Im Fall der möglicherweise falsch deklarierten Bio- und Freilandeier hat Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) vor "Betrug in großem Stil" gewarnt. "Ich erwarte, dass die Justiz diesen Fall zügig aufklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht", forderte Aigner am Rande eines Treffen der EU-Agrarminister in Brüssel. Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft in Oldenburg gegen mehr als 150 Betriebe wegen Betrugs ermittelt.

Aigner sagte, die Firmen könnten nach Angaben der Justiz beim Verkauf von Bio- und Freilandeiern betrogen haben. Die Ermittlungen liefen seit 2011 und seien noch nicht abgeschlossen. Skeptisch äußerte sich die Ministerin zu einer Gesetzesverschärfung. Die Vorgaben an Biobetriebe seien "sehr streng", es nütze nichts, diese immer weiter zu verschärfen.

Die für die Kontrollen zuständigen Bundesländer müssten die Gesetze aber überwachen. Das könne jedoch nicht vom Schreibtisch aus durchgeführt werden, sondern "man muss sich die Betriebe auch mal vor Ort anschauen", sagte Aigner.

Auch FDP und Grüne forderten schärfere Kontrollen. Die frühere Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) sagte, es müsse ein Weg gefunden werden, die Tiere in den Betrieben zu zählen, um Verstöße aufzudecken. Auch sei es wichtig, die Verantwortlichen zu nennen.

Zu wenig Kontrolleure

Die Linkspartei forderte von Aigner, die Verantwortung für die Lebensmittelaufsicht im Bund zu konzentrieren und neu aufzustellen. "Mit immer neuen Aktionsplänen und Selbstlob ist dem systematischen Lebensmittelbetrug nicht beizukommen", sagte die Verbraucherpolitik-Expertin der Linken-Bundestagsfraktion, Karin Binder. Es laufe etwas "grundsätzlich falsch" in der Lebensmittelwirtschaft.

Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie Biobetrieben vor allem aus Niedersachsen sollen als angebliche Bioeier in den Handel gelangt sein. Die Legehennen sollen in überfüllten Ställen nicht so gehalten und gefüttert worden sein, wie es für Bioeier vorgeschrieben ist.

Foodwatch kritisierte die Aufsichtsbehörden. "Das Kontrollsystem hat hoffnungslos versagt", sagte Anne Markwardt von der Verbraucherorganisation. Der Deutsche Bauernverband sprach von "inakzeptablen" Vorwürfen gegen "einige" Landwirte, die Tausende in Verruf brächten. "Vorsätzliche Verbrauchertäuschung ist kein Kavaliersdelikt", teilte dessen Präsident Joachim Rukwied mit.

Nach Angaben des Chefs des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure (BVLK), Martin Müller, fehlen Tausende Lebensmittelkontrolleure. "Wir haben ein Kontrollproblem, so kann der Bürger nicht ausreichend geschützt werden", sagte Müller der Zeitung Die Welt.