Teile der Stadt Dunalley an der tasmanischen Ostküste wurden durch Feuer zerstört. © Chris Kidd/Pool/AFP

Eigentlich ist Tasmanien so etwas wie die Kühlkammer Australiens. Wer der großen Sommerhitze entkommen möchte, schätzt die 250 Kilometer südlich des Festlands gelegene Insel für ihre milden Temperaturen und Schatten spendenden Wälder. Selbst im Sommer liegen die Höchstwerte in der Hafenstadt Hobart, Ausgangspunkt für viele Expeditionen in die Antarktis, selten über dem langjährigen Mittel von 21,6 Grad Celsius.

Doch in diesem Januar – Hochsommer auf der Südhalbkugel – sind die Temperaturen extrem. Am Wochenende maß Hobart 41,8 Grad. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 103 Jahren. Hinzu kommt starker Wind, der mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern pro Stunde Buschbrände anfacht. Weit mehr als hundert Häuser, manche davon seit Generationen im Familienbesitz, brannten in Tasmanien ab. Öltanks explodierten in der Gluthitze.

Die tasmanischen Buschfeuer gelten als die schwersten seit 46 Jahren. Wochenlange Trockenheit haben das Grasland so ausgedörrt, dass es leicht entflammbar ist und reichlich Zunder liefert. Rasend schnell können sich Feuer hier ausbreiten und unberechenbar werden. "Wir hörten im Radio, das Feuer komme in zwei Stunden", berichtet ein Bewohner des Orts Boomer Bay. "13 Minuten später ist unser Haus abgebrannt." Einsatzkräfte brachten Tausende Einwohner und Touristen in Sicherheit, denen die Brände die Fluchtwege abgeschnitten hatten. Die meisten mussten allerdings auf der Tasman-Halbinsel ausharren.

Ursache für die Brände sind Blitzeinschläge – und vereinzelt auch Brandstiftung. Nicht nur in Tasmanien, auch in den fünf großen Bundesstaaten des Festlands wüten nach wochenlanger Hitze und kräftigem Wind Flammen, die nur schwer einzudämmen sind. Und Meteorologen rechnen damit, dass die derzeitige Periode extremer Hitze mindestens noch eine Woche anhält. Bereits seit Oktober heizt sich der gesamte australische Kontinent ungewöhnlich stark auf. Auf etwa 90 Prozent der Fläche Australiens herrschen derzeit "extrem hohe Temperaturen", sagt David Jones vom National Climate Centre in Melbourne – Werte, die an einigen Orten zwölf Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegen. Die Hitzewelle könnte nach Ansicht des Forschers als eine der längsten und schwersten in die Annalen eingehen.

In der Millionenstadt Melbourne wurden am Wochenende 41 Grad gemessen, in der südaustralischen Metropole Adelaide 40 Grad. In Perth in Westaustralien, wo die Menschen schon über Weihnachten mehrere Tage unter Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius litten, waren es am Wochenende noch 37 Grad. Perth erreichte die höchsten Werte seit 80 Jahren.

Noch heißer ist es an vielen Orten im Outback. So meldete das westaustralische Eucla mit 48,2 Grad Celsius einen neuen Spitzenwert. Die Statistik des Wetterdienstes in Melbourne weist seit 2006 eine Häufung extrem heißer Tage aus: So erzielte Mildura im Bundesstaat Victoria mit 50,7 Grad am 7. Januar 2006 die höchste jemals auf dem Kontinent gemessene Temperatur. Am 28. Januar 2009 erreichte Adelaide mit 45,7 Grad Celsius einen Rekordwert.

In Sydney bis zu 45 Grad

Roger Jones, Klimaforscher der Victoria University in Melbourne, spricht von einem "riesigen Wettersystem, das sich nur langsam fortbewegt". Von Westaustralien kommend hat es sich Anfang Januar über Südaustralien, Victoria und Tasmanien, New South Wales und Queensland ausgebreitet. Ein Hochdrucksystem über der Tasmanischen See verhindert den Abzug der Hitzeglocke nach Osten, erklärt Jones. Die Hitze rotiere nun für unbestimmte Zeit gegen den Uhrzeigersinn über den Kontinent.

El Niño gilt diesmal als unschuldig

In den vergangenen Jahren wurde Australien immer wieder von Wetterextremen getroffen. Zwischen 2009 und 2012 verursachte das Wetterphänomen La Niña über dem Pazifischen Ozean Starkregen und schwere Überschwemmungen in Australien. Der gegenteilige Effekt El Niño führt immer wieder partiell zu Trockenheit und Buschfeuern. Die jetzige Hitze stünde jedoch in keinem Zusammenhang mit El Niño, sagt Jones. "Momentan neutralisieren sich beide Wetterphänomene." La Niña habe sich abgeschwächt, ein starker El Niño werde sich "frühestens in fünf oder sechs Monaten" einstellen.

Einzelne Wetterereignisse können wissenschaftlich nie direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden. Dennoch ist sich Jones sicher, dass die allgemeine Erderwärmung entscheidend zu der extremen Hitze in Australien beigetragen hat. Die Temperaturrekorde bestätigten einen Trend. "Daran habe ich keinen Zweifel", sagt er. Dass die jetzige Hitzeperiode mit dem Klimawandel korreliere, könne niemand bestreiten.

Bereits seit Anfang der siebziger Jahre messen Forscher steigende Werte auf dem Inselkontinent. "Um durchschnittlich ein Grad Celsius sind die Temperaturen seit 1977 gestiegen", sagt Jones. "Die Ozeane haben sich erwärmt, das Festland ebenso."

Von Brandkatastrophen ist Australien in den letzten hundert Jahren immer wieder heimgesucht worden. Bei Feuersbrünsten 1939, 1967, 1983 und 1994 starben insgesamt 181 Menschen. Seither häufen sich Temperaturrekorde – und allein zwischen 2003 und 2009 wüteten viermal fatale Buschfeuer. Die bislang größte Tragödie ereignete sich am 7. Februar 2009, dem Black Saturday, als 170 Menschen in den Wäldern nordöstlich von Melbourne ihr Leben verloren.

Ein düsteres Szenario erwarten die Meteorologen am Dienstag in Sydney, der mit fünf Millionen Einwohnern größten Stadt des Kontinents. 43 Grad erwarten sie für Sydneys südliche und westliche Vororte. Zwar werden in Sydney damit noch keine Rekorde gebrochen – eine gesundheitliche Belastung für die Menschen sind die Werte allemal.

Im Bundesstaat New South Wales brennen derzeit rund 90 Buschfeuer, etwa jedes zehnte davon ist außer Kontrolle geraten. Sämtliche Nationalparks und Reservate wurden geschlossen. Barry O'Farrell, Regierungschef des Bundesstaats, warnt vor der "größten Bedrohung durch Buschfeuer, der New South Wales je ausgesetzt gewesen ist". "Die Winde peitschen das Feuer an", sagte der stellvertretende Chef der städtischen Feuerwehr, Michael Joyce.

Tausende Feuerwehrmänner sind australienweit im Einsatz, oft bis zur Erschöpfung kämpfen sie gegen die Flammen. Trotz moderner Technik haben sie Probleme, der Brände Herr zu werden. Die wohl bedrohlichste Nachricht lautet: Am nächsten Wochenende soll es in Sydney und andernorts erneut bis zu 45 Grad heiß werden.