ZoologieDer Maulwurf schnüffelt dreidimensional

Fürs räumliche Sehen braucht man zwei Augen, zum Hören in Stereo zwei Ohren. Aber warum haben Säugetiere auch das Nasenloch doppelt? Am Beispiel Maulwurf erklärt es sich. von 

Augen? Ohren? Schaut man dem Ostamerikanischen Maulwurf (Scalopus aquaticus) ins Gesicht, sucht man beides vergebens. Deutlich hervor sticht dafür seine lange, rüsselförmige Nase mit steckdosenähnlichen Nasenlöchern, fast wie bei einem Schwein. Ziemlich klar also, welches Sinnesorgan dem Maulwurf den Weg durch die dunklen Gänge weist, die er sich mit seinen übergroßen Pranken durch die Erde schaufelt.

Zielsicher erschnüffelt Scalopus aquaticus so seine Beute – meist Regenwürmer oder auch Insekten und deren Larven. Aber wie genau findet der Maulwurf sein Futter? Können sich Säugetiere wirklich nur anhand des Geruchs orientieren? Und das auch noch in einem Gängesystem, in dem es neben vor und zurück auch noch die Optionen rauf und runter gibt?

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Der Maulwurfexperte Kenneth Catania von der Vanderbilt University in Nashville wollte das herausfinden. Im Onlinejournal Nature Communications hat er nun das Ergebnis seiner Experimente veröffentlicht: Der Maulwurf braucht beide Nasenlöcher, um Würmer aufzuspüren.

Testessen mit verstopfter Nase

Catania entwarf eine Versuchskammer, in der dem Maulwurf Regenwurm-Stückchen präsentiert wurden. Die Beute wurde auf einem Halbkreis jeweils an verschiedenen Positionen ausgelegt. Um an das Futter heranzukommen, musste das Tier den Kopf durch eine Luke stecken und dann die richtige Richtung erschnüffeln. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera filmte Catania, wie die Maulwürfe schnupperten.

Im ersten Durchgang fanden die Tiere die Regenwurm-Häppchen zielsicher und zeigten dabei für Säugetiere typisches Riechverhalten: Durch kurze rhythmische Atemzüge nahmen sie Witterung auf, machten zwischendurch kurze Schnupperpausen und orientierten sich. So näherten sie sich der Beute, stupsten sie schließlich an und schnüffelten erneut, bevor sie zubissen. "In nur fünf Sekunden entdeckten die Maulwürfe das Futter", sagt Catania.

Dagny Lüdemann
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Dagny Lüdemann leitet das Ressort Wissen, Digital und Studium bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

In einem zweiten Durchgang verschloss der Biologe einigen Tieren mit einem Pfropf ein Nasenloch. Diese Maulwürfe drifteten auf ihrem Weg zum Wurm ab – und zwar immer in die Richtung des freien Nasenlochs.

In einer weiteren Versuchsreihe implantierte Catania den Maulwürfen Plastikröhrchen und lenkte ihre Nasenlöcher damit um. So atmeten die Versuchstiere auf der Suche nach den Regenwürmern mal mit links Luft von rechts ein und umgekehrt. Das verwirrte die Tiere derart, dass sie die Beute nicht mehr sicher aufspüren konnten.

Schnuppern und Orten

Das heißt: Auf der Suche nach Nahrung kombinieren Maulwürfe zwei Strategien. Zum einen schnuppern sie und nehmen damit kontinuierlich Geruchsproben, um Art und Ort der Beute zu bestimmen. Je näher sie dem Regenwurm kommen, desto kräftiger der Geruch. Zum anderen verschaffen sie sich durch das Riechen durch zwei Nasenlöcher einen räumlichen Eindruck von der Position der Beute. Sie riechen also in Stereo.

Kenneth Catania ist überzeugt, dass sich seine Ergebnisse verallgemeinern lassen. "Andere Säugetiere wie Hunde oder Schweine, die sich erheblich auf ihren Geruchssinn verlassen, könnten diese Fähigkeit auch haben", sagt er.

Im Vergleich zum Ostamerikanischen Maulwurf können diese Tiere allerdings gut sehen und hören und damit ausgleichen, wenn die Nase mal verstopft ist. Ganz anders Scalopus aquaticus. Mit ihm hat sich Catania ein besonders gehandicaptes Versuchstier ausgesucht. Denn der Ostamerikanische Maulwurf hat noch nicht mal einen guten Spürsinn.

Wie alle Maulwürfe ist auch er fast blind. Und schwerhörig. Die kaum erkennbaren von Fell überwachsenen Äuglein unterscheiden nur zwischen hell und dunkel. Die ebenfalls tief versenkten Öhrchen reagieren erst auf dumpfe Erschütterungen im Erdreich. Ausgeschlossen, dass der Maulwurf, der in Nordamerika von Kanada bis Florida heimisch ist, herum kriechende Regenwürmer oder sich räkelnde Engerlinge hören kann.

Die Nase anderer Insektenfresser, wie die des Europäische Maulwurfs oder des Sternmulls, ist wenigstens mit hochsensiblen Sinneszellen übersät, den Eimerschen Tastkörperchen. Scalopus aquaticus hat nur wenige davon und die sind nicht einmal besonders empfindlich. Benannt wurden die Tastkörperchen übrigens nach dem deutschen Zoologen Theodor Eimer. Er entdeckte sie 1871 in der Nase eines heimischen Maulwurfs.

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Leserkommentare
  1. mehr fällt mir nicht dazu ein ... und kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Hinweis, dass man damit Menschenleben retten könnte. Bisschen Maulwurfquälerei, damit wir jetzt wissen, warum wir zwei Nasenlöcher haben ... ich glaub ich spinne.

