Pferdefleisch-SkandalFleisch muss wieder Luxusgut werden

Schärfere Kontrollen für Fleisch sind sinnvoll, aber nicht die Lösung. Wir müssen bereit sein, wieder mehr Geld für Fleisch auszugeben, kommentiert Lydia Klöckner. von 

Seit in Produkten mehrerer deutscher Supermarktketten Pferdefleisch gefunden wurde, ist die Empörung der Verbraucherschützer groß: Die "kriminellen Betrüger" hätten "eine ganze Branche in Verruf gebracht", sagt Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Man müsse ihnen das "Handwerk legen", wettert der EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg. Die "Machenschaften" gehörten "mit aller Energie verfolgt und bestraft", stimmt auch die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich ein und plädiert dafür, die Übeltäter an den "Pranger" zu stellen.

Die Wut der Politiker ist berechtigt. Natürlich ist es Betrug, billiges Pferdefleisch als Rindfleisch zu verkaufen. Härtere Strafen, schärfere Kontrollen und eine strengere Überwachung der Lieferwege können das Problem vorübergehend aus der Welt schaffen. Allerdings stützen sich diese Maßnahmen auf die Annahme, die Schuld an dem Debakel treffe allein die profitgierigen Händler. Uns Verbraucher dagegen spricht man mit Begriffen wie "Betrug" oder "Verbrechen" von aller Verantwortung frei. So nehmen wir eine Opferrolle ein, die uns eigentlich nicht zusteht.

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Denn wie auch schon der Dioxinskandal im vergangenen Frühjahr zeigt das Pferdefleisch-Debakel abermals, dass mit unserem Kaufverhalten etwas nicht stimmt: Wir konnten zwar nicht ahnen, woher das Fleisch in der Tiefkühllasagne stammte. Wir hätten auch nicht wissen müssen, dass Etiketten gelogen haben. Doch uns hätte zumindest erstaunen müssen, dass es Lebensmittelherstellern gelingt, Fleischkost für weniger als zwei Euro zu produzieren. Dass es allein rund 1.200 Euro kostet, ein Rind zu mästen, zu schlachten und zu Hack zu verarbeiten, muss der Käufer nicht einschätzen. Dass mit den Dumpingpreisen der Supermärkte etwas nicht stimmt, ist aber offensichtlich – dazu muss man sie nur mit den Fleischpreisen regionaler Metzger vergleichen. 

Vermutlich treibt uns also nicht die Unwissenheit dazu, Billigfleisch zu kaufen. Wir weigern uns schlicht, Fleisch als das anzuerkennen, was es ist: ein Luxusgut. Wenn wir Discount-Bratwürste für 70 Cent, Billig-Bolognesesoße für 99 Cent oder Räucherlachs für 2,50 Euro kaufen, sagen wir damit auch: Sie sind nicht mehr wert. Täglich billiges und leckeres Fleisch zu konsumieren, scheinen wir als Grundrecht zu betrachten. Um nicht darauf verzichten zu müssen, kaufen wir lieber täglich Billigfleisch als einmal pro Woche gutes. So ist es kein Wunder, dass der Druck auf die Hersteller steigt, noch mehr Tiere für noch weniger Geld auf noch weniger Platz zu halten. Oder das Fleisch zur Not mit dem rund viermal billigeren Pferdefleisch zu strecken.

Schuld am Pferdefleisch-Betrug sind also zweifellos die Hersteller. Doch auch der Verbraucher sollte sich bewusst machen, dass er beim Kauf eine Verantwortung trägt und den Machenschaften der Lebensmittelindustrie nicht hilflos ausgeliefert ist. Er muss hinterfragen, wo sein Essen herkommt und sein Bewusstsein für den Wert von Fleisch und Tierprodukten schärfen. Vor allem aber muss er sich klarmachen, dass Billigpreise selten ein glücklicher Zufall sind, sondern meistens ein Zeichen dafür, dass in der Handelskette jemand zu kurz gekommen ist – entweder die Zwischenhändler, die Tiere oder die Fleischqualität.

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Leserkommentare
  1. Wenn man endlich dafür sorgt, dass es sich nicht lohnt, Fleisch das nicht für den Verzehr bestimmt ist, in den Umlauf zu bringen, werden Qualität und Preis steigen.

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    Der Artikel hat es genau richtig erkannt! 100% agree.

