UmweltpolitikUS-Regierungsstudie drängt Obama zu mehr Klimapolitik

Der Bericht einer US-Behörde beschreibt erstmals im Detail die Folgen der Erderwärmung für Amerika. Experten verlangen von Präsident Obama, endlich zu handeln.

US-Präsident Barack Obama besucht im August 2012 eine von der Dürre heimgesuchte Region in Iowa.

US-Präsident Barack Obama besucht im August 2012 eine von der Dürre heimgesuchte Region in Iowa.  |  ©Larry Downing/Reuters

Die Erderwärmung könnte einem US-Regierungsbericht zufolge deutlich höher ausfallen als bisher befürchtet. Ohne bewusstes Gegensteuern könnten die Temperaturen bis zum Jahr 2100 um mehr als fünf Grad Celsius steigen, warnt ein in Washington vorgelegter detaillierter Expertenbericht. Die Folgen wären zum Beispiel zunehmende Wetterextreme wie Hitzewellen und Hurrikans.

Den vorläufigen Bericht, der noch eine wissenschaftliche Debatte durchlaufen soll, hat das von der Regierung beauftragte National Climate Assessment and Development Advisory Committee (NCADAC) erarbeitet. Darin heißt es: "Anzeichen für einen Klimawandel gibt es im Überfluss, sie sprechen eine eindeutige Sprache: Der Planet erwärmt sich." Der 400-seitige Entwurf lässt keinen Zweifel daran, dass dafür der Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich sei.

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Nach Ansicht des NCADAC wird der Klimawandel in den kommenden 25 Jahren noch keine dramatischen Auswirkungen auf die amerikanische Landwirtschaft haben. Sollte nichts unternommen werden, drohten danach aber wegen anhaltender Dürren massive Ernteausfälle. Sich erwärmende Ozeane würden den Fischbestand und damit die Fischindustrie bedrohen. Außerdem müssten sich die Bürger auf mehr starke Wirbelstürme wie zuletzt Sandy einstellen.

Teilweise sei der von Menschen verantwortete Klimawandel schon jetzt nicht mehr zu ändern, prophezeien die Wissenschaftler. Doch hätten die US-Bürger die Möglichkeit, das Ausmaß zu begrenzen, wenn sie wollten: "Jenseits der nächsten paar Jahrzehnte wird das Ausmaß des Klimawandels davon abhängen, welche Entscheidungen die Gesellschaft in puncto Emissionen trifft."

Ohne nennenswertes Gegensteuern könnten die Temperaturen zum Ende des Jahrhunderts um 2,7 bis 5,5 Grad steigen. Selbst wenn ab sofort weltweit gezielt gehandelt würde, müsse noch immer mit einem Anstieg der Temperaturen bis 2100 um 1,6 bis 2,7 Grad gerechnet werden. Internationales Ziel ist es eigentlich, die Klimaerwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Dies gilt als ein Wert, bei dem sich die Folgen noch kontrollieren lassen.

Neue Standards für eine "laufende Diskussion"

Das Weiße Haus begrüßte den Entwurf am Freitag als "zweifellos bedeutenden Beitrag zur laufenden nationalen Diskussion über den Klimawandel". Auch wenn der endgültige Bericht erst nach öffentlicher und fachlicher Debatte zustande kommen werde, verdiene er jetzt schon Glaubwürdigkeit wegen neu gesetzter Standards wissenschaftlicher Integrität, seiner Relevanz für die Nutzer und der Einbindung von Interessenvertretern.

US-Präsident Barack Obama hatte nach seiner Wiederwahl im November 2012 den Klimawandel als eine der fünf Prioritäten seiner zweiten Amtszeiten genannt – neben Afghanistan, der Einwanderung, der Waffengewalt und der Bildung. Der Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und Erderwärmung wird jedoch bisher von vielen Kongressabgeordneten geleugnet. Insbesondere die Republikaner sperren sich gegen jede Festlegung von Emissionsobergrenzen. Die USA zählten auf den Klimakonferenzen der vergangenen Jahre stets zu den Bremsern von verbindlichen Selbstverpflichtungen zum CO2-Ausstoß.

Der Rücktritt von Lisa Jackson als Chefin der US-Umweltbehörde EPA Anfang Januar galt als ein weiteres Indiz für die mäßige Bilanz von Obamas erster Amtszeit bezüglich des Klimaschutzes.

