Wettervorhersage : Fünf Tage bis zum Orkan
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Je näher das Unwetter, umso deutlicher die Warnung

 Wie gut man ein Unwetter vorhersagen kann, hängt auch von seinen Ausmaßen ab. "Je größer der Sturm ist, desto leichter und früher erkennen wir ihn", sagt Gerhard Lux, Meteorologe und Sprecher des DWD. Kräftige Winterstürme wie Kyrill können sich über tausend Kilometer ausdehnen und sind daher für die Prognose kein prinzipielles Problem mehr.

Sobald sich die Hinweise in den Computersimulationen verdichten, dass ein Sturm bevorsteht, wird diese Information in die Wochenvorhersage Wettergefahren Deutschland des DWD aufgenommen. Diese Meldungen kann man abonnieren. "Dafür interessieren sich zum Beispiel Veranstalter von Freiluftkonzerten", sagt Lux. Die Veranstalter wollen ja nicht ihre Bühne und die Festzelte davonfliegen sehen. Doch weil Prognosen über fünf Tage oft noch sehr unsicher sind, drücken die DWD-Fachleute so frühe Warnungen entsprechend vorsichtig aus.

Konkreter werden die Warnungen ungefähr drei bis vier Tage vor dem Sturm. Dann gibt es deutlichere Meldungen. Sie gehen auch an andere Kunden des DWD, zum Beispiel Leitstellen für Feuerwehren oder Behörden. Außerdem wird schrittweise die Öffentlichkeit alarmiert. Zwei Tage vor dem Sturm laufe die Warnmaschinerie auf Hochtouren, sagt Lux. Auf den Warnseiten des Wetterdiensts wird das Unwetter spätestens 24 bis 36 Stunden vor seinem Eintreffen eingeblendet. Youtube bekommt einen Videoclip, und auch andere Infokanäle wie Facebook, Twitter und SMS werden bedient.

Währenddessen verfolgen die Meteorologen, wie sich die Computerprognosen des Sturmes von Tag zu Tag verändern. Ob der Sturm katastrophal oder eher harmlos ausfallen wird, lässt sich häufig einen Tag vor seinem Eintreffen entscheiden. Kurz vor dem Unwetter helfen die Rechnungen dann nicht mehr weiter. Denn die Simulationen beim DWD liefern nur alle drei Stunden Ergebnisse. In der Restzeit kurz vor dem Sturm sind die Fachleute weitgehend auf die einlaufenden Beobachtungen angewiesen, nicht nur von Satelliten, sondern auch von Bodenstationen. "Nowcasting" ("Jetztvorhersage") nennt man die Vorhersagearbeit in diesem Zeitraum.

"Bei neuen Meldungen über den Sturm können die Warnungen dann noch einmal herauf- oder herabgestuft werden", sagt Lux. Auch die erwartete Zugbahn werde womöglich korrigiert. Grundsätzliche Änderungen gibt es zu diesem Zeitpunkt aber nur noch selten. Dafür sind die Modelle inzwischen zu gut.

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