Shrimps mit leeren Augenhöhlen, Krabben ohne Scheren und Fische mit nässenden Wunden. Im Golf von Mexiko sind genau diese Mutationen Realität . Der Grund: die Ölverschmutzung durch die Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon im Jahr 2010. Und noch einen Grund gibt es: chemische Reinigungsmittel , die den Ölteppich eigentlich beseitigen sollten. In Wahrheit wirken diese nur oberflächlich und ziehen das Rohöl in tiefere Wasserschichten, wo das Gemisch die Unterwasserwelt verseucht.

Jim Cowan , Meeresbiologe an der Louisiana State University, hat die Meeresfauna nach dem Unglück untersucht. "Wir haben unüblich viele Red Snappers gefangen, die bakterielle Infektionen haben – diese fressen regelrecht Löcher in die Fische. Wir gehen davon aus, dass diese Verletzungen durch chronische Vergiftungen verursacht werden. Sogar jetzt noch, zweieinhalb Jahre nach dem Unglück, lassen die Gift-Belastung und die Mutationen nicht nach", sagte er ZEIT ONLINE.

Damit ist er nicht der einzige Kritiker aktueller Öl-Reinigungsmittel. Andrew Whitehead , Umwelttoxikologe der University of California Davis, hat die Katastrophe am Golf von Mexiko 2011 ebenfalls in einer Studie untersucht : "Durch das Abbrennen oder Zerstreuen des Öls gelangen die entstehenden Schadstoffe entweder in tiefere Meeresschichten oder in die Atmosphäre. Leider wird das schon seit den 1960er Jahren so gemacht. Das ist keine Lösung, sondern versteckt nur das Problem."

Sehr wohl eine Lösung könnten hingegen Schwämme aus mikroskopisch kleinen Röhrchen sein, die der Materialwissenschaftler Daniel Hashim von der Rice University in Houston entwickelt. Sein Team hat Milliarden dieser Kohlenstoff-Nanoröhrchen (Carbon Nanotubes, CNTs) zu einem dreidimensionalen Schwamm-Skelett gezüchtet und die Ergebnisse bei Nature Scientific Reports veröffentlicht . Das Resultat: ein zündholzschachtelgroßes Schwämmchen, das Öl aufsaugt, Wasser aber nicht. In Zukunft würde der Forscher gerne ganze Teppiche davon herstellen, die auf den Weltmeeren treiben und ausgelaufenes Rohöl aufsaugen. Die Nanoschwämme bestehen zu 99 Prozent aus Luft und können das Hundertfache ihres Gewichtes an Öl aufnehmen.

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An Schiffen befestigte Magnete könnten die Schwammteppiche in verschiedene Richtungen schieben und vollgesogene Schwämme wieder an Bord holen. Sie sind nämlich ferromagnetisch, genau wie Eisen. An Bord kann das Rohöl dann aus den Schwämmen herausgedrückt und in Auffangbehälter gegossen werden. Bis zu 10.000 Mal halten die Nanoschwämme dies aus, bevor sie Schaden nehmen. Sie sind zudem unbrennbar, sodass das Öl auch ausgebrannt werden kann.