LandwirtschaftEU-Behörde erklärt drei Insektizide zur Gefahr für Bienen

Gebeiztes Saatgut könnte für Bienen riskant sein, folgert eine Studie der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit. Zwar sind die Daten lückenhaft, trotzdem wird gewarnt.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hat vor den Gefahren für Bienen durch drei Insektizide gewarnt. Eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Untersuchung habe eine Reihe von Risiken gezeigt, teilte die Behörde mit. Dabei ging es um Mittel der Unternehmen Bayer und Syngenta, die zu der Gruppe der hochwirksamen Neonicotinoide zählen.

Die nikotinhaltigen Wirkstoffe werden seit längerer Zeit mit Vergiftungen und möglichen Massensterben von Bienen in Verbindung gebracht. Die Efsa-Experten erhielten daher von der Kommission den Auftrag, die Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zu untersuchen. Damit sollten die kurz- und langfristigen Folgen auch nicht tödlicher Mengen für Bienenvölker und Larven geprüft werden sowie mögliche Auswirkungen auf das Verhalten der Insekten. Kritiker warnen, dass die Chemikalien den Orientierungssinn der Bienen stören könnten, sodass sie nicht mehr in ihre Bienenstöcke zurückfänden.

Anzeige

Mit Neonicotinoiden wird Saatgut gebeizt. Dadurch ist es in der späteren Pflanze enthalten. Dies soll Schädlinge abhalten und den Einsatz von Spritzmitteln reduzieren. Die Efsa-Forscher empfehlen nun, die Mittel nicht für Pflanzen einzusetzen, die Bienen attraktiv finden – das sind zum Beispiel Mais, Sonnenblumen, Mohnblumen, Kürbisse oder Spargel.

Aufgrund fehlender Daten konnte die Efsa allerdings noch nicht alle ihre Analysen abschließen. Die Behörde kommt dennoch zu dem Schluss: "Die Efsa-Wissenschaftler haben etliche Risiken für Bienen durch drei Neonicotinoid-Insektizide ermittelt." Zudem solle auch das Risiko für andere Bestäuber als Honigbienen genauer untersucht werden.

Studie ist noch nicht abgeschlossen und hat Lücken

Ein Sprecher von EU-Gesundheits- und Verbraucherschutzkommissar Tonio Borg wies ebenfalls auf Unsicherheiten bei der Untersuchung hin. Dennoch habe die Studie derzeit klare Schlussfolgerungen ergeben. So wirken die Beizmittel sich auch auf Nektar, Pollen und aus Pflanzen austretendes Wasser aus, die von Bienen aufgenommen oder in den Bienenstock getragen werden.

Die EU-Kommission will nun Bayer und Syngenta schriftlich zu einer Stellungnahme auffordern und das Thema Ende Januar mit den EU-Ländern diskutieren. In einer von den Herstellern Syngenta und Bayer CropScience finanzierten Studie weisen Forscher Neonicotinoide als unverzichtbar für die Landwirtschaft aus, da Bauern Zeit und Pflanzenschutzmittel sparen könnten. Ein Verbot würde innerhalb der EU Verluste von 17 Milliarden Euro bedeuten, 50.000 Jobs stünden auf dem Spiel.

Bayer CropScience wies in einer Erklärung darauf hin, dass "schlechte Bienengesundheit und die Verluste von Bienenvölkern durch eine Vielzahl von Faktoren" wie etwa Milben bedingt seien. Daher müsse auch "jegliche politische Entscheidung" über die Zulassung von Neonicotinoid-Produkten "auf eindeutigen wissenschaftlichen Nachweisen" basieren. Das Unternehmen erklärte sich zur Zusammenarbeit mit der EU bereit, um die von der Efsa bemängelten Datenlücken zu schließen.

Leserkommentare
    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 14:46 Uhr

    ... ich fürchte: Ja!

    Sie sind einer derjenigen Protagonisten der Landwirtschaft, die Alternativmethoden von vornherein ausschließen es sei denn, sie heißen Gentechnik.
    Es gibt jedoch andere, die Ihren als zwangsläufig gesehenen Kreislauf durchbrochen haben.

    Friedrich Wenz zum Beispiel hat da vielversprechende Methoden entwickelt -die sich rechnen!