    • 可为
    • 18. Februar 2013 19:13 Uhr

    Fleisch ist Luxusgut, genau deswegen gibt es ja diese ganzen Skandälchen - wenn es wertlos wäre, würde sich niemand die Mühe für so etwas machen.
    Es ist schon immer Luxusgut, es fehlt nur am Bewusstsein dafür, wieviel dieses Luxusguts man für ein paar Euro bekommt - bzw. was man da wirklich bekommt, wenn es nur derart wenig kostet.

    Ich persönlich habe kein Problem damit derartiges zu essen, bin mir aber auch bewusst, dass es dem entsprechend einfach nichts tolles sein kann...

    14 Leserempfehlungen
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    Ein Pferd ist weniger wert als eine Kuh? Gibt es einen "Pferdeüberschuss" in Europa oder wieso verwendet man ausgerechnet Pferdefleisch als "Streckmittel"?

    Sie schreiben: "Fleisch ist Luxusgut". Ich antworte: Je nach dem!

    Kaufen sie beim Metzger, der in der Tat noch selber schlachtet, könnten Sie recht haben. Wobei es dann egal ist, ob Sie Huhn, Pute, Schwein, Rind, Kalb, Pferd oder Lamm kaufen.

    Kaufen Sie beim Metzger an der Theke können Sie manchmal schwerlich entscheiden, wo es geschlachtet wurde, ob es schon mal eingefroren war und wie lange es liegt. Luxusgut? Eher nicht.

    Kaufen Sie es als Bestndteil von einem Fertiggericht können Sie davon ausgehen, dass es Massenware ist ohne jede Chance zu beurteilen, wie "lueriös" der Fleischanteil ist. Luxus? Sicher nicht.

    Wenn dann bei der Lagsagne (oder Fertigbolognese oder wo immer Hack drinn verarbeitet ist) auf die 500 Gramm Packung Netto 25 Gramm Restfleisch nach Zubereitung übrig bleibt, dann mag sogar dieser bescheidene Anteil bezogen auf den Preis der Fertigware von 2-3 Euro teuer sein, kaufen Sie nur wegen dem sogenannten Fleischanteil. Beim Metzger bekommt man ca 100 Gramm für deutlich unter einem Euro und es ist dann ausgewählte Ware aus der Theke und frisch vom "Wolf".

    Darf man die Frage stellen? Was ist eigentlich Luxus und ab wann wird der Griff zum Luxus zur kleinen Dummheit?

  2. "Wir müssen bereit sein, wieder mehr Geld für Fleisch auszugeben"

    Solche Kampagne gibt es schon, nennt sich "Bio" und dafür gibt es diverse Sigel die das Fleisch um ca. 40% teurer werden lässt.

    "Vermutlich treibt uns also nicht die Unwissenheit dazu, Billigfleisch zu kaufen."

    Nein, vermutlich treibt es viele Leute dazu weil sie sich nunmal kein Luxus-Bio-Import Fleisch leisten können, bspl. Hartz IV, was soll man essen?
    Da kann man auch auf die Packung schreiben "Diese Kuh hieß Ilse und lebte unter schrecklichen Bedingungen", keiner hungert aus Mitleid.

    "Er muss hinterfragen, wo sein Essen herkommt und sein Bewusstsein für den Wert von Fleisch und Tierprodukten schärfen."

    Ich als Verbraucher muss nichts hinterfragen, denn dafür haben wir diverse Ministerien und Ämter, das Verbraucherschutzamt und Landwirtschaftsministerium muss dafür sorge tragen das ich - der Verbraucher - keine Cholera o.ä. bekomme.

    Zum anderen kommt jährlich ein Lebensmittelskandal, letztes Jahr waren es verseuchte Sojasprossen, und auch der armen Gurke wollte man die Schuld geben. Fleisch ist also nicht per sé immer ein Skandal.

    Auf der anderen Seite gibt es wundervolle EU-Gesetze die ebenfalls alles regeln, so das in einer Kalbsleberwurst, nichtmal Kalbsleber drinne sein muss, wieso muss also im Rindfleisch Rind drinne sein?
    Wo also die Profitgier der Hersteller beginnt, hört die Logik des Gesetzgebers auf.

