Wenige Organisationen waren schon da, bevor im Januar 2010 die Erde bebte. Eine davon ist Codep aus den USA – seit 24 Jahren in Haiti. "Wir helfen den Leuten aus der Abhängigkeit, sodass sie sich selbst versorgen", sagt John Winings. Der Kalifornier ist seit zwei Jahren Präsident der Hilfsorganisation. Mit ihrer langfristigen Arbeit gehört Codep zu einer verschwindend geringen Minderheit.

1999 lernte Clément Tercelin Codep kennen. Das war der Wendepunkt in seinem Leben. Tercelin ist Bauer. Das war er immer. Nie wollte der heute 47-Jährige einen anderen Beruf. Im rot-gesteiften Poloshirt, die Mütze mit US-Marine-Aufschrift weit aus dem Gesicht geschoben, sitzt der Haitianer beim Mittagessen in seinem kleinen Büro, das zum Landwirtschaftsbetrieb gehört, hoch über der schwer vom Beben getroffenen Stadt Léogâne. Es ist kurz vor zwölf, der Bauer ist seit 6.30 Uhr auf den Beinen. Es gibt eine Maisspeise vom Straßenstand.

"Codep war für mich die Chance, nach Hause zurückzukehren", erzählt Tercelin. Die NGO habe ihm vorgeschlagen, einen Teil des Familiengrundes in De Louche, im Tal des Carmier-Flusses, für ein Aufforstungsprojekt zur Verfügung zu stellen. Da sei es endlich bergauf gegangen.

Lange Zeit war er unglücklich gewesen. Mit 20 hatte er den Bauernhof aufgeben müssen. Immer wieder hatte der Regen der Familie alles genommen. Die Erde von den Feldern, die Samen für die Bohnen – einfach weggespült. Mit einer Abholzungsrate von 98 Prozent ist Haiti Stürmen und Regen schutzlos ausgeliefert. Nährstoffreicher Boden kann sich kaum entwickeln. Zahlreiche Lebensmittel werden aus der benachbarten Dominikanischen Republik oder den USA eingeführt. Um zu überleben, verkaufen viele Haitianer Kohle, die sie aus den wenigen verbliebenen Bäumen gewinnen.

Irgendwann reichte für Tercelin die Ernte nicht mehr zum Überleben. Er zog in die Stadt nach Port-au-Prince, wie viele Bauern Haitis. Und es lief nicht schlecht für ihn. Mit Glück ergatterte er einen Job bei der Regierung. Trotz sicheren Einkommens konnte er sich an das Stadtleben, anderthalb Stunden von zu Hause, nie gewöhnen.

Heute lebt er wieder als Landwirt auf dem Familienhof. "Die Dinge sind fast perfekt", sagt er als er mit Blick auf den Hang. Wo früher nicht viel mehr als Gras wuchs, stehen heute Bäume und Sojabohnen soweit das Auge reicht. Tercelin kann von der Landwirtschaft leben und sogar die Schulausbildung seiner Kinder bezahlen.

Die Bäume verhindern, dass die Erde bei Regen weggespült wird. Ein Konzept, das Codep seit vielen Jahren verfolgt. Mit schnell wachsenden Baumarten wurde vielerorts aufgeforstet. 800.000 Bäume pro Jahr hat Codep gepflanzt. Heute hilft die NGO rund 600 Haitianern in 30 Kommunen dabei, Gärten anzulegen und ihr Land erfolgreich zu bewirtschaften.