Der Ökonom Andrew Steer, Präsident des World Resources Institute in Washington, forderte Obama und den Kongress zu entschlossenem Handeln auf: "Die USA sind im Zentrum der Klimakrise. Rekordhitze vernichtet die Ernten, Flüsse trocknen aus, Stürme drücken unsere Städte nieder. Der Klimawandel fordert seinen Tribut von den Menschen und ihren Volkswirtschaften. Er wird nur noch schlimmer ohne eine starke und schnelle Antwort hier in den USA und auf der ganzen Welt. Es ist nicht zu spät zu handeln, aber in Anbetracht des Rückstands der Politik gegenüber den geophysikalischen Prozessen schließt sich das Fenster. In seiner zweiten Amtszeit hat Präsident Obama die Gelegenheit, sich als Anführer im Kampf gegen den Klimawandel verdient zu machen. Jetzt ist die Zeit für die US-Regierung, neue Standards für Kraftwerke durchzusetzen und Amerika auf den Weg in eine kohlenstoffarme Zukunft zu bringen."

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Leserkommentare
    • RGFG
    • 13. Januar 2013 17:23 Uhr

    "..Das die Erde kurzfristig wärmer wird ist ein Naturereignis und hat absolut nichts mit CO2-Ausstoss zu tun..."

    Wäre das CO2 jetzt aus irgend einem Grund kein "Naturereignis". Und was genau wäre denn jetzt dieses "Naturereignis", wenn es sich denn nicht um das CO2 handeln würde?

    Tipp: Der Zusammenhang mit der Sonnenaktivität oder kosmischen Strahlen lässt sich nicht herstellen, auch wenn das immer wieder gerne kolportiert wird. Näheres siehe hier...

    http://www.scienceblogs.d...
    http://www.scienceblogs.d...
    http://www.realclimate.or...

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf
  1. Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nahmen, wurde entfernt. Die Redaktion/fk.

    2 Leserempfehlungen
    • ikonist
    • 13. Januar 2013 17:25 Uhr

    wir lieben doch unsere kinder so sehr und leben( mit diesen ganzen komfort) weiter so wie bisher

    3 Leserempfehlungen
  2. 20. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nahmen, wurde entfernt. Die Redaktion/fk.

    Eine Leserempfehlung
  3. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema und verzichten Sie auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Danke, die Redaktion/fk.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • RGFG
    • 13. Januar 2013 17:33 Uhr

    .

  4. 22. Ähm...

    "Es gibt schon zu denken, daß jetzt mit einem Entwurf Panik gemacht wird, der von einer Behörde gemacht wurde und noch nicht der wissenschaftlichen Diskussion ausgesetzt war. Bevor die Politik handelt sollte sie zumindest den Peer-review-prozess abwarten."

    Alles rund um den anthropogenen Klimawandel wurde schon extrem häufig durchgekaut. Mir wäre es neu das "Zweifler" sich aber von wissenschaftlichen Fakten oder überzeugen lassen.

    Alleine in den wenigen Kommentaren hier, liest man schon wieder die Top 3 der beliebtesten Zweifeler Kommentare.
    Sie werden die selben ausgelutschten Argumente immer wieder ausbreiten und darauf beharren das sie recht haben und die ganten Fach Idioten eigentlich keine Ahnung haben vom Klima, oder aber gekauft wurden.

    Es geht schon lange nicht mehr um Fakten. Es geht mehr um PR Aktionen. Leider sind die PR Berater der Öl Industrie schlicht besser, weshalb man immer wieder dinge lesen muß wie: "Und wie können es die so genannten "Klimaexperten" erklären, dass seit 1998 GLOBAL kein Temperaturanstieg mehr zu verzeichnen ist? "

    MfG

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Na Ja"
  5. hat auch auf einiges mehr,z.B Meeresströmungen Auswirkungen,die kaum berechenbar sind.Gut möglich das ein etwa kälter Golfstrom gerade das Klima bei uns abkühlen läßt.
    (In England wird es dann knake kalt)
    Eine Änderung oder wirkliche Maßnahme ist aber auch bis 2100 nicht zu erwarten.Die wird erst kommen wenn die Auswirkungen am eigen Leib zuspüren sind und mit den alten Methoden wirklich nichts mehr zu holen ist. Das haben die modernen Industriegesellschafen in den letzten 100-150 Jahren allesammt zu genüge gezeigt.

    2 Leserempfehlungen
    • RGFG
    • 13. Januar 2013 17:33 Uhr
    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@ RGFG und turtleshell"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, sc
  • Schlagworte Barack Obama | Dürre | Einwanderung | Erderwärmung | Hurrikan | Klimakonferenz
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