Bioeier-Betrug : Auch Öko-Kontrollen haben Schwachstellen

Selbst auf das recht strenge EU-Siegel für Eier aus ökologischer Landwirtschaft ist kein Verlass. Angekündigte Kontrollen machen es Bauern leicht, die betrügen wollen.
Hennen in der Massentierhaltung auf einer Hühnerfarm © Fabrizio Villa/AFP/Getty Images

Dicht gedrängte Legehennen, mit Kot bedeckte Betonböden und blutig gepickte Gefieder: Bilder von Hühnern aus Massentierhaltung können den Appetit auf das Frühstücksei schnell verderben. Um ihr Gewissen zu beruhigen, entscheiden sich deshalb immer mehr Verbraucher beim Kauf für Eier aus Freilandhaltung. Diese Eier kosten zwar ein paar Cent mehr, dafür haben die Hennen aber mehr Platz im Stall und besseres Futter – so schreibt es jedenfalls die EG-Öko-Basisverordnung vor, die die Bedingungen der Ökolandwirtschaft gesetzlich regelt.

Wie der jüngste Betrugsfall zeigt, scheint allerdings nicht einmal auf das dazugehörige europäische Ökosiegel Verlass zu sein – das Logo dazu ist ein weißes Blatt aus Sternen auf grünem Grund. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg weisen daraufhin, dass Millionen von Eiern als Bioeier mit diesem EU-Siegel in den Handel gelangt sind, die den Kriterien der ökologischen Landwirtschaft nicht genügen. Hauptkritikpunkt sind die Belegungszahlen: Die rund 150 betroffenen Bauern sollen Hennen in völlig überfüllten Ställen gehalten haben. Zudem sollen die Tiere – entgegen der EG-Verordnung – zu viel konventionelles Mastfutter bekommen haben.

Die Schuld sieht Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner bei den Kontrollstellen der Bundesländer. Sie sind dafür verantwortlich, einmal im Jahr Standardkontrollen auf allen deutschen Ökofarmen durchzuführen. Dabei müssen die zertifizierten Ökobauern nachweisen, dass sie sich tatsächlich an die Bedingungen der EG-Verordnung halten – also etwa, dass sie ihre Tiere  zu mindestens 95 Prozent mit Biofutter versorgen, nicht mehr als 3.000 Legehennen pro Stall halten und auf einem Quadratmeter höchstens sechs Hennen leben. Hühnerfarmen, die dieser Prüfung nicht standhalten, verlieren ihr Zertifikat und somit das Recht, ihre Ware mit dem EU-Biosiegel auszuzeichnen.

Diese Standardkontrollen haben in der Tat zwei große Schwachpunkte: Erstens richten sie sich vor allem nach den Rechnungen und Lieferscheinen, die die Bauern den Kontrolleuren vorlegen. Das bedeutet: Wenn ein Bauer Nicht-Biofutter oder zu viele Hühner bestellt, wird er die entsprechenden Belege womöglich lieber unterschlagen. Zweitens finden die Kontrolltermine vor Ort zu angekündigten Terminen statt, auf die sich die Landwirte vorbereiten können. "Das gibt ihnen die Chance, den einen oder anderen Sack konventionelles Mastfutter verschwinden zu lassen", sagt Öko-Kontrolleur Wolf Rum von der Kontrollstelle BCS Öko-Garantie GmbH.

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