Armut in HaitiAusländer mit Helfersyndrom lähmen Haiti
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Geldgeber ist Haitis Bank für Arme

In einigen Kommunen haben die Bewohner, angeleitet von den Entwicklungshelfern, Fischbecken angelegt, Häuser und Schulen gebaut. "Wir wollten ursprünglich nur zehn Jahre bleiben, haben aber schnell gemerkt, dass das nicht reicht, um wirklich etwas aufzubauen," sagt Winings.

Bewässerungstechnik aus Israel hilft Haitis Farmern

Viele Organisationen scheuten genau davor zurück, meint Hélène Blanquart. Die Französin leitet das Landwirtschaftsprojekt der Hilfsorganisation IsraAID. "Wenn man Notunterkünfte baut, hat man innerhalb kurzer Zeit ein sichtbares Ergebnis", sagt sie. Um Entwicklungshilfe zu leisten, müsse man lange bleiben und sei abhängig von den Leuten und dem Klima im Krisengebiet.

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Seit Juni betreibt IsraAID in Santos, gut eine halbe Stunde von Léogâne entfernt, ein Lehrprogramm für 15 haitianische Farmer. Dank eines neuen Bewässerungssystems, das sich in den trockenen Gegenden Israels bewährt hat, sprießen hier jetzt Tomaten. Die Bauern müssen nicht mehr jeden Tag Wasser vom weit entfernten Fluss holen. Drei Monate läuft das Programm, anschließend betreuen Mitarbeiter der Organisation die Farmer weiter, damit sie langfristig mit den neuen Techniken der Landwirtschaft zurechtkommen.

Beim Start in die Unabhängigkeit hilft Fonkoze mit Geld. Die Alternativ-Bank ist seit 1994 in Haiti und hat sich auf Mikrokredite spezialisiert, mit denen Haitianer ein Geschäft gründen können: Einen Marktstand, Lebensmittelladen oder ein kleines Restaurant. Fonkoze gilt in Haiti als Bank der Armen. Die Hürden für einen Kredit sind niedrig, auch wer weder schreiben noch lesen kann, bekommt hier Startkapital.

Die Direkthilfe vieler NGOs habe diese Form der nachhaltigen Arbeit im Land erschwert, meint Blanquart. Direkt nach dem Beben sei es kompliziert gewesen, Freiwillige zu finden. Denn wer an den IsraAID-Projekten teilnehmen will, muss dafür sogar zahlen. Das wollen viele nicht mehr, seit sie gemerkt haben, dass sich im NGO-Goldrausch schnelles Geld verdienen lässt. In Cash-for-Work-Programmen haben Haitianer beispielsweise Straßen und Bürgersteige von Bauschutt und Müll befreit. "Heute denken viele bei einer Zusammenarbeit an eine einfache Art, kurzfristig an Geld zu kommen", sagt Blanquart.

Die Haitianer seien auch misstrauischer geworden. Die Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass sie ihre Jobs nach ein paar Wochen wieder verlieren, wenn die NGO das Land verlassen, erzählt Samson Berlus, Student und Yoga-Lehrer aus Les Cayes. "Den meisten fehlt es an einem wirklichen Plan."

Spenden aus dem Ausland kommen kaum noch

Den Helfern von IsraAID geht langsam das Geld aus, um weiter Farmer zu schulen. Es reicht höchstens noch bis Ende Februar, sagt Blanquart. Sie hofft auf neue Einnahmequellen, vor allem aus dem örtlichen Agrarministerium. Internationale Unterstützung sei kaum noch zu bekommen. "Wir wollen bis mindestens Ende 2013 bleiben." Um das zu erreichen, brauchen nicht nur die Helfer, sondern auch die Spender einen langen Atem.

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Leserkommentare
    • debuti
    • 01. Februar 2013 18:20 Uhr

    Hm also erstmal heißt es Entwicklungszusammenarbeit, nicht Hilfe.
    Zweitens verstehe ich die Kritk nicht so, in der Zeit direkt nach der Katastrophe ist die Not doch am Größten, da ist es doch in Ordnugn wenn am meisten NGOs da sind. Und dass sich angeblich keine Strukturen bilden können weil die NGOs da sind: Es kommt so rüber als wären die Leute in Haiti zögerliche Gewächse, die wegen den NGOs nicht wirken könnten. Aber wenn sie garnicht da wären, müssten die Haitianer sofort solche Strukturen bilden, da ist es doch besser wenn sie dazu mehr Zeit haben oder? Und dieses Konzept, dass man Geld zahlt damit da aufgeräumt wird, was soll denn das? Die Leute haben ja wohl selbst einen Drang zum Aufräumen und wollen nicht auf einem Schuttberg wohnen oder? Blödsinniger Anreiz, er suggeriert doch das Gegenteil.

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    "Und dieses Konzept, dass man Geld zahlt damit da aufgeräumt wird, was soll denn das? Die Leute haben ja wohl selbst einen Drang zum Aufräumen und wollen nicht auf einem Schuttberg wohnen oder? Blödsinniger Anreiz, ..."