    94 Leserempfehlungen
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    ganz einfach Bio-Fleisch vom Bauern um die Ecke aus dem Hofladen oder aus dem nächsten Bio-Laden zu kaufen. - Die inhaltliche Energie-Rechnung für dieses Fleisch (ohne das Zusatz-Plus des kurzen Weges oder der Hofschlachterei ohne Streß) läßt den Preis pro Energiesumme purzeln. - Sprich: das Billig-Fleisch füllt nur für kurze Zeit den Magen, strapaziert alle Verdauungsorgane und ergibt nur einen Bruchteil der Energie, als wenn ein weniger großes Stück Bio-Fleisch gegessen worden wäre. - Was ist denn jetzt preisgünstiger? -

    muss bei uns auch keiner aus Mitleid hungern. Es gibt schließlich auch noch andere Lebensmittel als Fleisch.

    Ein Grundrecht auf 3x täglich Fleisch gibt es allerdings nicht, auch wenn der Gesetzgeber mit immensen Subventionen und kaum der Rede werten Tierschutzbestimmungen sein möglichstes tut, es so darzustellen.

    Nein, müssen Sie nicht.

    Wenn Sie's nicht trotzdem ganz freiwillig tun, haben Sie aber auch kein Recht zu jammern wenn Sie beschissen werden...

    Wer glaubt, er habe ein Recht darauf, daß andere Verantwortung für sein Tun übernehmen, der hat vom Leben noch viel weniger als fast garnichts verstanden!

    Au weia. Wenn Sie statt täglich mehrmals Fleisch und Wurst nur 3 mal die Woche und schon können Sie sich beim gleichen Budget doppelt oder dreifach so teures Fleisch leisten ...

    • Xarx
    • 18. Februar 2013 21:08 Uhr

    Ja sie haben Recht, Biofleisch ist nicht billig. Aber wie bereits erwähnt wurde gibt es kein Recht darauf jeden Tag Fleisch zu konsumieren, weswegen ich den Artikel auch nur begrüße: der Fleischkonsum unserer Gesellschaft muss bewusster und damit vor allem nachhaltiger werden.

    Desweiteren sind die geringen Ausgaben für Lebensmittel eindeutig ein deutsches Phänomen: verglichen mit anderen europäischen Ländern geben die Deutschen mit den niedrigsten prozentualen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Und das liegt ganz sicher nicht daran, dass hier nur Hartz-IV-Empfänger leben...

    Ja die Politik hat natürlich die Aufgabe des Verbraucherschutzes. Aber mal davon abgesehen, dass kein Mensch und damit auch die Politik nicht unfehlbar ist wissen wir alle welche Fehler sich die Bundesregierung in der Vergangenheit (nicht nur bzgl. des Verbraucherschutzes) geleistet hat. Und da wollen sie tatsächlich ihre vollständige Verantwortung als Konsument abschieben?!
    Diese Thematik umfasst ja dazu deutlich mehr als nur die Lebensmittel. Was ist z.B. mit Kleidung? Gehen sie auch zu Kick und erwarten sie, dass die Regierung Mindestlöhne für die Arbeiter in Bangladesh durchsetzt?
    So einfach ist die Welt nun mal nicht, denn letztendlich ist schließlich jeder für seine eigenen Handlungen verantwortlich.

    Es ist schon sehr vielsagend wie vehement hier das Recht auf täglichen Fleichverzehr verteidigt wird, gerne auch mit Benutzung der "Armen" als Schutzschild für die eigene Argumentation. Wenn man jedoch bedenkt, dass nur ca. 10-20% unserer Nahrung fleisch- oder wursthaltig sein sollte um gesund zu sein, die Mehrheit dieses Verhältnis jedoch schlicht umgekehrt lebt, wirkt es recht albern zu argumentieren Menschen würden hungern wenn es kein Billigfleisch gäbe!

    Bei jeder Diskussion über Billigwaren (Kleidung, Konsumgüter, Essen) kommt dieses abgedroschene Hartz IV und Billiglöhner Argument. Das nervt!

    Die überwiegende Mehrheit der Deutschen lebt nicht von Hartz IV und Billiglohn, sie leben gut und können es sich leisten. Es sind immernoch Millionen von Menschen, die sich ohne Probleme ein Rinderfilet von einem richtigen Metzger leisten können und nochmals Millionen sind in der Lage ordentliches Hackfleisch kaufen.