    Durch die immer größeren Felder, Kulturen ohne *beikräuter* (Unkraut), Pflanzenernährung durch synth. Dünger und dem Einsatz von Pestiziden stehen wir mit der *modernen Landwirtschaft* vor einem System, in dem die sog. "Nützlinge" fehlen, andererseits den "Schädlingen" beste Bedingungen geboten werden. Und die Nützlinge fangen bei Bodenmikroben und dem Regenwurm an...

    Mir fällt da immer ein leuchtendes Beispiel des Unverstandes ein: In China zu Zeiten Maos war der große Führer der Meinung, die Spatzen würden zuviel des Getreides fressen und deshalb müsste China Hunger leiden. Den Befehl, die Spatzen zu töten, führten die Chinesen in einem bestimmten Gebiet so gut aus, dass die gesamte Singvogelpopulation -auch die reinen Insektenfresser- ausgerottet wurde.
    Ab da an musste „gespritzt“ werden, was das Zeug hält. Heute werden dort Obstbäume von Hand bestäubt, die Bestäuberinsekten sind auch weg.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Das Problem bleibt"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • RoH
    • 18. Januar 2013 9:46 Uhr

    Entschuldigen Sie die lahme Diskussion, ich hab zwischendurch auch mal was anderes zu tun ;-)
    Mich als Protagonisten der Landwirtschaft zu beschreiben, wäre übertrieben. Ich bin Student eines molekularbiologischen Studienfachs und durch meine Kindheit in einem Dorf in der Magdeburger Börde sehr an Landwirtschaft interessiert.

    Dass die Probleme nicht mit einer einzelnen Technologie zu lösen sind, habe ich hier und an anderer Stelle schon mehrfach beschrieben. Aber wenn man Gentechnik in seine Betrachtungen einbezieht, bleibt anscheinend alles andere ungehört. Schade.
    Wenn die abschließenden Studienergebnisse die jetzigen Beobachtungen bestätigen, sollte dies m.E. zu deutlichen Einschränkungen/ Verbot dieser Wirkstoffe führen.
    In meinem ersten Kommentar wollte ich nur darauf aufmerksam machen, dass das dann auch mit Konsequenzen verbunden ist und andere Strategien erforderlich macht. In diese Betrachtungen habe ich auch Gentechnik einbezogen, dass stimmt.
    Im Kleingarten haben solche Mittel wegen mir nichts zu suchen. Landwirte brauchen einen Sachkundenachweis, im heimischen Garten kann jeder machen, was er will, das ist so nicht in Ordnung.

    Landwirtschaft soll heute nachhaltig günstige und sichere Lebens- und Futtermittel produzieren, dabei Ressourcen schonen, möglichst auf Pflanzenschutz verzichten. In naher Zukunft werden auch immer mehr Industrierohstoffe hier produziert werden.

    • RoH
    • 18. Januar 2013 9:48 Uhr

    In Deutschland, aber auch auf der ganzen Welt, gibt es kaum noch Kapazitäten für Ackerfläche, wenn man nicht noch mehr Regenwald abholzen will. Eine intensive Bewirtschaftung ist nötig. Mit weltweiten Biolandbau hätten wir einen Platzbedarf, dass schon heute kein Regenwald mehr stünde.
    Aufgrund von Nebenwirkungen und Energieverbrauch für Herstellung und Ausbringung müssen Pflanzenschutz und Dünger aber auch in konventionellen Betrieben reduziert werden. Erkenntnisse zum Bodenleben/ -fruchtbarkeit finden auch ihre Beachtung. Deshalb verzichten Landwirte in Deutschland schon heute vielerorts auf das Pflügen. Durch kluge Fruchtfolgen wird Dünger gespart, integrierter Pflanzenschutz reduziert die PSM-Anwendungen. Im Unterglas-Anbau basiert der Pflanzenschutz in Dtl. zu 90% auf Nützlingen. Wir sind auf einem guten Weg. Doch es muss weiter gehen. Zwischenfrüchte werden an Bedeutung gewinnen. Ich war beeindruckt, was die Züchter diesbezüglich auf den DLG-Feldtagen im letzten Jahr präsentieren konnten. Bei den Züchtern ist das Thema angekommen und wird auch bald seinen Weg auf die Felder finden.
    Auch beim Thema Flächengröße und Heckenstreifen findet ein Umdenken statt. Diesbezüglich finde ich auch Neuregelungen bei den EU-Agrarzuschüssen interessant, die das von Ihnen schon beschriebene Dilemma um die unbestellten Seitenstreifen beenden soll.

