MüllvermeidungNew York will Styropor-Verpackungen verbannen

New Yorks Bürgermeister Bloomberg hat schon Supersize-Soft-Drinks und künstlich gehärtete Fette verboten. Als nächstes sollen Doggy-Bags aus Schaumstoff verschwinden. von  und Eva Schweitzer

styrofoam Styropor Becher Verpackung New York

In einer Suppenküche einer Kirche in Detroit erhalten Bedürftige eine Mahlzeit. Becher aus Polystyrol-Schaumstoff sind dort alltäglich.  |  © Mark Blinch/Reuters

Tandoori to go oder Caesar's Salad auf die Hand – in New York wird täglich jede Menge Essen zum Mitnehmen bestellt – und dafür aufwendig verpackt in Styropor-Schälchen und Plastik-Boxen. In Massen schleppen die New Yorker mittags ihre Lunch-Tüten durch Manhattan oder nehmen abends auf dem Heimweg noch was mit.

Doch wenn es nach dem Bürgermeister Michael Bloomberg geht, werden zumindest die Kunststoff-Schalen, in denen Misosuppe, Curry und dergleichen transportiert werden, bald aus seiner Stadt verbannt. Die weißen Schüsseln werden aus Polystyrol-Schaumstoffen hergestellt – eine bekannte Version davon ist Styropor.

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In seiner heutigen Rede zur Lage der Stadt (State of the City) hat Bloomberg sein Schaumstoff-Behälter-Verbot angekündigt. Die New York Times berichtete vorab. Nach den Plänen des Bürgermeisters sollen Restaurants, Imbisse und Schulkantinen künftig ohne die Schüsseln, Tabletts und Becher aus Polystyrol auskommen.Die Umweltorganisation Greenpeace schätzt allein den jährlichen Verbrauch an Styopor-Bechern in den USA auf 25 Milliarden Stück.

Verpackungen aus Polystyrol-Schaumstoffen gelten als umweltschädlich, da sie als Wegwerfartikel viel Müll verursachen und nur unter bestimmten Bedingungen recycelbar sind. Zudem werden sie aus knappen fossilen Rohstoffen wie Erdöl hergestellt.

Dagny Lüdemann
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Dagny Lüdemann leitet das Ressort Wissen, Digital und Studium bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

In Deutschland ist Polystyrol uneingeschränkt zur Verpackung von Lebensmitteln zugelassen, da es gesundheitlich als unbedenklich gilt. Verbraucherschützer kritisieren den Einsatz zur Lebensmittelverpackung zum Teil, da sich einige Bestandteile der Schaumstoffe zumindest im Tierversuch als bedenklich erwiesen haben. 

New Yorkern wird auch eine gesunde Ernährung verordnet

In seiner Rede kündigte Bloomberg außerdem an, dass New York Wassertaxis, mehr Fahrradwege und das größte Fahrradverleih-Programm der Welt bekommen soll. Und die Flotte an Elektro-Autos soll größer werden. An den Straßenrändern plant der Bürgermeister 30-Minuten-Elektro-Tankstellen. In Wohnkomplexen sollen 20 Prozent der Stellplätze Elektro-Autofahrern vorbehalten sein.

Auch das Recycling wird in der Metropole einfacher: Künftig müssen alle Geschäfte leere Plastikflaschen annehmen, egal wo die gekauft wurden – so der Plan. 1.000 neue Recycling-Behälter sollen im Jahr 2013 aufgestellt werden. Dass viele Nahrungsmittel-Reste derzeit auf Mülldeponien landeten, koste die Stadt viel Geld, sagte Bloomberg. Künftig sollen solche Abfälle kompostiert werden.

Dass Bloomberg derart mit staatlichen Regulierungen ins Privatleben der New Yorker eingreift, ist nicht neu. Im vergangenen Jahr initiierte er ein Verbot des Ausschanks von Soft-Drinks in Halbliter-Bechern. Wenn kein Gericht das Gesetz mehr stoppt, das unter dem Namen "Soda Ban" bekannt wurde, tritt es am 12. März in Kraft. Von da an dürfen Restaurants, Fastfood-Ketten und Getränke-Stände Cola, Limonade und andere zuckerhaltige Getränke nur noch in Rationen verkaufen, die kleiner sind als 16 amerikanische Unzen. Übergewicht, Diabetes und anderen Ernährungsproblemen der New Yorker will Bloomberg damit entgegenwirken.

Schon 2007 hatte das New Yorker Gesundheitsamt unter Bloomberg Restaurants und Fastfood-Läden die Verarbeitung von Transfettsäuren in Burgern, Pommes und anderen Fertiggerichten verboten. Diese Fette stehen unter dem Verdacht, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stärker als andere Speisefette zu erhöhen.