    Ich habe dazu jetzt keine Zahl, aber es sind sicherlich mehr als 10 Millionen Haushalte, die beim Essen nicht sparen müssen und viele davon tun dies trotzdem!

    Die Menschen müssen endlich wieder begreifen, dass man sich gut qualitativ gut ernähren muss. Niemand würde normales Benzin in einen Porsche füllen, sondern tankt Super Plus, V-Power oder ähnliches. Selbst ein Golf bekommt meistens Super 95 statt E10! Mein Körper ist mir Wert als ein Porsche und mein Benzin ist mein Essen. Daher tanke ich keinen Mist, sondern achte auf Qualität.

    Als arbeitender Student habe ich ca 1400 Euro im Monat. Fertiggerichte kommen mir nicht ins Haus und Fleisch wird niemals beim Discounter gekauft. Diese "Ich muss bei Kik/Aldi/Primark kaufen" ist ein selten dämliches Argument.
    Qualität siegt immer über Quantität und weniger ist mehr.

    (Ja ich weiß es gibt Ausnahmen, aber definitiv die Minderheit!)

    • 15thMD
    • 18. Februar 2013 22:51 Uhr

    "bspl. Hartz IV, was soll man essen?"

    Der Autor findet: Kein Fleisch, da es Luxusgut sein soll. Das ist der Inhalt des Artikels, sogar der Überschrift.

    Wenn hier im nächsten Artikel die Beluga-Kaviarpreise als zu niedrig angesehen werden, dann werden Sie wahrscheinlich schreiben: "Nein, vermutlich treibt es viele Leute dazu weil sie sich nunmal kein Beluga-KAVIAR leisten können, bspl. Hartz IV, was soll man essen? ... keiner hungert aus Mitleid."

    Sie und Ihre 30 Bewertungsmitstreiter scheinen mit dem Lesen nicht über das erste Wort ("Fleisch") der Überschrift hinaus gekommen zu sein. Sonst hätte sich der Kommentar von Anfang an erldeigt. Es ist doch Unsinn zu behaupten, dass Menschen hungern müssen, weil sie kein Billigfleisch mehr essen.

    Zum Artikel:

    Vielleicht wäre es schoneinmal ein erster Ansatz, wenn Kuhmilch und Fleisch nicht mehr so weit subventioniert werden, dass sie billiger als entsprechende Soja-, Weizenprodukte etc. sind. Das ist für mich kompletter Irrsinn und nicht nachvollziehbar. Mit der der Menge an Soja, die eine Kuh frisst um 20 Menschen zu ernähren, könnte man wahrscheinlich das 10-fache an Menschen mit entsprechenden pflanzlichen Produkten versorgen.
    Ich bin auch kein Vegetarier und niemanden missionieren. Aber mir gefällt diese Marktverzerrung nicht. Das geht nur auf Kosten der Umwelt und der 3. Welt.
    Wo ist die FDP, wenn man sie mal braucht? Das würde wirklich mal der Markt regeln.

    Das Argument, dass das Geld für teures Biofleisch zu knapp sei, ist meines Erachtens zu einfach. Ich lebe auch von sehr wenig Geld und habe kein Einkommen und kaufe eben nur alle zwei Monate überhaupt mal Fleisch und kenne viele Tricks für billige Rezepte. Wenn ich Fleisch kaufe, dann will ich auch gutes und gebe dann eben auch fünf Euro für zwei Hähnchenschenkel aus. Was der Artikel sagen möchte ist: Man braucht eben nicht jeden Tag Fleisch, auch nicht jede Woche. Wenn wir's doch wollen und auch noch billig, gibt's halt irgendwann Pferd.

    waschen auch Sie Ihre Hände in Unschuld.

    Zitat:
    Ich als Verbraucher muss nichts hinterfragen, denn dafür haben wir diverse Ministerien und Ämter, das Verbraucherschutzamt und Landwirtschaftsministerium muss dafür sorge tragen das ich - der Verbraucher - keine Cholera o.ä. bekomme."

    46 Empfehlungen für Ihren Beitrag verschlagen mir fast die Sprache. Des Volkes Meinung scheinen Sie offensichtlich getroffen zu haben. Sie verstecken sich also auch unterm Tisch, wenn eine Atombombe explodiert, weil man da gut geschützt ist. Die massive Vergiftung von 200000 Deutschen in den 80er Jahren durch den Schutzanstrich Xyladecor(Bayer) ist Ihnen wahrscheinlich nicht bekannt. Gammelfleischskandale etc. scheinen bei Ihnen spurlos verpufft zu sein.