    Dies ist kein Blödsinn, wenn sie ein wenig weiter denken, dann müssten sie darauf kommen, dass wer Schutt für Lau wegräumt kein Geld hat. Wer kein Geld hat, kann sich weder Nahrung noch Kleidung, Elektizität (je nach dem ob wieder vorhanden) usw. kaufen. Wenn keine Nahrung und Kleidung vor Ort gekauft wird (ggf. auch noch als Hilfsgüter eingeflogen wird) zerstört das zusätzlich auch noch das was an grundversorgender Wirtschaft (Landwirtschaft) übrig istund führt in die Abhängigkeit von anderen Staaten.

    Also, ganz so einfach ist es nicht.

    @debuti und @Narrenschiffer
    Die Entwicklung zahlreicher Ländern die ähnliches wie Haiti durchgemacht haben hat gezeigt, dass ein Ungleichgewicht zwischen humanitärer Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau den wirtschaftlichen Wiederaufbau ausbremsen kann. Neben der Tatsache, dass ausländische Helfer meistens Infrastruktur aufbauen welche sie wenige Zeit wieder fallen lassen (als Beispiel ist in diesem Artikel die Tatsache aufgeführt, dass Einheimische von dem Geld der NGOs gelockt werden, als statt selbst etwas aufzubauen und wenn die NGOs dann kurze Zeit später wieder weg sind, stehen diese Menschen ohne Arbeit da), erschweren Ausländer meistens die Lage nur zusätzlich dadurch, dass Sie qualifiziertes Personal z. B. zur Übersetzung beanspruchen und die Preise hochtreiben. Den gesamten Zusammenhang kann ich Ihnen sicherlich nicht in einem Kommentar zusammenfassen, aber Graciana del Castillo hat darüber ein ansprechendes Fachbuch verfasst: Rebuilding War-Torn States. The Challenge of Post-Conflict Economic Reconstruction. Oxford University Press, Oxford

    • cs1111
    • 13. Mai 2013 11:06 Uhr

    Ich verstehe Ihr Unverständnis, aber das Problem ist eben genau das - Erste Hilfe ist nicht gleich Entwicklungszusammenarbeit. Notaufnahme im Krankenhaus nach Beinbruch ist ja auch nicht anschliessende Physiotherapie. Und was die Einstellung der örtlichen Bevölkerng und Behörden betrifft - Haiti hat eine lange Geschichte des "die Hand Aufhaltens" und der Opferrolle (von aussen und innen gepflegt) hinter sich - wenn ich mich nicht irre, führt Haiti seit Jahrzehnten die Liste der Nehmerländer, ohne irgendeine Besserung, Entwicklung oder Eigeninitiative aufweisen zu können, und es hat sich eine Nehmer-/Opfermentalität entwickelt, die jede Eigeninitiative geradezu verhindert. Ich kenne dieses Problem aus erster Hand aus unserem seit mehr als 13 Jahren aktiven Projekt zur Ausbildung schwarzer und farbiger Lehrer in benachteiligten Bevölkerungsruppen im Grundschulbereich in Südafrika, und das Schwerste ist nach wie vor, sowohl Institutionen als auch Individuen zur Eigeninitiative und Eigenverantwortung zu geleiten - nach Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten verordneter Passivität und Nehmermentalität braucht es etwas mehr als ein paar Wochen NGO-Gutmenschen-"Wir machen mal die Schule sauber dann sehen die auch wie schön das sein kann"-Aktivitäten. Gutmenschen, die mal ein paar Wochen "mit anfassen", sind ein erheblicher Teil des Problems. Und beschimpfen uns dann hinterher auch noch gerne des Rassismus.

    • F.L.O_o
    • 01. Februar 2013 18:23 Uhr

    Ist es nicht der Selbe Mechanismus, der bis auf wenige Außnahmen große Teile der Afrikas entmündigt?

    Eine Andauernde Hilfsleistung, in Form von Kapital, womit die reichen Industrienationen ihre Weste rein waschen können und afrikanische Menschen künstlich in Abhängigkeit treiben.

    Gute ausgedachte Konzepte brauchen meistens ein klare Analyse und viel Zeit. Erst dann setzt sich die neugewonnen Perspektive in der darauffolgenden Generation fest.

  1. wird trotzdem nichts besser. Aber komisch, wer hat denn die Einheimischen gezwungen, sich nicht auch selbst zu helfen?
    Hauptsache es sind immer die anderen, vorzugsweise "der weiße Mann" schuld. Der geht zum Glück zwar schon unter, aber als Sündenbock taugt er noch ne Weile.

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    das zu verstehen -

    war jetzt die überwältigende Hilfe direkt nach dem Beben falsch?
    Sagt das, dann spare ich mir das nächste Mal die Piepen.