Eine Veränderung, die Bloomberg einführen will, hat allerdings weder mit Umweltschutz, noch mit gesunder Ernährung zu tun: Wer mit einer geringen Menge Marihuana erwischt wird, kommt nicht mehr über Nacht ins Gefängnis.

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Leserkommentare
  1. Manchmal stoßen Freiheiten eben an irgendwelche Grenzen.

    2 Leserempfehlungen
    • Craight
    • 14. Februar 2013 19:07 Uhr

    Ob es nun gut oder schlecht is das einem Vorgeschrieben wird wie und woraus man zu Essen hat ist ein Thema.
    Aber das das gerade eine Amerikanische Großstadt als Vorreiter dient ist doch erstaunend.

    2 Leserempfehlungen
    • Gerry10
    • 14. Februar 2013 19:31 Uhr

    ...hätte es eine Steuer - wie auf Plastiktüten - aber auch getan. Sie muss nur hoch genug sein und hätte auch noch Geld in die ewig leeren Kassen der Stadtverwaltung gebracht.
    Es muss nicht immer das schwerste Geschütz aufgefahren werden...

    4 Leserempfehlungen
  2. Jürgen Trittin oder Claudia Roth würden öffentlich ein Verbot von Polystyroltellern oder fettmachendem Essen fordern - gar nicht auszudenken, was dann in diesem Forum los wäre.

    Von daher: danke für diesen Bericht, Frau Lüdemann.

    Und an die Adresse all derer, die hier täglich über die Grünen herfallen:

    Liebe Leute - erkennt, wo eure Feinde wirklich sitzen! In der hipsten Stadt der Welt, der Stadt, die niemals schläft - dort lauern undenkbare Gefahren für unsere Freiheit! Was dort passiert trifft auch uns (Pardon: euch) früher oder später ..

    16 Leserempfehlungen
  3. Redaktion

    Unsere Korrespondentin Eva Schweitzer hat die Bloomberg-Rede in New York verfolgt und uns Informationen geschickt, die ich noch in den Artikel eingebaut habe.

    Schönen Abend.

    3 Leserempfehlungen
  4. Schön, dass auch in New York Papa Bloomberg weiß, was gut für seine Kinder ist. Wo wäre die Welt ohne solche großen Menschen. Ich hoffe die EU setzt auch bald dort an, dann können wir alle doppeltplusgutsein unter Papas aufsicht.

    Eine Leserempfehlung
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    • lm.80
    • 14. Februar 2013 20:30 Uhr

    Ich verstehe es nicht. Sind Leute wie Sie nicht die ersten die Klagen, wenn Müllentsorgung teurer wird? "Freiheit" ist eben immer was Relatives, je nach Standpunkt des Beobachters.

    • Insane
    • 15. Februar 2013 1:17 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/au

    Vielleicht weiß Papa Bloomberg auch, was gut für die Umwelt ist. Freiheit, Freiheit.

    Sie haben die Freiheit, hier zu baden:

    http://www.google.de/sear...

    • lm.80
    • 14. Februar 2013 20:30 Uhr

    Ich verstehe es nicht. Sind Leute wie Sie nicht die ersten die Klagen, wenn Müllentsorgung teurer wird? "Freiheit" ist eben immer was Relatives, je nach Standpunkt des Beobachters.

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Fast wie in der EU"
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    Ist Freiheit wirklich relativ? Nach Hayek ist Freiheit: "Zustand, in dem ein Mensch nicht dem willkürlichen Zwang durch den Willen eines anderen oder anderer unterworfen ist"
    Ich halte diese Einschätzung für zutreffend. Ein Mann der im Knast hockt kann sich auch frei fühlen, aber ist er das auch?
    Und, ganz ehrlich, ich habe mich bisher nicht viel über den Preis der Müllversorgung informiert, aber wie der entsteht wär echt ganz interessant, danke für die Anregung.

    • Sven88
    • 14. Februar 2013 22:06 Uhr

    Weiterführende Links: "Die Ozeane versinken im Plastikmüll"
    Wie schon viel zu oft erwähnt, es gibt nicht nur die Kosten, die man mit Geld direkt bezahlt...wird mal Zeit, dafür einen Geldwert zu finden, wenn wir eh schon nicht vom Kapitalismus wegkommen.

  5. Redaktion

    Bloomberg hat ja nicht Privatpersonen verboten, fette Speisen zu essen, sondern Restaurants untersagt, mit billigen trans fats zu kochen. Das ist schon etwas anderes. Dass Restaurants Vorschriften gemacht werden, was sie servieren dürfen und welche Standards sie einzuhalten haben, ist in der westlichen Welt eher normal.

    21 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bloomberg | Greenpeace | Diabetes | Bundesgesundheitsamt | Limonade | Michael Bloomberg
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