FeinstaubPeking stockt noch mindestens 20 Jahre der Atem

Giftiger Smog ist in Chinas Großstädten Alltag. Nun ist er so stark, dass die Regierenden nicht mehr wegsehen können. Aber schnell wird es Abhilfe nicht geben. von 

Smog-Nebel ist in Chinas Hauptstadt keine Seltenheit. Viele Menschen tragen Mundschutz, wie dieser Mann im Finanzviertel von Peking.

Smog-Nebel ist in Chinas Hauptstadt keine Seltenheit. Viele Menschen tragen Mundschutz, wie dieser Mann im Finanzviertel von Peking.  |  © Feng Li/Getty Images

Am frühen Morgen ist die Luft mal für ein paar Stunden klar und im Horizont sind die Westberge zu sehen. Doch kaum hat der Morgenverkehr eingesetzt, wird der Himmel wieder trüb. Auf die Zunge legt sich ein seltsam matter Geschmack. Die Luft riecht beißend nach einer Mischung aus Schwefel und Kohlebriketts. Und 200 Meter entfernte Hochhäuser sind nur noch in Facetten zu erkennen. Passanten halten sich ihre Ärmel vor dem Mund, um den gefährlichen Smog nicht einzuatmen.

So geht es in Peking seit nunmehr drei Wochen. Auf einige wenige klare Morgenstunden folgen mehrere Tage mit dichtem Nebel und Luftverschmutzung. "Ich weiß nicht, ob ich das meinen Kindern noch länger zumuten kann", sagt ein deutscher Firmenvertreter, der seit 25 Jahren in der chinesischen Hauptstadt lebt. "Wir überlegen ernsthaft, nach Deutschland zurückzukehren."

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In Peking und weiten Teilen Nord- und Ostchinas gehört der Feinstaub seit vielen Jahren zum Alltag. Doch die Werte, die die staatlichen Stellen in den vergangenen Wochen gemessen haben, schrecken nun auch die chinesische Öffentlichkeit auf. Die US-Botschaft in Pekings Innenstadt, die seit einigen Jahren eigene Untersuchungen vornimmt und sie stündlich per Twitter und online veröffentlicht, hat vor zwei Wochen 884 Mikrogramm gemessen. Der Wert bezieht sich auf eine Feinstaubmenge in einem Kubikmeter Luft mit Teilchen, die einen Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer pro Partikel (PM2,5) haben. Dieser Staub ist besonders gefährlich, weil er über die Lunge direkt ins Blut gelangen kann und so etwa das Krebsrisko erhöhen kann.

Smog in Peking
Klicken Sie auf das Bild, um Fotos zum Feinstaub in China zu sehen.

Klicken Sie auf das Bild, um Fotos zum Feinstaub in China zu sehen.  |  © Jhphoto/dpa

884 Mikrogramm pro Kubikmeter war der höchste bislang gemessene Wert in Peking. In der Industriestadt Shijiazhuang südöstlich von Peking soll der Feinstaubwert am gleichen Tag sogar 1.100 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten haben. Im Südosten des Landes brannte zwischenzeitlich für mehrere Stunden eine ganze Fabrikanlage, ohne dass es jemandem auffiel. Der Smog war zu dicht. Und auch heute Morgen lag die Feinstaubkonzentration in Peking wieder bei mehr als 400 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die US-Botschaft warnt: "gefährlich."

Die Weltgesundheitsorganisation sieht ab 25 Mikrogramm pro Kubikmeter die Gesundheit beeinträchtigt. Werte über 300 gelten als sehr ungesund. Der offizielle Index der chinesischen Behörden reicht bis 500. "PM2,5 ist ein tägliches Risiko für die Gesundheit der Öffentlichkeit", sagt auch Greenpeace in China. Die Umweltorganisation hat gemeinsam mit der Pekinger Universität eine Studie über die Folgen der Luftverschmutzung erstellt. Allein in den Städten Schanghai, Peking, Guangzhou und Xi'An sollen im vergangenen Jahr mehr als 8.500 Menschen infolge der schlechten Luft frühzeitig gestorben sein.

Längst sind nicht mehr nur Metropolen betroffen

Krankenhäuser in Peking berichten seit Wochen über eine steigende Zahl von Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen. Alte Leute trifft die schmutzige Luft besonders hart, berichtet ein Arzt des Pekinger Xiehe-Krankenhauses. Aus Unwissenheit ignorierten viele von ihnen die Warnungen und verrichteten in alter Manier ihre morgendliche Frühgymnastik im Freien. Der Arzt berichtet von schweren Lungenentzündungen bis hin zu Herzstillstand. "Die Luft ist eine Katastrophe."

Hohe Feinstaubkonzentrationen gibt es zudem längst nicht mehr nur in Metropolregionen, sondern im gesamte Land. Auch die Pekinger Qinghua Universität hat zusammen mit der Asiatischen Entwicklungsbank vor Kurzem eine Studie vorgestellt. Von den 500 größten Städten Chinas erreichen weniger als ein Prozent die Standards der Weltgesundheitsorganisation für die Luftqualität. Danach sollten im Laufe von 24 Stunden im Schnitt die Werte für PM2,5 25 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschritten werden. Von den zehn Städten mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit befinden sich sieben in China.

