China : Smog in Peking erreicht Rekordwerte

Der Smog in Chinas Hauptstadt ist so extrem wie noch nie. Millionen Pekinger sollen ihre Wohnungen möglichst nicht verlassen, Ärzte warnen vor enormen Gesundheitsrisiken.
Passanten im Smog von Peking ©Ed Jones/AFP/Getty Images

Die Luftverschmutzung in Peking hat bislang unbekannte Höchstwerte erreicht. Die Behörden riefen die 20 Millionen Bewohner auf, so wenig wie nötig vor die Tür zu gehen. Alte, Kranke oder Kinder sollten die Häuser gar nicht verlassen. "Wir raten den Bürgern, sich von schwer verschmutzten Stadtgebieten fernzuhalten und körperliche Anstrengungen oder Freiluftaktivitäten zu vermeiden", teilte das Umweltüberwachungszentrum der Stadt mit.

Seit drei Tagen werden die Metropole und andere Städte in Nordchina von starkem Smog heimgesucht, der weit über die sonst schon übliche schwere Luftverschmutzung hinausgeht. Der Schadstoffindex der US-Botschaft in Peking für den besonders gesundheitsgefährdenden Feinstaub stieg auf die Rekordmarke von 728. Auch die Messwerte der chinesischen Umweltbehörden, die meist niedriger liegen, stiegen auf einen Spitzenwert von 456 für die kleinen Schadstoffpartikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometer, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

"Das habe ich noch nie erlebt", sagte ein Pekinger, der den Index seit Jahren verfolgt. Früher endete die Skala immer bei 500. Nur unter 50 gilt die Luft noch als "gut", über 300 schon als "gefährlich". Ärzte warnten, dass die extrem hohen Schadstoffkonzentrationen Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Atemwegsleiden, Geburtsschäden oder Krebs auslösen können.

"Es ist überall neblig, die Luft riecht versengt"

Schlechte Luft sind die Pekinger gewohnt, fast immer liegt eine Dunstglocke über der Stadt. Aber niemand kann sich erinnern, jemals eine derart schlimme Smoglage erlebt zu haben. Einige fürchten gar den "Tod durch Atmen", wie sie sagen. Viele Menschen tragen einen Mundschutz gegen die schlechte Luft. "Die Luftverschmutzung ist so schlimm, wie ich sie noch nie erlebt habe", schreibt ein Nutzer von Weibo, dem chinesischen Twitter-Pendant. "Es ist überall neblig, die Luft riecht versengt", klagt ein Anderer.

Trotz des heftigen Smogs wurden allerdings keine Fahrverbote für Autos oder Beschränkungen für Fabriken oder Kraftwerke verhängt. Es blieb bei Appellen. Auch ist vorerst keine Besserung in Sicht, da die ungünstige Wetterlage am Wochenende noch anhalten soll. Allerdings herrsche so dichter Nebel, dass Autobahnen gesperrt werden mussten, berichtete China Daily.

Anstieg des Kohleverbrauchs um 44 Prozent

Das Problem war nicht allein auf die Hauptstadt begrenzt. Außer Peking litten auch andere Städte wie Handan, Baoding, Shijiazhuang in der angrenzenden Provinz Hebei oder Zhengzhou in der Provinz Henan unter schwerem Smog. China Daily zufolge überschritten die Schadstoffwerte in diesen vier Städten am Freitag die offizielle Messgrenze von 500. Sogar nach den wenig strengen chinesischen Standards ist die Luft nur bei Werten unter 100 noch unproblematisch.

Vor allem der Kohlebrand von Industrie, Kraft- und Heizwerken trägt zur hohen Luftverschmutzung bei. China bezieht zwei Drittel seiner Energie aus Kohle. Die Abhängigkeit ist groß. Der Kohleverbrauch ist mit dem wachsenden Energiebedarf der aufstrebenden Wirtschaftsnation zwischen 2005 und 2010 um 44 Prozent gestiegen, wie Greenpeace berichtet. Hinzu kommt der zunehmende Autoverkehr. Mehr als fünf Millionen Fahrzeuge fahren heute durch Peking – vor fünf Jahren waren es erst drei Millionen.

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Kommentare

71 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

#5 der Stuttgart-Vergleich hinkt arg

#5 also ferner schauen sie sich LA an...was es dort für Smog gibt oder Stuttgart heute noch ...wir sollten nicht so hochnäsig sein...
--> Ich denke Sie vertun sich da etwas in den Dimensionen. In Stuttgart geht es darum an wievielen Tagen im Jahr die 50 mg-Grenze überschritten wird. (Siehe http://www.stadtklima-stu...) In Peking liegt erstens die Norm-Grenze bei 100 mg und zweitens liegen die Messwerte über 500 mg.

Nun ist Stuttgart topographisch

in einer etwas schlechteren Ausgangslage als Beijing, mblender, ist die Stadt doch rundherum von Bergen umgeben, die bei Inversionlagen einen Luftaustausch verhindern.

Beijing hat diese Begrenzer nur an zwei Seiten, in Nord und West.
Deswegen sind dort solche Extremwetterlagen auch seltener.

Dafür hat Beijing ein paar Einwohner mehr, erheblich mehr Industrie im Umland an den nicht von Bergen geschützten Flanken und außerdem ist die Umweltgesetzgebung ist noch nicht ganz so alt wie im Ländle.