    6 Leserempfehlungen
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    • gru_gru
    • 06. Februar 2013 8:50 Uhr

    Ich hoffe, dass sie die Tierquälerei bei der industriellen Haltung und Tötung von Tieren genauso energisch kommentieren und dort sogar was dagegen tun (nämlich kein Fleisch essen!).

    Ich glaube nicht, dass die Qualen der Tiere dort mit den Erlebnissen des Maulwurfs im Beispiel vergleichbar sind.

  2. Schöner Artikel. Mit einer interessanten und plausiblen These zur „ewigen Frage“: Wozu zwei Nasenlöcher? Die Versuchsanordnung macht Lust aufs selber ausprobieren.

    Stimmt es eigentlich, dass alle Säugetiere/Wirbeltiere (an Land?) zwei Nasenlöcher besitzen?

    Lieber ratlos49, über Ihrem einzigen Einfall der Tierquälerei haben Sie ganz vergessen die Autorin darauf hinzuweisen, dass räumliches Riechen ja sowieso schon allgemein bekannt ist und Deutschland und die NATO unter der Erde nichts zu suchen haben.

    4 Leserempfehlungen
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    des Artikels einfach nur vorgestellt, ich wäre dieser Maulwurf. Und der Erkenntnisgewinn ist ja auch wirklich der reine Wahnsinn, dafür lohnt es sich dann schon mal Versuchskaninchen sein zu dürfen. Mir tut meine eingebildete Maulwurfnase noch immer weh. Vielleicht ist die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen bei ihnen nicht ausgebildet ... na dann.

  3. des Artikels einfach nur vorgestellt, ich wäre dieser Maulwurf. Und der Erkenntnisgewinn ist ja auch wirklich der reine Wahnsinn, dafür lohnt es sich dann schon mal Versuchskaninchen sein zu dürfen. Mir tut meine eingebildete Maulwurfnase noch immer weh. Vielleicht ist die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen bei ihnen nicht ausgebildet ... na dann.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die "ewige" Frage"
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    Ich habe mich einfach in mal in den Regenwurm reinversetzt. War schön, so. Bis auf das Ende, aber das ist ja meistens bitter.

    Morgen: Kleidermotte.

  4. 4. So, so

    Am Beispiel Maulwurf erklärt sich warum Säugetiere zwei Nasenlöcher haben?
    Etwas gewagt.
    Wir haben auch zwei Lungenflügel, zwei Eierstöcke oder Hoden und zwei Nieren.
    Es hat den Anschein, als seinen wir 'aus Prinzip' symmetrisch aufgebaut.
    Nicht alles, was sich zur Erklärung eignet ist auch automatisch richtig.

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    Wir besitzen einen Mund, ein Herz, eine Zunge, eine Speiseröhre, eine Nasenspitze ... und eine Luftröhre. Wozu also zwei Nasenlöcher?

    Zur Symmetrie reichte auch ein Nasenloch, somit eignet sie sich nicht zur Erklärung für zwei Nasenlöcher.

    • Mollemo
    • 05. Februar 2013 22:45 Uhr

    ich musste schmunzeln. Wo bleibt meine 2. Leber?
    Und zum Thema: hier von Tierquälerei zu sprechen geht zu weit. Ich bezweifle dass der Chirurg mit Strohhalmen aus dem Schnellimbiss herumgepfuscht hat, als die Geruchsgänge von dem Maulwurf vertauscht wurden. Das ist harmlose Verhaltensforschung, die Tiere kommen mittels Würmer auf ihre Kosten und v.a. den Maulwürfen gehts um Welten besser als unseren Masttieren.

  5. Der Titel hätte nicht lauten sollen:

    "Der Maulwurf schnüffelt dreidimensional"
    sondern
    "Der Maulwurfexperte Kenneth Catania von der Vanderbilt University in Nashville quält unter wissenschaftlichem Vorwand Maulwürfe".

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  6. Wir besitzen einen Mund, ein Herz, eine Zunge, eine Speiseröhre, eine Nasenspitze ... und eine Luftröhre. Wozu also zwei Nasenlöcher?

    Zur Symmetrie reichte auch ein Nasenloch, somit eignet sie sich nicht zur Erklärung für zwei Nasenlöcher.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "So, so"
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    So, und wie erklären sie das?
    Zwei Münder und Speiseröhren wären ein enormer biologischer Aufwand.
    Darum gibt es das bei keinem einzigen Tier.
    Wie sollte ein Wesen mit einem Herz weiterleben, wenn es zuvor zwei gehabt hat?
    Mit der halben Durchblutung?
    Und wenn man genau hinschaut, ist das Herz auch ziemlich symmetrisch aufgebaut.
    Die Abweichung von der Symmetrie findet also nur in den entscheidenden Bereichen statt.
    Wo der biologische Aufwand gering ist, erhält sie sich.
    Ist natürlich nur eine Theorie.

  7. Weil einem Maulwurf ein Nasenloch für kurze Zeit verschlossen wurde? Langsam wird es einfach nur absurd...
    Und da wundern sich Leute, warum ich gegen die direkte Demokratie bin...

    2 Leserempfehlungen
  8. Redaktion

    Liebe Leser,

    ich habe nun noch ein Video des Forschers eingebaut, das die Verhaltensversuche zeigt.

    Außerdem ist nun das inzwischen öffentlich zugängliche Paper aus "Nature communications" verlinkt.

    Herzliche Grüße.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sinnesorgan | Säugetier | Tier | Kanada | Florida | Nordamerika
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