    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 14:51 Uhr

    ... werden oft Wirkstoffmengen von Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden ausgebracht, die pro Flächeneinheit gesehen, ein Vielfaches dessen sind, was *der Bauer* auf seine Felder bringt... auch so ein Unsinn.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Das Problem bleibt"
    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 14:53 Uhr

    ... werden oft Wirkstoffmengen von Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden ausgebracht, die pro Flächeneinheit gesehen, ein Vielfaches dessen sind, was *der Bauer* auf seine Felder bringt... auch so ein Unsinn.

    Antwort auf "Das Problem bleibt"
    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 15:31 Uhr

    Ich gebe mal einen Link, in dem auf allerlei Studien verwiesen wird, gleichzeitig die Wirkungsweise der neonics erklärt werden. Die enthaltenen Hinweise, dass nicht ausschließlich Honigbienen betroffen sind, sollten nicht überraschen:

    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=24581&page=2
    speziell Kommentar #15

    Auch noch was konkret zu Imidachloprid:
    http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00114-011-0881-1

    Wann wachen die Zulassungsstellen auf? Wann treten sie denen ins Hinterteil, die immer noch "Beweise" fordern?

    DIESE SIND LÄNGST DA!

    Da im Eingangsartikel mit Zahlen operiert wurde, habe ich auch eine: Die Bestäubungsleistung der Honigbienen -von ihnen kostenlos erbracht- wird in der EU auf ca. 22 Mrd.€ geschätzt.

    Antwort auf "Gute Quelle"
    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 16:03 Uhr

    "In farmland habitats, population declines have occurred in about half of plants, a third of insects and four-fifths of bird species (Robinson & Sutherland 2002)."

    Auf landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen sind die Populationen von Pflanzen um die Hälfte, die von Insekten um ein Drittel und die von Vögeln um 4/5 gesunken.

    http://www.pan-europe.info/Resources/Briefings/Pesticides_and_the_loss_o...

    Eine Leserempfehlung
    • DerDude
    • 17. Januar 2013 16:31 Uhr

    ist auch nicht mehr das, was es mal war: "Die Heilsversprechen von Konzernen wie Monsanto lösen sich auf: Transgener Bt-Mais hilft kaum noch gegen Schädlinge."

    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-05/biotechnologie-schaedlinge/seite-1

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Alternativen?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 17:21 Uhr

    Es sind bereits resistente Populationen des Rapsglanzkäfers gegen Thiachloprid, enthalten im Bayer-Mittel "Biskaya", bekannt.

    Um das zu verhindern, werden die Mittel gewechselt -oder auch als Mischung angewendet, am besten noch mit einem Fungizid gegen Weissstänglichkeit, so spart man Überfahrten.

    Es lohnt sich, mal kurz das datenblatt von Biskaya aufzurufen, u.a., neben Verdacht auf Krebserregung steht dort:

    "NN361: ..wird als schädigend für Populationen der Art Coccinella septempunctata (Siebenpunkt-Marienkäfer) eingestuft.
    NN370: ...wird als schädigend für Populationen der Art Chrysoperla carnea (Florfliege) eingestuft.
    NN3842: ...schädigend für Populationen der Art Aphidius rhopalosiphi (Brackwespe) eingestuft.
    NN410: Das Mittel wird als schädigend für Populationen von Bestäuberinsekten eingestuft. Anwendungen des Mittels in die Blüte sollten vermieden werden oder insbesondere zum Schutz von Wildbienen in den Abendstunden erfolgen."

    Und dann, man traut den Augen nicht:

    "NB6641: Das Mittel wird bis zu der höchsten durch die Zulassung festgelegten Aufwandmenge oder Anwendungskonzentration, falls eine Aufwandmenge nicht vorgesehen ist, als nicht bienengefährlich eingestuft (B4)."

    Das Datenblatt steht auf der Seite des "Bundesamt für Verbraucherschutz und lebensmittelsicherheit". Ich möchte das nicht kommentieren, aber wer die Verantwortung trägt ist dadurch sichtbar.

    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 17:21 Uhr

    Es sind bereits resistente Populationen des Rapsglanzkäfers gegen Thiachloprid, enthalten im Bayer-Mittel "Biskaya", bekannt.