    Statt sich zu engagieren, greifen Verbraucher lieber bequem zu einem billigen und geringwertigen Lebensmittel. Das ist ja auch viel bequemer. Denn selbst Kochen möchte man anscheinend auch nicht, wenn man zu einer Lasagnepackung greifen muß. Übrigends ist das im Verhältnis nicht billiger, sondern teurer als selbstgemachte (mit konventionellen Produkten). Selbstachtung kann ich hier nicht viel erkennen. Das hat die Politik schon lange kapiert. Deshalb wird sich so schnell nichts ändern.

    Leider sind in Deutschland nahezu alle für die Sicherheit des Verbrauchers relevanten Werte von den Ämtern viel zu hoch angesetzt. Oft um beträchtlich mehr, als von ausgewiesenen Experten als unschädlich angesehen wird.

    Nirgendwo steht in Stein gemeißelt, dass der Mensch täglich Fleisch essen muss. Es gibt in Deutschland eine wachsende Zahl an Vegetariern und Veganern, die keineswegs alle krank sind.
    Es besteht auch keine Notwendigkeit, billige Fertigprodukte zu kaufen und zu verzehren. Denn selbst die Lasagne ist frisch gekocht günstiger als das Fertigprodukt. Ja, es ist aufwendiger, frisch zu kochen. Aber wer es wagt wird belohnt – mit besserem Geschmack und besserem Inhalt! Wer das beherzigt, kann auch einmal die Woche Bio-Fleisch essen.

    • sxouk2
    • 19. Februar 2013 10:10 Uhr

    "Nein, vermutlich treibt es viele Leute dazu weil sie sich nunmal kein Luxus-Bio-Import Fleisch leisten können, bspl. Hartz IV, was soll man essen?"

    Halt alles was nicht Fleisch ist.

    Wenn man sich ein Gut nicht leisten kann, dann kauft man es nicht.

    Wenn man einen Porsche so lange streckt, bis er nur noch von außen wie ein Porsche aussieht und innen wie ein Lada, dann argumentiert man auch nicht damit - was soll man fahren?

    • Salagne
    • 19. Februar 2013 11:11 Uhr

    JEDER kann sich teures Biofleisch leisten, wenn er es in dem Maße konsumieren würde, wie es auch gesund wäre. Nähmlich einmal pro Woche.

    Aber klar wenn man natürlich jeden tag unmengen an Wurst und Fleisch konsumieren muss, bis man übergewicht hat (immerhin 50% der Deutschen), dann geht das nicht.

    Ganz besonders gefällt mir der Satz: "Ich als Verbraucher muss nichts hinterfragen, denn dafür haben wir diverse Ministerien und Ämter,"

    Das letzte mal als in Deutschland nichts mehr hinterfragt wurde, was der Staat uns erzählte, ging das aber ganz schön in die Hose.

    Wenn ich mal dran erinnern darf: 2012 wurden Rinder in NRW notgeschlachtet, weil Dioxin gefunden wurde. Pointe: Biohaltung.
    Nicht aus der Billigmassenhaltung, sondern Luxus, wie von der Zeit gefordert.

    Ich behaupte, auch Menschen die von Hartz 4 Leben müssen, können sich einmal in der Woche ein ordentliches, hochwertiges Steak erlauben, das unter kontrollierten Herstellungsprozessen in den Supermarkt oder zum örtlichen Metzger gelangt ist.

    "Humanist", wer nicht "aus Mitleid" hungert und mit vollem Bewusstsein billiges Fleisch kauft, darf sich über Mängel nicht beschweren.
    Der Einkauf billigen Fleisches ist eine Einwilligung in abartige Tierhaltung, Pfuscherei beim Essen und Lebensmittelskandale, und diese Einwilligung nimmt berechtigt demjenigen den Anspruch, sich nachher darüber zu beklagen.

    Das Vertrauen auf Ämter scheint anständig, aber in einem globalisierten Zeitalter leider weltfremd. Ein Großteil der Lebensmittel wird mit Sicherheit 'streng' kontrolliert (wenn die Ansprüche der Ämter genügen, mit tun sie das nicht), aber auf eigenen gesunden Verstand von Lebensmitteln sollte man dennoch ab und an zurückgreifen können.

