MeeresbiologieSchon als Babys im Ei erkennen Haie Gefahr

Besonders ausgereift sehen Haifisch-Embryonen in ihren Eiern nicht gerade aus. Aber sie wissen sich zu helfen: Wenn Fressfeinde nahen, stellen sie sich tot. von 

Das etwa zehn bis 15 Zentimeter lange Ei eines Bambushais

Das etwa zehn bis 15 Zentimeter lange Ei eines Bambushais  |  © Ryan Kempster / dpa

Auf den ersten Blick würde man dem Ei eines Braungebänderten Bambushais (Chiloscyllium punctatum) wenig zutrauen: Fast bewegungslos treibt das blattförmige Objekt zwischen Seetang-Gestrüpp über dem Meeresgrund, scheinbar unfähig, seine Umgebung wahrzunehmen. Doch der Eindruck täuscht: Wie australische Forscher im Online-Journal Plos One berichten, reagieren Haie schon als Embryonen auf Fressfeinde. Um nicht von Fischen oder Schnecken entdeckt und verspeist zu werden, stellen sich die Baby-Haie in ihren Eiern tot.

Durch die lederartige Hülle der Eier können die ungeborenen Haie ihre Feinde weder sehen noch hören oder riechen. Aber sie verfügen über zusätzliche Sinnesorgane, die Lorenzinischen Ampullen. Ähnlich wie Nasenlöcher sitzen sie an der Unterseite des Haikopfes und sind mit empfindlichen Rezeptoren ausgestattet, die elektrische Felder vorbei schwimmender Tiere wahrnehmen.

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"Erwachsene Haie können damit potenzielle Paarungspartner erkennen und Beute aufspüren", sagt Ryan Kempster von der University of Western Australia (UWA). Dass Haifisch-Embryonen sie nutzen, um nicht selbst zur Beute zu werden, sei zuvor nicht bekannt gewesen.

Kempster und sein Team hatten sich die frisch abgelegten Haifisch-Eier aus einem Aquarium besorgt. Jedes der elf Embryonen wuchs in seiner eigenen Petrischale mit Meerwasser heran. Währenddessen setzten die Forscher die Tiere regelmäßig elektrischen Feldern aus. Diese waren unterschiedlich stark – so wie auch Fische, Schnecken oder Meeressäuger verschieden starke elektrische Felder aussenden.

Abwarten mit eingerolltem Schwanz

Drei bis vier Monate alte Embryonen hielten bei Gefahr den Kiemen-Atem an und rollten den Schwanz ein. So erstarrt senden sie selbst keine verdächtigen elektrischen Signale aus, erklärt Kempster. Das sei wichtig, weil die Hai-Babys nicht von ihren Eltern beschützt werden und nicht fliehen können.

Die Reaktion ihrer jüngeren Artgenossen war weitaus schwächer. Ganz junge Embryonen nahmen Feinde überhaupt nicht wahr. "Das elektrosensorische System, das an die Lorenzinischen Ampullen angeschlossen ist, bildet sich erst im Alter von etwa drei bis vier Monaten aus", sagt der Biologe.

Außerdem entdeckten die Wissenschaftler, dass sich der Hai-Nachwuchs an die Reize gewöhnt. Auf Signale, die innerhalb von 30 bis 40 Minuten wiederholt wurden, reagierten die Tiere deutlich schwächer. Laut Kempster könnte diese Erkenntnis zur Hai-Abwehr – etwa von Tauchern – genutzt werden. Auch an Kempstes Uni entwickelt eine Abteilung Geräte, die Haie in die Flucht schlagen. "Unsere Beobachtungen zeigen aber, dass diese womöglich nicht dauerhaft wirken", sagt Kempster.

Der Braungebänderte Bambushai lebt in den küstennahen Korallenriffen von Südostasien und Nordaustralien. Die Art gehört zu jenen Haifischen, die Eier legen: Fünf Monate lang wächst ein Jungtier darin heran.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
    • Schlagworte Embryo | Fisch | Sinnesorgan | Tier | Erwachsene | Südostasien
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