Wetterextreme : Rekordhitze und Buschfeuer beherrschen Australien
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In Sydney bis zu 45 Grad

Roger Jones, Klimaforscher der Victoria University in Melbourne, spricht von einem "riesigen Wettersystem, das sich nur langsam fortbewegt". Von Westaustralien kommend hat es sich Anfang Januar über Südaustralien, Victoria und Tasmanien, New South Wales und Queensland ausgebreitet. Ein Hochdrucksystem über der Tasmanischen See verhindert den Abzug der Hitzeglocke nach Osten, erklärt Jones. Die Hitze rotiere nun für unbestimmte Zeit gegen den Uhrzeigersinn über den Kontinent.

El Niño gilt diesmal als unschuldig

In den vergangenen Jahren wurde Australien immer wieder von Wetterextremen getroffen. Zwischen 2009 und 2012 verursachte das Wetterphänomen La Niña über dem Pazifischen Ozean Starkregen und schwere Überschwemmungen in Australien. Der gegenteilige Effekt El Niño führt immer wieder partiell zu Trockenheit und Buschfeuern. Die jetzige Hitze stünde jedoch in keinem Zusammenhang mit El Niño, sagt Jones. "Momentan neutralisieren sich beide Wetterphänomene." La Niña habe sich abgeschwächt, ein starker El Niño werde sich "frühestens in fünf oder sechs Monaten" einstellen.

Einzelne Wetterereignisse können wissenschaftlich nie direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden. Dennoch ist sich Jones sicher, dass die allgemeine Erderwärmung entscheidend zu der extremen Hitze in Australien beigetragen hat. Die Temperaturrekorde bestätigten einen Trend. "Daran habe ich keinen Zweifel", sagt er. Dass die jetzige Hitzeperiode mit dem Klimawandel korreliere, könne niemand bestreiten.

Bereits seit Anfang der siebziger Jahre messen Forscher steigende Werte auf dem Inselkontinent. "Um durchschnittlich ein Grad Celsius sind die Temperaturen seit 1977 gestiegen", sagt Jones. "Die Ozeane haben sich erwärmt, das Festland ebenso."

Von Brandkatastrophen ist Australien in den letzten hundert Jahren immer wieder heimgesucht worden. Bei Feuersbrünsten 1939, 1967, 1983 und 1994 starben insgesamt 181 Menschen. Seither häufen sich Temperaturrekorde – und allein zwischen 2003 und 2009 wüteten viermal fatale Buschfeuer. Die bislang größte Tragödie ereignete sich am 7. Februar 2009, dem Black Saturday, als 170 Menschen in den Wäldern nordöstlich von Melbourne ihr Leben verloren.

Ein düsteres Szenario erwarten die Meteorologen am Dienstag in Sydney, der mit fünf Millionen Einwohnern größten Stadt des Kontinents. 43 Grad erwarten sie für Sydneys südliche und westliche Vororte. Zwar werden in Sydney damit noch keine Rekorde gebrochen – eine gesundheitliche Belastung für die Menschen sind die Werte allemal.

Im Bundesstaat New South Wales brennen derzeit rund 90 Buschfeuer, etwa jedes zehnte davon ist außer Kontrolle geraten. Sämtliche Nationalparks und Reservate wurden geschlossen. Barry O'Farrell, Regierungschef des Bundesstaats, warnt vor der "größten Bedrohung durch Buschfeuer, der New South Wales je ausgesetzt gewesen ist". "Die Winde peitschen das Feuer an", sagte der stellvertretende Chef der städtischen Feuerwehr, Michael Joyce.

Tausende Feuerwehrmänner sind australienweit im Einsatz, oft bis zur Erschöpfung kämpfen sie gegen die Flammen. Trotz moderner Technik haben sie Probleme, der Brände Herr zu werden. Die wohl bedrohlichste Nachricht lautet: Am nächsten Wochenende soll es in Sydney und andernorts erneut bis zu 45 Grad heiß werden.

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