    Um das zu verhindern, werden die Mittel gewechselt -oder auch als Mischung angewendet, am besten noch mit einem Fungizid gegen Weissstänglichkeit, so spart man Überfahrten.

    Es lohnt sich, mal kurz das datenblatt von Biskaya aufzurufen, u.a., neben Verdacht auf Krebserregung steht dort:

    "NN361: ..wird als schädigend für Populationen der Art Coccinella septempunctata (Siebenpunkt-Marienkäfer) eingestuft.
    NN370: ...wird als schädigend für Populationen der Art Chrysoperla carnea (Florfliege) eingestuft.
    NN3842: ...schädigend für Populationen der Art Aphidius rhopalosiphi (Brackwespe) eingestuft.
    NN410: Das Mittel wird als schädigend für Populationen von Bestäuberinsekten eingestuft. Anwendungen des Mittels in die Blüte sollten vermieden werden oder insbesondere zum Schutz von Wildbienen in den Abendstunden erfolgen."

    Und dann, man traut den Augen nicht:

    "NB6641: Das Mittel wird bis zu der höchsten durch die Zulassung festgelegten Aufwandmenge oder Anwendungskonzentration, falls eine Aufwandmenge nicht vorgesehen ist, als nicht bienengefährlich eingestuft (B4)."

    Das Datenblatt steht auf der Seite des "Bundesamt für Verbraucherschutz und lebensmittelsicherheit". Ich möchte das nicht kommentieren, aber wer die Verantwortung trägt ist dadurch sichtbar.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bt-Mais..."
  1. ... von Pflanzenschutzmitteln (PSM)in der Landwirtschaft. Und deren Auswirkungen auf die Bienen. Ich lese in den bisherigen Kommentaren sehr viel Unwahres. Das wundert mich nicht weiter, in einem Forum wie diesem erwarte ich nichts anderes. Wenn ich auch nur einen der Mitdiskutierenden dazu bewegen kann sich folgenden Link einmal etwas genauer anzuschauen, wäre ich sehr zufrieden. Unter dem Link finden sie die Ergebnisse einer 5 jährigen Erhebung zum PSM Einsatz in Deutschland mit ca. 45.000 erhobenen Einzeldaten.

    Um die Ergebnisse auf eine provokante Art und Weise schmackhaft zu machen, hier ein Vergleich aus den Ergebnissen: Im Bio-Spargel wird mehr gespritzt als im konventionellen Mais.

    Alles nachzulesen in den Ergebnissen aus der vom deutschen Steuerzahler finanzierten Studie:
    http://www.nap-pflanzenschutz.de/indikatoren-und-analysen/behandlungsind...

    Alles durchgeführt im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmittel.

    Mit Gruß,
    Flaemingslord

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 18:44 Uhr

    was ist unwahr?

    • Peugeot
    • 17. Januar 2013 19:10 Uhr

    und hatte letztens auch das Vergnügen, mit einer Technologin, deren Betrieb Pflanzenschutz als Lohnarbeit anbietet, zu sprechen.

    Die allermeisten arbeiten professionell, müssen es auch, jede zusätzliche Überfahrt kostet Geld, die Mittel sowieso.
    Sie kennen genau die Windgeschwindigkeiten, bis zu denen sie spritzen dürfen und welche Abstände sie zu Gewässern einzuhalten haben. Manche fragen sogar nach Bienenständen im Spritzgebiet. Sie haben Vorschriften parat, welche Tankmischungen von "nicht bienengefährlichen" Stoffen als Mischung dann die B4 verlieren usw....

    Das Problem, dass im Datenblatt von Biskaya, siehe mein Beitrag #31, offen zutage tritt, wird aber auch durch die professionellste Arbeitsweise nicht ausgeräumt. Es haut bereits die Risikobewertung bei Zulassung nicht hin, wenn die Diskrepanzen in der bewertung der Schädlichkeit selbst für einen absoluten Laien sichtbar sind. (Schädigend für ... Bestäuberinsekten - aber nicht Bienengefährlich)

    Da fragt man sich dann doch, wer -und warum man- solchen Unsinn verzapft.

    hm reingeschaut habe ich das ist jetzt also ein index mit zahlen besonders schlau werde ich daraus nicht ....

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service