    • Stejo
    • 19. Februar 2013 14:27 Uhr

    Entfernt. Kritik und Anmerkungen können sie an community@zeit.de senden. Der Kommentarbereich soll ausschließlich der Diskussion des Artikelthemas dienen. Die Redaktion/mak

    • adreng
    • 19. Februar 2013 14:28 Uhr

    "Nein, vermutlich treibt es viele Leute dazu weil sie sich nunmal kein Luxus-Bio-Import Fleisch leisten können, bspl. Hartz IV, was soll man essen?
    Da kann man auch auf die Packung schreiben "Diese Kuh hieß Ilse und lebte unter schrecklichen Bedingungen", keiner hungert aus Mitleid."

    Sie gehen also davon aus, dass man unbedingt Fleisch essen müsse?

    Ich persönlich würde sowieso keinem Label trauen und esse seit 30 Jahren kein Fleisch. Aber wer die schlimmen Zustände in der tierquälerischen Massentierhaltung ablehnt, aber daran glaubt, dass teureres Fleisch ethisch eher vertretbar ist, hat ja die Wahl, entweder viel Geld für Fleisch aus Freiland-Haltung auszugeben (normale Bio-Label bezeichnen oft nur leicht mildere Formen von Massentierhaltung) oder eben vegetarisch (oder noch besser vegan) zu leben. Das ist zwar nicht unbedingt billiger als eine ungesunde Ernährung mit verarbeiteten Produkten mit Billigfleisch, aber auch nicht unbedingt teurer und viel billiger als der Kauf von teurem Fleisch und Milch aus Freilandhaltung, was tatsächlich Luxusprodukte sind. Aber über den hohen Preis muss sich niemand beklagen, es gibt ausgezeichnete pflanzliche Lebensmittel, die billiger sind.

  3. Der Artikel hat es genau richtig erkannt! 100% agree.

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    Also die Aussage "Dass mit den Dumpingpreisen der Supermärkte etwas nicht stimmt, ist aber offensichtlich – dazu muss man sie nur mit den Fleischpreisen regionaler Metzger vergleichen." halte ich fuer mutig. Denn dann moege uns die Autorin bitte auch sagen, was der adaequate Preis, der solche Taten verhindert ist. Und hat nicht gerade die Finanzkrise gezeigt, dass die Gier von Menschen unbegrenzt ist? Wieso muss man annehmen, dass ein hoeherer Preis auch Qualitaet garantiert? Also es hilft nur vollkommene Transparenz oder man wird Vegetarier.

    • msknow
    • 19. Februar 2013 5:29 Uhr

    Ein entschlüpftes Wort interner Marketing-Terminologie: Der Verbraucher. Vom Konsumenten zum Verbraucher.
    Und wer dann noch der Schutzbehauptung der Lobbyverbände glaubt, der Verbraucher allein hätte die Verantwortung, dem kann man doch echt Alles verkaufen. Verantwortung kann ich nur für etwas einstehen, an dessen Prozess ich teilgenommen habe. Wir "Verbraucher" stehen aber ganz hinten. Da will jemand schön die rechtliche Verantwortung auf uns abwälzen und diejenigen, die glauben, immer und in allem mit freiem Willen zu handeln, fühlen sich dann handlungsmächtig.
    Sie würden sich doch auch nicht einreden lassen, für die Erhöhung der Strompreise verantwortlich zu sein.

    Sie glauben wirklich das sich die kriminelle Energie von Straftätern in wohlgefallen auflöst, wenn diese einen noch höhere Betrag durch Betrug ergaunern können.

    Hab zwar schon Pferde kotzen gesehen, aber so einen Gesinnungswandel von Kriminellen kann ich ihnen leider nicht bestätigen.

    Die schlechten Beispiele, die durch manche kriminelle Gutverdiener aus Politik und Wirtschaft schon abgeben wurden, zeigen leider ein gänzlich anderes Bild.

    Die Bereitschaft zur Strafbaren Handlung steigt mit der Höhe der zuerwartenden "Beute" !

    Ist wie ein Naturgesetz.

    Dort wo Menschen sind, dort ist auch Schwäche.