Leserkommentare
  1. Ich lebe schon lange in China und ja die Luftverschmutzung ist ein Problem. Allerdings werden die Chinesen keine 20 Jahre brauchen um die Qualitaet der Luft spuerbar zu verbessern. 20 Jahre braucht man in Deutschland um einen Flughafen (fast) fertig zubauen.

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    Als kostengünstiger Produzent für sämtliche internationalen Konzerne? Es wird sich wohl eher noch etwas verschlimmern, denn das Hauptaugenmerk richtet sich ja darum, weltweit die günstigsten Produkte für die Märkte zu produzieren. Nachhhaltigkeit im Bezug auf Umwelt- und Arbeitnehmerfreundlichkeit kann ich bei der bisherigen Entwicklung nicht erkennen.

    Die chinesiche Fuehrung hat erkannt, dass solch Zustaender langfristig ihre Machtbasis bedrohen und somit wird schon aus reinen Eigennutz das Problem bekaempft.

  2. Im Ruhrpott! Vor 20 Jahren (1993) gab es vielleicht, so wie immer noch, den Föhn in/um München. Und der ist angenehm... Aber da es in und um München keinerlei Schwerindustrie gab & gibt ist Ihr Szenario vollkommen unrealistisch. Anbei, ich bin in München geboren & lebe hier seitdem, gänzlichst ohne das von Ihnen geschilderte Problem!

  3. Als kostengünstiger Produzent für sämtliche internationalen Konzerne? Es wird sich wohl eher noch etwas verschlimmern, denn das Hauptaugenmerk richtet sich ja darum, weltweit die günstigsten Produkte für die Märkte zu produzieren. Nachhhaltigkeit im Bezug auf Umwelt- und Arbeitnehmerfreundlichkeit kann ich bei der bisherigen Entwicklung nicht erkennen.

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    • 可为
    • 28. Januar 2013 16:58 Uhr

    frage ich mich von wie weit weg sie versuchen auf China zu linsen...
    Peking erstickt im Smog, weil sich heute zu viele Privatleute ein eigenes Auto+Zulassung leisten können, und die ganze Nacht LKW-Ladungen von Konsumgütern in die Malls gekarrt werden, während vor 20Jahren in der Stadt so gut wie nichts ausser Fahrrädern und Tante-Emma Läden zu sehen war - und sie reden von Billigarbeit und können nicht erkennen, ob es Arbeitnehmern dort heute besser geht !?

  4. Die chinesiche Fuehrung hat erkannt, dass solch Zustaender langfristig ihre Machtbasis bedrohen und somit wird schon aus reinen Eigennutz das Problem bekaempft.

    • 可为
    • 28. Januar 2013 16:58 Uhr

    frage ich mich von wie weit weg sie versuchen auf China zu linsen...
    Peking erstickt im Smog, weil sich heute zu viele Privatleute ein eigenes Auto+Zulassung leisten können, und die ganze Nacht LKW-Ladungen von Konsumgütern in die Malls gekarrt werden, während vor 20Jahren in der Stadt so gut wie nichts ausser Fahrrädern und Tante-Emma Läden zu sehen war - und sie reden von Billigarbeit und können nicht erkennen, ob es Arbeitnehmern dort heute besser geht !?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Billig..."
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    "schaun' mer mal wohin es sich in den nächsten 10 Jahren entwickelt"
    Ich war 2000-2009 beruflich sehr oft in Asien, speziell in China und Japan.
    Da ich für deutsche und schweizer Anlagenbauer beraterisch und abnahmetechnisch Vorort tätig war, hatte ich genug Einblick, wie die Umsetzung von Umweltauflagen in China verläuft.

  5. Im eingerückten Zitat ist der Name der Greenpeacesprecherin mit dem des Umweltministers verwechselt worden.

    Grüße
    Ilmarinen

  6. Mal was direktes aus China (West u. Ost Filter OFF)

    http://www.chinasmack.com/2013/more/jokes-humor/beijings-smog-lakers-los...

  7. "schaun' mer mal wohin es sich in den nächsten 10 Jahren entwickelt"
    Ich war 2000-2009 beruflich sehr oft in Asien, speziell in China und Japan.
    Da ich für deutsche und schweizer Anlagenbauer beraterisch und abnahmetechnisch Vorort tätig war, hatte ich genug Einblick, wie die Umsetzung von Umweltauflagen in China verläuft.

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    • 可为
    • 28. Januar 2013 17:20 Uhr

    wo waren sie denn in China tätig?
    Aber die Umwelt war auch nicht wirklich mein Punkt, sondern der rasche Zuwachs an Wohlstand und Lebensqualität für Millionen Menschen...

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