in der die Mangroven besonders stark bedroht sind. "Vor Tausenden Jahren, zu Zeiten der Phönizier, gab es hier weite Mangrovenwälder", sagt Khawlie. Heute seien nur noch wenige "Nischen" erhalten, in denen noch eine einzige Art wachse. Allein in den vergangenen Jahrzehnten hätten Katar und seine Nachbarländer mehr als 70 Prozent ihrer Mangroven verloren. "Was wir hier sehen, ist der reichste noch vorhandene Flecken. Aber wegen der extremen Lebensbedingungen werden die Mangroven hier nicht sehr hoch, höchstens drei oder vier Meter."

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Es liegt nicht nur an der Verschmutzung des Wassers durch Öl, am Bauboom entlang der Küste und an der Überweidung durch Tiere, dass es den Pflanzen häufig schlecht geht. Mangroven sind empfindliche Gewächse. "Sie brauchen ein spezielles Klima und einen ganz bestimmten Boden", erklärt Khawlie. Auch der Salzgehalt des Wassers und die Wasserbewegung müssten stimmen. "Die Stärke des Wasserzuflusses entscheidet über den Salzgehalt. Und wenn die Gezeiten zu heftig sind, werden die Mangrovensamen weggetragen, ehe sie Wurzeln schlagen können", sagt der Wissenschaftler. "Meerwasserflüsse wie hier in Al Khor geben einen gewissen Schutz."

Emily Pidgeon kämpft dafür, dass auch der Mensch die Mangroven besser schützt. Pidgeon ist Expertin für Meeresschutz bei Conservation International , einer US-Umweltschutzorganisation. Die Bedeutung von küstennahen Ökosystemen für das Weltklima wie Mangroven, Seegras und Marschen sei nicht ganz leicht zu verstehen, sagt sie. "Im Amazonas-Regenwald kann man seine Arme um den einzelnen Baum legen und sich vorstellen, dass der Kohlenstoff darin gespeichert ist", sagt Pidgeon. "Hier bei Al Khor aber steht man darauf." Die Kohle stecke im Boden. "Seine dunkle Farbe ist ein Zeichen dafür", sagt Pidgeon und deutet auf den feuchten Streifen neben der Salzmarsch.

Leserkommentare
  1. aber ich habe so meine Zweifel ob man mit Datenbanken allein
    schon genug tut. Videant consules. Das nötige Kleingeld wird Katar hoffentlich aufbringen ohne internationale Hilfe.

    2 Leserempfehlungen
  2. die Bangladeshis u.a. dazu nicht auch noch die letzten Mangrovenbestände umzuhacken?

    Schön wärs!

    MfG KM

    Eine Leserempfehlung
  3. der Mangroven ist weniger der Klimawandel als viel mehr die immer weiter steigende globale Abholzung zu Gunsten der Schrimpszucht. Sowohl Ecuador und auch weite Teile Südostasiens (eigentlich alle Staaten mit Mangrovenwäldern) haben weite Teile abgeholzt um an ihre Stelle Becken zur Schrimpszucht zu bauen, da dies weitaus lukrativer ist als "so ein blöder Wald".
    Da der limitierende Faktor des Mangrovenwachstums die Wassertemperatur ist, würde ein Anstieg wahrscheinlich zunächst sogar positive Effekte haben, sprich eine Ausbreitung der Mangroven in niedere Breiten begünstigen.
    Unberücksichtigt solte man Mangroven gerade bei der Debatte des Klimawandels jedoch nicht lassen, da sie eine enorm große Rolle im Küstenschutz spielen, was durch erhöhtes Auftreten tropischer Stürme weiter an Bedeutung gewinnt.

    Eine Leserempfehlung
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    solange, wie in Bangladesh sichtbar, die Sedimentbilanz deutlcih positiv bleibt. Dann ist selbst der teilweise enorme Gehalt an Übergangs- und Schwermetallen kein großes Problem.
    Gefährlich sind die "Idioten mit der Axt"!

    Dafür steigt deren Schadensrisiko auch zur "Belohnung" entsprechend an.

    MfG KM

  4. solange, wie in Bangladesh sichtbar, die Sedimentbilanz deutlcih positiv bleibt. Dann ist selbst der teilweise enorme Gehalt an Übergangs- und Schwermetallen kein großes Problem.
    Gefährlich sind die "Idioten mit der Axt"!

    Dafür steigt deren Schadensrisiko auch zur "Belohnung" entsprechend an.

    MfG KM

    Antwort auf "Das größere Problem"
  5. 5. Katar

    Ich bin gespannt ob Katar wirklich auf die Beweidung einer Region oder den Ausbau einer Küstenstadt verzichten wird um Mangroven zu schützen. Vorstellen kann ich es mir ehrlich gesagt kaum.

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  • Schlagworte Katar | Achim Steiner | Pflanze | Brasilien | Doha | Amazonas
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