    • Otto2
    • 19. Februar 2013 17:33 Uhr

    Weil die Verbraucher billiges Fleisch kaufen, sind sie angeblich irgendwie mitschuldig an den Betrügereien von Produzenten.
    Wie tragfähig dieses Argument ist, lässt sich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen:
    Sie fliegen mit einer Billiglinie von Frankfurt nach London. Die Maschine stürzt ab. Ihre Frau liest dann außer der von ihr aufgegebenen Todesanzeige für Sie in der ZEIT auch noch einen Beitrag, in dem steht, dass man natürlich bei einer Billiglinie damit rechnen müsse, dass es eher zu Unfällen kommen kann.
    Provozierend das Beispiel? Sicher. Die Logik der Argumentation wäre aber die gleiche, wie wir sie in obigem Artikel und in verschiedenen anderen Medien lesen können.

  4. Als wenn es so einfach wäre: teurer gleich besser und keine Lebensmittelskandale mehr.
    Recherchieren Sie lieber mal, wie Preise entstehen: da werden Sie leicht feststellen, dass gerade die Supermarktketten Fleisch als Lockvogelangebot unter Einkaufspreis anbieten um die Kunden in die Läden zu locken.
    Geld wird dann mit anderen Mitnahmeprodukten verdient.
    Und "teuer" schützt nich automatisch vor Skandalen!!

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    Es gibt ein Verbot zum Dauerhaften Verkauf unter Einstandspreis.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Einstandspreis#Verbot_des_Verkaufs_unter_Ei...

    Das wird nur in Ausnahmefällen genehmigt und wenn 3 x im Jahr schon als Bruch der Ausnahmeregel gilt, rechnet sich das einfach nicht.

    Und die "Schuld" sollten wir ruhig bei den Betrügern lassen und nicht immer reflexartig nach Erklärungen suchen, warum die armen Schweine uns betrügen.

    Der Rohölpreis hat sich, reingerechnet, in den letzten 5 Jahren kaum erhöht, trotzdem gehen die Benzinpreise durch die Decke !
    Wenn also das Fleich teurer wird, erhöht sich nur der Reibach, sonst nichts !

    • fsechs
    • 18. Februar 2013 19:17 Uhr

    "Wir müssen bereit sein, wieder mehr Geld für Fleisch auszugeben"

    Für viele Menschen stellt sich diese Frage nicht, ob sie bereit sind, mehr Geld für Fleisch auszugeben, da sie nicht mehr Geld dafür haben. Da ist dann höchstens die Frage: Fleisch oder kein Fleisch.

    Die Aufrufe in dem Artikel, das Essen wieder mehr wertzuschätzen, gehen daher an der Realität vorbei.

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    • Kelhim
    • 18. Februar 2013 20:00 Uhr

    Wer ein kleines Budget hat und an sieben Tagen in der Woche Fleisch isst, weil er (vermeintlich "gezwungenermaßen") nach den billigsten Angeboten greift, muss damit rechnen, vielleicht nicht immer, aber sehr oft Fleisch mit schlechter Qualität zu sich zu nehmen, das zudem unter Tierquälerei produziert wurde.

    Die Alternative wäre weniger, aber besseres Fleisch, das unter besseren Bedingungen produziert wurde.

    Und diese Alternative stellt sich <em>jedem</em>, egal wie viel Geld zur Verfügung steht. Ich kann die Situation einschätzen und habe trotzdem nie komplett auf Fleischkonsum verzichtet.

    • Thesan
    • 19. Februar 2013 1:15 Uhr

    Entschuldigung, aber Ihre Aussage ist irrsinnig. Ich bin Studentin und mir bleibt im Monat abzüglich Miete weniger Geld übrig als einem Hartz 4 Empfänger zusteht.
    Trotzdem kann ich mir Fleisch vom Metzger leisten. Denn ich esse sicher nicht jeden Tag Fleisch, das ist sowohl ungesund als auch unvernünftig.
    Die teuerste Position auf meinem Kassenzettel sind in der Regel die Süßwaren. Wahnsinn was die kosten (besonders im Hinblick darauf, dass es meistens ziemlich viel Chemie ist ;-)), da sind gleich 5-6 € weg wenn man ein paar gute Kekse, Schokolade und Gummibärchen kauft.
    Und Wahnsinn wie billig z.B. Milchprodukte sind. Kein Wunder, dass die Schweizer, Tschechen und Niederländer zu uns über die Grenze fahren und hier einkaufen.