  2. Es is journalistisch unklug IsraAID, also den staatlichen Durchführer Israels als musterhaft in der Hilfe der Wasserbewirtschaftung darzustellen (Niebel tut dies leider auch), wenn gleichzeitig der Staat Israel für die Wasserknappheit im besetzten Palästina verantwortlich ist und sogar kleinste Wasserzisternen zur Eigenversorgung zerstört.

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    • xy1
    • 01. Februar 2013 20:04 Uhr

    Ob Israel allein für die Wasserknappheit in dieser Region Asiens verantwortlich ist (ist das nicht eigentlich fast schon Wüstengebiet?) müssten Sie erst belegen.
    Dass der Wüstencharakter Israels dazu geführt hat, dass äusserst effektive, wassersparende Bewässerungssysteme entwickelt wurden und auch weltweit angewendet werden, ist doch auch hevorzuheben.
    Ausserdem wurden auch grosse Meerwasserentsalzungsanlagen in Israel gebaut.
    Ausserdem waren Erste Hilfe Teams aus Israel als erste nach dem Bebeb in Haiti vor Ort.

    Wenn Sie das auch kritisieren wollen - bitte schön.

    • xy1
    • 01. Februar 2013 20:04 Uhr

    Ob Israel allein für die Wasserknappheit in dieser Region Asiens verantwortlich ist (ist das nicht eigentlich fast schon Wüstengebiet?) müssten Sie erst belegen.
    Dass der Wüstencharakter Israels dazu geführt hat, dass äusserst effektive, wassersparende Bewässerungssysteme entwickelt wurden und auch weltweit angewendet werden, ist doch auch hevorzuheben.
    Ausserdem wurden auch grosse Meerwasserentsalzungsanlagen in Israel gebaut.
    Ausserdem waren Erste Hilfe Teams aus Israel als erste nach dem Bebeb in Haiti vor Ort.

    Wenn Sie das auch kritisieren wollen - bitte schön.

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "IsraeAID"
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    Ich empfehle ihnen dringend sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen, da sie offenbar nichts davon verstehen.

    Als Startlektüre könnte dieser aktuelle Artikel dienen. Ich kann ihnen gerne weitere quellen geben, aber sie können ja auch einfach mal googeln.

    "The Israeli national water company Mekorot undermines Palestinians’ access to water, according to a new report commissioned by the United Nations Human Rights Council."

    http://electronicintifada...

    "Since the beginning of the year, Israel has destroyed 35 rainwater cisterns used by Palestinian communities, 20 of them in the area of Hebron and the southern Hebron Hills. In 2011, Israel destroyed 15 cisterns, and in the preceding 18 months, 29. In many of these cases ancient cisterns were destroyed that had served the forefathers of the inhabitants of these communities. Recently, they have been restored with European assistance. The cisterns show the continuity of Palestinian habitation long before 1948."

    http://www.haaretz.com/op...

  3. 10 Mrd. Spenden für eine kleine Insel, deren Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner bei rund 500 Euro liegt.

    Im Grunde könnten alle Haitianer in hübschen Häusern leben und sich einen von Zinsen finanzierten Sozialstaat leisten... aber sie sitzen auf Schuttbergen und sind in Lethargie gefangen.

    Kulturunterschiede können so grausam sein.

    6 Leserempfehlungen
  4. Ich empfehle ihnen dringend sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen, da sie offenbar nichts davon verstehen.

    Als Startlektüre könnte dieser aktuelle Artikel dienen. Ich kann ihnen gerne weitere quellen geben, aber sie können ja auch einfach mal googeln.

    "The Israeli national water company Mekorot undermines Palestinians’ access to water, according to a new report commissioned by the United Nations Human Rights Council."

    http://electronicintifada...

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    • xy1
    • 02. Februar 2013 13:24 Uhr

    http://blog.goethe.de/met...

    "Voriges Jahr hat Israel mit dem Bau der größten Anlage für Umkehrosmose der Welt begonnen. 2013 soll die Anlage fertig sein. Es wird dann bald fünf Entsalzungsanlagen geben. Bereits jetzt werden in Israel 300 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr aufbereitet. Nach Plänen der Regierung soll 2014 die Mehrheit des Trinkwassers aus diesen Anlagen kommen. Zudem recycelt Israel 75 Prozent seines Wassers für die Nutzung in der Landwirtschaft. Kritiker sagen allerdings, dass beim Recycling des Wassers mehr gemacht werden muss. Zum Beispiel sollten die bestehenden Quellen von Oberflächenwasser besser geschützt und effizienter genutzt werden."

  5. "Since the beginning of the year, Israel has destroyed 35 rainwater cisterns used by Palestinian communities, 20 of them in the area of Hebron and the southern Hebron Hills. In 2011, Israel destroyed 15 cisterns, and in the preceding 18 months, 29. In many of these cases ancient cisterns were destroyed that had served the forefathers of the inhabitants of these communities. Recently, they have been restored with European assistance. The cisterns show the continuity of Palestinian habitation long before 1948."

    http://www.haaretz.com/op...

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