    Ich habe für mich beschlossen, dass ich nicht auf Fleisch verzichten möchte, aber ich will wissen was ich esse und ich will es mit gutem Gewissen essen können. Daher esse ich lieber nur ein oder zwei mal in der Woche Fleisch, weiß aber 100%ig wo es her kommt und kaufe es vom lokalen Bauern. Ich möchte aus Neugierde auch mal selbst schlachten. Wenn ich das kann ohne mich danach beim Anblick von Fleisch übergeben zu müssen, dann weiß ich wenigstens, dass ich dem Tier kein Unrecht tue.

    Apropo, Wurst und Würstchen esse ich überhaupt nicht mehr, da kommt meiner Erfahrung nach das rein, was sonst niemand mehr auch nur anfassen will. Auch beim Metzger. Und das weiß ich aus erster Hand. ;-)
    Dann lieber Räucherschinken oder Geselchtes..

    "Für viele Menschen stellt sich diese Frage nicht, ob sie bereit sind, mehr Geld für Fleisch auszugeben, da sie nicht mehr Geld dafür haben. Da ist dann höchstens die Frage: Fleisch oder kein Fleisch."

    Es stellt sich die Frage: Jeden Tag Fleisch oder einmal die Woche Fleisch. Und die kann sich auch der Hartz IV-Empfänger stellen, wenn er denn wollte;-)

  5. Jetzt wissen wir auch warum die Pferdefleischkriese so hochgekocht wird. Es geht darum Fleisch zu treffen indem man Risiken reinredet.

    Wenn im Apfelkuchen Birnen gewesen wären, hätten wir eine Obstkriese?

    Ich fände es besser wenn die Argumente gegen Fleisch als solche vorgetragen werden, nicht das man Stellverterterargumente benutzt.

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    • meander
    • 18. Februar 2013 21:10 Uhr

    Es geht nicht um Etikettenschwindel. Das ist eben nicht einfach mageres Pferd statt Rind. Hier wurden kontaminiertes Pferdefleisch, Fleisch von getöteten und gedopten Rennpferden als gesundes Rindfleisch verkauft.

    Es geht also um kriminelle Machenschaften, mafiöse Strukturen im Handel. Es geht längst nicht mehr um billiges Fleisch. Es geht um Einkäufer, die vollkommen untealistische Forderungen an den Markt haben, die längst nur noch durch kriminelle Firmen erfüllt werden können. Auch weil die CSU- und FDP-Minister im Sinne der freien Wirtschaft jegliche Durchsetzung von Regeln und Gesetzen verhindern, wodurch jeglicher Markt längst zusammengebrochen ist, stattdessen herrscht das Gesetz der Skrupellosen, denn sie wissen, dass niemand da ist, der sie für die Folgen ihres unlauteren Handelns in die Pflicht nimmt.

  6. Ständig kommt der Einwand, wie auch in diesem Artikel, die Lebensmittel seien zu billig und dies sei ein westlicher Grund für das katastropale Angebot. Dies ist aber eine Klein-Lieschen-Milchmädchenrechnung un beruht auf Uninformiertheit.

    Im Grunde genommen sind Lebensmittel zu teuer und haben in den letzten Jahren gewaltige Preissprünge gemacht. Was billig ist, sind keine Lebensmittel im eigentlichen Sinne, sondern schick aufbereiteter Müll. Zweitens erscheinen Produkte billig, sie haben aber mit der verlautbarten Bezeichnung nur noch wenig zu tun. Bei einem Teil der Lebensmittel (z.B. Fleisch Gemüse)wurden fortwährend z.B. die Wasseranteile erhöht. Man spricht dann von einer produktimmanenten Inflation, die in keiner öffentlichen Verlautbarung erscheint.

    Z.B. richtiges und gutes Fleisch ist sehr teuer: Bei Otto (Otto-Versand) muss man für ein kg Roastbeef schon mal Schlappe 160 Euro hinlegen. Dafür erhält man das in Plastik eingeschweißte Fleisch mit Fettauge, dickem Fettrand und fett marmoriert. Im Prinzip so, wie die Stücke, die vor Jahrzehnten in den Metzgereien für 16 DM das Kilo rumlagen und dann infolge der gesteuerten Fett-Phobie niemand mehr kaufen wollte. Der Markt passte sich dann an und produzierte nur noch das geschmacklose mit Wasser aufgeblähte Rotzeug.

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